Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Selbstständigen Deutschland e.V.

Rassismus und menschenverachtendes Gerede – wie verhältst du dich in solchen Situationen?

Peinlich berührt schweigen? Was tun, wenn eine/r rassistisch oder menschenverachtend daher redet, Verschwörungstheorien entwickelt etc.? Foto: Adobe Stock, alotofpeople

„Verwirrte Einzeltäter begehen schreckliche Morde“ – wir tendieren dazu, Ereignisse wie in Hanau, Halle, Kassel und Berlin möglichst weit weg zu schieben von uns. Deshalb irritiert dich vielleicht dieser Beitrag. Fängt der VGSD jetzt auch noch mit diesem Thema an? Hat man nirgends mehr Ruhe? Haben wir nicht genügend anderes zu tun?

Ja, wir haben jede Menge anderes zu tun. Andererseits ist menschlicher Umgang miteinander, Demokratie und Meinungsfreiheit die Grundlage von Allem, auch von unserer Arbeit beim VGSD. Hetze und Terror gefährden unser politisches System und unseren wirtschaftlichen Wohlstand.

 

Vorurteile und Verallgemeinerungen vergiften den öffentlichen Diskurs

Solo-Selbstständige werden zu den ersten Opfern gehören, wenn Ideologien an die Stelle demokratischer Prozesse treten, Vorurteile und Verallgemeinerungen den öffentlichen Diskurs vergiften.

Dies zu verhindern ist Aufgabe jedes Einzelnen. Wir dürfen nicht mehr weghören. Vor 20 Jahren hat Bundeskanzler Gerhard Schröder anlässlich einer antisemitischen Tat einen „Aufstand der Anständigen“ gefordert, vor fünf Jahren hat die NDR-Journalistin Anja Reschke daran erinnert (Video mit Aufruf, Video zu Reaktionen), seitdem werden die Abstände immer kürzer, in denen zu einem solchen Aufstand aufgefordert werden muss. Doch wie geht das, wie zeigt man Zivilcourage?

 

Wie verhältst du dich? – Bitte teile deine Erfahrungen und Fragen!

Deshalb unsere Frage an dich: Wie verhältst du dich, wenn Kunden, Kollegen, Mitarbeiter, Freunde und Bekannte sich rassistisch oder politisch auf eine Weise äußern, bei der sich deine Nackenhaare sträuben? Hörst du weg, schweigst du peinlich berührt? Hast du womöglich schon Freundschaften beendet, Projekte nicht angenommen, oder Probleme diesbezüglich am Arbeitsplatz gehabt?

Wie kann man diesen Menschen, die sich inzwischen ihrer Sache so sicher sind, zeigen, dass sie nicht „im Namen des Volkes“ sprechen, sondern eine Minderheit sind – und bleiben werden?

Bitte nutze die Kommentarfunktion unten und teile deine Erfahrungen und Fragen

135 Kommentare

    1. lippmann schreibt:

      ich sage meinen Standpunkt: gegen jegliche Form von Gewalt, gegen politische Ansichten von AFD-Mitgliedern und Pegidia

    2. Eike Totter schreibt:

      Lieber VGSD,
      Danke für die hier angestoßene Diskussion. Es ist nicht nur in aller Interesse, sondern gerade in unserem, dass bei Rassismus und allen anderen gruppenfeindlichen Menschenfeindlichkeiten keine Missverständnisse aufkommen und keine feigen Grauzonen toleriert werden.
      Gerade weil h i e r weiter unten geschmäht und mit Austritten gedroht wird: Es darf keine Debatte darüber geben, ob bestimmte Menschen Gewalt und Hass aushalten müssen, egal aus welchem Grund.
      Dafür müssen wir unmissverständlich stehen, DAS ist mein Verein. Nicht irritieren lassen und weiterhin an der Aufgabe arbeiten, ich bin dabei.
      (Zur ursprünglichen Fragestellung kann ich natürlich auch einiges beitragen, dafür müssen wir jetzt wohl eine andere Plattform finden…)

  1. Elke Müller schreibt:

    Von der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es einen Flyer „Was sage ich, wenn … – Rassismus begegnen“ (https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/BPB_Flyer%20Demokratietrainer%20Rassismus_web.pdf) mit vielen guten Tipps, zum Beispiel Rückfragen zu stellen:
    „Meinen Sie tatsächlich, dass alle Ausländerinnen und Ausländer kriminell sind? Wen meinen Sie denn konkret damit? Wollen Sie wirklich, dass alle das Land verlassen?“
    Der Flyer liefert Gegenargumente zu Aussagen wie
    – Ausländer sind krimineller als Deutsche
    – Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg
    – Das deutsche Volk wird durch die Ausländer überfremdet
    Es geht auch auf typische Situationen ein: Sprüche und Witze auf einer Feier. Beschimpfungen beim Fußballspiel. Diskussion nach dem Elternabend.

    1. Stefan A. schreibt:

      Hier gibt es in einem Video (auf englisch) Tipps gegen Rassismus im Alltag, wenn z.b. jemand in öffentlichen Verkehrsmitteln angemacht wird: https://racialjusticenetwork.co.uk – Nicht einfach nur zusehen, sich neben das Opfer setzen und mit ihm reden, in seiner Nähe bleiben, auch nach dem Übergriff da bleiben, der Schock setzt danach ein, auch den Übergriff zu filmen und melden ist wichtig. Außerdem: Verbalen Rassismus beim Namen nennen und zivilgesellschaftlichen Organisationen beitreten oder deren Aktionen unterstützen.

  2. Klaus schreibt:

    Rassismus ist eindeutig zu verurteilen, da ist kein Platz bei uns. Aber wenn du bei Behörden als Deutscher oft nur noch hinter Migrantenbedürfnissen hinten anstehst, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die rechte Seite gestärkt wird.

    1. Norbert Pausch schreibt:

      Hast du ein konkretes Beispiel? Ich meine eines, wo du selbst als „Deutscher“ aus diesem Grund benachteiligst wurdest?

    2. Markus schreibt:

      Hallo Klaus,
      diese Erfahrung habe ich bisher noch nicht gemacht.
      Was meinst du damit genau? Wie oft ist dir das passiert? Und wen meinst du genau mit Migranten?
      Markus

    3. Wolfgang Poth schreibt:

      Hallo Klaus,
      ich habe öfter mit Behörden zu tun, aber solche Situationen habe ich noch nie beobachten können. Eher trift leider das Gegenteil zu. Menschen, die sich mit deutschen Gepflogenheiten und Gesetzen noch nicht so gut auskennen und mit der Sprache unsicher sind, bekommen oft nicht die Informationen und die Unterstützung, die Ihnen zustehen würden.

    4. Kai-Ulrik Bräutigam schreibt:

      Das geht ja gut los! – Genau solche Bemerkungen sind es, die die rechte Seite stärken! Kannst du denn ein konkretes Beispiel nennen, wo du als Deutscher hinter Migrantenbedürfnissen hinten anstehst?

    5. M. schreibt:

      Das sind genau diese verkappten Anfeindungen, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen. „Ich hab ja nix gegen Ausländer/Flüchtlinge/Andersgläubige/Andersaussehende, ABER… “

  3. Marius schreibt:

    Mich hat der Beitrag persönlich sehr berührt und ich will zwei Erfahrungen teilen. Sie lassen mich nicht als Held dastehen. Aber es geht ja darum, gemeinsam Wege gegen das Schweigen zu finden:
    1) Eine Tante, humorvoll und immer guter Laune, hat bei Familienbesuchen immer mal wieder über Ausländer geschimpft, regelmäßig z.B. über Russlanddeutsche in ihrem Dorf. Ich war der Jüngste, Tante und Onkel waren Gäste meiner Eltern. Ich habe geschwiegen, weil ich die ansonsten gute Laune nicht verderben wollte, habe dann peinlich berührt den Tisch verlassen. Wenig überraschend hat sich die Tante auch abwertend über Schwule und andere Minderheiten geäußert. Ihr Mann hat ihr dann zugestimmt, das Gespräch ging entsprechend weiter. Meine Eltern haben sich zurückhaltend geäußert, aber auch nichts dagegen gesagt. Meine Tante und mein Onkel sind bzw. waren bestimmt keine bösen Menschen, fleißig, in ihrer Gemeinde engagiert, trotzdem bin ich bis heute peinlich berührt. Bei Familienfeiern kostete es mich Überwindung, mich zu ihnen zu setzen, meist habe ich es vermieden.
    2) Eine Arbeitskollegin, auch sehr lustig, auch immer Garantin für gute Laune, hat sich nach 2015 beim Mittagessen immer wieder abfällig über Flüchtlinge und „Illegale“ geäußert, auch über „Lügen“ in den Medien usw. Ich habe versucht, die Äußerungen ihr gegenüber sachlich zu hinterfragen, mit dem was ich dazu wusste zu konfrontieren. Wahrscheinlich nicht entschieden genug, vermutlich ist es nicht bei ihr angekommen, wie angewidert ich von ihren pauschalen Aussagen war. Ich habe daraufhin den Kontakt deutlich reduziert. Wenn wir uns später wiedersahen, vermied ich das Thema. Jetzt denke ich mir: Hätte ich nicht wenigsten mit den anderen Anwesenden, vielleicht ohne die Kollegin, über meine Gefühle reden können, vielleicht deren Unterstützung gewinnen können, damit wir ihr gemeinsam Grenzen aufzeigen?
    3) Bei einer anderen Gelegenheit habe ich auf Gemeckere über die Berichterstattung der lokalen Medien entschiedener reagiert, nicht mit der Nazikeule, aber schon mit dem Hinweis, dass es doch sehr verallgemeinernd ist. Natürlich mit dem Ergebnis: „Willst du uns jetzt in die AfD-Ecke stellen?“ – Es ist schon ein Eiertanz.
    Ich bin gespannt auf die Erfahrungen, die andere von euch gemacht haben – und vor allem auf Tipps, wie man sich richtig verhält.

    1. Hans schreibt:

      Das Schwierige ist ja: Die Rassisten sind unter uns, ganz normale Menschen. Auch Frauen sind davor nicht gefeit.
      Mein Rezept. Sachlich dagegen halten, Widersprüche aufzeigen, manchmal hilft auch Humor, wenn man schlagfertig ist.
      Die Leute mit rassistischen Gedankengut sind ja nicht immer die Klügsten, obwohl auch Intelligenz nicht davor schützt. Von daher muss man schon mal etwas deutlicher sein, damit sie es auch mitbekommen. Am besten ein Statement abgeben, das einen Widerspruch schwierig macht, weil es auf persönlicher Erfahrung beruht, z.B. „ich habe einen Kollegen aus … und finde dass er großartige Arbeit macht“. So eine Bemerkung kann auch als Themenwechsel daher kommen und erst nach nochmaligem Nachdenken wird deutlich, dass man damit eine vor den Latz geknallt hat.

      1. Ein Hans schreibt:

        Ich glaube fest dran, dass jede Art von gemischten Teams bessere Produkte hervorbringt (Geschlechter, unterschiedliche Kulturen, Religionen, Nationen). Freier Handel und Wissenschaft mit vielen Kulturen haben die größten Leistungen hervorgebracht. Vom griechisch geprägten Alexandria, Byzanz, Córdoba, Venedig über den liberalen deutschsprachigen Raum in den 1920 gern bis hin zum heutigen Kalifornien. Oder vielleicht doch China? Richtig Berlin, Wien, Prag und Budapest waren kurz mal richtungsweisend. Deutsche Nobelpreisträger sind dem Wahn gefolgt und haben Einstein und viele andere aus dem Land getrieben. Die Aussage „rassistischen Gedankengut sind ja nicht immer die Klügsten“ stimmt somit nicht.
        .
        Wir überwinden keine Spaltung mit weiteren Vorurteilen und Hass. Gewalt erzeugt nur Gegengewalt. Bilden Aufklären und Ängste überwinden sind die besten mittel. Wer damit aufwächst, dass die anderen schlechter sind, wird sich nicht mit tausend Post überzeugen lassen. Jesus, Ghandi, Nelson Mandela sollten unsere Vorbilder sein. — der wahre Hans —

  4. Judith schreibt:

    Es wichtig der extremen politischen Gruppierungen so wenig Aufmerksamkeit, wie möglich zu schenken. Umso mehr mediale Präsenz oder Interesse an diesen werferlichen Äußerungen gezeigt wird, umso schlimmer verbreiten sich solche Botschaften und Kraft entsteht. Ich finde es dennoch wichtig seine eigenen Werte mit Taten zu zeigen, soziales Bewusstsein, Gleichheit, Vielfalt und humane Denkweise zu zeigen.

  5. Jan schreibt:

    Auch wenn ich weiß, dass theoretisch der Diskurs mit anderen Meinungen eigentlich gut ist und man ggf. so mehr erreicht: ich ziehe da eine rote Linie. Ich habe schon Kundenbeziehungen einfach beendet, weil vom Geschäftsführer offen für die AfD geworben wurde und auf Anfrage dazu fadenscheinige Argumente kamen. Keinen Centimeter rechts. Bei einer solchen Überzeugung würde ich auch alle Möglichkeiten ausschöpfen, um betreffende Mitarbeiter vom Verlassen zu überzeugen. Sei es via Abfindung und Aufhebungsvertrag.

    1. Michael schreibt:

      Lieber Jan, in welcher Form hat dich denn die politische Gesinnung deines Geschäftspartners in der Ausübung deiner Tätigkeiten eingeschränkt? Ich verstehe den Zusammenhang nicht so ganz. Oder sind deine Kunden nur die die auch deine Werte teilen?

      1. Simone Linke schreibt:

        Deine Frage bzw. die Perspektive, aus der du diese Frage stellst, belegt deine privilegierte Position. Korrekter (und anständiger) wäre es zu fragen: Inwiefern schränkt denn die AfD die Tätigkeit bestimmter Menschengruppen ein (bzw. inwiefern sieht es diese Partei vor, die Tätigkeit dieser Menschengruppen einzuschränken)? Und inwiefern werde ich zum Mittäter, wenn ich die AfD bzw. AfD-Sympathisanten durch meine Fähigkeiten & Dienstleistungen unterstütze?

      2. Stephanie schreibt:

        Ich fürchte, in den 30er Jahren haben viele versäumt, sich rechtzeitig diesen Fragen zu stellen.

      3. Christian schreibt:

        „…die politische Gesinnung deines Geschäftspartners in der Ausübung deiner Tätigkeiten eingeschränkt?“
        Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Es gibt keinen „guten Geschäftsmann“ der nur privat rechtsextrem ist. Das Wissen darum, würde mich bereits einschränken, da ich es nicht ignorieren kann. Ich würde zum Mittäter, unterstützte ich AfD-Sympathisanten (oder mehr) mit meinem Know-how, sie Simone schon schreibt.

        „Oder sind deine Kunden nur die die auch deine Werte teilen?“
        Nicht immer und nicht 100%-ig. Aber WENN ich Kenntnis davon habe, dass (potenzielle) Kunden eine rechte Gesinnung haben, MUSS ich die Zusammenarbeit geradezu ablehnen. Alles andere führte zu kognitiven Dissonanzen.

