Nettozuwanderung von 200.000 Personen jährlich reicht nicht aus – 400.000 notwendig

Abbildung aus IAB-Kurzbericht 6/2017

Die CSU will im nächsten Koalitionsvertrag eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr festschreiben. Manche anderen wollen am liebsten die Zuwanderung insgesamt beschränken.

Eine heute veröffentlichte Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) macht jedoch deutlich, dass wir in Summe deutlich mehr (qualifizierte) Zuwanderung als bisher brauchen, um wirtschaftlich bestehen zu können.

 

Ab 2030 mit Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge würde Zahl der Erwerbstätigen sonst stark sinken…

Liegt die jährliche Nettozuwanderung in den nächsten Jahrzehnten nämlich mit rund 200.000 im Bereich des langjährigen Durchschnitts in Deutschland, würde das Arbeitskräfteangebot vom heutigen Stand mit rund 46 Millionen bis zum Jahr 2060 auf unter 40 Millionen sinken. Dabei ist eine weiter steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und  Älteren bereits berücksichtigt. Um das Arbeitskräfteangebot bis 2060 auf dem heutigen Niveau zu halten, wäre eine jährliche Nettozuwanderung von 400.000 Personen erforderlich.

In den nächsten Jahren würde zwar bei einer Nettozuwanderung von jährlich 200.000 Personen das Arbeitskräfteangebot noch leicht steigen, und auch im Jahr 2030 wäre es mit 44,5 Millionen noch annähernd auf dem heutigen Niveau. Danach würde sich aber die Abnahme beschleunigen, sodass auch bei Berücksichtigung der weiter steigenden Erwerbsquoten der Frauen und der Älteren im Jahr 2060 weniger als 40 Millionen Personen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen würden.

 

… und das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen weiter zunehmen und die Finanzierung der Renten gefährden

Abbildung aus IAB-Kurzbericht 6/2017

Das Angebot an Arbeitskräften wird aufgrund des demografischen Wandels auch älter. Die Zahl der Arbeitskräfte jüngeren und mittleren Alters sinkt deutlich. So waren im Jahr 2015 9,5 Millionen Erwerbspersonen jünger als 30 Jahre. Mit einem Wanderungssaldo von jährlich 200.000 Personen wären es 2030 gut 8,0 Millionen und 2060 rund 7,5 Millionen. Die Zahl der 30- bis 49-Jährigen geht von 20,2 Millionen im Jahr 2015 auf 19,6 Millionen im Jahr 2030 zurück. 2060 umfasst das Potenzial dieser Altersgruppe nur noch 17,4 Millionen Erwerbspersonen.

Steigen wird die Zahl der älteren Arbeitskräfte, allerdings nur zeitweise. Das Potenzial der  50- bis 64-jährigen Erwerbspersonen wird wegen der Alterung der Baby-Boom-Generation zunächst zahlenmäßig stärker werden. Ausgehend von 14,7 Millionen im Jahr 2015 erreicht das Potenzial der 50- bis 64-Jährigen 2021 mit 16,2 Millionen seinen höchsten Wert. Der nachfolgende Rückgang ist bereits eine Folge der Alterung der Baby-Boom-Generation, von der immer mehr in Rente gehen. Bis 2060 sinkt diese Altersgruppe auf 12,1 Millionen.

Im Fazit halten die Arbeitsmarktforscher fest: „Die Anerkennung Älterer in der Gesellschaft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Integration von Migranten sind Ziele, deren Stellenwert aus einer Arbeitsmarktperspektive heraus noch zunimmt.“

Zur Studie (PDF)

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