Bitte kommentieren: Was denkst Du über die neue Gründerzeit?

Sigmar GabrielSigmar Gabriel erfüllt ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag: „Wir brauchen eine neue Gründerzeit“ verkündete er heute auf der Noah-Konferenz in Berlin und auf seinem  Foto steht auch schon das Logo der zugehörigen PR-Kampagne: „DIE_NEUE_GRÜNDERZEIT“.

Erfolgreiche Finanzierung, bessere Förderung – das hört sich gut an und wir waren wirklich gespannt, wie Gabriel dieses Versprechen umsetzen würde. Jetzt stellen wir fest, dass damit keineswegs Gründer wie Du und ich gemeint sind, sondern „junge, innovative Digitalunternehmen“ und ihre Kapitalgeber.

Wir freuen uns für die Startups. Aber: Ist das der Weg, um den massiven Rückgang bei der Gründungszahlen in Deutschland und die seit Jahren rückläufige Zahl der Selbstständigen „umzudrehen“? Wäre es nicht auch mal an der Zeit, etwas für die 2,5 Millionen Solo-Selbstständigen, die 750.000 Kleinstunternehmer zu tun und dafür zu sorgen, dass deren Zahl wieder steigt?

 

Am gleichen Tag die Förderung von Gründungsseminaren gestrichen

Statt dessen heute morgen die Nachricht, dass das Wirtschaftsministerium zum 31.12.2015 nun auch noch die Förderung von Seminaren für Gründer und Selbstständige einstellt – nachdem in den letzten Jahren bereits praktisch alle anderen wichtigen Formen der Gründungsförderung systematisch geschliffen wurden:

  • Kürzung des Gründungszuschusses mit Rückgang der entsprechenden Gründungen um 80 Prozent,
  • Vervierfachung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für Selbstständige,
  • Abschaffung des Gründercoaching Deutschland für Arbeitslose,
  • Einstellung des Mikrokreditfonds Deutschland, um nur die wichtigsten Kürzungen zu nennen.

Die Solo-Selbstständigen erklärt man zu Scheinselbstständigen, ihre Auftraggeber zur Sozialbetrügern – und wer trotzdem noch Aufträge erhält, wird Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung. Selbstständige – in Deutschland unerwünscht?

 

Was denkst Du über DIE_NEUE_GRÜNDERZEIT?

Man soll die Hoffnung nicht aufgeben: Was müsste Wirtschaftsminister Gabriel tun, damit man wirklich von einer neuen Gründerzeit sprechen könnte?

Bitte kommentiere direkt auf der Facebook-Seite des Ministeriums.

 

(Wir danken Olaf Hoprich von „Gründercoaches“ für den Hinweis auf den Beitrag.)

 

Update

Heute, am 17.6., hat das Ministerium mit einem Statement auf der Facebookseite auf unsere zahlreichen Kommentare reagiert. Das Statement des Ministeriums bestätigt allerdings nur, dass es eine neue Förderung nur für Startups, nicht für normale Gründer gibt. Wir haben in unserer Antwort daraufhin gefragt, warum denn dann der Begriff „Die neue Gründerzeit“ genutzt wird und nicht zum Beispiel „Eine neue Zeit für Startups“. Wir haben auch erklärt, wie das alles auf Gründer und Selbstständige wirkt, die die Entwicklung der letzten Jahre miterlebt haben.

Bitte unterstützt uns durch Eure Kommentare und beteiligt Euch an der Diskussion. Lasst uns das BMWi in einer öffentlichen Diskussion zur Rede stellen.

23 Kommentare

  1. Stefan schreibt:

    Das Ganze ist schon fast Schizophren. Auf der einen Seite erschwert man täglich das Leben der Selbständigen und stellt sie auf eine Stufe mit kriminellen, Stichwort „Sozialbetrüger“, auf der anderen Seite beschwert man sich, dass es immer weniger Gründungen gibt und streicht zeitgleich Gründerzuschüsse. Die eine Hand scheint nicht mehr zu wissen was die andere tut.

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  2. MoD schreibt:

    Mal schauen..
    die Einschläge kommen näher. Ich erwarte schon den Tag an dem ein Feststellungsverfahren im Briefkasten liegt…und dann?