        1. Herbert schreibt:

          Als Kleinstbetrieb war mein Hauptgeschäft der T-Shirt-Druck für Vereine.
          Vor vielen Jahren schon hab ich mich geweigert auf Shirts Nazi-Symbole
          zu drucken. Das Geld hat mir natürlich gefehlt, aber diese Weigerung
          war es mir wert. Und so werde ich bei allen rechten Anfragen reagieren.

  6. Martin schreibt:

    Danke vielmals für euren Beitrag!
    Ich hatte es jetzt mehrmals im guten Bekanntenkreis, dass sich u.a. sehr kritisch und abwertend über Flüchtlinge und Ausländer (teilweise auch über die Klimakrise) geredet wurde. Ich versuche die Unstimmigkeiten in deren „Argumenten“ und Meinungen aufzuzeigen. Und auch zu erklären, was für viele Menschen Rassismus im Alltag bedeutet, bzw. welche Konsequenzen es für viele Menschen hätte, wenn eine rassistische Partei an der Macht wäre…
    Ob es was bringt? Es führt wohl kaum zu einem Gesinnungswandel, wäre wohl auch zu viel verlangt. Aber zumindest steht deren Meinung nicht unwiedersprochen im Raum, immerhin…

  7. Frank schreibt:

    Der für mich stärkste Satz ist immer noch „Das sehe ich anders“.
    Ich steige nicht in Diskussionen auf Sachebene ein, denn das ist oftmals unproduktiv und nicht angezeigt.
    Aber ich möchte sicher stellen, das meine Zurückhaltung auf gar keinen Fall als Zustimmung interpretiert wird.

    1. ReLue schreibt:

      Diesen Satz verwende ich auch. Und lehne ebenfalls die weitere Diskussion ab. Jemandem in einer Diskussion Gegenwind zu geben, drängt ihn nur weiter in seine Position hinein. Und gibt ihm obendrein unnötigerweise eine Bühne. Abgesehen davon haben solche Diskussionen kaum eine Chance, auf der Sachebene zu bleiben.

      Zwei Hinweise aus psychologischer Sicht:
      1. Man sollte wissen, wofür man selbst steht. Wohlgemerkt: Wofür, nicht wogegen.
      2. Man sollte den Kontakt trotz der Meinungsverschiedenheiten möglichst nicht abbrechen. Sonst isoliert und vernetzt sich der andere in seiner eigenen Parallelwelt mit seinesgleichen, und das Böse gewinnt immer mehr Raum und Stärke.

  8. Peter Schetzkens schreibt:

    Lieber Marius,

    diese Kommentare gibt es immer wieder und sachlich hinterfragen hilft wenig. Ich zeige öffentlich, dass ich syrische, indische und afrikanische Erwachsene und Studenten in meinem Freundeskreis habe. Viel zu wenig traue ich mich, Rassisten direkt zu widersprechen. Dann denke ich an den Satz meines Vaters: „Auf einen groben Klotz, gehört ein grober Keil.“, und ärgere mich über mich selbst.

  9. Mark schreibt:

    Ich habe bis vor kurzem einen Mitarbeiter gehabt der durch rechtes Gerede unter anderem mit jüngeren Leuten in meinem Laden aufgefallen ist. Es ist gelinde gesagt sauschwierig als Arbeitgeber mit so etwas umzugehen. Wenn es nicht gerade um Holocaustleugnung geht hast du rechtlich nur wenig Handhabe als darum zu bitten politische Diskussionen am Arbeitsplatz bitte zu unterlassen (Wenn ihr hier mehr wisst welche Möglichkeiten man hat, bitte bitte mehr darüber). Es ist ausserdem wichtig zu unterscheiden wo sehr konservative Meinungen aufhören und wo rechtsextremes Gelaber anfängt. Ersteres ist zu 100% von der Meinungsfreiheit gedeckt, zweiteres bis auf die in der Strafordnung abgedeckten Fälle leider auch. Dennoch ziehe ich persönlich eine solche Grenze und ein Mitarbeiter der in zweitere Kategorie fällt steht bei mir unter Beobachtung und ich habe mich auch entschlossen dem Mitarbeiter klar zu sagen, was ich von seinen politischen Einstellungen halte. Das hat sich nach genauerem Hinsehen dann nicht nur in rechtsradikaler Gesinnung sondern auch in wirren Verschwörungstheorien von Chemtrails, Impfgegnern etc. niedergeschlagen. Dabei wurden auch explizit andere Mitarbeiter durch solche Diskussionen von der Arbeit abgehalten schon alleine weil die (berechtigterweise) geglüht haben. Letzteres war dann auch der Tropfen der nicht nur unternehmenspolitisch das Fass zum Überlaufen gebracht hat sondern mir auch Handhabe, um dem guten Mann sagen zu können, dass er nicht länger erwünscht ist.

    1. Petra schreibt:

      Hallo Mark,
      vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen, gerade auch aus der Arbeitgeber-Perspektive, wo man ja nicht so frei ist.
      Ich finde, dass der Aufruf schon jetzt nach wenigen Stunden zu sehr vielen wertvollen Tipps geführt hat, wie man sich in solchen Situationen verhalten kann.
      Die Antworten auf einige problematische Kommentare zeigen ja ganz praktisch, wie es geht.
      Im persönlichen Gespräch ist das natürlich sicher eine größere Herausforderung.
      Auch die Vielfalt der engagierten Beiträge gibt Kraft.
      Danke!
      Petra

    2. Stefan Klatt schreibt:

      Hallo Mark,

      eine Abmahnung wegen Störung des Betriebsfriedens sollte möglich sein. Die Folgen von mehreren Abmahnungen sollten dem betreffenden bekannt sein.

  10. Hans Peter Krämer schreibt:

    Der Begriff „Radikal“ unterliegt wie zum Beispiel die Begriffe „Migration“ und „Diskriminierung“ leider einer inflationären Verwendung – gesteuert vom politischen Mainstream in Berlin. Jeder, der eine nicht genehme Meinung und dann vielleicht auch noch zu einem nicht genehmen Thema mit einer sachlichen Argumentation vertritt, gilt schon beinahe automatisch als „Radikal“. Aus diesem Grund sind Ende des letzten Jahres auch gegen mich zwei Ermittlungsverfahren wegen angeblicher Volksverhetzung gelaufen, die mittlerweile allerdings eingestellt wurden. Ausgelöst wurde das unter Anderem für den Begriff „Bundeskristallnacht“, den ich für die vorsätzliche wirtschaftliche Zerstörung der Existenzen von Gewerbetreibenden und Selbständigen durch den deutschen Gesetzgeber verwendet habe.

    Natürlich ist die AfD ein Problem. Einerseits haben aber nicht alle Mitglieder der AfD eine politische Einstellung wie Herr Höcke, und andererseits hätte das Aufkommen von Unzufriedenheit über die gegenwärtige Politik, wo es reichlich Gründe zu geben scheint, definitiv vermieden werden können. Und zwar genau von den Personen, die jetzt andere Menschen als Radikale anprangern. Und damit je nach Sachverhalt auch diskriminieren.

    1. Thomas schreibt:

      Hallo Hans-Peter,
      in dem Artikel oben ist von „radikal“ gar nicht die Rede, auch nicht von „Migration“ und „Diskriminierung“, sondern schlichtweg von Rassismus und zwar von der Art von Rassismus, die zu Geschehnissen wie in Hanau führt. Du fühlst dich davon angegriffen, dass man so etwas verurteilt? Kann es sein, dass du ein schlechtes Gewissen hast?
      Dein Wortspiel mit der „Reichskristallnacht“ finde ich absolut geschmacklos. Schau dir bitte mal an, was es damit auf sich hat: https://de.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrome_1938
      Ein solcher Vergleich mit dem was, was Selbstständigen im Jahr 2020 in Deutschland passiert ist völlig geschmacklos und verbietet sich.
      Also bitte mit dem Rumgejammere aufhören, deine Filterblase verlasen, deinen inneren Kompass prüfen und neu ausrichten.
      Was muss noch passieren?
      Thomas

      1. Hans Peter Krämer schreibt:

        Was Du geschacklos findest und was nicht, interessiert mich nicht. Deine Ausführungen zu den Vorgängen von 1938 kannst Du Dir sparen, weil ich noch eine lebende Zeitzeugin dieser Ereignisse Zuhause habe. Da brauche ich nicht einmal Wikipedia – obwohl ich dort auch nachgelesen habe. Und sparen kannst Du sie dir auch, weil Deine Argumentation genau die gleiche ist, mit der deutsche Politiker derzeit argumentieren, wenn sie auf ganz bestimmte Vorgänge angesprochen werden, zu denen sie sich nicht äußern wollen.
        Mit dem Hinweis auf „Radikal“ wollte ich nur auf die gleiche inflationäre Verwendung des Begriffs hinweisen, wie wir sie bei einigen anderen Begriffen auch haben. Also auch Rassismus. Du bist auch da prompt auf den üblichen Argumentationszug aufgesprungen. Übrigens – Radikal und Rassismus haben in den allermeisten Fällen die gleiche oder eine ähnlihe Wurzel. Schon gewußt???
        Und da Du so ein ganz besonders ordentlicher und gewissenhafter Mensch zu sein scheinst – ich arbeite seit 15 Jahren zu 99 % mit ausländischen Mitbürgern zusammen. Und nun?
        Es würde mich im Übrigen nicht das Geringste wundern, wenn am Ende der Ermittlungen in Hanau herauskäme, dass es sich doch nur um einen überwiegend psychisch gestörten Menschen gehandelt hat.

        1. Thomas schreibt:

          Hallo Hans-Peter,
          ich scheine einen Nerv getroffen zu haben, so wie sich dein Ton mir gegenüber gerade entwickelt.
          Dass es dich nicht schert, was andere Menschen als geschmacklos empfinden, geht ja deutlich aus der von dir verlinkten Website hervor.
          Die Meinungsfreiheit gilt aber eben nicht nur für dich, sondern auch für uns andere.
          Dass wir eine andere Meinung haben und sie dir sagen können, ist keine Einschränkung der Meinungsfreiheit.
          Ich respektiere deine Wut, die dich dazu bringt, auf deiner Website sehr lange Texte zu schreiben und unterstelle, dass du dafür gute Gründe hast.
          Vergleiche zwischen deiner Situation und dem Mord an Millionen von Juden zu ziehen, wird deinem Anliegen aber sicherlich nicht nützen.

    2. Wolfgang Poth schreibt:

      Hallo Herr Krämer,
      es würde mich genauer interessieren, wodurch der Gesetzgeber vorsätzlich die wirtschaftliche Existenz von Selbständigen zerstört. Ich bin seit 15 Jahren Existenzgründungsberater und zeige meinen Kunden immer, wie relativ einfach es ist, sich in Deutschland eine Existenz aufzubauen, wenn man eine durchdachte Geschäftsidee hat.

      Sprache ist natürlich immer ein Ausdruck der Gedanken im Kopf. Wenn Sie von „Bundeskristallnacht“ sprechen, vermute ich mal eine Assoziation zu dem Pogrom, dass die Nazionalsozialisten „Reichskristallnacht“ nannten und bei dem Meschen ermordet und deportiert wurden. Ist Ihnen das auch passiert?

      1. Hans Peter Krämer schreibt:

        Ich habe nie geschrieben, dass es schon wieder so ist. Ich habe immer nur geschrieben, dass es wieder so kommen könnte. Das ist doch wohl ein ganz gewaltiger Unterschied.
        Falls es Ihnen als Berater nicht bekannt sein sollte – Zerstörungspotential hat gegenwärtige Gesetzgebung mehr als genug.
        Und Ihre übrigen Fragen – erklären Sie mir doch einfach mal, warum man einen Menschen mit 4.000, 5.000 oder 6.000 Euro Einnahmen pro Monat vor Steuern, Beiträgen und sonstigen Abgaben unbedingt noch zum Sozialfall machen muss, nur weil er in der falschen Berufsgruppe ist.

  11. Thomas Glüsenkamp schreibt:

    Auf jeden Fall Danke, dass Ihr Euch klar positioniert, und Nein, an dieser Stelle will ich auch hier eine Ruhe!
    Jeder Gegenwind hilft und ist notwendig, denn unsere Freiheit ist das Wertvollste, was wir haben.

  12. Christoph schreibt:

    Hier unterscheide ich zwischen (teils) schlechten Witzen und einer klar erkennbaren Meinung. Wenn ich merke, dass sich Menschen anderen aufgrund solcher „Merkmale“ überlegen fühlen, bekommen diese direkt ein sehr deutlichen Kontra. Rassismus ist ein Übel, welches Null Akzeptanz erfordert.

    Ist mein Gegenüber aber lediglich anderer politischer Meinung, so akzeptiere ich das nicht nur, ich respektiere das. Ich kann versuchen ihn/sie von meinen Argumenten überzeugen, wie auch er/sie das versucht.

    Zum Thema AFD: Mein Freundes- und Bekanntenkreis besteht zu ca. 80% aus Ausländern und Menschen mit MIgrationshintergrund. Auch meine Frau betrifft das und dadurch auch meine Kinder. Dennoch sind es viele von ihnen, die offen mit vielen Punkten der AfD sympathisieren. Logischerweise nicht aus rassistischen Gründen. Da geht es um innere Sicherheit, kein Vertrauen in die bisherige Politik und wie viel die Gesellschaft leisten kann. Aber das ist ein anderes Thema.

  13. Michael schreibt:

    Ab wann ist man rechts?

    Ich frage mich seit langen, auf welchem Weg sich dieses Land gemacht hat, dann schaut man sich das Verhalten von vielen Menschen an, stellt man sich doch die Frage, was ist passiert?
    Es werden Omas hingestellt als wären sie eine Umweltsau, es gibt Politiker, die sagen sie könnte mit Deutschland noch nie etwas anfangen und Man kann auf Bahnhöfen nicht mehr sicher auf den Zug warten. Ist man jetzt rechts weil man dieses Land, also Deutschland liebt? Ist man jetzt rechts, weil einem Ordnung wichtig ist? Ist man jetzt rechts wenn man seine freie Meinung äußern möchte? Und wer rechts kennt der müsste auch links kennen oder? was wird gegen links getan? Nehmen wir da einfach mal die Antifa! Gute es werden Teile beobachtet aber andere dürfen tun und lassen was sie wollen. Sind wir auf dem linken Auge blind? Wie viel alle Polizisten werden bei Linke und Rationen verletzt? Man muss nicht rechts oder links sein, aber sollte immer noch sich seine eigene Meinung bilden können.

