Beim Bewerbungsprozess für das Kompass-Programm ist die richtige Reihenfolge entscheidend. Entgegen mancher Hinweise in Portalen solltest du nicht zuerst einen Account im Förderportal ZEUS anlegen, erklärt die Expertin. Sinnvoll ist folgendes Vorgehen:
- Zuerst suchst du dir eine passende Qualifizierungsmaßnahme aus. Die Maßnahme sollte die Förderkriterien erfüllen: mindestens 20 Stunden Umfang, ausreichend Präsenzanteile, Abschluss innerhalb von fünf bis sechs Monaten und ein seriöser Anbieter. Idealerweise legst du dir zusätzlich eine zweite, alternative Maßnahme zurecht.
- Dann nimmst du Kontakt mit dem Anbieter oder der Anbieterin auf. Frage nach, ob bereits Erfahrung mit Kompass-geförderten Soloselbstständigen besteht und ob es Empfehlungen für aktuell gut erreichbare Beratungsstellen gibt. Anbieter/innen haben oft laufende Fälle und wissen, wo gerade Kapazitäten vorhanden sind.
- Anschließend kontaktierst du eine Kompass-Beratungsstelle. Am besten per formloser E-Mail. In der Regel erhältst du zeitnah eine Rückmeldung, oft inklusive eines Fragebogens und eines Termins für ein etwa 30-minütiges Beratungsgespräch, meist telefonisch. Die Berater/innen sind erfahrungsgemäß sehr unterstützend und lösungsorientiert.
- Gemeinsam legst du den ZEUS-Account an. ZEUS ist das Förderportal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und gilt als wenig nutzerfreundlich. Die Beratungsstellen helfen beim Anlegen des Accounts, stellen oft zusätzliche Ausfüllhilfen bereit und hinterlegen dort später auch das Beratungsprotokoll.
- Du lädst die erforderlichen Unterlagen hoch. Dazu gehören unter anderem Einkommensnachweise. Die Beratungsstelle prüft alles vor und stellt anschließend den sogenannten Qualifizierungscheck aus. Nach bisherigen Erfahrungen wird dieser nur dann erteilt, wenn die Förderung realistisch bewilligt werden kann.
- Erst jetzt meldest du dich verbindlich beim Weiterbildungsanbieter an. Das ist besonders wichtig: Eine Anmeldung vor Erhalt des Qualifizierungschecks führt dazu, dass die Förderung verfällt. Viele Anbieter/innen reservieren dir bis dahin einen Platz, ohne dich offiziell anzumelden.
- Du zahlst die Rechnung zunächst selbst. Die Förderung funktioniert über Erstattung. Du gehst also in Vorleistung, nimmst an der Maßnahme teil und erhältst am Ende eine Teilnahmebescheinigung.
- Nach Abschluss startest du die Abrechnung über ZEUS. Du lädst die Rechnung, Zahlungsnachweise, Teilnahmebescheinigung und eine De-minimis-Erklärung hoch. Das muss spätestens sechs Monate nach Ausstellung des Qualifizierungschecks erfolgen, sonst verfällt der Anspruch.
- Nach Prüfung erhältst du die Erstattung. Die Bewilligungsbehörde kann Rückfragen stellen, zum Beispiel zu Steuerunterlagen. Die Erstattungsdauer variiert stark: von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Nach bisherigen Erfahrungen wird die Förderung jedoch zuverlässig ausgezahlt, wenn alles korrekt eingereicht wurde.
Die Förderung beträgt 90 % der Weiterbildungskosten bis maximal 4.500 Euro netto pro Jahr. Entscheidend ist, dass du die Maßnahme bewusst auswählst und klar darlegen kannst, wie sie zu deinem Geschäftsfeld passt und dich langfristig stärkt.
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