    Da ich nah an der Österreichischen Grenze wohne, wäre es evtl. eine Alternatibe dort weiterzumachen..mal schauen (wobei die ja auch gerne zeitversetzt bei den „Deutschen“ abgucken…).

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  5. Carsten Wiebers schreibt:

    Von Bert Brecht stammt der bedenkenswerte Satz:

    „Caesar hat den Gallischen Krieg gewonnen. Hatte er keinen Koch dabei?“

    So wichtig innovative Gründer sind, aber wenn der Wasserinstallateur nicht kommt, weil es ihn nicht mehr gibt, dann steht unser Gründer ganz schön im Trockenen. Und dann war es dann mit der „Innovation“.

    Der ganze „Innovationsulk“ macht unsere politisch Verantwortlichen richtig besoffen und sie glauben, sie seien auf der Höhe der Zeit, wenn Sie eine „Gründerelite“ heranzüchten. Das ist in meinen Augen reine politische Selbstbefriedigung.

    Der Unterbau, nämlich die ganz normalen Selbständigen wie Du und Ich, ist für das Funktionieren der Wirtschaft von höchster Bedeutung.

    Wenn „Gabriel“ meint, er könne auf die gleichwertige Förderung aller Gründer verzichten, dann handelt er sowohl für die Gegenwart und als auch für die Zukunft höchst unverantwortlich.

    Ich dachte: Unsere Minister sollten das Wohl der Gesellschaft fördern.

    Gruß aus Magdeburg

    Carsten Wiebers

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  6. Andreas Lutz schreibt:

    Vielen Dank für Eure Kommentare hier!

    Falls Ihr einen Facebook-Account habt, so postet sie bitte auch auf der Facebook-Seite des Ministeriums, damit die Presseleute von Sigmar Gabriel sie auch lesen und (hoffentlich) an den Minister weitergeben.

    Danke!

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  7. Niels Dettenbach schreibt:

    Was sollte man von einem überzeugten SPD Altsozialisten an verständnis für Unternehmer – d.h. privatökonomische Zusammenhänge – erwarten? Aus einer Partei kommend, in deren Übezeugung primär der Staat für die Arbeitsplätze der Arbeitnehmer verantwortlich ist, von der (in der irrigen Annahme, das die größten Unternehmen die meisten Arbeitsplätze im Lande stellten) vor allem große und staatsnahe Konzerne gezüchtet bis quasi-monopolisiert worden sind, während dessen man immer noch/wieder populistisch über die „Boshaftigkeit des Kapitalismus“ fabuliert, dürfte es auch nicht gerade leicht fallen, ausgerechnet jetzt verstehen zu wollen, wie eine prosperierende Ökonomie funktioniert und was sie braucht: Diversifizierung / Vielfalt, Flexibilität und rechtliche Transparenz für alle Marktteilnehmer.

    Tatsächlich führen viele neue Gesetze und „Marktregulierungsmaßnahmen“ in die entgegengesetzte Richtung – kleinere Unternehmen können oft nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, weil die Einhaltung staatlicher Ideen nur noch bei großen Stückkosten möglich sind.

    Immerhin steht er hinter einem Projekt wie dem Freihandelsabkommen (wenngleich dies transparenter zustandekommen sollte), darf nun aber auch feststellen, das der eigene sozialistische Bessermenschenpopulismus dem Abkommen auf beiden Seiten des Teiches blockierend gegenübersteht. Als Kleinunternehemr wäre ich froh, wenn wenigstens das Freihandelsabkommen in Kraft träte, da es uns wie unseren Partner vieles leichter machen würde – vor allem gerade kleineren Unternehmen neue Märkte eröffnen würde.

    Da ist es eher schon eine amüsante Fußnote, das auch in den USA Sozialisten und Nationalisten Angst davor haben, das das Abkommen zur „Aufweichung der hohen Qualitätsstandards“ in den USA – bei Lebensmitteln & Co. – führe – oder zur Verdrängung von Kultur und Arbeitsplätzen – also genau ebendies, was hier als Argument der Gegner des Abkommens – nur andersherum – vorgebracht wird.

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    1. Lars schreibt:

      Ich denke, der Herr Gabriel versteht nicht zuwenig – er vertritt nur leider die in meinen Augen falschen Ansätze. Ansätze, die meine selbst gewählte, selbständige Existenz wenn nicht bedrohen, so doch mindestens erschweren.

