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Lesetipp Selbstständig in herausfordernden Zeiten VGSD-Beirätin Conny Rüping: "Selbstständig zu sein bedeutet auch, Dinge regelmäßig anders machen zu müssen"

Viele Selbstständige blicken derzeit mit großer Sorge auf ihr Unternehmen – so auch VGSD-Beirätin Conny Rüping. Wir zeigen, wie sie mit den aktuellen Herausforderungen umgeht und warum sie trotzdem nicht den Mut verliert. 

Conny Rüping hat in über 30 Jahren Selbstständigkeit so manche Herausforderungen erfolgreich bewältigt.

Das Geschäftsklima unter Selbstständigen bleibt angespannt

Die derzeit schwierige Welt- und Wirtschaftslage hat spürbare Auswirkungen auf die Selbstständigkeit: So fürchtet laut Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex vom Juli 2026 mehr als jede/r fünfte Selbstständige in Deutschland um die eigene Existenz – der Höchststand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2021.

Die Gründe für diese weit verbreiteten Existenzängste sind vielfältig, eine große Rolle spielt vor allem der anhaltend hohe Auftragsmangel. Von diesem ist aktuell auch VGSD-Beirätin Conny Rüping betroffen, wie sie uns im gemeinsamen Gespräch erzählt.

Wenn Sorgen das Geschäft beeinflussen

Seit mehr als 30 Jahren ist Conny als selbstständige Sachbuchlektorin und Autorencoachin tätig. Seit dem Jahr 2026 baut sie sich zusätzlich als Heilpraktikerin für Psychotherapie ein zweites berufliches Standbein auf. Zum einen will sie hier ihre in den Jahren zuvor erworbenen therapeutischen Fähigkeiten einsetzen, zum anderen bietet ihr diese Tätigkeit zudem gute Zukunftsperspektiven. Und trotzdem: Die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen und technologischen Entwicklungen gehen an ihrem Business nicht spurlos vorbei. 

So erzählt sie, dass potenzielle Kund/innen mittlerweile wegen eigener finanzieller Sorgen oft nur noch wenige oder keine Aufträge vergeben. Für Conny bedeutet das, dass sie nicht nur einen starken Einbruch in ihrer Auftragslage zu verzeichnen hat, sondern auch deutlich niedrigere monatliche Umsätze erzielt: "Momentan ist es wirklich schwer, Kund/innen zu finden, die nicht nur gerne schreiben, sondern auch das nötige Geld für eine Veröffentlichung zu Verfügung haben." Auch die mittlerweile große Beliebtheit von Social Media und Künstlicher Intelligenz (KI) beeinflusst ihre Selbstständigkeit. Conny berichtet, dass immer mehr Menschen auf KI-Unterstützung setzen, anstatt mit menschlichen Expert/innen zusammenzuarbeiten. Hier stellt sie allerdings auch schon eine Gegenbewegung fest, was für neue Zuversicht sorgt.

Selbstständig in herausfordernden Zeiten? So kannst du selbst aktiv werden!

Wie mehrere Unternehmensberater/innen in Hintergrundgesprächen betonten, wird man im Idealfall schon aktiv, bevor man in eine Krise gerät. Deshalb ist es sinnvoll, dass du dir in regelmäßigen Abständen (und am besten außerhalb deines Alltagsgeschäfts) einen Überblick über den Status quo deines Business verschaffst. Dabei solltest du dir folgende Fragen stellen: Lassen die Anfragen spür- und messbar nach? Gehen in der Folge meine Einnahmen zurück? Solche Entwicklungen sind Warnsignale, die du im Blick haben solltest, um frühzeitig ins Handeln zu kommen. Denn wer Veränderungen ernst nimmt, kann auch eher gegensteuern. 

Wenn du bemerkst, dass die Geschäfte nicht so laufen, wie sie sollten, ist es Zeit, Änderungen vorzunehmen: Du kannst dir überlegen, wie sich dein Business wieder stabilisieren lässt, etwa durch mehr Sichtbarkeit in deinem Netzwerk, verstärkte Akquise oder die Weiterentwicklung deines Geschäftsmodells. Auch Fortbildungen sind eine Möglichkeit zur Krisenbewältigung. So kannst du dich in deinem eigenen Bereich fachlich weiterentwickeln oder dir sogar ein weiteres Standbein aufbauen, wie Conny es getan hat. In jedem Fall bleibst du so am "Puls der Zeit".