    1. Peter schreibt:

      Hallo Michael,
      hier steht ein Artikel über Hetze, Rassismus und Terrorismus.
      Und du fühlst dich in deiner freien Meinungsäußerung bedroht?
      Peter

    2. Wolfgang Poth schreibt:

      Hallo Michael,
      gerade weil ich mein Geburtsland Deutschland liebe und verhindern möchte, dass das, was meine Eltern im Ersten und Zweiten Weltkrieg erleben mussten, noch einmal passiert, trete ich solchen Äußerungen entgegen. Ich bin in den Trümmern der Nachkriegszeit groß geworden und weiß, dass das, was vorhr passiert war, kein „Vogelschiss“ war.

    3. Kai-Ulrik Bräutigam schreibt:

      Versuche doch einmal solche Verallgemeinerungen sein zu lassen. Du tust ja gerade so, als könne man auf keinem Bahnhof friedlich auf seinen Zug warten. Du weißt selber, dass das nicht so ist. Alles andere wäre schlicht und einfach gelogen.
      Niemand sagt, dass du dein Land nicht lieben darfst. Niemand verweigert dir dein Recht, dass du deine Meinung frei äußern kannst. Und hier geht es nicht um das Thema Linke, sondern um das Thema Rassismus und rechtes Gerede. Somit ist dein Beitrag schlicht und einfach offtopic. Punktum.

    4. Thomas Kimmich schreibt:

      Die Geschichte mit der Oma als Umweltsau wurde gezielt von rechten zwischen den Jahren in die Medien gebracht.
      Vorher hat es wochenlang niemanden interessiert.
      Ziel war die Diffamierung der öffentlichen Medien.
      Und damit die Attackierung der Meinungsfreiheit.

      So raffiniert und bösartig gehen inzwischen gehen inzwischen rechte Gruppierungen gegen unser aller Freiheit vor.

      Danke für das Beispiel.

      1. Wolfgang schreibt:

        Ich kann Jürgen und Lutz nur zustimmen!
        Niemand kann etwas gegen Anti-Rassismus haben.
        Ich halte Sprüche wie „rechtes Gerede“ für ziemlich linksextremen Unsinn!
        Der Täter von Haunau war eindeutig und unzweifelhaft extrem geistesgestört – also unzurechnungsfähig
        Er wollte per Gedanken Jogi Löw und Donald Trump beeinflusst haben!

        Bei jedem brutalen Überall mit Messer, Vergewaltigung oder islasmistischen Anschlag wird gerne mal auf einen Einzelfall eines psyischich kranken Täters hingewiesen – wenn etwas „reeeechts“ sein könnte, spielt das keine Rolle mehr. Das ist keine Verschörungstheroie – das kann man ja täglich lesen.

        1. Sabine schreibt:

          Hallo Wolfgang,
          der Täter von Hanau war ohne Zweifel gestört. Das gilt wahrscheinlich für die meisten Attentäter, hier offensichtlich in besonderem Maße.
          Der Punkt ist, dass im öffentlichen Diskurs eine Verrohung stattfindet, pauschalisierende Aussagen, Vorurteile, die die Grundlage schaffen, dass solche Einzeltäter dann aktiv werden.
          Solche Ideologien gab es bei der NSDAP, bei der RAF, beim iS, jetzt ist die AfD und ihr Umfeld der Akteur, dem man diese Entwicklung zurechnen muss.
          Egal von wem so etwas kommt, dem müssen wir doch gemeinsam entgegentreten.
          Sabine

  14. Jana schreibt:

    Wenn sich mir gegenüber wer rassistisch, antisemitisch oder sonst wie menschenverachtend äußert oder sonst wie verhält, benenne ich demjenigen zunächst, warum ich die Äußerung bzw. das Verhalten für rassistisch, antisemitisch oder sonst wie menschenfeindlich halte. Danach halte ich mich offen fürs Gespräch, um zu klären, worauf sich solche Vorurteile gründen und halte ggf. z.B. das Grundgesetz, die Charta der Menschenrechte o.ä. dagegen. Das setzt allerdings voraus, dass das Gegenüber gesprächsbereit ist. Manchmal stecken hinter diffamierenden Äußerungen o.a. keine substantiellen politischen Überzeugen, sondern z.B. persönliche Ängste, sozialer Neid oder private Schwierigkeiten – wie etwa Armut oder Ausgrenzungsempfinden. Wenn sich wer rassistisch, antisemitisch oder sonst wie menschenverachtend äußert oder sonst wie verhält ohne zum Gespräch bereit zu sein, informiere ich zunächst mein berufliches Umfeld und überlege, ob noch weitere Schritte sinnvoll sein können, oder eben nicht.

  15. Kvert schreibt:

    Ich lebe im sächsischen kleinstädtischen Umfeld mit rechtsdenkenden Menschen zusammen. Unweit von mir entfernt gibt es eine Großstadt mit linksdenkenden Menschen. Ich habe für beide Richtungen kein Interesse und finde beide nicht gut. Wir leben allerdings in einer Demokratie und ich bin liberal genug um beiden Gruppierungen ihre Denkweisen zu akzeptieren, es bringt nichts diese Personen „bekehren“ zu wollen. Versetzen sie sich in die Lebenssituation und den Werdegang dieser rechten und linken Personen, diese sind in einem Milieu aufgewachsen die diese Denkweise automatisch mit sich bringt. Was mich am öffentlichen Diskurs stört: es wird ständig nur der „Aufstand gegen Rechts“ thematisiert, richtig müsste es aber heißen „Aufstand gegen Rechts und Links“. Denken sie die Antifa-Anhänger sind besser als die Nazis? Für die sind wir Solo-Selbständigen die es zu bescheidenem Wohlstand geschafft haben ebenso „das Letzte“.

    1. Horst schreibt:

      Hallo Kvert,
      du hast natürlich Recht, wir sind gegen Terror von rechts, links und Islamisten.
      Deshalb steht ja oben „Aufstand der Anständigen“.
      Menschenverachtung – und um die geht es hier – ist nicht zu entschuldigen, auch nicht durch die Lebenssituation und Werdegang.
      Man darf nicht bekehren wollen? Ok, aber wir dürfen doch auch unsere Meinung sagen, oder?
      Übrigens habe ich vor Nazis mehr Angst als vor Antifa-Anhängern – und ich bin nicht einmal Migrant und wohne auch nicht in einer sächsischen Kleinstadt.

      1. Kvert schreibt:

        Wenn sie radikalen Personen, also Rechts- und Linksextremen ihre Meinung sagen möchten, dann kann dies höchstwahrscheinlich in körperlichen Übergriffen auf sie enden, möchten sie das provozieren? Beide Gruppen sind nicht sehr intelligent, da wird Hirnmasse mit körperlichen Aktivitäten kompensiert.

    2. Thomas Kimmich schreibt:

      Um es mit dem Känguruh zu sagen:
      Linke zünden Autos an.
      Rechte Menschen.

      Vor dem Hintergrund der aktuellen Mordanschläge zu Toleranz aufzurufen ist entlarvend.
      Billiges AFD Framing – Das können Sie besser.

      1. Kvert schreibt:

        Ich denke das sie vom allgemeinen linken Mainstream zu vereinnahmt sind. Linksextreme würden genauso Rechte angreifen und verprügeln, wenn die Polizei nicht beide Lager ständig – unnötigerweise – trennen würde. Der Raum für die AfD wurde – leider – nur frei, da die CDU mit Merkel immer mehr nach links gerückt ist und – leider – Positionen der SPD übernommen hat. Ich denke das Merz, falls er Parteivorsitzender würde, dies wieder etwas korrigieren würde. Im übrigen irren sie sich, ich bin nicht AfD-Wähler, sondern FDP-Wähler. Die FDP ist, so denke ich, die Partei die am ehesten noch Positionen für Solo-Selbständigen einnimmt, und darauf kommt es letztendlich an. AfD Wähler und auch Politiker sind primitiv denkende Personen die durch Populismus auf Stimmenfang gehen wollen. Denken sie an die kriminellen Araber-Libanesen Clans in Berlin die öfters thematisiert werden, so etwas dient der ländlichen Bevölkerung als Abschreckung wie sie es nicht in ihrer Umgebung haben wollen und deshalb „als Vorsorge“ AfD wählen.

  16. Uwe Alschner schreibt:

    Danke, Andreas und Max!
    Das Problem liegt auf mehreren Ebenen. Und es beginnt mit dem Klima, in dem sich eine Gesellschaft entwickelt. Hier tragen die Repräsentanten eine große Verantwortung. Man kann den Umgang mit rechtem Gedankengut und Terror nicht umfassend verstehen und klären, ohne zu beleuchten, wie mit Ereignissen wie in Thüringen schleichend der Boden bereitet wird: Die unselige weder/noch-Haltung der CDU (andere kleinere lasse ich mal außen vor, aber es gilt dasselbe) macht es den Politikern wie Alexander Gauland, Björn Höcke und auch Hans-Georg Maaßen leicht, mit dem Finger auf Linke zu zeigen, wo angeblich Gefahr für die Bürgergesellschaft drohe. Dann kommen Wahlergebnisse zustande wie am 5. Februar, in denen jene, die selbst sagen, sie wollten „diese Regierung jagen“ zum Zünglein machen.
    Also fängt meines Erachtens unsere Verantwortung bereits dort an: den örtlichen Vertretern (in diesem Fall der CDU) klar zu machen, dass Schweigen Zustimmung bedeutet. Dass aktiver und öffentlicher Widerspruch aus den Ortsvereinen gegen solche Äquidistanz-Bekundungen nicht gehen. Wir haben alle die Möglichkeit und die Pflicht, für Recht und Anstand einzutreten. Und es ist unanständig, in der aktuellen Situation „Linke und Rechte“ gleichzusetzen. In dieser Logik hätten die Westalliierten die Sowjetunion nicht im Kampf gegen Hitler-Deutschland unterstützen dürfen.
    1976 hat Helmut Kohl die Anerkennung der Ostverträge für die CDU/CSU durchgesetzt. Widerstand gegen die Ostpolitik Willy Brandts hatte bis dahin in der CDU eine Bedeutung wie heute die Abgrenzung gegenüber der Linken. Gegnerschaft ist jedoch kein Selbstzweck, hat Kohl damals erkannt. Spahn, Merz, Ziemiak und Co. müssen das heute anerkennen, oder sie werden zunehmend an Bedeutung verlieren.
    Wenn wir diese Botschaft nicht an die örtlichen Politiker senden, wird es immer schwieriger, die richtigen Worte zu finden gegen Rechte und Versprengte. Denn die ziehen aus der taktischen Gleichsetzung von „Extremen“ ihren Nutzen und gewinnen an Zulauf.
    Natürlich höre ich nicht weg, wenn in meinem Umfeld dummes Geschwätz laut wird. Ich frage sie, wie sie zu der Meinung kommen und was sie eigentlich damit zum Ausdruck bringen wollen. Zumeist liegt tiefer Frust über politische und wirtachaftliche Zustände dahinter. Zustände, die von Feinden der Demokratie wie der AfD kanalisiert werden. Glaubwürdiges Handeln der „staatstragenden“ Politiker ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen, die frustriert sind, erkennen wie mit ihnen gespielt wird.

  17. Schlager schreibt:

    Ich hab was dagegen dass der Normalverdiener die Zeche der Einwanderer bezahlt, während die Beamten weder mit ihren Beiträgen zur Rente noch für die Sozialversicherungen herangezogen werden.Für eine Anständige Rente der Arbeiter ist kein Geld vorhanden, aber für die Einwanderer schon. Wo bleibt die Gleichberechtigung innerhalb der Union? Ich hab nichts gegen einen Einwanderer der hier seinen Lebendsunterhalt verdient, gegen alle anderen ja. Wir Deutsche haben immer noch nicht begriffen was da abgeht, die Zeche zahlen wir. Demokratie wie sie oft gepredigt wird schafft nicht der Bürger ab, sondern die Regierung, die Schuld aber trägt dann das Volk. War schon immer so.

    1. Uwe Alschner schreibt:

      „Der Normalverdiener“ zahlt keine Zeche für Einwanderer. Ein Unrecht (Ungleichgewicht bei Beiträgen zur Sozialversicherung und anderen Sachgebieten) ist kein Argument für anderes Unrecht. Flüchtlinge geniessen bei uns aus guten Gründen umfassenden Schutz. Das hat mit unserer Geschichte zu tun. Und Menschen anderen Glaubens, anderer Rasse und anderen Geschlechts oder Weltanschauung sind und bleiben Menschen mit einer Würde, die unantastbar ist. „Sippenhaft“ ist ein Kennzeichen für Totalitarismus und Menschenfeindlichkeit, weil dabei Verallgemeinerungen über angebliche „charakteristische Eigenschaften“ gezogen werden, die unahaltbar sind. Sonst wären wir nämlich alle mit der Schuld beladen, die unsere Vorfahren auf sich geladen haben. Sind wir jedoch nicht. Wohl aber stehen wir in einer besonderen Verantwortung dafür, dass sich dergleichen nicht wiederholt.

    2. Petra schreibt:

      Hallo Schlager,
      deinen Frust über die Beamtenpensionen kann ich ja verstehen. Aber das sind doch überwiegend Deutsche, oder?
      Hast du eine Quelle dafür, dass Normalverdiener die Zeche der Einwanderer bezahlen? – Ich kenne die Zahlen eigentlich so, dass das Rentensystem auf Zuwanderung angewiesen ist, weil wir Deutschen nicht genügend Kinder bekommen haben.
      Du hast nichts gegen einen Einwanderer, die hier ihren Lebensunterhalt verdient? Aber gegen alle anderen ja.
      Auch gegen die Touristen, die hier viel Geld ausgeben?
      Ich arbeite mit Kollegen aus Osteuropa zusammen, die sind sehr fleißig und ohne sie würde der Laden hier zusammen brechen.
      Wäre nett, wenn du deine Behauptungen mal etwas mit Tatsachen unterfüttern könntest.

    3. Andreas schreibt:

      Was können Einwanderer dafür, dass Beamte keine Rentenbeiträge zahlen, sondern Pensionen erhalten? Die meisten kennen diesen Sachverhalt wahrscheinlich gar nicht.
      Was können Einwanderer für Fehler in der Rentenpolitik? Die Ausgaben für Flüchtlinge, das ist wahrscheinlich gemeint, beeinflussen in keinster Weise die Rentenhöhe.
      Was sollen wir Deutsche denn begreifen? Im übrigen kommen die meisten Einwanderer hier her, um zu arbeiten, von Amts wegen wird ihnen das aber nicht erlaubt?
      Anstatt also irgendwelche kruden Theorien hinterherzulaufen, würde ich erst einmal raten, sich mit den Fragen Einwanderung und Flüchtlinge auseinanderzusetzen und ein paar Fakten dazu zu lesen.

  18. Monika Hartmann-Bischoff schreibt:

    Danke dafür, dass ihr den Austausch darüber offensiv ermöglicht, das finde ich gut.

