Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

Verband der Gründer und
Selbstständigen Deutschland e.V.

„Hin.gehört“: Veranstaltungsreihe bietet auch in Ludwigshafen Möglichkeit zum Gespräch mit Hubertus Heil

Bundesarbeitsminister Heil beantwortet Fragen im Town-Hall-Format, Foto: Ralph Berger

VGSD-Mitglied Ralph Berger aus Hockenheim besuchte am 10.02.2020 die Veranstaltungsreihe „Hin.gehört“ des Bundesarbeitsministeriums – ebenso wie vor ihm schon Branko Trebsche, der letztes Jahr bei einer ähnlichen Veranstaltung in Rostock einen offenen Brief von Marc Dauenhauer an den Minister übergab und aus diesem Anlass ein längeres Gespräch mit ihm führte. Ralph berichtet über die Veranstaltung in Ludwigshafen:

 

Ablauf der Veranstaltung: Von der Dialoginsel zur Town Hall

Die Veranstaltung war sehr gut organisiert (Flyer). Nach der Begrüßung durch Hubertus Heil erarbeiteten wir in Kleingruppen zu vorgegebenen Themenbereichen („Dialoginseln“, in meinem Fall „Leben und Arbeit“) 15 Minuten lang Statements zu Themen, in denen wir politischen Handlungsbedarf sehen. Die Ergebnisse konnten wir dann dem Minister vorstellen. Anschließend fand im Plenum ein Treffen im Town Hall Format statt, das etwa eine Stunde dauerte. Hier konnte jeder Teilnehmer Fragen an den Minister stellen.

Herr Heil präsentierte sich sehr nahbar und offen. Er hat sich immer wieder Notizen gemacht und einigen Teilnehmern Rückmeldungen angeboten. Ich habe für meine Arbeitsgruppe die Ergebnisse vorgetragen und auch im Town Hall Meeting eine Frage stellen können.

Beim Abschied konnte ich noch kurz persönlich mit ihm reden. Von daher hatte ich einen recht guten Redeanteil, konnte inhaltlich aber nur an der Oberfläche bleiben. Zu einem ausführlicheren Gespräch hatten wir leider keine Gelegenheit.

 

Mehrere Chancen zum Gespräch mit dem Minister

Er hat sich ein paar meiner Argumente notiert und bei meiner Frage im Town Hall Meeting auch darauf verwiesen, dass er ja bereits in Abstimmung mit dem VGSD wäre zum Thema Statusfeststellung und ich vermutlich ein Mitglied dieses Verbands… Das zeigt, dass wir beim Ministerium schon über eine bemerkenswerte Sichtbarkeit verfügen und deutlich wahrgenommen werden. Branko Trebsches Name und das Treffen mit ihm in Rostock war Minister Heil noch so präsent, dass er es von sich aus erwähnte, als wir uns verabschiedeten.

Mein Eindruck war trotz allem, dass wir als Selbständige nicht zu seinem Kernklientel gehören: Er zeigt sich sehr offen, trotzdem bleiben bei mir Zweifel, dass unsere Anliegen ein vergleichbares Gewicht zu dem von Gewerkschaften haben.

 

Text und Bild: Ralph Berger

8 Kommentare

  1. Selbstständiger schreibt:

    Vielen Dank, für Deinen Einsatz. Hubertus Heil ist in der Gewerkschaft. Reiner Hoffmann Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist SPD Mitglied. Die Ziele der SPD stehen im Wahlprogramm. Herr Heil tritt professioneller als seine Vorgängerin auf, die Ziele sind leider gleich geblieben. Vielleicht sollte der VGSD mehr über das Wahlrecht aufklären.
    .
    In meiner Region sind in der SPD viele Lehrer, Gewerkschafter und Bezieher hoher Renten. Die Union besteht mehrheitlich aus Großbauern und aus Angestellten und Beamten des öffentlichen Diensts. Selbstständige bei denen der Betrieb läuft, haben keine Zeit für Politik. Daher haben wir sehr wenige Fürsprecher. Selbstständige Handwerker und deren Mitarbeiter vertrauen bei uns zumindest der Union. Zu den Forderungen der Handwerkskammern und Gewerkschaften habe ich keine Gegenstimmen der Union wahrgenommen.
    .
    Ich selbst habe immer strategisch die Union und die FDP gewählt. Allerdings war mir die Macht der Überhangmandate nicht bewusst. Anstatt einer Politik aller Ludwig Erhard eine starke Stimme zu geben, habe ich somit meinem Metzger gewählt. Bei kritischen Fragen zur Scheinselbstständigkeit heißt es ja immer die Union regiert ja nicht alleine. Traditionellen Rot-Grün Wählern geht es vielleicht ähnlich.
    .
    Da derzeit die FDP die einzige Partei ist, die sich für unsere wirtschaftliche Existenz einsetzt, sollten wir offen über Wahlstrategien reden. Wo stehen die Grünen bei der Scheinselbstständigkeit? Was wählt man, wenn einem die selbstständige Existenz und die Umwelt besonders wichtig sind?

