Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Ergebnisse der Telko: „Scheinselbstständigkeit vermeiden: Angebote und Rechnungen aus den Augen eines Prüfers“

Dr. Hartmut Paul kennt als ehemaliger Betriebsprüfer der Bundesknappschaft die Perspektive der Deutschen Rentenversicherung, Foto: juratio

Experte: Hartmut Paul
Moderator:
Lars Bösel
Co-Moderatorin: Danielle Böhle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viele Solo-Selbstständige beschreiten einen schmalen Grat zwischen Selbstständigkeit und Beschäftigung. Wie man vermeidet, zu Unrecht in den Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu geraten, verriet Dr. Hartmut Paul, Sachverständiger für Sozialversicherungsrecht, als Gast unserer Telko „Scheinselbstständigkeit vermeiden: Angebote und Rechnungen aus den Augen eines Prüfers“.

Gleich zu Beginn warb unser Experte um Verständnis für die Prüfer: Auch wenn über sie geschimpft werde, hätten sie kaum Spielraum in ihrer Arbeit. Sie müssten tun, was im Gesetz steht. Soloselbstständige müssen sich also in Hinblick auf eine Betriebsprüfung oder eines Statusfeststellungsverfahrens selbst wappnen und darauf achten, unbedachte Formulierungen sowie Rechnungen, die zu Rückfragen führen, zu vermeiden.

Eine Minutenabrechnung der Arbeit etwa gehe gar nicht – „Minutenabrechnung ist eine typische Arbeitnehmereigenschaft“, sagt Dr. Hartmut Paul. Stundenlöhne führen ebenfalls zu Prüfungen. Weniger heikel seien hier allerdings wirklich hohe Stundensätze jenseits der 50-Euro/Stunde-Marke. Sicherer sei es jedoch, mit Tagessätzen zu kalkulieren.

Warum dies der Fall ist, erklärt unser Experte im Gespräch mit den Moderatoren Lars Bösel und Danielle Böhle. Du erfährst in der Telko ferner, wie du Dienstleistungen bepreist, deren Aufwand du schwer einschätzen kannst, wie du idealerweise mit deinen Auftraggebern kommunizierst und ob der Wechsel der Rechtsform empfehlenswert ist, um jeden Verdacht vom Tisch zu bekommen.

 

Während der Telko beantwortete Hartmut unter anderem folgende Fragen:

  • Unter welchen Umständen ist die Fakturierung von Stunden- und Tagessätzen ein Risiko in Hinblick auf Scheinselbstständigkeit? Handwerker rechnen doch auch nach Stunden ab!
  • Welche Alternativen gibt es? Wie bepreise ich Dienstleistungen, deren Aufwand im Voraus schwer abzuschätzen ist?
  • Wie finde ich den richtigen Mittelweg zwischen der Übernahme unternehmerischen Risikos und der Verantwortung für Anforderungen und Mängel, auf die ich gar keinen Einfluss habe?
  • Ist es sinnvoll, einen Zu- oder Abschlag zu erheben je nach Schwierigkeitsgrad der Leistung, ähnlich wie beim Arzt? Muss das alles vorher feststehen und einzeln beauftragt werden?
  • Was muss ich im täglichen Umgang mit dem Auftraggeber beachten? Was, wenn er mich zwischendurch um einen kleinen Gefallen bittet?
  • Würdest du nach wie vor empfehlen, eine GmbH zu gründen?

Das komplette Video

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Wenn du selbst vom Thema Scheinselbstständigkeit betroffen bist oder dessen beschuldigt wirst, kannst du gerne Dr. Hartmut Paul kontaktieren.

Um Scheinselbstständigkeit, verdeckte Arbeitnehmerüberlassung & Co. richtig verstehen, ist Christa Weidners Artikel eine gute Informationsgrundlage.

BSG Urteil mit dem Leitsatz „Liegt das vereinbarte Honorar deutlich über dem Arbeitsentgelt eines vergleichbar eingesetzten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und lässt es dadurch Eigenvorsorge zu, ist dies ein gewichtiges Indiz für selbstständige Tätigkeit.“ vom 31.03.2017 – B 12 R 7/15 R zum Download.