    Wenn ich aus dem Bekannten- oder Freundeskreis rassistische Witze, Videos oder sonstige Beiträge zugesendet bekomme, nehme ich dazu Stellung (wenn das inhaltlich geht) oder schreibe zurück, dass ich solche Beiträge nicht zugesendet bekommen möchte. Meine inhaltliche Positionierung bezieht sich auf den Erhalt oder die Verteidigung von Toleranz, Vielfalt, Gemeinsamkeit unterschiedlicher Kulturen und Auffassungen sowie Menschenwürde. Erlebe ich in Gesprächen rassistische und rechte bzw. rechtsradikale Äußerungen, positioniere ich mich ebenso. Dabei habe ich erlebt, dass mit den Vertreterinnen und Vertretern rassistischer und rechtsradikaler Äußerungen nicht auf Augenhöhe zu sprechen ist. In solchen Fällen habe ich bisher die Diskussion beendet, das gemeinsame Gespräch verlassen und auch schon Kontakte beendet. Im beruflichen Umfeld habe ich solche Situationen noch nicht erlebt.

    Ansonsten engagiere ich mich bei Aktionen für Vielfalt und Toleranz, um zu zeigen, dass wir mehr sind als die, die unsere Demokratie angreifen. Als die AfD eine Versammlung im Dorfgemeinschaftshaus unseres Ortes abgehalten hat, habe ich mit etwa 15 anderen Personen eine Demonstration für Vielfalt und Toleranz in unserem Ort organisiert. Wir haben der AfD keine Aufmerksamkeit geschenkt und ihre Veranstaltung nicht besucht. Vor dem Veranstaltungsort haben sich mit 250 Personen etwa 5 Mal so viele getroffen und sich für Vielfalt und Toleranz ausgesprochen, wie wir erwartet hatten. Da wurden kreative und berührende Meinungsäußerungen auf selbstgefertigten Transparenten gezeigt, ein bunter Querschnitt der Bevölkerung war anwesend und hat mit Gesprächen untereinander, kurzen Beiträgen z. B. des Ortsbürgermeisters und Liedern mit passenden Texten für Toleranz und Vielfalt eingestanden. Das war ein berührendes und stärkendes Erlebnis, nicht nur für mich, sondern mit Wirkung auch über den Kreis der Demonstrationsteilnehmenden hinaus. Seither halten wir das Thema: „Sichtbar für Vielfalt und Toleranz“ hier aktiv: Wir haben eine Resolution entworfen, die in unserem Ortsrat verabschiedet wurde und in weiteren Ortsteilen sowie dem Stadtrat ebenfalls diskutiert und verabschiedet wurde/wird. Wir planen Veranstaltungen, um das Weggucken und die Sprachlosigkeit zu überwinden und die Gefahr für unsere demokratische Gesellschaft aufzuzeigen.

    Ich finde es wichtig, sich zu zeigen und zu positionieren, denn sonst nutzen die rechtsradikalen, antidemokratischen Kräfte Ärger und Unmut in der Bevölkerung geschickt und medienwirksam aus und die schweigende Mehrheit bleibt unsichtbar.

    1. Thomas Kimmich schreibt:

      Vielen Dank für diesen unglaublich spannenden konstruktiven und proaktiven Beitrag!
      Vielleicht wäre es möglich, daß Du zuünftig beim vgsd verantwortlich zeigst für Vielfalt, Tolerantz und Menschenwürde?
      Wir können so soltz sein auf die Freiheit in diesem Land.
      Wir müssen es nur tun.
      Du bahnst hier Wege!
      Selbsständig.
      Danke!

    2. Andrea Ballhause schreibt:

      Hallo Monika,

      was du beschreibst wie ihr in eurem Dorf die Mehrheit sichtbar gemacht habt und euch weiter dafür einsetzt, finde ich klasse! Ich glaube das ist ein wirklich guter Weg und hoffe, dass er an möglichst vielen anderen Orten ebenso gegangen wird!
      Alles Gute weiterhin und danke für deinen Beitrag!
      Andrea

  19. Nico B. schreibt:

    Das Thema geht uns alle an! Deshalb ist es gut, wenn es in allen gesellschaftlichen Bereichen und Organisationen thematisiert wird, auch hier.

    Wehret den Anfängen, Nie wieder!

    Das fängt bei uns selbst an, indem wir jeden Menschen, egal welche Meinung er vertritt, wertschätzend begegnen und ihn in seinen Ansichten ernst nehmen. Das heißt noch lange nicht, dass wir deren Meinung teilen müssen. Aber wir sind alle Menschen und niemand wird als Rassist geboren. Wie können Menschen nur dann in die Mitte der Gesellschaft zurückholen, wenn wir sie nicht ausgrenzen, sondern sie in ihren Befürchtungen, Gefühlen und Stimmungen ernst nehmen. Nur dann besteht die Chance, dass sie sich auch sachlichen Argumenten wieder öffnen.

  20. Raum der Zeit schreibt:

    Unternehmensethik ist ein großes Thema. Meine persönlichen lebenden Vorbilder sind im deutschsprachigen Bereich Unternehmer wie Götz Werner. Die Konzepte von Augenhöhe finde ich sehr wichtig (https://augenhoehe-film.de/filme/). Generell setzt agiles Arbeiten gegenseitigen Respekt und Achtsamkeit voraus. Diese freien Denkweisen halten autoritäre indoktrinierte Menschen von beiden extremen Lagern eher ab. Nicht jeder hat den Luxus sich seine Kunden auswählen zu können. Patentrezepte sind schwierig.
    .
    Im privaten Bereich ist die Gesellschaft gespalten. Ich bin von gut verdienen, unkündbaren Beamten umgeben. Die jede Sozialromantische, These schönreden. Zum anderen kenne ich Facharbeiter, die in den höchsten Steuerklassen sind. Dort helfen wenig Argumente, diese wurden von nationalen und rassistischen „Hasspredigern“ indoktriniert. Was mich verwundert ist, die Wurzel der Wut sind nicht die anderen, sondern im Grunde die hohen Abgaben. Lösungen werden schon seit Jahrzehnten diskutiert, Religion sollte mit Ethik als Pflichtfach ersetzt werden. Wirtschaftliche Bildung gehört genauso zu einer freien Gesellschaft. Die Folgen spüren wir als Selbstständigen seit Jahren und gerade sehr stark. Der Nährboden für Hass kann mit Abgabensenkungen erst mal entzogen werden. Wohlstand und Bildung sind meiner Meinung nach, die besten Bollwerken einer freien Gesellschaft. Ob in diesem Umfeld mal ein Politiker aufsteht und sagt, Ludwig Erhard rockt und hilft?
    .
    Ansonsten haben Jesus, Buddha, Moses, Mohamed, Konfuzius und viele andere gute Lösungen entwickelt. Oder wie wäre es mit Kant dem kategorischen Imperativ?
    .
    Bevor mich nun jemand als wirtschaftsliberal beschimpft, WIZO Raum der Zeit oder NOFX höre ich heute noch gerne.

  21. Thomas Kimmich schreibt:

    Meine Maßnahmen:
    – Ich habe lange Zeit auf facebook ‚diskutiert‘. Das habe ich aufgegeben, da es nur Aufmerksamkeit schafft, was gezielt genutzt wird. Facebook ist hier ein Haß Verstärker. Giftige Gedanken werden virulent. Ich habe den Account daher still gelegt.
    – Wenn Kollegen beispielsweise gegen rreligiöse Gruppen hetzen gehe ich weg – und bin nicht stolz darauf.
    – Einen langjährigen Freund hab ich geblockt, nachdem er mir wiederholt Verschwörungstheorien per Whatsapp zugesandt hat.
    – Einen Freund der vom Kaiserreich träumt und den Holocaust leugnen möchte ( warum nur?) nehme ich diesbezgl nicht ernst.
    – Mit meiner Bäckereifachverkäuferin und meinem Fischhändler habe ich nicht über Hanau geredet.

    Ich möchte mehr Stolz: Auf ein Vaterland, das uns allen soviel Freiheit und Freude und Wohlstand ermöglicht.
    ‚Migranten‘ sind für mich im Alltag realistisch betrachtet eine unglaubliche Bereicherung, ganz abgesehen von der wirtschaftlichen Notwendigkeit.

    In kultivierten amerikanischen Kreisen gilt es als ‚unamerikanisch‘ gegen Migranten zu sein.
    Auch hier können wir nur von anderen Kulturen lernen und profitieren.

    1. Andreas Lutz schreibt:

      Hallo Thomas,
      dir und all den anderen (z.B. Marius oben), die ausführlich und teils recht selbstkritisch ihre Erfahrungen teilen, ganz herzlichen Dank.
      Sinn meines Beitrags ist ja, dass wir uns einerseits selbst vergewissern, dass wir in der Mehrheit sind, ich fühle mich durch die Kommentare hier gestärkt für schwierige (Gesprächs-)Situationen.
      Und ich nehme auch viele konkrete Tipps und Anregungen mit, z.B. die Hinweise bzw. Links von Stefan und Elke Müller oben.
      Danke!
      Andreas

  22. Gökhan schreibt:

    Hallo zusammen,
    ich danke Andreas und dem VGSD insgesamt, dass ihr Rassismus im Alltag thematisiert. Es ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass ich als deutscher mit Migrationshintergrund wenig vom rechten Geschwätz unter Kolleginnen und Kollegen mitbekomme. Ich finde jedoch, man muss klare Haltung bewaren und direkt solche Personen zu rede stellen. Es sollte einem nicht peinlich sein, im Gegenteil, es muss dem Gegenüber, der menschenverachtende These verbreitet peinlich sein. Je mehr man diese Thesen salonfähig macht, desto schwieriger wird es in Zukunft sein mit sachlichen Argumenten diesen entgegenzutreten.

    Ich war gestern in Hanau und habe die Familien der getöteten Jugendlichen gesehen. Der Schmerz der Ihnen zugetragen wurde ist unermesslich. Ich hätte mich in diesem Augenblick zu tiefst geschämt, wenn ich in der Vergangenheit keine klare Haltung gegenüber Rassismus gezeigt hätte.

    Beste Grüße,

    Gökhan

  23. Stephanie schreibt:

    Meine Erfahrung ist, dass meist Menschen Vorurteile haben, die mit „Ausländern“ gar nicht konfrontiert werden. Das zeigen die Wahlergebnisse der AFD in Regionen mit sehr geringem Migrationsanteil. Wer in Frankfurt oder Hanau lebt, lebt mit vielen Mitbürgern mit Migrationshintergrund und merkt schnell, dass ohne sie nicht mehr viel gehen würde im Alltag – und dass wir alle nur Menschen sind. Leider lassen sich viele Mitbürger von Vierteln verunsichern, die nicht mehr dem althergebrachten Städtebild entsprechen, wo sich vielleicht nur noch Shishabars und Dönerimbisse aneinanderreihen. Ich kann das fast auch in bißchen nachvollziehen, denn gelegentlich befremdet es mich als Frau auch durch manchmal wirklich rein männlich geprägte Bereiche zu laufen, in dem Frauen offensichtlich nicht vorkommen (manche Ecken mit Kaffeehäusern im Frankfurter Bereich Konsti zum Bespiel). Ich glaube, mehr Miteinander ist gefragt, keine Ghettobildung. Migranten sind absolut keine Verbrecher, aber Deutsche sind auch per se keine Nazis. Wenn ich Aussprüche gegen Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund im privaten und beruflichen Alltag höre, versuche ich sachlich zu berichten, wie unser Leben ohne Migration nicht mehr funktionieren würde. Ich fand interessant, dass bei meinem letzten Umzug zwei junge Männer mit arabischen Hintergrund meinen Trockner geliefert und installiert haben (in astreinem Deutsch übrigens), zwei Romanen die Küchenmöbel lieferten, zwei Russen sie einbauten und ein junger Mann mit italienischen Wurzeln die Malerarbeiten erledigt hat. In der Bäckerei um die Ecke arbeitet ein junger Syrer. Die Damen, die abends das Büro bei meinem aktuellen Kunden in Baden-Württemberg die Büros reinigen, sind alle Migrantinnen. Ich glaube nicht, dass sie jemanden die Arbeit wegnehmen. Das überzeugt zwar nicht jeden, eröffnet aber neue Sichtweisen. Schön ist doch zu sehen, dass die AFD in den ersten repräsentativen Umfragen nach den Anschlägen in Hanau schon 2% potentielle Wähler verloren haben. Damit verliert der „salonfähige“ Rechtsradikalismus hoffentlich dauerhaft an Zustimmung.

  24. Wolfgang Poth schreibt:

    Lieber Andreas,
    lieber Max,
    ganz herzlichen Dank, dass Ihr das Thema zur Diskussion im VGSD stellt. Ich habe schon Kommentare zu einigen Beiträgen geschrieben und bräuchte leider noch mehr Zeit dafür.
    Ich möchte ein positives Erlebnis zum Thema schildern: Vor eiger Zeit war ich Schöffe am hiesigen Landgericht und es stand eine Gerichtsverhandlung zu einer Klage wegen Volksverhetzung an. Die Beklagte hatte in einem einschlägigen Forum naziverherrlichende Beiträge gepostet und geteilt. Sie trat vor Gericht mit ihrer aus der gleichen Szene stammenden Anwältin auf. Die Anklage war zum Glück von Ermittlern des LKA, die regelmäßig das Internet nach solchen Beiträgen scannen, gut begründet, so dass ein entsprechendes Unteil vom Gericht gesprochen werden konnte. Der vorsitzende Richter sagte sinngemäß in der Urteilsbegründung: „Wir urteilen hier nicht über Ihre Meinung. Wir urteilen über vom Gesetzgeber beschlossene Grenzen, die zu überschreiten strafbar ist. Wir werden vermutlich Ihre Meinung nicht ändern können, aber wir werden klarstellen, dass die von der Gesellschaft gesetzten Grenzen eingehalten werden.“ Ich war voller Hochachtung über diese klare Haltung eines deutschen Gerichts.
    Ich bin in den Trümmern der Nachkriegszeit groß geworden und die Erzählungen meiner Eltern über die Schrecken des Krieges und der Nazizeit haben mich geprägt. Es darf nicht sein, dass das Gedankenwerk, das zu dieser Katastrophe geführt hat, wieder aufersteht und akzeptiert wird.
    Ich danke jeden Tag dafür, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in dem ich ungstraft staatliche Willkür als solche bennen und bekämpfen kann, dass wir seit langem keinen Krieg erleben mussten und dass wir allen Menschen offen und freundlich begegnen dürfen. (Dass ich aber ein A*loch auch ein A*loch nennen darf).
    Viele Grüße
    Wolfgang Poth

  25. Gerd Aschemann schreibt:

    Danke für den Beitrag! Ich finde es sehr gut und sehr wichtig, dass wir als Verband hier auch klar Stellung beziehen und uns untereinander austauschen.

    Im beruflichen Umfeld ist mir sowas bisher selten begegnet. Ich bin in vielen User-Groups und Meetups unterwegs. Eine Person, die ich beruflich sehr schätze, bewegt sich auf Twitter leider in einer Filterblase rechter Propaganda (meine Meinung). Irgendwann bin ich ihr mit deutlichem Mißfallensbekenntnis entfolgt, weil ich es nicht mehr aushalten konnte, was sie da so re-tweetet hat. Danach habe ich sie noch einmal persönlich getroffen, keine sehr fruchtbare Diskussion über die Gefahren der Migration geführt. Sonst lässt sie sich nicht mehr blicken. Ein wenig schade, oder gut so, irgendwann würde es zum Konflikt zwischen uns kommen.