    Antworten
  2. Sandra Albrecht schreibt:

    Ich hätte Ende März auch eine Einladung zu HIN.GEHÖRT in Mönchen Gladbach gehabt. Wurde leider aus gegebenen Anlass abgesagt. Mein Thema wäre die Scheinselbständigkeit/Selbständigkeit von Honorarpflegekräfte gewesen.

    Antworten
  3. Selbstständiger schreibt:

    Was ist mit der Zeit nach Corona in der IT?
    .
    Rechtssicherheit könnte bei mir in zwei Monaten ein sehr wichtiges Thema werden. Ich nehme an viele andere IT-Selbstständigen bekommen das gleiche Problem. Auftraggeber die nun in anderen Bereichen Stellen streichen oder Mitarbeiter in Kurzarbeit senden, können wahrscheinlich nicht neue Mitarbeiter für die Softwareentwicklung einstellen.
    .
    Handelt die Bundesregierung nicht, stärkt dies die Position der ANÜ Verleiher. Wie die Gewerkschaften und viele andere Sozialpolitiker und -wissenschaftler oft anführen, ist es nicht der angestrebte Idealzustand. Größere Verleiher stehen vielleicht, vor dem gleichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Sie verlieren kurzfristig Aufträge, müssen jedoch ihren fest angestellten Personalbestand weiter bezahlen. Vielleicht in Kurzarbeit senden oder entlassen.
    .
    In anderen Beiträgen wird oft auf das Grundrecht der Gewerbefreiheit verwiesen. Vielleicht sollten wir uns an die EU-Kommission wenden. Die EU denkt liberaler und nicht planwirtschaftlich wie unsere GroKo. Falls die SPD bedenken bei Reformen hat, wie wäre es mit diesem Ansatz: Das Statusfeststellungsverfahren wird für fair bezahlte Branchen (vor allem IT) bis zur Einführung der Altersvorsorgepflicht testweise vereinfacht. Wie einige andere Selbstständige werde ich eine Bürgerversicherung mittragen. Vorausgesetzt Politiker und Beamte zahlen ab demselben Zeitpunkt in die DRV ein.
    .
    Die Situation wird in zwei Monaten vielleicht schlimmer als zu den Zeiten der Agenda 2010 werden. Die Methoden von damals hatten sich bewährt, von daher sollte die SPD ein wenig mehr Wirtschaft wagen. Diese Beugehaft für die Altersvorsorgepflicht kann unserer Wirtschaft langfristig schaden.
    .
    Please, Mr. Altmaier and Mr. Heil tear down this wall ! Diese “Bazooka” kostet dem Staat gar nichts, stattdessen sichert es die Zukunft und Steuereinnahmen.

    Antworten
  4. Branko Trebsche schreibt:

    Ich wäre am 10.02. auch gerne in Ludwigsburg gewesen. Leider habe ich keinen Platz mehr bekommen. Um so besser, dass du dabei sein konntest. Danke dafür!
    .
    Weil ich aus persönlichen Gründen ein Teilzeitprojekt suche, habe ich in den letzten Tagen mit vielen Kollegen (IT / Projektmanagment / Prozessmanagement / Change Management) telefoniert. Die Lage ist dasaströs. Bereits 6 der Kollegen arbeiten widerwillig in schlecht bezahlten ANÜ Konstrukten. Vier Kollegen arbeiten mittlerweile in Luxenburg oder der Schweiz. Unisono sagen die Kollegen, dass Umsatzeinbußen in erheblichem Ausmaß zu verzeichnen sind.
    .
    Jetzt kommt noch Corona dazu und wird die Akquise weiter erschweren. Es MUSS sich jetzt etwas ändern!

