Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Selbstständigen Deutschland e.V.

Erfolgsfaktoren für die gemeinsame Unternehmensgründung

Gastbeitrag von Claudia Kirsch

Foto: Pixabay, rawpixel

„Mit unserem Angebot, Businesscoaching, Karriere- und Familienberatung in einer Praxis anzubieten, ergänzen wir uns wunderbar.“ – „Zu zweit können wir mehr Beratungen anbieten und Kundentermine besser mit unseren familiären Aufgaben vereinbaren.“ – „Für die Geschäftsführung braucht es eine Menge KnowHow: Eine von uns spezialisiert sich auf die Werbung und die andere übernimmt die Buchhaltung“.

Die Motive für eine gemeinsame Unternehmensgründung sind vielfältig. Ebenso die Befürchtungen. Häufig geht es um Angst vor dem finanziellen Desaster und Sorgen, sich bei unterschiedlichen Vorstellungen zu zerstreiten. So attraktiv die Vorstellung von Synergie- Effekten ist, so bedrohlich erscheinen die Auswirkungen von der Abhängigkeit in geschäftlichen Angelegenheiten.

Verliebt, verlobt, verheiratet – das sind oftmals die Stationen bevor gemeinsam ein Haus gebaut wird. Bei einer gemeinschaftlichen Gründung gibt es gewisse Parallelen. Sicherlich werdet ihr euer Vorhaben intensiv diskutieren und euch so besser kennenlernen. Meine Empfehlung: Begegnet euch ausserhalb des geschäftlichen Kontextes. Nach zum Beispiel einer mehrtägigen Paddeltour werdet ihr mehr darüber wissen, wie deine zukünftige Geschäftspartnerin bzw. dein Geschäftspartner mit kritischen Situationen und mit Geld umgeht.

 

Mit fünf Schritten zum Ziel

1. Kompetenzprofile sind die Basis einer Kooperation.

Formuliere zuerst deine individuellen Wünsche, wie du dir deinen Beitrag zu dem Geschäftsmodell vorstellst. Benenne deine Stärken und Schwächen in der operativen Tätigkeit am Kunden und in der Unternehmensführung. Werde so konkret wie möglich – gern in schriftlicher Form. Sodann könnt ihr gemeinsam die Schnittmenge herausfinden, wie ihr einander ergänzt. Seid wachsam für die Aspekte, für die noch eine Lösung gefunden werden muss, bspw. wenn niemand etwas von Controlling versteht.

2. Recherchiert, was das Zeug hält.

Welcher Standort wäre passend? Wie ist die Wettbewerbssituation? Welche Preise nimmt die Konkurrenz? Mit welchen Fixkosten für die Gewerbefläche müsst ihr rechnen? Was kostet die Ausstattung der Räume? Welche werblichen Möglichkeiten kommen in Frage und was berechnen Dienstleister beispielsweise für einen Internetauftritt? Mit welchen Tools stellt ihr schlanke und kundenfreundliche Betriebsabläufe sicher?

3. Schreibt gemeinsam einen soliden Businessplan – mit Worten und Zahlen.

Oftmals wird der Verzicht auf einen Businessplan damit begründet, dass weder Bankkredit noch Gründungszuschuss der Arbeitsagentur benötigt werden. Der Sinn des „schriftlichen Nachdenkens“ besteht vielmehr darin, sich über die Einzelheiten des gemeinsamen Vorhabens klar zu werden. Auf diese Weise kommt ihr „blinden Flecken“ auf die Spur, die ihr möglicherweise in der anfänglichen Euphorie übersehen haben. Eine best-case und eine worse-case Variante der Erfolgsrechnung helfen euch dabei, euch einer realistischen Planung anzunähern. Je detaillierter ihr plant, um so reibungsloser wird die Umsetzung gelingen.