Eine weitere Empfehlung lautet: Schon zu Beginn deiner Selbstständigkeit solltest du individuell für dein Business Grenzwerte oder "rote Linien" festlegen – zum Beispiel in Bezug auf deinen Umsatz –, die du nicht unterschreiten willst oder kannst. Diese Grenzwerte dienen dir als Orientierungspunkte, damit du nicht langfristig in finanzielle Schwierigkeiten gerätst. Wenn du dich also deiner roten Linie näherst, solltest du nach alternativen Möglichkeiten suchen, Einnahmen zu generieren: Kannst du dein Wissen zum Beispiel im Rahmen einer Lehrtätigkeit teilen und so etwas dazuverdienen? Ist eine temporäre Teilzeitstelle eine Option, um deine Selbstständigkeit parallel zu stabilisieren und dann neu durchzustarten? Auch solltest du darauf achten, keine Schulden zu machen – insbesondere nicht bei öffentlichen Stellen wie der Krankenkasse oder dem Finanzamt. 

"Man muss sich das Problem ins Bewusstsein holen, auch wenn es schwerfällt"

Conny weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es sein kann, sich eine herausfordernde Situation einzugestehen: "Man muss sich das Problem ins Bewusstsein holen, auch wenn es schwerfällt", rät sie. "Nicht, weil es dann plötzlich verschwindet, sondern weil es dadurch greifbarer wird und du es angehen kannst." Schließlich beginnt der Weg aus einer Krise damit, sich der Situation zu stellen. Erst danach lassen sich konkrete Schritte in Richtung Zukunft in die Wege leiten. 

Conny listet regelmäßig verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten auf, angefangen bei einem Best-Case-Szenario bis hin zum Worst-Case-Szenario. Dadurch versucht sie sich vorab bestmöglich auf wahrscheinliche Szenarien vorzubereiten, die ihrem Business begegnen könnten. Außerdem ist sie regelmäßig mit Berater/innen im Austausch, um ihre Marketingstrategie weiterzuentwickeln. Das Wichtigste ist laut Conny, sich als Selbstständige/r darüber bewusst zu sein, dass sich jederzeit etwas ändern kann, und flexibel zu bleiben: "Selbstständig zu sein bedeutet auch, Dinge regelmäßig anders zu machen. Denn wir selbst entwickeln uns weiter und die Bedingungen im Außen verändern sich." 

Zwischendurch sieht sich Conny auch nach Möglichkeiten abseits ihrer aktuellen selbstständigen Tätigkeiten um – etwa einer Teilzeitbeschäftigung. Zwar will sie ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben, aber wer weiß, vielleicht ergibt sich etwas Neues. So bewarb sie sich vor wenigen Monaten spontan auf eine Teilzeit-Anstellung in der politischen Bildung: "Genommen wurde ich zwar nicht, aber es war spannend, mal ein wirkliches Motivationsschreiben zu verfassen und zu sehen, welche Fähigkeiten ich für diese Stelle mitbringe", erzählt sie. "Ob ich für diese Festanstellung dann zugesagt hätte, steht auf einem anderen Blatt", fügt sie mit einem Lächeln hinzu. In dieser Zeit ist ihr außerdem bewusst geworden, was sie alles kann und was sie will. 

Warum Conny einen positiven und motivierten Blick nach vorne behält

Besonders ihre langjährige Erfahrung hilft Conny dabei, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Schließlich weiß sie nur zu gut, dass Herausforderungen kommen, aber sich im Normalfall auch bewältigen lassen. Momente des Zweifelns hat sie zwischendurch trotzdem, wie sie uns erzählt. In diesen Phasen nimmt sie sich, solange es ihr Zeitplan zulässt, ein bis zwei Tage frei, um "einfach mal durchzuhängen und loszulassen". Danach müsse es aber weitergehen.

Als Gegenmittel bei Existenzangst und in anspruchsvollen Zeiten hat sich Conny über die Jahre hinweg verschiedene Strategien zur Stressbewältigung angeeignet, darunter diverse Entspannungsmethoden und Meditation. Zudem hilft ihr der Austausch mit Gleichgesinnten. Der tut gut, bringt neue Ideen und Perspektiven mit sich und motiviert.

Hast du in deiner Selbstständigkeit schon herausfordernde Zeiten erlebt oder erlebst sie gerade? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen? Erzähl uns gerne deine Geschichte. Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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