    Falls ich bei meinen Kunden auf so etwas stoßen würde, würde ich es offensiv ansprechen, es ggf. auch eskalieren (Mitarbeiter des Kunden, anderer Externer, wer auch immer: Egal) und lieber auch das Projekt verlassen. Wir IT-Freelancer haben es derzeit aber auch einfach, was anderes zu finden. Wenn man den Kunden/das Projekt braucht, ist es sicher schwieriger.

    Halte gelegentlich Vorträge und habe für mich einen Weg gefunden, zu zeigen, wen ich lieber nicht als Zuhörer dabei haben möchte: Ich frage am Anfang, wer Sticker haben möchte (bei Entwicklern sehr beliebt). Dann zeige ich eine Abbildung von _FGHT NZS_-Stickern und weise mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass ich solche Sticker leider nicht habe (sondern nur andere). Bisher hat daraufhin noch niemand den Raum verlassen, aber ich denke, die Message ist bei den meisten angekommen.

    Im privaten Bereich bin ich zum Glück selten mit sowas konfrontiert. Die längste Diskussion hatte ich kürzlich mit einer Verwandten, eigentlich eine intelligente Frau, promoviert. Sie sprach von Ängsten, wenn sie sich Nachts in ihrem Kiez bewegt, das sei ja viel schlimmer als noch vor 20-30 Jahren. Auch ihre Freunde würden das so sehen. Sie sei nicht gegen Ausländer, aber es habe sich ja was verändert in den letzten Jahren. Meine Kinder (bin da sehr stolz auf sie) und ich haben dagegen geredet, möglichst sachlich, und nach konkreten Problemen gefragt. Sie konnte keine nennen, nur eben das ungute Gefühl und die Einigkeit, die in ihrer Peer-Group darüber herrsche.

  26. Markus Christopeit schreibt:

    Hallo zusammen,
    ich frage mich schon seit geraumer Zeit, warum es erst größerer Ereignisse im eigenen Umfeld bedarf, bevor wir wirklich aktiv werden? Jetzt passiert es direkt vor der Haustür und auf einmal wachen wir auf. Ich bin schon als Kind multikuturell aufgewachsen. Mein Vater hat sein Leben lang sich eingesetzt und klar und deutlich geäußert, wenn Menschen sich antisemitisch, rassistisch, fanatisch religiös, politisch oder homophob artikuliert haben. Für mich gab und gibt es nur Menschen – egal wo sie herkommen, was sie glauben und welcher sexuellen Orientierung sie auch sind. Zivilcourage gehört zu meinem Grundrepertoire an Werten. Ich äußere mich, wann immer ich damit konfrontiert werde und greife auch, wenn es sein muss.
    Das Problem, aus meiner Sicht, ist, dass es gerade uns Erwachsenen an dem Mut fehlt, sich zu engagieren, sich zu positionieren, zu artikulieren und sich zusammen zu tun. Unsere Kinder machen es uns vor!
    Ich finde es gut und richtig, wenn sich der VGSD engagiert und wir gemeinsam gegen Gewalt in jeder Form uns artikulieren. Wir müssen uns mit den radikalen Tendenzen, egal aus welcher Richtung, auseinandersetzen und gemeinsam den Anfängen wehren.
    Wünsche noch einen schönen und erholsamen Faschingssonntag.
    Markus Christopeit

  27. Kerstin schreibt:

    Ich habe lange Zeit für einen Kunden gearbeitet (was mir im Nachhinein erst auffiel: ein rein deutsches Team) mit dem ich persönlich sehr gut auskam. Als ich immer mehr in der Asyl-Hilfe arbeitete, wurde ich vermeintlich scherzhalber plötzlich in der Firma ständig mit „ du und deine Ausländer“, konfrontiert. In meiner Gegenwart wurde begonnen permanent über Ausländer herzuziehen. Anfangs versuchte ich noch herauszufinden, woher diese negative Meinung kommt, diese Abneigung gegen das Fremde, versuchte die für mich vollkommen unerklärlichen schrägen Gedankengänge nachzuvollziehen. „Alle Ausländer nehmen Dir das Geld/die Arbeitsplätze/vergewaltigen Frauen/machen 10 Kinder/ sind faul/kriegen alles bezahlt -von unserem Steuergeld/das ist unser Deutschland“ usw.

    Ich versuchte dagegen zu reden, beziehungsweise sie selbst durch (besänftigende Fragen und Anmerkungen) darauf kommen zu lassen, dass diese pauschale Abneigung ein Schmarrn ist. Ich stellte jedoch ziemlich bald fest, dass, bevor es soweit kam, dass man genauer über das Geäußerte nachdachte, dieser eine merkwürdige Gesichtsausdruck zu Tage trat:. Diese Rage, eine Maske aus Zorn und Abwesenheit, dieses Beharren auf einer für mich erscheinenden vollkommen unreflektierten Meinung, Meist hervorgestoßen mit einer aggressiven Wut und einer verfärbten Gesichtsfarbe. Ich kann es überhaupt nicht beschreiben. Mir war es wirklich wahnsinnig unheimlich, wie sie auf der einen Seite so wahnsinnig nett sein können, aber es auf der anderen Seite… so… Feindlich. – Tatsächlich ließ ich mich auf Diskussionen nicht wirklich ein und die Äußerungen ließen nach.

    Jedoch entschied ich mich nach längerem Nachdenken (es war ein guter Kunde) dafür, die Zusammenarbeit aufgrund der tiefverwurzelten Ausländerfeindlichkeit letztendlich zu beenden. Nun habe ich wiederum einen einen Kunden, dessen Geschäftsführer ebenfalls unendlich ausländerfeindlich – gerade gegen Schwarze und Moslems – ist. Und das Hadern beginnt von neuem.

    Ich finde es wirklich wahnsinnig erschreckend. Ich bin mit „Kunterbunt-gemischten“ Kindern aufgewachsen, habe „kunterbunt-gemischte“ Freunde und Kollegen. Für mich ist Rassismus so… unerklärlich.

  28. Karsten Paulsen schreibt:

    Ich trenne strikt zwischen Privatem und Arbeitsleben. Bei meine Auftraggeben halt ich meinen Mund, meine Ansichten spielen keine Rolle. Meinungsfreiheit gibt es meines Erachtens nur noch in einem sehr schmalen Meinungskorridor, die verordnete Selbstzenzur quillt inzwische durch alle Ritzen, und jetzt auch beim VGSD. Hätte ich nicht schon meine Mitgliedschaft aus Altersgründen gekündigt, wäre dies jetzt ein weiterer Kündigungsgrund-

    1. Hubert schreibt:

      Hallo Karsten,
      in dem Beitrag oben geht es um Rassismus und Hetze im Kontext terroristischer Attentate und dass man bei rassistischen Äußerungen etwas sagt, statt zu schweigen und darüber hinweg zu gehen. Inwiefern ist dadurch deine Meinungsfreiheit bedroht? Siehst du das, was du gerne sagen würdest, selbst als rassistisch an und geeignet, solche Attentate zu verursachen?
      Fühlst du dich in deiner Meinungsfreiheit beschränkt, wenn andere es wagen, deine Äußerungen sachlich zu hinterfragen, wie es oben in einigen Fällen geschehen ist?
      Du willst aus einem Verband austreten, weil er sich gegen Rassismus und Hetze wendet?
      Kannst du das mal genauer erklären?

    2. Wlad schreibt:

      Hallo Karsten,
      ich stimme zu. U.a. Politik und Religion sollen nicht zu Arbeitswelt gehören. Wenn ich in Diskussion nicht treten will, sage ich, dass ich von solchen Themen nichts anderes als Kopfschmerzen bekomme. Wie 70% von Deutschen, wage ich meine Meinung nicht immer äußern. Besonders gefährlich für einzelnen und für die ganze Gesellschaft finde ich die Ideen, dass falsch denkende Leute auch beruflich bestraft werden sollen.
      “I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it” ist heute nur eine historische Anekdote.
      Falls VGSD sich weiter auf die Themen konzentriert, kündige ich meine Mitgliedschaft.

      1. Andrea Ballhause schreibt:

        Freie Meinungsäußerung heißt nicht, dass ich meine abweichende Meinung nicht äußern dürfte. Und es heißt auch nicht, dass ich so tun muss, als ginge mich das alles nichts an. Ich kann dafür sein, dass jemand seine abweichende Meinung äußern darf und gleichzeitig klar machen, dass ich mit Menschen mit dieser Meinung nicht zusammenarbeiten möchte.

        Dazu kommt noch, dass es gesetzliche Grenzen gibt. So wie es Wolfgang Poth im seinem Kommentar vom
        23. FEBRUAR 2020, 12:39 von einem Gerichtsurteil berichtet hat, dem er als Schöffe beiwohnte und in dem es um eine Frau ging, die wegen Volksverhetzung vor Gericht stand. Er schrieb:
        „Der vorsitzende Richter sagte sinngemäß in der Urteilsbegründung: „Wir urteilen hier nicht über Ihre Meinung. Wir urteilen über vom Gesetzgeber beschlossene Grenzen, die zu überschreiten strafbar ist. Wir werden vermutlich Ihre Meinung nicht ändern können, aber wir werden klarstellen, dass die von der Gesellschaft gesetzten Grenzen eingehalten werden.“

        Ich finde es sehr gut, dass der VGSD sich dieses Themas annimmt und nicht wegguckt.

  29. Thorsten schreibt:

    Es wird anhand dieser Kommentare deutlich, dass wir uns einig sind, was sich gehört und was zu tun ist. Alles andere wäre vor dem Hintergrund unseres wohl überdurchschnittlichen Bildungsniveaus auch unverständlich. Wir gut ausgebildeten Selbständigen haben den Intellekt, um den Menschenfängern der Rechten nicht in ihr Netz von Hass und Hetze zu gehen. Und vielleicht haben wir auch den Mut, ihren Auswüchsen mit Zivilcourage zu begegnen.
    Das fühlt sich erst einmal gut an – und greift aus meiner Sicht dennoch zu kurz. Denn wenn wir dank unserer Bildung und unabhängigeren Position privilegiert sind, erwächst daraus auch eine größere Verantwortung. Es genügt dann nicht mehr, den Hetzer in seine Schranken zu weisen. Wir müssen mehr tun und uns eingestehen, dass wir eigentlich schon zu spät dran sind. Das Kind ist unter unseren Augen bereits in den Brunnen gefallen. Und versäumt haben wir unter anderem dies:
    Wir haben zugelassen, dass in unserem Erziehungs- und Bildungssystem gelebte Demokratie und Kooperation, Herzensbildung und der Schutz von Schwächeren nahezu vollständig aus den Curricula verschwunden ist. Es wurde hier und da darüber gesprochen, den gelebten Alltag Heranwachsender dominieren heute mehr als je zuvor die schulische Selektion, Gleichgültigkeit und Konkurrenz. Wir haben ebenfalls zugelassen, dass auch aus dem Miteinander der Erwachsenen das Solidaritätsprinzip weitgehend verschwunden ist. Unter der Prämisse der Liberalisierung wurden wir alle zum Schmied unseres eigenen Glückes und empfinden Verpflichtungen Dritten gegenüber als Last und Zumutung. Auch wir haben zugelassen, dass neben den politischen Leitbildern auch der Bildungskanon auf das ökonomisch Verwertbare reduziert wurde. Gleichzeitig wurden auch dem letzten Lebensbereich das Dogma des Gewinnstrebens verordnet. Bis sogar im Gesundheitswesen und an den Universitäten gezittert wird, wenn die Zahlen nicht stimmen.
    Nun verdienen die Blitzgescheiten eine Menge Geld, und müssen mit Entsetzen feststellen, was die Kollateralschäden dieser Entwicklung sind und dass die ihr gutes Leben zu gefährden drohen. Reflexhaft bilden sich Fronten gegen die Idioten, die es nicht kapiert haben (Vorsicht, Ironie!). Aber dieser Ärger kommt wohl zu spät. Besser wäre es, auch wenn es noch so unangenehm ist, wir würden an die eigene Verantwortung appellieren und unseren Möglichkeiten gemäß handeln, indem wir die Gesellschaft wieder zu einer solidarischeren und damit für alle anderen ebenfalls lebenswerteren werden lassen. Denn nicht nur Historiker, Soziologen und Sozialpsychologen wissen, dass ein Mangel an Solidarität früher oder später die Massen auf die Barrikaden treibt. Und diese Massen erheben sich gerade – auch gegen uns.

    1. ReLue schreibt:

      Danke für diese gleichermaßen weitblickende und erschütternde Analyse. Sie ist deshalb so wertvoll, weil sie auf das weist, wofür wir uns jetzt engagieren sollten. Und ich bin überzeugt, man kann viel mehr erreichen, wenn man sich für etwas Gutes engagiert, als wenn man gegen etwas Böses kämpft.

  30. Petra schreibt:

    Andreas, vielen Dank für diesen Beitrag. Ja, auch dieses Thema beschäftigt uns. Gestern Abend habe ich eine Freundin getroffen. Wir haben über die aktuellen Ereignisse gesprochen. Ihr Mann ist türkischer Abstammung und erlebt Diskriminierung immer wieder, z.B. wenn „deutsche“ Zollbeamte ihn in gebrochenem Deutsch fragen „Du Ausweis geben“ etc. Ich könnte heulen. Am Mittwochabend bin ich mit dem ICE durch Hanau gefahren, etwa 4 Stunden vor dem Attentat, habe später in den Nachrichten davon erfahren. Wir haben uns gefragt „In was für einer Welt leben wir? Was können wir tun?“ In meinen Projekten arbeite ich meist in internationalen Teams, die rund um den Globus verteilt sind, die Zusammenarbeit ist respektvoll und wertschätzend, worüber ich sehr froh bin. Auch bei meinen kleinen Events ist das Publikum oftmals international. Es ist schön zu sehen, wie sich die Leute öffnen und einander über Grenzen hinweg kennenlernen. Nur einmal hatte mir eine Kundin erzählt, welche Partei sie wählen will. In dem Moment atmet man erst mal tief durch. Eine Bekannte, Angestellte der Arbeitsagentur, beschwerte sich über die Arbeitsmoral „der“ Flüchtlinge. Geschwiegen habe ich noch nie. „Im Kleinen“ suche ich oftmals ganz bewusst den Kontakt zu Minderheiten, möchte mich solidarisch zeigen. Da ist das kleine Cafe, in dem Personen mit Behinderung beschäftigt sind. Wie sich sich über Trinkgeld freuen, tut einem selbst gut. Da ist der Angestellte des Döner-Ladens bei uns im Ort, der oft griesgrämig vor der Tür saß, wenn ich vorbei ging. Irgendwann hatte ich ihm endlich ein Lächeln entlockt, heute grüßt er immer freundlich. Da ist der dunkelhäutige Mann, der in der vollen U-Bahn neben mir stand und mich versehentlich anrempelte. Als ich ihn ansah, schaute er fast ängstlich. Ich lächelte ihn an, er lächelte zurück und beim Gehen verabschiedete er sich von mir. Solche Situationen sind zwar nur Kleinigkeiten, aber doch Zeichen. Neue Gesetze beheben nicht die Ursache der aktuellen Entwicklungen. Der Mensch, die Gemeinschaft muss im Vordergrund stehen.

