Karte: Hier fühlen sich IT-Experten zuhause

Dr. Oliver Koppel vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln hat die „Informatikerdichte“ in Deutschland ermittelt und in der folgenden interaktiven Karte visualisiert. Schon auf den ersten Blick ist ein erhebliches Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle erkennbar:

 

 

Vor allem Bayern und Baden-Württemberg sind unter Informatikern beliebt (1,03% der Beschäftigten bzw. wie es in der Studie angegeben wird: 103 je 10.000). Ihr Anteil liegt hier

  • fast eineinhalb mal so hoch wie in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (0,72%),
  • rund doppelt so hoch wie in Nordrhein-Westfalen (0,59%), Niedersachsen und Schleswig-Holstein (0,51%) und
  • drei mal so hoch wie in den neuen Bundesländern (0,37%).

Besser als die Südländer schnitten nur die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen ab (1,13%).

 

Gefälle wird noch deutlicher bei separatem Vergleich von Großsstädten, Städten und ländlichen Regionen

Um den Vergleich etwas fairer zu gestalten, unterschied Oliver Koppel die untersuchten Kreise und Städte in

  • Kreisfreie Großstädte
  • Städtische Kreise
  • Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen und
  • Dünn besiedelte ländliche Kreise.

Dabei zeigte sich, dass Bayern und Baden-Württemberg in jeder dieser vier Größenklassen eine Spitzenposition einnehmen, während Nordrhein-Westfalen und die neuen Bundesländern sich jeweils die beiden letzten Plätze teilten.

Vergleicht man nur die Großstädte, liegen die Südländer bei 1,85%, die ostdeutschen Länder bei 0,92% und NRW bei 0,73%. Die Großstädte in den übrigen Ländern sowie die Stadtstaaten habe eine Informatikerdichte von 1,13 bis 1,22% und liegen damit im Mittelfeld.

 

Gefälle nimmt zu – Gefahr bei Digitalisierung abgehängt zu werden

Koppel ist besorgt, dass die Länder mit niedrigerem Informatikeranteil und die ländlichen Regionen insgesamt abgehängt werden. Die Verfügbarkeit von IT-Akademikern (sowie von Breitbandinternet) sei elementar, um die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich bewältigen zu können. Nur mit ihrer Hilfe liesen sich digitale Geschäftsmodelle erfolgreich implementieren.

 

Informatiker-dichte
Veränderung ggü. 2013 Ausbildungs-leistung Breitband-versorgung
Kreisfreie Großstädte 1,19% (1,85%*) +0,17% 12,2% 86%
Städtische Kreise 0,67% (0,93%*) +0.07% 4,5% 60%
Ländliche Kreise mit Verdichtung 0,29% (0,38%*) +0,03% 1,2% 30%
Dünn besiedelte ländliche Kreise 0,23% (0,33%*) 0,8%

*) in Bayern und Baden-Württemberg

 

Die Tabelle zeigt, dass es bei der Informatikerdichte nicht nur ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land gibt, sondern das Gefälle in den letzten drei Jahren eher noch zugenommen hat. Auch bei der Ausbildungsleistung (Anzahl der Informatikabsolventen je 1.000 Beschäftigten in akademischen IT-Berufen) und der Breitbandversorgung (Anteil der Haushalte mit Zugang zu mindestens 50 MBit/s) gibt es ein starkes Gefälle.

 

Autor fordert höhere Ausbildungsleistung in ländlichen Regionen

Dr. Oliver Koppel, Foto: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Dr. Oliver Koppel, Foto: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Auf Basis dieser Zahlen fordert Koppel, die Fachhochschulen auf dem Land müssten ihre Ausbildungsleistung für die Region erhöhen. Auch wenn die Gefahr einer anschließenden Abwanderung in Großstädte bestehe, führe kein Weg an einer höheren eigenen Ausbildungsleistung vorbei. Die in Bayern und Baden-Württemberg erreichten Werte (in der Tabelle in Klammern angegeben) zeigt, dass eine gewisse Steigerung durchaus möglich ist.

 

Beitrag von Oliver Koppel / IW-Kurzbericht (PDF, 3 Seiten)

Gemessen wurde der Anteil der Beschäftigten in akademischen IT-Berufen je 10.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zum 31. März 2016, dem aktuellsten Datenbestand. Zum Vergleich wurden die Werte zum 31. März 2013 herangezogen.

 

2 Kommentare

  1. stefan schreibt:

    Expertenarbeit bietet Ihr eine Möglichkeit die Lücke auf dem Land zu schließen. Aus kleinen Ideen und Einzelunternehmungen können größere Unternehmungen entstehen. (siehe Beispiel PASS Consulting)

    An dieser Stelle sind vermutlich keine teueren und aufwendige Förderprogramme seitens des Staates notwendig. Vielmehr müssen sich die SPD und die Gewerkschaften einer Gründer freundlichen Politik öffnen. Bleibt zu hoffen, dass Andrea Nahles der Klarstellung der Union zur Expertenarbeit folgt, zumal Ihre Heimat zu den strukturschwachen Regionen gehört.

    Obwohl an der Universität und Hochschule Trier Informatik und Wirtschaftsinformatik gelehrt wird gehört die Region zu den strukturschwachen Regionen. Vermutlich findet hier eine starke Abwanderung der Fachkräfte in Richtung Luxemburg statt. Andere Universitätsstädte in den grenznahen Regionen wie zum Beispiel Saarbrücken und Kaiserlautern schneiden hier deutlich besser ab.
    Das Beispiel Trier zeigt vielmehr, dass sich Regionen in einem europäischen Wettbewerb befinden. Die Standortfrage ist keine Frage mehr von Steuervorteilen. Sie beinhaltet vielmehr so grundlegende Punkte wie Rechtssicherheit. Welche Dienstleistungen darf ein Unternehmer noch anbieten welche nicht? Wann ist er eindeutig Selbständig, wann nicht ?

    Auch wenn sich die Landesregierung von Rheinland Pfalz einer Gründer freundlichen Politik verschrieben hat, ohne die entsprechende Weichenstellung in Berlin wird es keine Verbesserung in den ländlichen Regionen geben können.

    http://www.vgsd.de/interview-it-unternehmer-gerhard-rienecker-zum-thema-scheinselbststaendigkeit

    http://www.vgsd.de/klarstellung-zum-werkvertragsgesetz-gesetzesaenderung-soll-beratungs-und-projektgeschaeft-nicht-behindern/

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    1. stefan schreibt:

      Ich bitte die Rechtschreibung zu entschuldigen. Sollte heißen Expertenarbeit bietet hier eine Möglichkeit …

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