Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage von Selbstständigen erreicht den tiefsten Stand seit Start des Index. Der aktuellen Wirtschaftspolitik geben Selbstständige schlechte Noten. Wir sagen: Die Bundesregierung braucht endlich eine klare Strategie für Solo- und Kleinstunternehmen!
Zum Jahresbeginn hat sich die Einschätzung der Geschäftslage der Selbstständigen erneut verschlechtert und fiel mit minus 21,3 Punkten auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung des Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex. "Ein Abstand von 16,5 Punkten zur Gesamtwirtschaft zeigt, wie schwierig die wirtschaftliche Realität vieler Selbstständiger derzeit ist und wie weit sie noch von einer nachhaltigen Erholung entfernt sind", sagt Matthias Henze, CEO und Mitgründer von Jimdo. Das Geschäftsklima der Selbstständigen hingegen hat sich leicht verbessert (Geschäftsklima: minus 21,5 Punkte), da ihre Erwartungen weniger pessimistisch ausfielen (Geschäftserwartungen: Anstieg um 7,7 Punkte auf minus 21,7). Im Geschäftsklima fließen Lage und Erwartungen zusammen.
In der Gesamtwirtschaft blieb das Geschäftsklima im Januar nahezu unverändert gegenüber dem Vormonat und liegt bei aktuell minus 8,6 Saldenpunkten. "Die deutsche Wirtschaft startet damit insgesamt ohne Schwung ins neue Jahr", erklärt Katrin Demmelhuber vom ifo Institut.
Sozial- und Rentenpolitik erhält die schlechtesten Bewertungen
Ergänzend wurden die Selbstständigen im Januar auch nach ihrer Bewertung der Wirtschaftspolitik befragt. Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen vergeben in allen abgefragten Politikfeldern etwas schlechtere Noten als die Gesamtwirtschaft. Ihre Gesamtnote liegt bei 4,3 (6 = ungenügend, 1 = sehr gut), während die Gesamtwirtschaft die Wirtschaftspolitik mit 4,2 bewertet (dazu hier die aktuelle Pressemitteilung des ifo-Institut).
Besonders kritisch sehen Selbstständige die Sozial- und Rentenpolitik (Note 4,7), die Energie- und Klimapolitik (4,5) sowie die Infrastruktur- und Digitalisierungspolitik (4,3). Auch Finanz-, Arbeitsmarkt-, Industrie- und Wettbewerbspolitik werden durchweg etwas schlechter beurteilt als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.
Bürokratieabbau und Entlastung bei Steuern und Abgaben haben Priorität
Gefragt nach den dringendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen nennen Selbstständige an erster Stelle den Abbau von Bürokratie und Regulierung. Rund 430 Nennungen entfielen auf vereinfachte Verfahren, weniger Vorgaben und schnellere Genehmigungen. Auf Platz zwei folgen Steuern und Abgaben (rund 380 Nennungen), insbesondere Entlastungen bei Steuern, Sozialabgaben und Lohnnebenkosten. Rang drei belegen Energiepreise und Energiepolitik (rund 320 Nennungen), gefolgt von Reformen der Sozial- und Rentenpolitik auf Platz vier (rund 260 Nennungen). Auf Rang fünf liegt der Ausbau von Infrastruktur und Digitalisierung (rund 220 Nennungen).
Unsicherheit und Auftragsmangel bleiben zentrale Belastungsfaktoren
Die angespannte Lage zeigt sich in einer weiterhin hohen Unsicherheit. Trotz eines leichten Rückgangs können 33,5 Prozent der Selbstständigen ihre künftige Geschäftsentwicklung nur schwer einschätzen. Damit liegt die Unsicherheit deutlich über dem Wert der Gesamtwirtschaft (22,5 Prozent).
Parallel dazu nehmen die Einschränkungen der Geschäftstätigkeit zu: Der Anteil der Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen mit Geschäftsbehinderungen stieg im ersten Quartal von 62,6 auf 64,6 Prozent. Knapp jeder zweite Selbstständige leidet unter Auftragsmangel (46,6 Prozent), in der Gesamtwirtschaft sind es 36,3 Prozent. Angebotsseitige und finanzielle Engpässe traten hingegen seltener auf als in den vorhergehenden Quartalen.
Andreas Lutz: "Selbstständige setzen ihre Hoffnung darauf, dass Ankündigungen Taten folgen"
Vor diesem Hintergrund sehen wir dringenden politischen Handlungsbedarf. Unser Vorstandsvorsitzender Andreas Lutz sagt: "Friedrich Merz hat zum Jahresbeginn erklärt, der Wirtschaftspolitik 2026 deutlich höhere Priorität einräumen zu wollen. Die Selbstständigen setzen ihre Hoffnung darauf, dass diesen Ankündigungen auch Taten folgen. Die Bundesregierung braucht endlich eine klare Strategie für Solo- und Kleinstunternehmen – von der Reform des Statusfeststellungsverfahrens über eine faire Beitragsbemessung bis zur Einbeziehung in Aktivrente und Altersvorsorge-Depot. Daran werden wir den Bundeskanzler messen."
Ergebnisse im Detail (23 Grafiken):
Werde jetzt Vereinsmitglied um diesen Inhalt ansehen zu können
Bist du bereits Vereinsmitglied? Dann melde dich jetzt an.
Werde Teil des ifo-Befragungs-Panels!
Dass das ifo Institut gemeinsam mit Jimdo und VGSD jeden Monat differenziert nach kleinen und großen Unternehmen über Geschäftslage, -erwartungen, -klima und andere wichtige Entwicklungen berichten kann, verdanken wir dem Engagement vieler Vereinsmitglieder, die sich für das ifo-Panel registriert haben und regelmäßig online einen kurzen Fragebogen ausfüllen. Willst auch du mitmachen und zu mehr Transparenz über die wirtschaftliche Situation von Solo- und Kleinstunternehmer/innen beitragen? Hier erfährst du, wie das geht!
Schlechte Geschäftslage, etwas verbesserte Erwartungen – decken sich diese Ergebnisse mit deinen persönlichen Erfahrungen? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!
Du möchtest Kommentare bearbeiten, voten und über Antworten benachrichtigt werden?
Jetzt kostenlos Community-Mitglied werden