      Ist er wirklich Altsozialist? Oder gehört er doch eher zum neoliberalen Mainstream, wie leider viele der Politiker jeglicher Couleur, spätestens sobald sie in ein Amt gewählt wurden?

      Den Schwenk zur Verteidigung von TTIP finde ich seltsam und unpassend. Ebenso teile ich nicht die Hoffnung, das geplante Freihandelsabkommen würde die Interessen von Kleinunternehmern vertreten. Der Herr Gabriel ist übrigens einer der Vertreter von TTIP, CETA & Co. Womit wir wieder bei den erwähnten falschen Ansätzen wären.

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      1. Thorben Kaufmann schreibt:

        Ich sehe hinter dem neoliberalen, als auch hinter dem sozialistisch-marxistischen Prinzip die selben Ansätze, die am Ende in der Konstellation eines Führungskaders und des gleichgeschalteten Retorten-Arbeitsvolk ersehnen. Beides sind diktatorische Prinzipien. Bei beiden ist der Mensch nur Mittel oder Nummer. Die USA zum Beispiel ist zu einer neo-liberalen Diktatur verkommen, die EU zu einer neo-sozialistisch-marxistischen Diktatur. Beide verstehen sich prächtig, hat Marx doch auch nur abgeschrieben.

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        1. Lars schreibt:

          Begrifflichkeiten hin oder her: Bleibt die Frage, was man von DER_NEUEN_GRÜNDERZEIT halten soll. Ist das überhaupt das, was wir brauchen? Was ist in den Augen der Kampagne um S.Gabriel ein „Gründer“? Bin ich nach über zehn Jahren Selbständigkeit überhaupt noch Gründer im Wortsinn? Ist jemand, der bei der Gründung eigentlich schon hauptsächlich an den Exit denkt, wirklich ein Gründer, den man fördern sollte?

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  8. Helke schreibt:

    Könnt ihr eine Quelle für diese Info angeben: „Statt dessen heute morgen die Nachricht, dass das Wirtschaftsministerium zum 31.12.2015 nun auch noch die Förderung von Seminaren für Gründer und Selbstständige einstellt“?
    Danke.

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    1. Andreas Lutz schreibt:

      Hallo Heike, ich beziehe mich auf folgendes Schreiben der BAFA

      An die
      Beraterinnen/Berater und
      Veranstalterinnen/Veranstalter

      DATUM Eschborn, 02.06.2015 (ich habe die E-Mail gestern erhalten)

      Info 17

      BETREFF
      Beratungs- und Schulungsförderung des BMWi

      HIER
      Richtlinien über die Förderung unternehmerischen Know-hows für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Freie Berufe durch Unternehmensberatungen vom 1. Dezember 2012 in der geänderten Fassung vom 15. August 2012 sowie vom 30. Januar 2015
      Richtlinien über die Förderung unternehmerischen Know-hows durch Informations- und Schulungsveranstaltungen sowie Workshops vom 1. Dezember 2015 in der geänderten Fassung vom 15. August 2012 sowie vom 30. Januar 2015

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      wie Sie wissen, laufen die o.g. Richtlinien zum Ende des Jahres aus. Hiermit möchte ich Sie über die derzeitigen Planungen zur Beratungs- und Schulungsförderung informieren.

      Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) entwickelt ein neues Konzept zur Information und Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen, das die verschiedenen aus Mitteln des Bundes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanzierten Förderungen unternehmerischen Know-hows ab 2016 neu ausrichtet und die bisher vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bzw. der Kreditanstalt für Wiederaufbau durchgeführten Förderprogramme zusammenfasst.

      Hierbei ist der Rahmen der insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel zu berücksichtigen, der in der neuen Strukturfonds-Förderperiode auch nur in geringerem Umfang ESF-Mittel beinhaltet. Diese gilt es besonders effektiv und effizient einzusetzen.

      Vor diesem Hintergrund ist eine Fortsetzung der Förderung von Informations- und Schulungsveranstaltungen künftig nicht mehr möglich.