  31. Dr. Markus Gerle schreibt:

    Zu dem Thema eine konträre Meinung zu äußern, ist dieser Tage ziemlich gefährlich. Dennoch wage ich es. Ich finde es nicht gut, dass der VGSD sich jetzt solcher Themen annimmt. Dies ist übrigens der Grund, warum ich weder Mitglied in irgendeiner Partei noch in so einem Interessenverband bin. Sehr schnell wird man vereinnahmt, sich für Dinge zu engagieren, zu denen man sich gar nicht engagieren wollte. Meine Existenz als Solo-Selbständiger wird derzeit eher vom linken Parteienspektrum und explizit der SPD gefährdet. Diese Partei gefährdet zunehmend auch meine private Altersvorsorge. Gerade ist bei mir wieder ein Deal geplatzt, weil der Endkunde Angst vor Scheinselbständigkeit hat. Dort will man zwar deutschsprachige Berater haben. Die dürfen aber nicht mehr aus Deutschland kommen. Das erzeugt schnell Wut, die in Hass umschlagen kann. Selbstverständlich neigen gebildete und geistig gesunde Menschen nicht zu Gewalt. Sie resignieren eher, ziehen sich zurück oder flüchten anderweitig (z. B. durch Auswanderung).
    Ansonsten habe ich in den letzten 20 Jahren hauptsächlich internationale Projekte zumeist als Projektleiter geleitet. Rassismus gibt es da selbstverständlich nicht. Das wäre ja ziemlich unerträglich, da die Teams immer sehr heterogen waren und zumeist – einschließlich mir – fast nur aus Ausländern bestanden. Dennoch vertreten meine Frau und ich teilweise Ansichten, die in Deutschland neuerdings als rechts angesehen werden, weil anscheinend jede Regierungskritik als rechts angesehen wird. Ich erwähne explizit meine Frau, da sie Chinesin ist. Und es ist geradezu putzig, wenn eine Chinesin als Nazi beschimpft wird. Eine nicht mehr politisch korrekte Ansicht ist z. B., wenn ich behaupte, dass einige meiner Kunden sich aufgrund der Hetze der SPD gegen deutsche Solo-Selbständige gezwungen sehen, ausländische Freiberufler einfliegen zu lassen. Dabei entspricht dies meinen Beobachtungen. Die beste Maßnahme gegen Hass und rechtsextreme Gewalt wäre es meiner Meinung nach, wenn unser Land endlich wieder liberal wird. D. h., weniger staatliche Gängelei, weniger Kontrolle, weniger Steuern und Abgaben und ja, wieder mehr Meinungsfreiheit. Auch das Recht, mal Unsinn von sich zu geben oder Fehler zu machen, sollte wieder gegeben sein.

    1. Thomas Kimmich schreibt:

      Auch Unsinn der Menschen ermordet?
      Was passiert mit Ihrer Frau, wenn Herr Höcke Bundeskanzler wird?
      Der Mörder von Hanau hatte sehr konrkrete Vorstellungen dazu.

      Ansonsten bin ich völlig Ihrer Meinung: die Realität zieht in ihrer Pluralität längst an den Vorstellungen ewig gestriger vorbei.

      In Ihrer Meinung zu politisch linken bin ich in weiten Teilen völlig bei Ihnen.
      Allerdings zählt es meines Wissens nicht zur linken Ideologie Bevölkerungsgruppen auszurotten.
      Diese brauchen dann auch keine Rente mehr.

    2. Andreas Lutz schreibt:

      Hallo Markus,
      wir sind beim VGSD auch für das Recht, mal Unsinn von sich geben und Fehler machen zu dürfen und allgemein für einen menschlicheren Umgang miteinander.
      Missstände muss man benennen dürfen und wir tun das seit Jahren konsequent und ohne parteipolitische Bindung.
      Wir werden das auch weiter tun, gerade gestern haben wir uns mit DGB und ZDH angelegt, und das in sehr deutlichen Worten.
      Der menschliche Maßstab darf dabei aber niemals verloren gehen. Uns gegenüber sitzen immer Menschen. Wenn Dinge passieren wie in Hanau, Halle und Kassel, dann liegt das daran, dass bei einigen dieser Maßstab verloren gegangen ist..
      Diese Entwicklung müssen wir stoppen.

    3. Andreas schreibt:

      Ein paar Fragen dazu:
      Was bedeutet es zu hassen, wenn aufgrund rechtlich falscher Regelungen einer „Deutschen“ Bundesregierung Projekte nicht mehr von Dienstleistern aus Deutschland durchgeführt werden können? Wen hasst man dann? Was hat das mit Rassismus zu tun? Wen eine Person aufgrund solcher Regelungen rassistische Gedanken pflegt, empfehle ich den Psychiater. Einwanderer und Menschen anderer Abstammung können erst einmal nichts für solche Regelungen.
      Wieso kann eine Chinesin keine Nazi sein?
      Nicht das ich das ihrer Frau unterstelle, aber natürlich geht das.

  32. Catharina schreibt:

    Spannend, genau über dieses Thema grüble ich selbst die letzten Tage: Wie sehr darf/sollte die persönliche politische Meinung das Verhältnis zu den Kunden beeinflussen?
    Natürlich wäre das bei offenen Nazis überhaupt gar keine Frage, da würde ich jede Geschäftsbeziehung abbrechen bzw. gar nicht erst beginnen. Hatte ich glücklicherweise noch nie, ist aber auch schwierig mit meiner Zielgruppe zu vereinen.
    Aber die etwas „versteckteren“ Rechten, die ab und an auf Facebook über die Altersarmut klagen (indem sie z. B. „rechte“ Aussagen dazu teilen, vielleicht sogar, ohne es zu merken) und die örtliche AfD liken? Persönlich sind die mir ebenfalls vollkommen zuwider, aber ist das professionell, sie wegen einer anderen Meinung auch beruflich abzulehnen?
    Ich bin unentschlossen, wie sehr ich Beruf und Privates trennen sollte bzw. überhaupt kann.

  33. Heike Virchow schreibt:

    Nun bin ich umso froher, kürzlich dem VGSD beigetreten zu sein. Es ist großartig, dass ihr als Verband so klar Position bezieht. Nein, und das Thema sollte niemandem aus dem Hals hängen, niemanden langweilen. Das ist unser aller Leben, wir leben in diesem Land, und wir sollten uns mit allen gesellschaftlichen Tendenzen in diesem Land beschäftigen, die sich anschicken, unsere Demokratie zu unterhöhlen und damit letztlich selbstständig denkenden und handelnden Menschen schaden.

    Nein, Linksradikalismus ist nicht dasselbe wie Rechtsradikalismus (was gern von den rechten Rändern aus behauptet wird) – wenn ich mit solchen und anderen Meinungen konfrontiert werde, zeige ich deutlich meine Verwunderung und frage nach: Wie meinst du das genau? Habe ich dich richtig verstanden: Du findest, dass alle Migranten …? Kennst du alle? Wen kennst du genau? Was genau sind deine Erfahrungen? …

    Menschen, die mir gegenüber äußern, dass sie dieses Mal (Hamburger Bürgerschaftswahl) die AfD wählen werden, frage ich, ob sie schon mal das Wahlprogramm der AfD gelesen haben (das tut kaum jemand – was geglaubt wird, ist das, was einzelne Vertreter der Partei in irgendwelchen Talkrunden äußern). WoFÜR sich diese Partei einsetzen will – nicht nur woGEGEN. Und wenn sie das lesen, ob sie dann glauben, dass diese Partei ihre eigenen Grundüberzeugungen vertritt.

    Und dann finde ich wichtig, das eigene Feld clean zu halten. Ich hatte mal eine Anfrage eines potenziellen Kunden, die ich abgelehnt habe, weil der Anfragende (bekanntermaßen) mit jemandem von der AfD Hamburg zusammenarbeitet.

  34. Sara schreibt:

    Klipp und klar den eigenen Standpunkt klar machen und vor allem auf Argumente sachlich mit korrekten Infos reagieren. Mein bester Freund klärt im Rahmen Rassismus und Rechtshetze ganz wundervoll auf. Falls ihr mal ein Online-Seminar zu dem Thema machen wollt, vor allem ist er politisch sehr aktiv und es spannend, weshalb er sich nicht zu 100% in die Selbstständigkeit begibt. Ich denke ihr werdet einen spannenden Austausch haben. Sein Name ist Robert: https://www.rpbberatung.de/

    Ansonsten lehne ich Aufträge ab, sofern bestimmte Gegebenheiten nicht vorhanden sind. Das fängt jedoch bereits beim Thema Würde für mich an.

    Vielen Dank für den wichtigen Beitrag.

  35. Jürgen G. schreibt:

    Leider impliziert die Einleitung zu Ihrer Frage schon ein Linkes Weltbild. Schröder und Reschke sind die Richtigen worauf man sich beziehen kann!
    Wir sollten immer fragen wem nutz es.
    Danach was will ich für werte leben, Was hat mich zu dem gemacht was ICH bin. Welche Werte wede ich verteidigen, wo kommen sie her. Was soll ich meinen Kindern mit auf dem Weg geben und wie kann unsere Identität und Tradition bewahrt werden.
    Das sind die Grunglagen der Diskussion
    Weniger Staat – mehr Freiheit

  36. Frieder schreibt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag, es freut mich sehr zu sehen, dass es ein so großes feedback auf diesen wichtigen Aufruf zur persönlichen Stellungnahme und Abgrenzung gegen die extreme Rechte gibt.

  37. Udo schreibt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag und den Aufruf sich zu äußern.

    Beruflich habe ich offen, rassistische Äußerungen bislang noch nicht erlebt.
    Stattdessen erlebe ich gelegentlich eine subtile Frauenfeindlichkeit, die sich in Geringschätzung fachlicher Fähigkeiten, Verächtlichmachung oder Ignoranz ggü. weiblichen Kollegen zeigt.
    Öfter noch stelle ich eine pauschalisierte Negativstimmung gegen alles „von oben“ fest. „Oben“ ist dann sowohl der Arbeitgeber/ Auftraggeber als auch Leute aus der Politik oder aus den Medien.

    Ich arbeite als freiberuflicher IT-Berater. Manchmal fallen abfällige Bemerkungen über Kolleginnen oder auch politische Äußerungen bspw. über Merkel und die Flüchtlinge in den Daily Scrum Meetings, wo es eigentlich um das Projekt gehen sollte. Es ist dann gefühlt wie ein plötzlicher Einschlag, mit dem man nicht rechnet. Ein Projekt, was selbst schon eine große Herausforderung ist, wird plötzlich noch mit Dingen konfrontiert, welche die Teamzusammenarbeit gefährden, weil sich innere Konflikte und private Haltungen im Berufsumfeld auftun.

    Wie ich reagiere, entscheide ich von Fall zu Fall. Bin ich Scrummaster oder Projektleiter stoppe ich vehement solche Äußerungen oder weise sie inhaltlich zurück als nicht akzeptabel. Bin ich ein Teil des Teams ohne Führungs- oder Steuerungsrolle, warte ich die Reaktion derer ab, die eigentlich in diesen Position sind. Fallen solche Bemerkungen im 1:1 Gespräch, wäge ich ab, wie stark und ausführlich ich dagegen spreche und wieviel Zeit ich mir nehme.

    Vor Jahren, als es anfing, dass im Beruflichen sich Kollegen politisch in abfälliger Weise äußerten, habe ich mir noch mehr Zeit genommen, mit den Kollegen jeweils zu sprechen oder auch ihnen erstmal zuzuhören. Wenn ich Verständnis zeigte für die vorhandenen Ängste, die fast immer sehr schnell sichtbar wurden, und versuchte zu argumentieren, im Sinne eines fairen, gleichberechtigten Miteinanders oder doch positiv in die persönliche Zukunft zu schauen, kostete es mir jedoch enorm viel Zeit für die ich offiziell gar nicht bezahlt wurde und die ich ggü. meinem Auftraggeber nur sehr verklausuliert („Teammeeting“ o.ä.) in der Rechnung ausweisen konnte.

    Mittlerweile nehme ich nur bei offen intoleranten Äußerungen mir die Zeit, die Sichtweise des jeweiligen Kollegen anzuhören und mit ihm zu argumentieren.

    Ich beobachte, dass der Anteil offen unzufriedener Menschen in den letzten Jahren zugenommen hat. Diese Unzufriedenheit speist sich nicht nur aus der Situation bei ihrem Arbeitgeber, sondern hat persönliche Hintergründe, die seltener mit eigenem Erlebten zu tun haben, sondern die in den Köpfen in Form von diversesten Ängsten existieren. Und jene Menschen sind es dann auch, die rhetorisch auch im Beruflichen um sich schlagen.

    1. Katharina schreibt:

      Hallo Udo,
      danke für den ausführlichen Bericht. Ich hab auch den Eindruck, dass es immer mehr Unzufriedenheit und Ängste gibt. Die Unzufriedenheit mit der Großen Koalition, der ewigen Kanzlerin Merkel kann ich nachvollziehen, ebenso Ängste wegen steigender Immobilienpreise und Mieten, steigender Krankenversicherungsbeiträge, wegen der Altersvorsorge.
      Statt diese Probleme mit tauglichen Rezepten anzugehen, müssen wir beobachten, wie die Politik einerseits die Ängste durch Ungleichheitsdebatten schürt und andererseits lauter faule Kompromisse macht, die die Problem eher noch weiter verschärfen: Grundrente, Haltelinie, Mietpreisbremse, Mietendeckel usw. Hier fehlt es an ökonomischem Sachverstand.
      Die Konsequenz darf aber nicht sein, dass man nun Inländer und Ausländer, Mieter und Vermieter, Rentner und Erwerbstätige gegeneinander aufhetzt, sondern wirtschaftlich vernünftige Maßnahmen ergreift.
      Der Erfolg der AfD verhindert solche vernünftigen Lösungen. Liebe AfD-Wähler, seht ihr das nicht? Ihr sorgt zusammen mit den Protestwählern von links dazu, dass wir eine immerwährende große Koalition erhalten werden.

      1. Stephanie schreibt:

        Hallo Katharina, auf den Punkt gebracht, danke! Teile und herrsche. So spaltet die Politik die Gesellschaft. Die eigentlichen Probleme der Bürger – mit und ohne Migrationshintergrund – geht man gar nicht an. Wir leben alle im gleichen Land und leiden unter der gleichen Konzeptlosigkeit, die seine (und unsere) Zukunft bedroht.

