Negative Gefühle aufschreiben hilft gegen Ärger mit Kunden und Kollegen

Prof. Dr. Bernd Weber vom Center for Economics and Neuroscience der Universität Bonn, Foto: Rolf Müller/ UKB-Unternehmenskommunikation

Prof. Dr. Bernd Weber vom Center for Economics and Neuroscience der Universität Bonn, Foto: Rolf Müller/ UKB-Unternehmenskommunikation

Wer sich von einem Auftraggeber, Geschäftspartner oder Projektleiter unfair behandelt fühlt, richtet seine Wut in der Regel nicht gegen den Verursacher. Man schluckt den Ärger runter und wenn es zu viel wird, leiden darunter nicht selten unbeteiligte Dritte.

Diese verhalten sich dann oft ganz analog und es kann zu einer regelrechten Kettenreaktion kommen. Das kann das Verhältnis zu Kollegen oder zur eigenen Familie belasten. Prof. Bernd Weber von der Universität Bonn hat sich die Frage gestellt, wie eine solche Dynamik am besten durchbrochen werden kann.

 

Diktatorenspiel: 83 Prozent verhielten sich unfair

Dazu lud er 237 Testpersonen zum sogenannten „Diktatorenspiel“ ein: Ein Teil von ihnen schlüpfte in die Rolle des Diktators und bestimmte, ob sie einen bestimmten Geldbetrag (zum Beispiel 25 Euro) fair mit den anderen Probanden teilten oder nicht. Von den 24 Diktatoren verhielten sich 20 unfair und behielten den größten Batzen für sich selbst, wogegen die anderen Teilnehmer nichts tun konnten. Das sorgte für entsprechend schlechte Stimmung.

Mit je einer Teilgruppe der Testpersonen wurden nun verschiedene Verhaltensmöglichkeiten durchgespielt:

  • Eine Zwangspause, um emotionale Distanz zu gewinnen.
  • Ablenkung durch eine Aufgabe (Beschreibung eines abstrakten Bildes, das nichts mit dem Streit zu tun hatte).
  • Und: Schreiben einer E-Mail, um sich über die unfaire Behandlung durch den „Diktator“ zu beschweren.

 

Beschwerde-Mail sorgte für größten Frustabbau – auch wenn sie gar nicht abgesendet wurde

Die schriftliche Beschwerde brachte mit Abstand den stärksten Effekt in Hinblick auf den Abbau negativer Emotionen: Es konnte gezeigt werden, dass sich die Betroffenen dadurch stärker beruhigten und anschließend fairer gegenüber Dritten verhielten.

Dabei war unwesentlich, ob die Beschwerde-Mail überhaupt an den Diktator versendet wurde oder nicht. Allein die Aueinandersetzung mit dem Ärger in schriftlicher Form genügte schon zum Frust-Abbau.

„Sind die heftigsten Emotionen abgeklungen, setzt bei den Betroffenen meist eine vernunftorientierte Neubewertung der Situation ein“, erklärt Professor Weber. Das ermögliche, die Wut über Ungerechtigkeiten nicht direkt an unbeteiligte Dritte weiterzugeben. Solche Strategien seien auch für das Berufsleben wichtig.

Wenn Du Dich also das nächste Mal über Kunden, Kollegen oder Dienstleister so richtig ärgerst und Dich nicht beruhigen kannst: Am besten den Frust von der Seele schreiben und dann eine Nacht darüber schlafen…

 

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