      Im Gegensatz zur einzelbetrieblichen Beratung ist die Bedeutung von Informations- und Schulungsveranstaltungen durch das stark angewachsene Informationsangebot von Wirtschaftsverbänden, Kammern und Ministerien u. a. im Internet gesunken. Die Information der Unternehmerinnen und Unternehmer durch Seminare kann im Gegensatz zu konkreten Beratungen in unternehmerischen Entscheidungsfragen auch nur einen allgemeinen Beitrag zu besseren unternehmerischen Entscheidungen leisten.

      Darüber hinaus stehen insbesondere für Gründerinnen und Gründer umfassende Informations- und Unterstützungsangebote von Bund, Ländern, Kammern, Verbänden sowie zahlreichen Initiativen und Netzwerken zur Verfügung, die den Start in die Selbständigkeit erleichtern. Beispielsweise bietet das Internetportal http://www.existenzgruender.de des BMWi neben ausführlichen Gründungsinformationen ein Expertenforum, das individuell Fragen beantwortet, sowie Online-Programme, u.a. zur Businessplan-Erstellung, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

      Die Förderung des unternehmerischen Know-hows für KMU sowie freie Berufe durch Unternehmensberatungen soll dagegen grundsätzlich fortgesetzt und für junge neu gegründete Unternehmen sowie Unternehmen in Schwierigkeiten geöffnet werden.

      Damit wird die Unternehmensberatungsförderung des BMWi künftig wieder nach einem einheitlichen Konzept mit aufeinander abgestimmten Förderkonditionen für KMU in allen Phasen der Unternehmensentwicklung erfolgen und in einem einheitlichen Verfahren durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) umgesetzt werden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Im Auftrag

      Pieper

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  9. Olaf Hoprich schreibt:

    Hallo zusammen,

    wir brauchen jetzt alle Kraft um das aufzuhalten was da geschiecht.

    Ich bin wirklich verwundert was die SPD Minister hier für Gesetze und Programme verabschieden. Das Großkapitalismus wird bis an die Schmerzgrenze gefördert und dem Deckmantel der Gründungsförderung.

    Die Freiheit und damit das selnstbestimmte Arbeiten eines einzelnen wird eingeschränkt um den Großen Unternehmen und Startups billige Fachkräfte zu organissieren. Die Spaltung zwischen Arm und Reich wird damit noch größer. Die SPD hat wohl Piketty gelesen aber nicht verstanden.

    Mit diesen Entwicklungen bekommen natürlich die Arbeitsorganisierer und Gewrkschaften wieder was zu tun. Aber Wettbewerb wird dadurch nicht enstehen. Ich könnte jetzt feiern weil ich als Gründungsberater endlich keine Förderpakete mehr vermitteln muss. Das bedeutet das auch wir in Zukunft mehr Wertschätzung in der Gesellschaft und von unseren Kunden erhalten, weil der Kunde uns jetzt endlich voll bezahlt muss. Ich mach mir da keine Sorgen weil ich das Handwerkzeug eines mordernen Unternehmers aus dem ff behersche. Aber ich mach mir sorgen um unsere Freie Gesellschaft, die gerade durch die Vielfalt bunt ist.

    Aber die SPD will mehr Shoppingcenter mit mehr gleichen großen Unternehmen und will die Kieze austrocken. Weil kein Gründer sich mehr aufschwingen wird diese Hürden zu nehmen.

    Also Liebe Vereinsmitglieder und Unterstützer nutz alle Medien die uns zu Verfügung stehen und erzeugt mit uns einer positiven Shitstorm der unsere Gesellschaft und damit die zukünftigen klein Arbeitgeber rettet.

    Danke für eure Aufmerksamkeit

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  10. Thorben Kaufmann schreibt:

    Große Reden schwingen ist ja auch ein toller Job!
    Solche Laute geben die ab, die unser Land und unseren Kontinent in die Klauen des Sozialismus und Universalismus treiben wollen? Sehr interessant!
    Naja, es sind doch nur Politiker, Leute! Freut Euch doch für die armen Kerle und Mädels, daß sie einen einigermaßen erträglich bezahlten Job haben. Im Bereich des freien Marktes würden doch sonst fast alle unter der Brücke schlafen. Das währe doch wirklich unsozial, oder?
    Das einzige „Recht“, was ich noch ernst nehme, ist das Handelsrecht. Alles andere sind Hindernisse, die es zu umschiffen gilt.