  38. Jan C. schreibt:

    Ich erlebe persönlich keinen Rassismus. Im Gegenteil, eher werden teils aberwitzige Maßnahmen unternommen, um irgendwie Weltoffenheit zu demonstrieren. Das ist auch nicht weiter überraschend, das Thema ist (teils übertrieben) sensibel, schon ein falscher Witz kann heute zu Strafanzeigen oder Jobverlust führen. Selbst von der vergleichsweise geringen Anzahl echter Rassisten wird Rassismus wohl eher versteckt und bricht dann erst nach jahrelanger Ausgrenzung in Amokläufen wirklich aus.

    Genau das war auch Hanau, der Amoklauf eines Geisteskranken, der unter einer schweren paranoiden Psychose litt (Verfolgungswahn). Als Terror bzw. Terroranschlag kann man das begrifflich nicht bezeichnen, dazu fehlt die tatsächliche politische Zielsetzung, weshalb auch keine Gefahr für das politische System besteht. Es wurden wahllos Menschen getötet, danach tötete sich der Täter selbst.

    Was mir größere Sorgen macht, auch wenn das viele anders sehen, ist der zunehmend enthemmte Umgang mit politischen Minderheiten. Wie sollte man sich also verhalten, wenn z.B. wieder einmal gegen die AfD gehetzt wird? Der Hass „gegen rechts“ ist mittlerweile so groß, dass die Demokratie immer weiter zerstört wird. Hier sind die wirklichen Totengräber der Demokratie zu finden, die sich als moralisch höherwertig ansehen und bei Andersdenkenden von Geschwüren sprechen, die beseitigt werden müssten, selbst noch gegenüber einem Bevölkerungsanteil zwischen 10 (West) und 25 (Ost) Prozent. Vorurteile und Verallgemeinerungen vergiften den öffentlichen Diskurs und Meinungsfreiheit wird geringgeschätzt, in meiner Wahrnehmung allerdings nicht zuletzt auch von selbsternannten Demokraten.

    Eines ist sicher: Politik und Geschäft zu vermengen, ist ein überaus schlechter Ratgeber. Es könnte etwa keinen schlechteren Rat geben, als seine Kunden erst politisch einzusortieren und dann im Namen der Demokratie nicht mehr zu bedienen. Sei es in den USA mit Trump, in UK mit dem Brexit oder eben in Deutschland. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen: selbst ein offener Nazi hat das Recht, etwa in einem Supermarkt Lebensmittel einzukaufen, wenn er sich dabei anständig benimmt, andernfalls können wir unsere Gesellschaft aufgeben und unberechenbare Gewalttaten werden drastisch zunehmen, wenn selbst unpolitische Geschäfte noch politisiert werden. Die Aufgabe eines Unternehmers sehe ich nicht in einem Aufstand der Anständigen, sondern eher darin, gute Produkte für alle Menschen anzubieten, als eine noch verbliebene Klammer der Gesellschaft, in der nicht jede politische Richtung ihre eigenen Läden, Zeitungen und Unternehmen hat. Dies würde eine Spaltung um ein Vielfaches verstärken.

    Dass der VGSD nun in tagespolitische, moralisierende Aufrufe einsteigt, die im Grunde dazu raten Freundschaften zu beenden oder Projekte nicht anzunehmen, weil Gerhard Schröder vor 20 Jahren einen Aufstand forderte, den der VGSD jetzt umsetzen will, ist sicherlich das allerletzte, was ich als Mitglied von einem Selbstständigenverband lesen will.

    1. Ilona schreibt:

      Hallo Jan,
      dein Ernst?
      Die AfD ist eine diskriminierte Minderheit?
      Ihr Zündeln hat keinen Zusammenhang mit der Serie an politischen Attentaten und Morden, die wir beobachten?
      Und wer die Frage stellt, wie man rassistischem und menschenverachtendem Reden entgegen tritt, der ist moralisierend?

      1. Wolfram schreibt:

        Ja die AfD ist eine diskriminiert Minderheit. Erstens weil es keine Mehrheit gibt und zweitens weil hier aufgerufen wird sie zu diskriminieren. Euer Artikel ist hier der Beweis.

        1. Ingeborg Mirtschin schreibt:

          Hallo Wolfram.
          oben steht ein Aufruf, dass man bei rassistischem und menschenverachtendem Gerede nicht weghört, sondern sich traut, seine eigene Meinung dazu zu sagen. Inwiefern ist das eine Diskriminierung von AfD-Mitgliedern?
          Und: Was genau hat rassistisches und menschenverachtendes Gerede mit der AfD zu tun? Diese ist ja in dem Beitrag gar nicht erwähnt?
          Ingeborg

    2. Karl schreibt:

      @Jan: Du erlebst keinen Rassismus? Was für eine Hautfarbe bzw. Nationalität hast du denn?

    3. P. Münkel schreibt:

      Hallo Jan,
      also im einen Moment träumt ihr von der Machtergreifung.
      Und im nächsten jammert ihr, dass ein „offener Nazi“ im Supermarkt nicht bedient wird?
      Woran genau erkennt man denn einen „offenen Nazi“?

      1. Wolfram schreibt:

        Wer träumt den von Machtergreifung? Bitte Beweise und handfeste Quelle von denen die die Macht ergreifen wollen. Das ist Verleugnung! Und nicht irgendwelche Quellen die was behauptet wird wie hier, sondern das ein Politiker von der AfD von der Machtergreifung träumt.

        1. Andreas schreibt:

          Meines Wissens hat ein AFD Spitzenpolitiker bereits von „vollständigem Sieg“ gesprochen. Den darf man gerichtsfest auch als Nazi bezeichnen.

  39. Olaf schreibt:

    Wie in der gesamten Rassismusdebatte wird hier das richtige Problem angesprochen aber falsch benannt. Es gibt keinen Rassismus. Rassismus kann es nur geben, wenn mehrere Rassen betroffen wären. Ich bin ein Homo Sapiens, ein moderner Mensch. Meine afrikanischen, amerikanischen, asiatischen und europäischen Freunde und Bekannte sind auch alle Homo Sapiens. Wir sind alle von einer Rasse.
    Mit anderen Worten: Wie sprechen über Menschenhass. Hass von Menschen, die sich wahrscheinlich selbst hassen und mit ihrem Leben unzufrieden sind, und die Schuld dafür bei Minderheiten oder andersartigen bzw. anderdenkenden Menschen suchen. Sonst wären Politiker wie Walter Lübke und Henriette Reker nicht unter den Opfern. Die zweite Gruppe sind Menschen, die diesen Hass nutzen wollen, um Macht zu bekommen.
    Keine Geschäfte mit Menschenhassern zu machen, ist meines Erachtens nur eine symbolische Handlung, aber ein wichtiges Statement.
    Die im Artikel besprochenen Situationen können im Geschäftsleben am besten vermieden werden, wenn du schon in deinem Außenauftritt (z. B. die Über-uns-Seite auf der Homepage) deutlich beschreibst, dass du ein weltoffener Menschenfreund bist. Auch die Bildauswahl auf der Homepage und deinem Marketingmaterial ist ein Statement, wenn Personen aller Hautfarben gezeigt werden. So filtern sich die Kunden selbst heraus, mit denen du keine Geschäfte machen willst. Falls dann trotzdem von Kunden- bzw. Lieferentenseite unangemessene Bemerkungen fallen, kannst du auf dein Geschäftsverständnis hinweisen, über das du sie schon vorher informiert hast. Damit besitzt du den „Erlaubnisschein“, solche Gespräche abzubrechen.

  40. Beate Klein schreibt:

    Danke, dass ihr diesen interessenten Austausch angeregt habt. Vielen Dank vor allem für die vielen konkreten Tipps.

    Mein Herz pocht immer heftiger, sobald ich mich Menschenwürde betreffend fraglichen Äußerungen ausgesetzt sehe – sei es im direkten Gespräch oder als beiläufiger Zeuge.

    Ich bin bei den ersten Konfrontationen des verstärkt erwachsenden Alltagsrassismus noch in nachdenklicher Sprachlosigkeit, schluckend und peinlich schweigend meiner Wege gegangen.

    Inzwischen habe ich meine Gedanken gut sortiert und gebe Antwort – gerade auch da, wo Rassismus „zart“ als „ich bin ja gar nicht, aber ist ja nun mal so…“ über die Ladentheke kommt, mache ich deutlich, dass so ein Gerede Wasser auf die Mühlen jeder anfänglichen rassistischen Gesinnung ist und diese salonfähig macht. Wer also nur ein Funken Verantwortung dafür mitragen möchte, dass sich die Geschichte in diesem Land nicht wiederholt, sich von solchen Äußerungen klar distanzieren muss.

    Es gehört zum „Mensch sein“ dazu, seine 100% Zivilcourage zu geben, die man gerade hat. Mit pochendem Herzen.

  41. Wolfram schreibt:

    Ich kenne niemanden der rassistisch drauf ist. Aber was mir immer wieder über den Weg laufen sind Artikel wie dieser. Die behaupten das z.B. die AfD rassistisch ist. Wenn man aber das Programm der AfD liest findet man nichts davon. Wer auch denkt das die AfD so schlimm rechts ist sollte das Buch lesen: „Was Juden zur AfD treibt: Neues Judentum und neuer Konservatismus. Jüdische Stimmen aus Deutschland.“ Mich wundert das der VGSD sich für diese Art von Propaganda für links hergibt. Da hätte ich mehr Substanz erwartet.

    1. Ingeborg Mirtschin schreibt:

      Hallo Wolfram,
      im Beitrag des VGSD oben ist überhaupt nicht die Rede von der AfD. Es ist aber interessant, dass sich AfD-Wähler offensichtlich angesprochen fühlen. Warum ist das so? Gibt es da womöglich einen Zusammenhang zwischen „Rassismus und menschenverachtendem Gerede“ und der AfD?
      Andererseits schreiben alle AfD-Mitglieder, das habe nichts miteinander zu tun. Warum müssen sie das so betonen, wenn das der Fall ist?
      Ingeborg

    2. Thomas Kimmich schreibt:

      Achja, das erwähnte Buch ist sehr warhsceinlich von einem AFD Mitgleid geschrieben.
      Bzgl. Rassismus im Programm der AFD, kann der es möchte googeln.

      Danke für den Hinweis auf diese Partei.

    3. Thomas Kimmich schreibt:

      Beiträge obiger Art verschieben die Diskussion und nutzen die Platform für politische Propaganda. Die wiederum dritten in die Hände spielt.
      Eine sinnhafte Diskussion ist hier meines Erachtens nicht möglich, da es sich offensichtlich um Unsinn handelt?
      In meinen Augen ist das Volksverhetzung, aber eben juristisch nicht greifbar.
      Aus diesem Grund habe ich meinen facebook Account stillgelegt.

    4. Eike schreibt:

      Was ist denn an diesem Artikel Propaganda? Ist es schon extrem oder gar „links“, sich gegen Rassismus und menschenverachtende Einstellungen zu positionieren? Bedeutet das, dass Sie letztere befürworten? Dann sagen Sie das doch bitte deutlich und stellen sich dem Grundgesetz, das Sie damit in Frage stellen. Dieses ist übrigens per Design für gute Argumente offen und wenn ich Recht hätte, würde ich es drauf ankommen lassen. Oder Sie sind einverstanden, dass Hass und Gewalt keine zivilisierte Umgangsform sind: auch das kann man klar und ohne feige Missverständnisse formulieren. Mutige vor.

  42. Beatrix Perera schreibt:

    Ich begrüße ebenfalls Eurer Statement hinsichtlich zum Rechtsruck.
    Ich persönlich halte mich auch nicht zurück, wenn ich rassistische oder faschistische Bemerkungen wahrnehme.
    Allerdings sollte man nicht hoffen, dass es ausreicht, wemn der Einzelne irgendwann, irgendwo mal was sagt.
    Es bedarf die Anstrengunegen der Parteien und Organisationen, das neue Erstarken der Rechten zurückzudrängen. Was tun bei rechtsgerichtten Kunden?
    Die großen Konzerne haben offzielle Richtlinien gegen Rassismus und Diskriminierungen. Das steht schon oft großgedruckt an den Eingängen, in den Pforten.
    Schwierig sind häufig die kleineren Handwerksbetriebe. Ich selber habe noch keine Erfahrungen, wie man rechtsgerichtetet Kunden wieder abwimmelt.

  43. Robert schreibt:

    Die AfD hat momentan in Hamburg laut ARD 4,7 Prozent bzw. laut ZDF 4,8 Prozent
    Bei der letzten Wahl 6,1 Prozent
    SPD und Grüne zusammen 63 Prozent.
    Die CDU hat 11,5 Prozent, die FDP zittert mit 5,0 Prozent um den Wiedereinzug.

    1. Ilona schreibt:

      Das Theater in Erfurt scheint sich für die AfD nicht ausgezahlt zu haben.
      Die bürgerlichen Parteien CDU und FDP sind aber stark gebeutelt.
      Es wird spannend, was jetzt in der CDU passiert.

  44. Walter Schmidt schreibt:

    Eigentlich gehe ich Konflikten eher aus dem Weg, Bei Rassimus, Diskriminierung, usw. musste ich mir aber in den letzten Jahren angewöhnen, immer klar dagegen zu halten. Es fällt mir schwer, aber es geht einfach nicht anders. Es wird einfach zuviel was man in deer U-Bahn, auf der Straße oder sonstwo zu hören bekommt.

  45. Heinrich Klausner schreibt:

    Der Beitrag von Andreas Lutz war zwar gut gemeint, dürfte aufgrund der Undifferenziertheit einiger Reaktionen die Polarisierung in der politischen Debatte eher weiter steigern.
    .
    Besonders die falsche (oft sogar: boshafte) Gleichsetzung von „rechts“ mit gewaltbereiten Etno-Nationalismus trägt viel zu Spaltung in der Gesellschaft bei. Diese intellektuell unredliche Diktion macht mit einem Schlag sämtliche Wähler von CDU/CSU und FDP völlig willkürlich zu Halb-„Nazis“. Sie treibt sogar Frustrierte in die Fänge von Parteien mit radikalen Elementen.
    .
    Die Goldene Regel („Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“) ist die unsichtbare Klammer, die den Package-Deal aus Demokratie, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit zu einer funktionierenden Gesamtheit zusammenhält. Wenn sie von den Menschen und ihren Institutionen nicht mehr gelebt wird, zerfällt die Gesellschaft in einander feindlich gegenüberstehende Lager, die sich gegenseitig die Existenz absprechen.
    .

  46. Thomas Kimmich schreibt:

    Meinen Sie Rechtsicherheit oder Linkssicherheit?
    Bitte beachten Sie neben goldenen auch Rechtschreibregeln.
    Von mir aus auch Linkschreibregeln.
    Beim verkehr ist ja ab durch die Mitte am Besten.
    Sonst steht da nix von rechts und links, aber Danke für Ihren Beitrag,

    1. Heinrich Klausner schreibt:

      @Thomas Kimmich:
      Offenbar haben Sie weder meinen Kommentar noch die anderen Kommentare weiter oben gelesen.

