Jährliche Renteninformation spornt zu zusätzlicher privater Altersvorsorge an

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Prof. Dr. Andreas Peichl vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Foto: ZEW

Seit 2004 versendet die Deutsche Rentenversicherung (DRV) jährlich eine Renteninformation an alle über 27-Jährigen, die seit mindestens fünf Jahren Rentenbeiträge zahlen. Rentenversicherte im Alter ab 55 Jahren hatten schon vor 2004 eine Rentenbescheinigung mit detaillierten Informationen zu bisher erworbenen Rentenansprüchen und voraussichtlicher Altersrente erhalten.

Das hat laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim dazu geführt, dass die Empfänger seitdem mehr in ihre private Altersvorsorge investieren. Die Empfänger würden zudem ihr Arbeitsangebot erhöhen und sich in Hinblick auf wohltätige Spenden knausriger verhalten.

 

Effekt am Beispiel der Riester-Rente nachgewiesen

Der Effekt ist signifikant, wenn auch auf den ersten Blick von bescheidener Höhe – und für sich genommen gewiss nicht ausreichend, die Rentenlücke zu schließen. Allerdings konnte das ZEW auch nur den Effekt auf die Anlagen in Form von Riester-Renten untersuchen, für die im Rahmen der auf der Einkommensteuerstatistik beruhenden Taxpayer-Panels des Statistischen Bundesamts gutes Datenmaterial zugänglich war.

„Für den Zeitraum von 2001 bis 2010 belegt die ZEW-Studie, dass die Einzahlung in ein privates Rentenkonto seit der Einführung der Renteninformationsbriefe ab dem Jahr 2004 spürbar zugenommen hat: im bundesdeutschen Durchschnitt um 40 Euro pro Jahr beziehungsweise um 33 Prozent in der höheren Altersgruppe ab 55 Jahren sowie um 20 Euro pro Jahr beziehungsweise 16 Prozent in der Altersgruppe ab 27 Jahren.“

Die Renteninformation hat vermutlich positive Effekte auch auf andere Formen der Altersvorsorge wie Basisrente, Immobilien, Investmentfonds usw.

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, wie außerordentlich wichtig die wirklichkeitsnahe Information über die persönliche Rentensituation ist“, erklärt Professor Dr. Andreas Peichl, Leiter der ZEW-Forschungsgruppe „Internationale Verteilungsanalysen“ und Mitautor der Studie. „Ein scheinbar unbedeutendes Detail wie die schriftliche Renteninformation hat (dafür gesorgt,) den Anteil privater Altersvorsorge im deutschen Rentensystem zu erhöhen.“

Zur Höhe des Effekts ergänzt Professor Peichl im Gespräch mit dem VGSD:

„40 Euro hört sich niedrig an, aber im Vergleich zu einer durchschnittlichen Riestereinzahlung von rund 100 Euro  (in 2006) ist der Effekt groß. Der niedrige Wert kommt daher weil nur wenige Steuerzahler die Förderung in Anspruch nehmen (gut 10 Prozent in 2006).“

 

Zwei Drittel der Beitragszahler überschätzen voraussichtliche Ansprüche

Eine weitere interessante Erkenntnis der Studie ist, dass rund zwei Drittel der Beitragszahler dazu neigen, ihre voraussichtlichen Rentenansprüche zu hoch einzuschätzen. Eine Lektion hieraus könnte den Wissenschaftlern zufolge sein, künftige Reformen zur Tragfähigkeit des Rentensystems nachvollziehbarer zu gestalten und die Versicherten dadurch vor Fehleinschätzungen zu bewahren.

Der VGSD hat die Inhalte der Renteninformation unter die Lupe genommen und die Bedeutung jeder einzelnen Angabe darin genau erklärt. Fazit: Die prognostizierten Renten sind gerade für Selbstständige oft ernüchternd, dabei beschönigt die Renteninfo durch die Art der Darstellung eher noch die zu erwartende Nettorente. Die Renteninformation ist aber in jedem Fall ein guter Ausgangspunkt, um sich mit der Planung der eigenen Altersvorsorge auseinanderzusetzen.

ZEW-Studie „Do Savings Increase in Response to Salient Information About Retirement and Expected Pensions?“ (PDF)

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