8 Kommentare

  1. Antworten
  2. Angelika schreibt:

    Die Audioqualitaet (habe nur Tonspur, nicht Video, angehört) ist schlecht. Die drei SprecherInnen sind unterschiedlich laut. Die Frauenstimme am lautesten und durch die schlechte Qualitaet geradezu schmerzhaft. Ich habe dauernd laut und leise gestellt, aber dann abgebrochen, als die Fragen ab Minute 45 dran kamen, da dann Danielle zu oft überraschend was gesagt hat. So schnell kann ich nicht runterregeln, mir klingeln die Ohren. Schade. Haette es gerne zu Ende gehört.
    Ich möchte anregen, dass der vgsd die Tonqualitaet nachbearbeitet. Danke im Voraus.

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  3. Ingrid Lohr schreibt:

    Also, ich habe es als Video gesehen und fand die Tonqualität ok (aber vielleicht war da auch schon was nachbearbeitet?)…hat zwar manchmal ein wenig gehakelt (wohl schlechte Verbindung), aber das war für mich total nebensächlich. Das war so praxisnah und spannend, dass ich (obwohl schon sehr spät) gebannt jeden Satz verschlungen habe und mir das Video auch noch mal runtergeladen habe, um später noch mal Sachen nachsehen zu können (wenn ich meine Angebote und Webseite so umstricke, dass es sicherer ist). Super Telko! Lars und Danielle haben wieder total souverän moderiert und Hartmut hat so anschaulich erklärt, dass es wirklich für JEDEN verständlich ist. Wirklich toll! TAUSEND DANK!!!!!!!!!

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  4. Tobias Ley schreibt:

    Auf rogueamoebea.com gibt es extrem einfach zu bedienende Audio Alltags Helfer. Nur falls das hier immer noch keiner kennt.

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  5. D.Bilic schreibt:

    Erst mal auch von mir vielen Dank für die Telko.
    Ist schon wichtig zu wissen und auch teilweise sehr witzig wie ein Prüfer einen beuteilen kann und anhand von unwichtigen Sachen die Scheinselbstständigkeit unterstellen kann.
    Macht ein Logo und Briefpapier etc. einen Selbstständigen aus aus mir???
    Naja, ich weiß nicht!?
    Wenn ich ein großeres Unternehemn werden will, mag es für meine zukünftigen Kunden und Partner wichtig sein ein CI aufzubauen aber für kleine Solo Selbstständigen ohne bzw mit einem Angestellten? Ich hab eh schon genug Arbeit und vermeide es Visitenkarten rauszugeben.
    (Und nein, ich möchte niemand Anstellen..ein mal und nie wieder, dank DRV, KV und Co!)
    Da kommt für mein Geschaftskonzept eine ausgedehnte Werbung in nicht Frage.

    Vielen Dank für die Tipps wie man Dinge verbessern kann um es einfacher bei einer Prüfung zu haben.

    Das Beispiel von Dr.Paul war sehr gut mit den Handwerkern, einer berechnet Stunden und der andere Pauschal den gleichen Betrag, der eine ist Scheinselbstständig und der andere Selbstständig…Wahnsinn!

    Hier der Grund für meinen Kommentar!
    Dr. Hartmut Paul hat eine tolle Idee gehabt mit der Betriebshaftpflicht.
    Auf Exali.de finde ich keinen passenden Tarif mich als Handwerker. Auch andere haben bei Exali kein Tarif gefunden (wie Wiebke als Coach oder Trainer…siehe Kommentare bei Vorteile/Exali.de)

    Ich würde mich freuen wenn ihr auch für die z.B.Handwerklichen Berufe und andere Branchen einen passenden Partner finden würdet.
    Wie Dr. Paul sagte, hab ich schon von 130-900 im Monat gezahlt und berechnet bekommen für fast die selben Leistungen. Vergleichen kann man sicher auch alleine aber über einen Kollektivvertrag ist es sicher günstiger. Ausserdem kenne ich mich mit den Vers.Bedingungen nicht so gut aus und bin auf den Verkäufer der Versicherung und seine aussagen angewiesen. Und nicht jeder will das beste für seinen Kunden sondern auch Verkaufen. (Also schon mal kein Scheinselbstständiger… 😉 )
    Problem ist auch das man als Solo Selbstständiger immer wieder Aufträge annimmt die nicht klar einer Tätigkeit zugeordnet werden kann und diese dann nicht richtig versichern kann.
    Betriebsversicherung ist kein einfaches Thema.