  47. Lars Lubienetzki schreibt:

    Guten Morgen, Ich erlebe es in meinem Umfeld, dass Menschen behaupten, es dürften Dinge nicht mehr gesagt werden. Erstens ist das Quatsch, erleben wir ja vor allem in den sozialen Medien jeden Tag massenhaft. Zweitens ist es aber so, dass Menschen zwar alles von sich geben dürfen, sie müssen aber auch die Gegenmeinung aushalten können. Daran mangelt es sehr oft beim Austausch in den sozialen Medien; liegt aber auch an der unglücklichen Kommunikationsform. Auf Facebook oder Twitter etc. endet eine Diskussion nie. Im persönlichen Gespräch werde ich natürlich auch öfters mit Meinungen aus dem rechteren Außenbezirk behelligt. Persönlich lässt sich so eine Diskussion aber wesentlich besser moderieren, durch genaues Nachfragen beispielsweise. Dann klären sich gewisse ‚Meinungen‘ plötzlich auf. Oder ich kann meine Meinung dazu erläutern oder erklären, wie ich das Angesprochene einschätze. Wir dürfen auch nicht den Fehler machen, jegliche Form von rechter Meinungsäußerung direkt mit dem Nazi-Stempel zu versehen. Dann sind wir ganz schnell bei ‚alternativlos‘ und Schwarz-Weiß-Denken. Es gibt ja eben keine einfachen Lösungen, auch wenn eine AfD das immer wieder behauptet. Auch wenn es mühevoll ist, ich finde, es lohnt sich im persönlichen Umfeld Dinge auch auszudiskutieren. Es lohnt sich vielleicht auch deshalb, weil ich dadurch mehr Einblick in die Gedankenwelt meines Gegenüber bekomme. Das ist nicht zu verwechseln damit, dass ich die Meinung meines Gegenüber teile, absolut nicht, es geht um mehr Verständnis.

  48. Andreas Pfichner schreibt:

    Keine Toleranz der Intoleranz, und wehret den Anfängen: Wenn in meinem Bekannten- oder Kollegenkreis jemand offen sich als AfD-Wähler outet, dann frage ich ihn, ob er dafür ist, daß Höcke, wenn er an die Macht kommt, mich und meine Familie ausrottet – denn wir werden ja zu den „Volksteilen gehören, die leider verloren gehen, weil sie nicht mitmachen“. Und wenn dann jemand behauptet, die AfD sei ja aber auch eine bürgerliche Partei oder eine Partei der Mitte, dem antworte ich mit dem Gauland-Zitat: „Höcke gehört zur Mitte der Partei“.

    Der Aufstand der Anständigen muss nun aber auch mal langsam Kritik gegen staatliche Institutionen äußern und politischen Druck aufbauen: Es kann doch wirklich nicht sein, daß ein Verfassungsschutz es zulässt, daß ein Faschist in einem Landesparlament sitzt, daß eine faschistische Partei in einem Landesparlament sitzt. Es kann nicht sein, daß es möglich ist, im Internet weiter ungestraft Hetze zu verbreiten. Die Politik tut langsam ein wenig, aber das dauert alles viel zu lange. Es kann und darf nicht sein, daß Polizei rechtsextreme Veranstaltungen toleriert, auf denen rechtsrelevante Dinge passieren, ohne einzugreifen und wenigstens die Täter und Verantwortlichen anzuzeigen und deren Daten aufzunehmen. Das Recht muss hier sehr diszipliniert umgesetzt werden, und ein Polizist, der das aus rechter Gesinnung unterlässt, muss dann auch mal zur Rechenschaft gezogen werden.

    Auf der anderen Seite muss aber auch mehr für Ordnung getan werden, denn wenn das nicht passiert, spielt man den Rechten Argumente zu. Es kann nicht sein, daß Polizisten Verbrecher aufgreifen und dingfest machen, die dann von der Staatsanwaltschaft einfach wieder laufen gelassen werden. Der Rechtsstaat ist an dieser Stelle sehr angreifbar, und es ist sicher nicht leicht, das rechte Maß zu finden. Aber die Schrauben müssten vielleicht zumindest zeitweise, zeitlich befristet, angezogen werden, um auch mal die Stärke und Wehrhaftigkeit des Rechtsstaates zu demonstrieren. Die Tendenz ist derzeit anders: Der Rechtsstaat ist angreifbar geworden und löchrig. Das ist kein guter Zustand, um gegen den Rechtsextremismus zu bestehen.

  49. Petra Rosemarie Knöfel schreibt:

    Menschlichkeit kann man nicht per Dekret verordnen, sie fängt bei jedem von uns selbst an.

    Am Wochenende gab es an meinem Wohnort eine rassistische Auseinandersetzung, bei der ein Schwarzer beleidigt wurde mit dem ‚N‘-Wort. Das ganze führte zu einer Massenschlägerei von 40 Beteiligten ohne wirkliches Ergebnis, das jeden von ihnen hätte weiterbringen können. Da wurde nur emotionaler Druck entladen, ohne dass dabei ein wirkliches Ergebnis erzielt werden konnte. Ganz im Gegenteil wurde dieAktion durch die polizeiliche Aufnahme sogar zum Nachteil für die Beteiligten.

    Hass ist keine Lösung, egal für welches Problem. Diskutieren ohne Handeln bleibt ohne Wirkung und wenn wir Zustände, die wir nicht gutheißen, ändern möchten, müssen wir aktiv werden. Idealerweise suchen wir uns Mitgestalter, die das gleiche Ziel haben, denn gemeinsam kann man viel mehr bewegen als allein.

    Daher rufe ich in meinem Umfeld zu jeder Gelegenheit zu einem wertschätzenden und konstruktiven Miteinander auf und lasse mich darin von niemandem abbringen, dies täglich zu leben.

  50. Raum der Zeit schreibt:

    Ja, Ja wer keine Rechtschreibung beherrscht ist ein Faschist? Als Legastheniker leide ich seit meiner Schulzeit unter den Vorurteilen. Ist es fair eine Gruppe zu schützen, indem man eine andere Gruppe diskriminiert (Herr Kimmich)? Ich selbst habe an Lichterketten gegen rechts teilgenommen. Auf Plakaten der Rote Floar in Hamburg sind mir Rechtschreibfehler aufgefallen.
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    Nach dieser Logik sind oder waren Einstein, Hitchcock, Steve Jobs, da Vinci, Galileo Galilei, Churchill, Scott Adams, Mozart, Hemingway, Robbi Williams, Quentin Tarantion, Goethe, Beethoven, Steve Hawkins, Steven Spielberg, Thomas Edison, Vincent van Gogh, Whoopi Goldberg, John Lennon, JFK, Benjamin Franklin, General Patton, Reinhard Mey, Peer Steinbrück, Bodo Ramelow und viele andere rechts?

    https://www.lrs.koeln/wp-content/uploads/2018/07/Ber%C3%BChmte-Legastheniker-Tabelle.pdf
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    Trotzdem muss ich mich bedanken, Bodo Ramelow ist mir als wirtschaftsliberaler sehr sympathisch geworden. Er hatte einen ähnlichen Leidensweg und musste gegen die gleichen Vorurteile aus Faulheit und Dummheit ankämpfen.
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    Aus meiner persönlichen Erfahrung haben kreative Menschen mit der Schreibschwäche keine Probleme, es sind die Formalisten, die diskriminieren. Hannah Arendt, Die Banalität des Bösen, ist auf alle Extreme anzuwenden.

  51. Monika Rapka schreibt:

    In solchen Situationen bekenne ich ganz klar Farbe und stehe ganz klar gegen Rechts. Übrigens nicht nur gegen Rechts, sondern auch gegen jede Form der Frauenfeindlichkeit und menschenverachtende Meinungen, z.B. gegenüber HartzIV-Empfänger*innen. Ich habe auch schon Aufträge abgelehnt, weil ich mich im Gespräch diesbezüglich nicht wohl gefühlt habe und habe das entsprechend kommuniziert.
    Das kommt nicht gut an, das ist klar. Als Solo-Selbständige, die auf Aufträge angewiesen ist, fürchtet man natürlich schon, dass das dann durch „männliche Netzwerke“ seine Kreise zieht und ich dadurch schlechtere Chancen habe. Aber das ist mir egal.
    Ich mache mich aber auch „gerne“ unbeliebt, weil ich sachlich bleibe und Hysterie „runterfahren“ möchte:
    Als Psychologin stört es mich wahnsinnig, dass es jetzt zum Thema Hanau heißt: „der Rechtsextremist“. Dabei hat der SPIEGEL in Auszügen aus dem Pamphlet des Täters berichtet und jede*r Psychologe kann daraus ganz leicht herauslesen, dass dieser Mann eine wahnhafte Störung hatte, wahrscheinlich eine paranoide Schizophrenie. Würde er noch leben, würde er von einem Gericht höchstwahrscheinlich als schuldunfähig eingestuft und in Sicherungsverwahrung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Selbst die wenigen Passagen, die der SPIEGEL zitiert hat, lassen kaum anderen Schluss zu.
    WER WEITERE ERKLÄRUNGEN MÖCHTE, KANN SICH GERN DIREKT AN MICH WENDEN.
    Erinnert Ihr Euch noch an den Einzeltäter am Frankfurter Hauptbahnhof, wo ein Junge getötet wurde? Auch da gab es schon einen Aufschrei, Seehofer redete von „mehr Polizei auf den Bahnhöfen“ etc. Auch dieser Mann war paranoid schizophren.
    Leider ist dies das Risiko des Lebens, dass wir uns nicht komplett vor verwirrten Einzeltätern schützen können.
    Ich bitte darum, mich richtig zu verstehen:
    Es geht mir in keinster Weise darum, diese Tat zu verharmlosen! Was der Mann getan hat, ist furchtbar und ein unvorstellbares Leid für die Familien.
    Aber je mehr man unreflektiert auf den Zug „Rassismus“ aufspringt, um so weniger ist der Realität gedient!
    Ich bin für Versachlichung und erst einmal genaue Recherche, die mehr Zeit braucht als die jetzt veröffentlichten Pressemeldungen mit dem Wortlaut „der Rechtsextremist“ oder „der Rassist“.

    1. Thomas Kimmich schreibt:

      Können Schizophrene keine Rassisten sein?
      Sind Rassisten geistig gesund?
      Sind menschenfeindliche Ideen anders zu bewerten, wenn sie von Geisteskranken ausgeführt werden?
      Reicht eine juristische Bewertung aus?
      Oder eine psychologische?
      Woher hatte der Täter die Ideen?
      Wie denken die Angehörigen der Opfer darüber?

      Danke für Ihren Hinweis auf diese Fragen!

      Danke auch ausdrücklich allen Posts in diesem Forum.
      Sie zeigen für mich ein klares Bild des Status Quo.

      Und daß wir Stellung beziehen müssen, um solche Gewalt in Zukunft zu verhindern – wo immer es möglich ist.

  52. Rapunzel schreibt:

    Eine Technik ist mir noch eingefallen, ist die gewaltfreie Kommunikation. Hilft zusätzlich noch bei Verhandlungen. Der VGSD hat hierzu eine gute Einführung als Video.
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    Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Change-Prozess bei einem selbst beginnt.
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    Wenn ich es richtig in Erinnerung habe kommt es aus der jüdischen Literatur:
    Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

  53. Elke schreibt:

    Hallo Herr Huwer,
    dann hat die AfD ja alles richtig gemacht: Denn sie hat 2018 dagegen gestimmt, die Mindestbeiträge für Solo-Selbstständige zum 1.1.2019 zu reduzieren.
    Ich bin übrigens eine *deutsche* Frau (diese Feststellung scheint ihnen ja wichtig zu sein) mit zwei *Kindern*, die neben der Kindererziehung noch selbstständig – entsprechend meiner Qualifikation etwas dazu verdient – und die durch die hohen Mindestbeiträgen betroffen war und so viel in die GKV zahlen musste, dass es nicht für die Altersvorsorge reichte.
    Was hat die AfD da denn für uns getan?
    Wie hat sie sich bei der Rückvermeisterung verhalten?
    Setzt sich die AfD dafür ein, dass auch Angestellte kostengerecht mindestens 400 Euro GKV-Beiträge bezahlen?
    Und was hat ihr Beitrag mit der Fragestellung des Beitrags zu tun? Haben Sie schon einmal etwas gegen rassistische und menschenverachtende Äußerungen getan?

  54. Raumd der Zeit schreibt:

    Sorry, es geht hier um Verhalten im Alltag. Große Konzerne haben hier klare Verhaltensregeln. Rassismus ist in den USA und England als Einwanderungsland schon lange ein anderes Thema. Die englische Höflichkeit bei Einladungen, nicht über Politik zu reden, verstehe ich nun um zu besser. Es gibt Studien, die besagen, dass die Einwanderung langfristig unser Sozialsystem stützt. Im Büro wäre es nun Zeit für: Die Ärzte – Ein stummer Schrei nach liebe. Eine Form des passiven Widerstandes. 2018 betrug der Anteil von Schutzsuchende (Flüchtlinge) gerade mal 2,05 % zur Gesamtbevölkerung.
    Unser Sozialsystem hat generell ein Demografieproblem. Diese Probleme haben nichts mit Flüchtlingen oder Einwanderung zu tun. Ich liebe meinen Italiener für Eis und mediterranes Essen in der 3. Generation.

  55. Andreas Lutz schreibt:

    Vielen Dank für die insgesamt 135 Kommentare zu diesem Beitrag.
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    Danke für die vielen Anregungen, Erfahrungen und Beispiele, wie man sich im Alltag verhalten kann, wenn man es mit rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen zu tun hat. Ich will hier beispielhaft noch einmal auf die Kommentare von Elke Müller und Stefan A. ganz zu Anfang verweisen, die auf hilfreiche Quellen verwiesen haben.
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    Die Diskussion hat auch gezeigt: Wir, die wir – unabhängig von unserer politischen Haltung – einen fairen und sachlichen Umgang miteinander suchen, sind die große Mehrheit.
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    Klar herauszulesen war die Angst von manchen, aufgrund ihrer Ansichten in eine „rechte Ecke“ gestellt zu werden. Ich denke wir alle sollten mit der „Nazi-Keule“ sehr vorsichtig sein, weil sie auch dazu dienen kann, jemand mundtot zu machen.
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    Hier muss ich aber sagen: Eine Diskussion darüber, wie man auf menschenverachtende Äußerungen reagiert, gefährdet nicht die Meinungsfreiheit. Wer das behauptet, will vielmehr die Meinungsfreiheit anderer einschränken.
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    Ich schließe an dieser Stelle die Diskussion, weil zuletzt ein oder mehrere gut organisierte Trolle im Minutentakt wirre Beiträge gepostet haben, die mit unserem Thema nichts mehr zu tun hatten.