    Antworten
  5. Kuni schreibt:

    Das Angebot für ein Tübinger Unternehmen von Präsident Trump zeigt, Deutschland ist im Wettbewerb der Talente. Allerdings empfand ich die Reaktionen aus der Politik nicht von Vertrauen an deutsche Unternehmen geprägt. Wenn die Bedingungen stimmen, verlässt kein Mensch seine Heimat.
    .
    Wenn Freiberufler weder eine Festanstellung finden noch als Freiberufler arbeiten dürfen, wird es die Abwanderung verstärken. ANÜ (Wanderarbeiter) wird wohl für die meisten Akademiker die Größte anzunehmen Erniedrigung sein. Bislang hatte ich das Glück, keine ANÜ eingehen zu müssen. Die ANÜ-Angebotesind im Vergleich zu allen anderen Optionen die äußerst schlechtesten. Vorausgesetzt einige Vermittler überstehen die Krise unbeschadet. Im Ausland gibt es zusätzlich den Anreiz von niedrigen Steuern und Abgaben. Wie die Welt in einigen Monaten aussieht, kann ich nicht vorhersagen. In Zeiten der Krise räscht, sich nun die Ignoranz und das ständige Aufschieben der Politik.

    Antworten
    1. Karl Kraus schreibt:

      Die Praxis in vielen Unternehmen und Behörden mit ANÜ ist dass wenn sie als IT-Service eingekauft wird jahrelang mit den gleichen Personen läuft. „Wanderarbeiter“ (was eine kurze Verweildauer und niedrige Qualifikation suggeriert) sind das schon lange nicht mehr. Sowohl vom Zeitrahmen als auch von der Qualifizierung hat das in den letzten 15J eine andere Qualität gewonnen. Mit dem Maße in dem die Kunden ihre Mitarbeiter abgebaut und outgesourced haben, kamen Dienstleister rein und ANÜ’ler. Die Stammbelegschaft macht nur noch bestimmte Kernaufgaben, kontrolliert und koordiniert.

      Antworten
      1. kuni schreibt:

        Ok meine Definition, war was aus der Hüfte geschossen. ANÜ als langjähriger Berater in einem Unternehmen (SAP, Software AG, diverse Mittelständer) welche selbst Produkte oder Standards entwickelt ist eine andere Qualität. Allerdings das Vermitteln von Fachkräfte mittels bestimmter Agenturen als ANÜ, ist für Freiberufler sehr schlecht bezahlt und ein Albtraum. Zumindest empfand ich bislang alle Angebote als Beleidigung. Die Regelungen zu den Werkverträgen nehmen mir die Möglichkeit, meine Ideen mit freiberuflichen Dienstleistungen zu finanzieren. Ich wollte ohne Almosen, aus eigener Kraft, was aufbauen und dabei keine Förderungen verschlingen. Allerdings ist ein Start-up im Nebenerwerb suboptimal und nicht loyal zu seinem Arbeitgeber.
        .
        Wenn über Hilfen nachgedacht wird, hat meiner Meinung nach, eine Reform der Werkverträge eine sehr große Wirkung. Gerne kann dieses mit einer Pflicht zur DRV oder testweise auf 3 Jahre begrenzt werden. Dann habe ich vielleicht die Stabilität um Arbeitsplätze zu schaffen. Nebenbei kann der Staat dabei Ausgaben für Hilfen und Vermittlungen sparen. Meinen Dank, an alle Politiker, die uns unterstützen. Gründergeist benötigt einen entsprechend fruchtbaren Rahmen. Erst mal die Krise überstehen und dann schauen, was die Zukunft bringt. Wenn eine Tür zu geht, geht eine andere auf. Die nächste Tür muss aber nicht unbedingt in Deutschland aufgehen!!!

        Antworten
  6. Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Selbstständiger Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.