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Lesetipp Wie viel verdient eigentlich ein Facilitator? Lars P., 53: "Mein Gewinn beträgt 45.000 Euro – und die Tatsache, dass ich etwas Gutes bewirke"

Prozesse begleiten, Werte verankern, Potenziale entdecken – dabei hilft Facilitator Lars P. (Name geändert) gerne. Seine Kundinnen und Kunden sind Non-Profit-Organisationen, Bildungsinstitute und Unternehmen. Mit seiner Arbeit macht er die Welt ein kleines bisschen besser - aber hilft sie ihm auch, sein Konto zu füllen?

Lars P.* über den Druck, den er bei seiner Arbeit verspürt: "Aber so ist das eben, wenn ich das tue, was mir Freude bereitet. Und ich die Welt ein klitzekleines bisschen besser machen will."

"Ich heiße Lars P., wohne in Bonn und bin ausgebildeter Industriekaufmann sowie Politik- und Kommunikationswissenschaftler. Mittlerweile bin ich 53 Jahre alt und seit 2004 selbstständig als Facilitator tätig. Als solcher unterstütze ich Organisationen darin, sich mit Leichtigkeit weiterzuentwickeln, Visionen und Strategien zu erarbeiten sowie sich aktuellen Herausforderungen zu stellen. Ich begleite Prozesse und Dialoge und helfe meinen Kundinnen und Kunden dadurch, ihre eigenen Grundannahmen und Werte zu klären und das größere Ganze mitzudenken (Klima, Gerechtigkeit, Gesundheit etc.). Auf dieser Basis können sie (unternehmerisch) wachsen und ihre Zukunftsplanung angehen.

Die Kund/innen kommen auf Empfehlung

Tatsächlich werden meine Kunden ausschließlich über Empfehlungen auf mich aufmerksam. Ich bin also nicht auf Online-Portale oder soziale Medien angewiesen. Es ist daher wichtig, dass ich einen richtig guten Job mache. Meine Autraggeber/innen kommen aus unterschiedlichen Branchen, es handelt sich vor allem um Behörden, Konzerne/ KMU, Kommunen, Non-Profit-Organisationen und Bildungseinrichtungen. Gemeinsam mit ihnen schaffe ich einen Raum, in welchem sich die Mitarbeitenden treffen und weiterentwickeln können.

In einer typischen Woche arbeite ich etwa 55 Stunden und bearbeite, je nach aktueller Lage, drei bis zehn Aufträge gleichzeitig. Davon stelle ich meinen Kund/innen etwa die Hälfte der Stunden in Rechnung. Meistens arbeite ich direkt vor Ort. Den Kontakt pflege ich am liebsten persönlich, aber auch oft telefonisch, per Videokonferenz und Messenger. Meine restliche Zeit verteilt sich in etwa so: Administrative Aufgaben machen etwa 20 Prozent aus, genau wie meine Weiterbildungen. Nicht fakturierbare Leistungen machen hingegen ganze 60 Prozent aus. Ich bin mit dem Umfang meiner Arbeitszeit daher eher unzufrieden. Vielleicht haben ja andere Selbstständige Tipps für mich?

Ein Mix aus beidem

Pro Jahr erziele ich als Selbstständiger einen Umsatz von 90.000 bis 110.000 Euro. Davon bleibt mir dann ein Gewinn von 50.000 bis 65.000 Euro. Ich weiß noch, dass ich mit einem Stundensatz von 30 Euro in die Selbstständigkeit gestartet bin. Mittlerweile rechne ich nicht mehr nur nach Stundensätzen oder Tagessätzen ab, sondern lasse meine Wirkung entlohnen. Wenn ich pro Stunde abrechne, verlange ich aber um die 150 Euro.

Tagessätze unterscheiden sich je nach Auftrag und betragen maximal 2.000 Euro. Ein gesamter Auftrag kostet üblicherweise rund 7.000 bis 10.000 Euro, ich weiß aber nicht, ob dieser Betrag typisch für meine Branche ist. Meine Spareinlagen betragen pro Monat etwa 2.000 Euro. Darin enthalten sind Versicherungen und meine Altersvorsorge. Etwa eben soviel gebe ich für Miete und meinen Lebensunterhalt aus. Ein bisschen Geld geht noch für mein Auto und Urlaub drauf.

Ausreichend ausgelastet

Ich würde sagen, dass ich insgesamt mit meinem Stundensatz zufrieden bin. Nur müsste ich eben noch zusätzliche Stunden und Tage, also jegliche Auftragsnebentätigkeiten, abrechnen. Daran will ich noch feilen. Was mich aber sehr glücklich macht: meine Auslastung. Meistens bin ich zu fast 100 Prozent ausgelastet, manchmal sind es sogar ein paar Prozente mehr. Wenn es hart auf hart kommt, schlafe ich weniger, um alles zu schaffen. Das macht Freude, aber ist natürlich nicht gesund. Deshalb lerne ich gerade, mir bewusste Auszeiten zu nehmen. Die sechs bis zehn Wochen im Urlaub, die ich mir pro Jahr gönne, sind für mich wirklich wichtig.

Teamvergrößerung geplant

Meine Selbstständigkeit erlaubt es mir, frei über meine Arbeitszeiten zu entscheiden. Und ich kann mir aussuchen, mit wem ich arbeiten will. Das passiert recht häufig, weil oftmals mehr als nur eine Person gebraucht wird und das Arbeiten als Tandem, also mit anderen Selbstständigen, wirkungsvoller sein kann. Ich bin ansonsten aber nur von mir selbst und nicht von den vielleicht starreren Strukturen von Vorgesetzten oder meines Vorgesetzten abhängig. In Zukunft plane ich auch, Personen anzustellen oder eine Genossenschaft zu gründen. Was hingegen anstrengend als Selbstständiger ist: die immerwährende Auftragsklärung und der Druck von meinen Auftraggebenden. Obwohl – tatsächlich ist der Druck, den ich mir selbst mache, schlimmer. Aber so ist das eben, wenn ich das tue, was mir Freude bereitet. Und ich die Welt ein klitzekleines bisschen besser machen will."

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