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Stammtisch Hard Facts  zu den Selbstständigen in Deutschland

Zu unserem Stammtisch am 19.03.2024 stellte uns Martin Pätzug sehr interessante Daten zu den Selbstständigen in Deutschland vor.

Die Frage des Abends lautete: „Wer sind wir, und wenn ja, wie viele?

Aktuell gibt es 3,8 Mio. Selbstständige in Deutschland. Davon sind ca. 50% soloselbstständig. Jedes Jahr reduziert sich diese Anzahl um etwa 100.000. Ursachen hierfür sind u.a. die verschärften Regelungen zur Scheinselbstständigkeit, der generelle Rückgang der Neugründungen, die sinkenden Zahlen in den jüngeren Generationen, die Entwicklung des 1. Arbeitsmarktes, die Vorgänge bei der Deutschen Rentenversicherung und die hohen Sozialabgaben, denen der VGSD e.V. entgegenzuwirken versucht. 

Aus den frei verfügbaren Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW) (Berlin, 2015) geht sehr klar hervor, dass Solo-Selbständige keinesfalls andere wirtschaftliche Sorgen haben als angestellte Beschäftigte:  

  • Es gibt sie in allen Einkommensbereichen und sie sind dort etwa genauso häufig vertreten wie Angestellte. 
  • 20-25 % der Solo-Selbständigen verdienen weniger als Mindestlohn; entspricht den Zahlen bei Angestellten.
  • Eine Ausnahme bilden durchschnittliche Einkommen über dem Niedriglohnsektor dort sind Angestellte deutlich überrepräsentiert.
  • Selbständige zahlen etwa doppelt so viele Sozialabgaben wie Angestellte.
  • Selbständige müssen daraus eigene Rücklagen für Umsatzausfälle, Urlaub, Krankheit, Weiterbildung bilden.
  • Während der Corona-Pandemie beantragten nur 20.000 Selbständige ALG II.

Scheinselbstständigkeit als Gefahr für Lebensgrundlage

In jüngster Zeit ist das Hauptproblem vieler Solo-Selbständiger, die vor allem Dienstleistungen anbieten, die zunehmende Verunsicherung der Auftraggeber, ob sie mit einem Auftrag eventuell eine Scheinselbständigkeit in Kauf nehmen. Ein teurer Fehler, der die Geschäftsführungen und Vorstände der Firmen direkt mit Geldstrafe und Gefängnis bedroht. Es gibt bis heute keine belastbare rechtliche Grundlage für Auftraggebende und Dienstleistende, rechtssicher, schnell und unkompliziert erlaubte und nicht gestattete Formen der Zusammenarbeit mit Solo-Selbständigen und kleinen inhaber-geführten Firmen sicher zu unterscheiden. 

Solo-Selbständigen und kleine Unternehmen wird damit zunehmend ihre Lebensgrundlage entzogen. Das ist in den neuen Bundesländern ein besonders drängendes Problem, da solche kleinen Strukturen hier den größten Teil der Unternehmen darstellen. Als ein Beispiel: In Sachsen gibt es 149.000 Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU). Damit haben die KMU einen Anteil von 99,8% an den Unternehmen im Freistaat Sachsen (Mittelstandsbericht 2015-2017 von Sachsen). 

Von Mut und Kreativität der Selbstständigen kann Deutschland nur profitieren

Selbstständige sind ein gewichtiger Innovationsfaktor in der deutschen Wirtschaft. Aus ihren mutigen Unternehmungen gehen nicht nur neue Firmen hervor, die abhängig Beschäftigte einstellen, sondern sie tragen Innovationen in die deutschen Unternehmen, die von innen heraus kaum allein tragfähig sind; Stichwort: Spezialistentum. 

Das Fazit des Abends: „Wir müssen nicht gerettet werden!, weder vom Staat noch von den Gewerkschaften. Was wir brauchen, sind rechtliche und steuerliche bzw. finanzielle Rahmenbedingungen, die unsere mutigen Bestrebungen stärken und eindeutige Aktionsräume definieren. 

Mary Lindner & Martin Pätzug

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