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    1. Torsten Kaiser schreibt:

      Als Kuckuck nachts unter der Brücke schlafen? Mitnichten! Unter den Vogelfreien ohne festen Wohnsitz werden Bettler die bei Bettlern betteln als Kuckuck bezeichnet. Und kollektiv vertrieben! Da bliebe dann wohl nur noch eine passende Parkbank in der Fußgängerzone übrig. Tagsüber, in angemessener Konformität zu ihrem an den Tag gelegten Drang zum öffentlichen Auftreten. Dort nennt sie der Bürger dann auch vollkommen zurecht Penner. Weil sie, nachtaktiv mangels Nachtlager, dort den Tag verschlafen.

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  11. Elke schreibt:

    Ich bin auch erstaunt, wie stur und allen Verteilungs- und Umweltdebatten zum Trotz die sog. Volksparteien nach wie vor am – nennt man das kapitalistisch? großindustriell? – also an einem Wirtschaftsmodell festhalten, in dem die Konzerne die Macht haben, ihre genormten Waren und Dienstleistungen profitorientiert in die Welt zu setzen. Und dabei vom Staat großzügig unterstützt werden.
    Denn sie schaffen ja Arbeitsplätze für die ansonsten ja total hilflosen und unmündigen Bürger!!
    Selbstbestimmung, Vielfalt, persönliche Lebensgestaltung jenseits des Prinzips der Gewinnmaximierung, ein gutes Leben – all das, was doch heute den modernen Diskurs bestimmen sollte – nie gehört…

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    1. Stefan schreibt:

      Stimmt, die Plutokratie scheint inzwischen die angestrebte Staatsform zu sein. Wahlweise mit neoliberaler oder sozialistischer Ausprägung :-(.

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    2. HeikeA schreibt:

      Es ist eben grundsätzlich gar nicht gewünscht, dass Menschen ihre Arbeitskraft in den Dienst ihrer Kunden und ihrer selbst stellen. Ich nenne das modernes Sklaventum. Und wer das MHD erreicht hat, hat eh keine Chance mehr, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Ich kannte früher keine armen Leute, heute sind die meisten, die ich kenne, die trotzdem versuchen, ein anständiges Leben zu führen, in der Nähe der Armutsgrenze. Und das sind nicht die Dummen, Faulen, Gefräßigen, sondern die Fleißigen, Kreativen, Dienst- und Leistungswilligen, die alles dafür tun, nicht zum Sozialfall zu werden, weil das nach ihrem bisherigen Lebenslauf viel zu peinlich wäre. Vor allem vor sich selbst.

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  13. Torsten Kaiser schreibt:

    Macht derselbe Herr Gabriel genauso lautstark und medienwirksam Werbung für die Machenschaften seiner Parteifreundin Andrea Nahles, die mit dem Arge-Netzwerk in meinen Augen den größten Menschenhändler-Ring Eurpas betreibt – und als Rechtsnachfolgerin ihrer ministeriellen Vorgänger direkt für alle bisher beobachteten Angriffswellen gegen die Gewerbefreiheit verantwortlich gemacht werden kann?

    Seit 1999 die Scheinselbständigkeit erfunden wurde, führt die Bundesregierung gleich welcher Parteicouleur einen kalten Bürgerkrieg gegen Selb-Ständige. Weil in Deutschland nur noch Untertanen willkommen sind, die möglichst ohnmächtig den Löwenanteil ihrer Arbeitsleistung an Dritte abliefern, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. (Arbeitsleistung = Bruttolohn + Arbeitgeberanteile)

    Selb-Ständige sind diesem informellen Staatsziel im Wege, weil sie als Freie „vom selben Stand wie die Zünfte“ auch selb-ständig zu denken gelernt haben. Als Bürger, nicht als Untertan. Und Widerworte geben, wenn’s um die Aushöhlung ihrer Grundrechte wie der Gewerbefreiheit geht. Unabhängig von ihrer aktuell betroffenen Wirtschaftskraft.