4. Bereitet euch auf die Rechtsform vor.

Notiert alle Punkte, die ihr miteinander vertraglich regeln möchtet. Wer trägt das Risiko und haftet? Wie viel Geld und Arbeitszeit werden jeweils eingebracht? Wie werden Entscheidungen getroffen? Welche Befugnisse haben Einzelne? Wie sollen Gewinn und Verlust verteilt werden? Was passiert, wenn jemand ausscheidet oder hinzukommt?
Klare Verträge helfen euch, durch gute und auch schlechte Zeiten zu kommen.
In Frage kommen für gemeinsame Gründungen die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die Unternehmergesellschaft (UG) oder die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Lasset euch auf jeden Fall anwaltlich beraten und den Gesellschaftsvertrag professionell aufsetzen. Ein selbst abgewandelter Mustervertrag aus dem Internet ist schon Einigen zum Verhängnis geworden.

5. Entwickelt einen detaillierten Masterplan.

Welche Aufgaben stehen an? Wie viel Aufwand ist damit verbunden? In welcher Reihenfolge sind die einzelnen Schritten zu bearbeiten? Wer hat die Kompetenz dafür – intern oder extern? Wer ist verantwortlich, (Zwischen-) Ergebnisse bis wann vorzulegen? Gutes Selbstmanagement und Teamarbeit dürfen gern schon während der Gründung gelernt werden, da auch zukünftig die Geschäftsführung gut strukturiert sein sollte.

 

Auf ein Wort …

Der Aufwand für eine gemeinsame Unternehmensgründung wird häufig unterschätzt. Abhängig von den individuellen Voraussetzungen der Beteiligten können die Vorbereitungen gut und gern – wie bei einem wohlgeratenen Baby – neun Monate dauern. Oftmals werden die begehrten Synergie-Effekte mit 1 + 1 = 3 beschrieben. Die Wahrheit ist: Im optimalen Fall tritt dieser Zustand nach etwa drei Jahren ein. Anfangs wird eure persönliche Produktivität bei 0,75 liegen. Das soll ausdrücken, dass ihr aufgrund des hohen Kommunikationsaufwandes zu zweit langsamer vorankommen werdet, als wenn ihr allein gründen würdet.

Lass dich nicht nur von einer Freundin mitziehen, weil du vielleicht selbst noch nicht so mutig bist, allein den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Zieh aber auch niemanden mit, der sich mit der eigenen beruflichen Perspektive noch unsicher fühlt. Denn: Der vorschnellen Gründung von zwei unsicheren Menschen folgt nur selten der große Erfolg.

 

Erst mal wie eine WG starten

Möglicherweise macht es Sinn – um in der anfänglichen Metapher zu bleiben – erst das Zusammenwohnen in einer Mietwohnung zu erproben, bevor ein Eigenheim gebaut wird. So könnte die gemeinsame Unternehmensgründung mit einer Kostenteilungsgemeinschaft für Miete und Marktauftritt starten, bevor später in den gemeinsamen Räumen auch in eine gemeinsame Kasse gewirtschaftet wird.

Ehrlichkeit sich selbst und der/dem anderen gegenüber, wird sich auszahlen. Oftmals trägt jedoch die Befürchtung, unüberbrückbare Differenzen könnten alle Pläne zunichte machen, dazu bei, „heikle“ Themen zu vermeiden. Deshalb ist es eine sinnvoll, von Anfang an in professionelle Beratung zu investieren. Studien haben gezeigt, dass beratene Unternehmen bestandsfester sind.

In diesem Sinne wünsche ich euch gutes Gelingen bei eurem Start in die Selbstständigkeit.

 

Über die Autorin: Claudia Kirsch

Claudia Kirsch ist Unternehmensberaterin in Hamburg

Die Unternehmensberaterin begleitet seit 1991 Selbstständige bei Gründung und Unternehmensentwicklung mit betriebswirtschaftlicher Beratung und systemischem Coaching.

Sie ist Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Kirsch www.claudiakirsch.de und des Kundentreffpunkt Hamburg www.kundentreffpunkt.de

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