    ..und eine leine Anregeung…
    Was ich manchmal etwas vermisse das sich vieles nur auf IT und Berater bezieht. Etwas mehr für andere Branchen wäre auch gut. Handwerk, Gastro und Co.
    Das nur als kleiner Anstoß!

    Ich hab viele Leute auch dem Handwerk für den VGSD begeistern wollen aber oft kam die Aussage das ihr nur was für Computerbranche macht.
    Ich bin zufrieden aber würde es nicht schlecht finden die Branchen zu erweitern.

    Wichtig zu sagen ist das wir auf einander angewiesen sind.
    Genauso wie ich einen Profi brauch der mir die Homepage baut und pflegt, ein Logo macht und meine Comp.Probleme löst, braucht z.B. die IT-Branche einen der ihnen den Screen an die Wand „Spaxt“ , die Kabel verlegt, die Beleuchtung checkt oder die Bühne aufbaut!
    Wir sind alle Wichtig
    Danke das es Euch gibt! Die anderen Branchen und den VGSD.
    Kommt gut duch die „Lock“ Zeit und bleibt Gesund.

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  6. Phil schreibt:

    Vielen Dank erstmal für die aufschlussreiche Telko! Endlich mal klare Aussagen, mit denen ich was anfangen kann. Für mich ist jetzt klar: ich gebe meinen freiberuflichen Status auf und gründe eine GmbH.

    Was jedoch in der Telko nicht so richtig rüberkam: anscheinend kann man bei der Gründung auch etwas falsch machen? (H.Paul: „Wenn man es richtig macht, dann…“). Worauf muss man denn genau achten? Hat jemand Infos dazu?

    Herzlichsten Dank im Voraus und weiter so, VGSD!

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  7. Wolfgang Böhm schreibt:

    Hallo zusammen,

    die Telko war sehr aufschlussreich, danke dafür VGSD! Der Ton war tatsächlich etwas schwankend, aber ich konnte dem Beitrag folgen. Ich bin allerdings in einem Punkt noch verwirrt, nämlich mit der Emailadresse beim Kunden. Zu meinem Hintergrund: Ich bin Informatiker und arbeite seit 2002 als selbständiger SAP Entwickler bei verschiedenen Kunden. Um dem leidigen Thema Scheinselbständigkeit aus dem Weg zu gehen habe ich 2018 auch eine UG & Co. KG gegründet, hab da 2000€ rein und gut is. Aber ich habe unter dem Strich dadurch eigentlich nur Mehrkosten wie IHK Beiträge, Bilanzierung statt Einnahmenüberschussberechnung beim Steuerberater, die Gewerbesteuer. Ruck zuck gehen da 1-2000€ mehr für die ganze Verwaltung drauf. Und das nur um dem Staat zu beweisen dass ich Selbständig bin und auch bleiben möchte. Und trotzdem wird versucht Dir aus jedem Mist einen Strick zu drehen. Zu meiner Anfangsfrage zurück zu kommen, ich habe natürlich bei meinen aktuell 3 Kunden eine eigene Emailadresse, Mein.Name-external@firma.de. Bin ich dann schon wieder Scheinselbständig obwohl ich als „Geschäftsführer“ meiner UG beim Kunden bin und als eigene Firma auftrete?

    Falls jemand dazu etwas beitragen kann wäre ich dankbar.

    Gruß Wolfgang

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  8. Wiebke Jünger schreibt:

    Hallo zusammen,
    mich würde interessieren ob eine Vorgabe vom Kunden (in diesem Fall in einer Ausschreibung gelesen) bezüglich der Erreichbarkeit des Dienstleisters Mo-Fr. 10-17 Uhr schon ein Tatbestand der Scheinselbstständigkeit ist, da es ja eine Vorgabe zur Unternehmensführung ist.

    Sonnige Grüße
    Wiebke

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