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ifo "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen wird ungemütlich"

Wir sind nicht der Wirtschaftsteil der Zeitung, über die Konjunkturentwicklung lest ihr bei uns nur in Ausnahmefällen. Als Selbstständige sind wir ohnehin Berufsoptimisten und versuchen auch in jeder Krise Chancen zu erkennen. ;)

Die Stimmung in den Chefetagen wird immer schlechter

Trotzdem gehören wir zu denen, die regelmäßig den ifo Geschäftsklimaindex verfolgen. Jeden Monat erhielten wir wir bis Ende 2017 Pressemitteilungen über neue Rekorde beim Geschäftsklima in Deutschland. Nach einer Eintrübung im ersten Halbjahr 2018 hellte sich die Stimmung schon bald wieder auf. Seit etwa einem Jahr verlaufen die Kurven nun aber eindeutig nach unten.

Konjunktur in schwierigem Fahrwasser

Heute nun schreiben die Münchener Wirtschaftsforscher, dass die deutsche Konjunktur sich in schwierigem Fahrwasser befindet und dass es (siehe Überschrift) in deutschen Chefetagen ungemütlich wird.

Aus der Pressemitteilung (wörtliche Zitate):

  • "Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli von 97,5 (saisonbereinigt korrigiert) auf 95,7 Punkte gefallen."
  • "Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindikator im freien Fall. Der Lageindex sank deutlich. Ein stärkerer Rückgang wurde zuletzt im Februar 2009 beobachtet. Mit einer Besserung der Lage ist vorerst nicht zu  rechnen, denn die Unternehmer blicken pessimistischer auf die kommenden sechs Monate. Die Kapazitätsauslastung sank von 85,3 auf 83,9 Prozent und liegt nur noch knapp über dem langjährigen Mittelwert."
  • "Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima eingetrübt. Die Dienstleister waren etwas weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage. Bei den Erwartungen waren sie erstmals seit Juli 2009 leicht pessimistisch."
  • "Im Handel ist der Index deutlich gesunken. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage spürbar weniger gut. Auch beim Ausblick auf die kommenden Monate zeigten sie sich merklich skeptischer. Der Rückgang des Geschäftsklimaindikators fiel im Großhandel stärker aus als im Einzelhandel."
  • "Das Bauhauptgewerbe ist die positive Ausnahme in diesem Monat: Dort ist der Geschäftsklimaindex gestiegen. Während die Unternehmen die aktuelle Lage etwas weniger gut einschätzen, blicken sie optimistischer auf die kommenden Monate."

Konkunkturampel auf rot, Konjunkturuhr zeigt auf "Abschwung"

Die ifo-Konjunkturuhr

Den detaillierten Bericht mit zahlreichen Abbildungen könnt ihr auf der ifo-Website herunterladen. Er enthält zahlreiche Grafiken. Besonders interessant: Die Entwicklung des Geschäftsklimas im Zeitablauf (Seite 1), die Konjunkturuhr (Seite 3) und die Konjunkturampel (Seite 4).

Die Konjunkturampel steht auf rot. Die Konjunkturuhr zeigt, dass wir uns seit 2011 und auch heute noch in einer Boomphase befinden, uns zuletzt im Bereich zwischen Auf- und Abschwung befanden und nun eindeutig in den Bereich Abschwung kommen.

In ITK-Branche gehen Lageeinschätzung und Erwartungen immer weiter auseinander

Die ITK-Branche wird in dem Bericht nicht erwähnt, allerdings veröffentlichen ifo-Institut und Bitkom neuerdings einen gemeinsamen Konjunkturindex für diese Branche. Wir berichteten vor einem Monat darüber, das in der Digitalbranche die tatsächliche Lage (weiterhin rekordverdächtig) und die Stimmung (von Monat zu Monat schlechter) sich immer weiter auseinander entwickeln.

Angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung dürften IT-Selbstständige auch weiterhin sehr gefragt sein, vielleicht etwas weniger in der Industrie, dafür weiterhin in anderen Branchen. Aber ganz der konjunkturellen Entwicklung entziehen können sie sich sich sicher auch nicht.

Chance, dass Hinweis auf wirtschaftspolitische Fehlentwicklungen mehr Gehör finden?

Gibt es irgendwelche positiven Seiten, die man einer solchen alarmierenden Entwicklung abgewinnen kann? Wenn, dann sicherlich die, dass man in solchen Zeiten in der Politik vielleicht mal wieder ein wenig mehr auf die wirtschaftlichen Realitäten achtet. Vielleicht muss der strukturelle, längerfristige Schaden, für den die Regierung durch ihre Politik (z.B. Rechtsunsicherheit) sorgt, erst einmal spürbar werden, damit man darüber ernsthaft nachdenkt – ähnlich wie die aktuellen Rekordtemperaturen dafür sorgen, dass man sich zurzeit mehr Gedanken über Maßnahmen gegen den Klimawandel macht.

Aber keine Frage: Zugleich muss auch der Druck der Betroffenen (auch der Auftraggeberseite) weiter zunehmen. Die Chancen, dass solcher Protest gehört wird, steigen in einer wirtschaftlichen Krise.

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