    Deshalb auch die politische Wortkamagne der „Selbst-Ständigkeit, auf die wohl sogar der VGSD blauäugig hereingefallen ist. „Selbst-Ständigkeit“ suggeriert ein Preisschild auf dem unveräußerlichen Grundrecht der Gewerbefreiheit. Und begründet damit einen Keil zwischen den schon erfolgreich vernichteten „Selb-Ständigen“ und den noch immer finanziell unabhängigen „Selbst-Ständigen“, die es mit allen Mitteln abzugraben gilt.

    Denn politisch gefragt sind inzwischen nur noch Universal-Unternehmer, die primär an der Vermehrung ihrer eingesetzten Kapitalressourden arbeiten sind und sich nach dem Sankt-Florians-Prinzip beschäftigte Mitarbeiter halten, die auf eigene Kosten mit ihrem Marktwert in das parasitäre Sozialversicherungsnetzwerk einzahlen.

    Selb-Ständige Solo-Untenehmer langen selbst hin. „Für gratis“ aus Sicht des parasitären Netzwerks. Berufen sich zurecht auf ihr Grundrecht auf Gewerbefreiheit. Das ist unveräußerlich und deshalb frontal nicht angreifbar. So wird eben seit 1999 die Ausübung solcher Gewerbe unerwünschter Form schrittweise unwirtschaftlich gemacht. Kein Markt, kein Problem.

    Deshalb wid der Weg über Petitionen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zielführend sein. Da hilft wohl nur noch eine erneute Verteidigung der Grundrechte auf dem Gerichtsweg – sofern mit unserer politisch weichgespülten Gerichtsbarkeit übehaupt noch eine Wende zum Guten möglich ist.

    Deshalb ist aus meiner Sicht der Dinge die Kampagne Herrn Gabriels nur ein gezielt platzierter Medien-Sichtschutz, damit die Bundesregierung in dessen Medien-Schatten weiter ungestört die Gewerbefreiheit aushöhlen kann.

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  14. Erhard Boenigk schreibt:

    Ich bin eigentlich erschüttert, wieviel Unkenntnis über Selbstständigkeit und Unternehmertum in den Köpfen unserer führenden Politiker aller Coleur vorhanden ist. Da werden Begriffe wie Gründer, Start-Ups und Unternehmensnachfolge mal eben durcheinander gewirbelt und ggf. synonym verwendet. Bei allen hat man so bummelig 20 Arbeitsplätze + im Kopf oder mindestens den anstehenden Börsengang. In dieser Vorstellungswelt brauchen diese Gründer (Sammelbegriff) keine Seminare (es sind doch alles Akademiker !) und keinen Gründungszuschuss (die Anschubfinanzierung wird über den Kapitalmarkt finanziert; da sind die Zinsen eh‘ niedrig !). Gründungen im Handel, Handwerk oder Dienstleistungen, die auf GZ angewiesen wären, sind eh‘ totgeweiht. Und Totgeweihten wirft man kein Geld hinterher.
    Vor dem Hintergrund dieser Vorstellungswelt wird Wirtschafts- und Förderpolitik gemacht. Gabriel und von der Leyen unterscheiden sich da gar nicht!

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    1. Torsten Kaiser schreibt:

      Eine Gründung auf Pump war noch nie eine gute Idee. Egal in welcher Größenordnung. Und gerade ein aus dem Elfenbeinturm der Uni gegründetes Startup hat eigentlich massiv Beratungsbedarf in Sachen Unternehmertum. Weil da nur Wirtschaftswissenschaften gelehrt werden, aber kein kaufmännisches Handwerkszeug. Oder Volkswiritschaft, aber kein konkretes Steuerrecht. Wer da nicht informell bei einem alten Hasen mit der Hand am Arm „in die Lehre“ geht, wirft sein privates Startkapital dumm lächelnd und winkend den Geiern in den Rachen.

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  15. Torsten vom Gründerlexikon schreibt:

    Man will halt nur noch die richtig geilen startups aus der Technologiebranche, um sich damit dann in Amerika und generell im Ausland zu schmücken und sagen zu können: „Wir haben aber so richtig gute Internetfirmen, da kommt euer Amazon oder Google nicht mit.“ Doch in Deutschland wird es nicht klappen, unsere Bürokratie und die Engstirnigkeit der Politik wird alles verhindern. Die Damen und Herren Politiker reden sich das Thema eben einfach schön und streichen nebenbei Gelder, um andere Ziele damit verwirklichen zu können.

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