Zum Inhalt springen
Mitglied werden

Warum bist du selbstständig? - Für Franz Gabriel Walther, Grafiker "Es ist die einzig lebenswerte Art zu arbeiten."

Franz Gabriel Walther hat sich nicht von seiner Idee abbringen lassen und ist seit fast 20 Jahren selbstständig.

Franz Gabriel Walther hat sich mit 31 Jahren selbstständig gemacht. Heute ist er als Illustrator, Papierkünstler und Grafiker tätig. Zu Beginn seiner Selbstständigkeit brauchte er einen langen Atem, da es einerseits schwierig war, potenzielle Kunden von seinen Produkten zu überzeugen. Andererseits fehlte es ihm an Startkapital.

Im Beitrag erzählt Franz Gabriel daher nicht nur seine eigene Geschichte, sondern auch über die Hürden, die viele Selbstständige überwinden müssen. Sein Fazit ist trotz allem: Die Selbstständigkeit ist die einzige lebenswerte Art zu arbeiten.

Keine Anstellung mit den passenden Bedingungen

Ich heiße Gabriel, von Beruf bin ich Illustrator, Papierkünstler und Grafiker. Ich habe meine jetzige Selbstständigkeit begonnen, als ich 31 Jahre alt war. Der Auslöser war damals, dass ich meine Anstellung nicht verlängert wurde. Weitere Gründe waren, dass ich zwei kleine Kinder hatte, deren Betreuung flexible Arbeitszeiten erforderte. Außerdem arbeite ich gerne künstlerisch-kreativ und will meine eigenen Ideen umsetzen. Letztlich sah ich keine Chance auf  eine angemessene Anstellung, die mir diese Bedingungen erfüllt hätte.

In der Zeit vor der Gründung war ich nach einem Studium der Freien Kunst und Malerei als Grafiker und Bürokraft angestellt. Auf meine Geschäftsidee kam ich damals, weil mir auffiel, dass es in vielen Städten nur kitschige, schlecht gearbeitete, nicht nachhaltige und höchst austauschbare Stadtsouvenirs gibt.  Ich entwickle und gestalte nun Stadtsouvenirs, die sich perfekt als regionale Geschenke eignen - und das seit 17 Jahren.

Trotz Anfangsschwierigkeiten: Der lange Atem hat sich ausgezahlt

In der Selbstständigkeit hatte ich durchaus auch mit Herausforderungen zu kämpfen, zum Beispiel den üblichen Anfangsschwierigkeiten: etwa, Auftraggeber und Kunden von meiner Leistung und meinen Produkten zu überzeugen. Zudem konnte ich kaum auf Startkapital zurückgreifen. Auch Erfahrungen von Kollegen waren rar, da meine Produkte in ihrer Machart und Eigenheit ziemlich allein stehen. Ein langer Atem war nötig, hat sich aber ausgezahlt.

Trotz alledem bin ich selbstständig geblieben, weil es für mich die einzige lebenswerte Art zu arbeiten ist. Der größte Erfolg meiner jetzigen Selbstständigkeit war, dass zunehmend auch öffentliche Auftraggeber auf mein Angebot zurückgreifen. Der schönste Erfolg ist aber immer die Rückmeldung zufriedener Kunden, die sich durch meine Illustrationen und Produkte berührt fühlen.

Franz Gabriel entwickelt und gestaltet Stadtsouvenirs, die sich perfekt als regionale Geschenke eignen.

Die Regional-Kultur der Stadt erhalten

Für diese Erfolge war entscheidend, dass ich immer wusste, was ich wollte – und was nicht. Und dabei geblieben bin, allen Unkenrufen zum Trotz. Die Selbstständigkeit gibt mir Freiheit, mich auszudrücken, schöne Dinge zu erschaffen und selbst über meine Arbeit zu bestimmen – das würde mir als Angestellter fehlen.

Meinen Kunden würden besondere, sehr liebevoll gestaltete, regional geprägte Geschenke zur Advents- und Weihnachtszeit und über das Jahr fehlen. Diese Geschenke erzeugen eine besondere Stimmung und bringen den Menschen ihre Stadt näher. Außerdem gäbe es keinen jährlich neu gestalteten Verwandlungs-Adventskalender. Wirtschaft und Gesellschaft wären ärmer, weil ein Stück Regional-Kultur in unserer Stadt und der Umgebung abgehen würde.

Vorurteil: Selbstständige wären knackreich

Die Selbstständigen werden nicht immer fair behandelt, besonders ärgere ich mich darüber, dass alle, ob soloselbstständig oder Unternehmen über 100 Mitarbeiter über einen Kamm geschoren werden. Alle denken immer, als Selbstständiger wäre man automatisch knackreich. Bei neuen Gesetzen werden wir Selbstständige oft komplett vergessen und für jede Kleinigkeit werden wir zur Kasse gebeten - viel mehr als jeder Angestellte. Zusätzlich schafft man es kaum, den immensen bürokratischen Aufwand zu bewältigen.

Trotzdem war die Selbstständigkeit für mich die richtige Entscheidung, weil ich sonst wohl eher unglücklich angestellt oder immer wieder arbeitslos wäre. Als Angestellter wäre ich wahrscheinlich weniger zufrieden, weil ich mich möglicherweise durch Vorgesetzte gegängelt fühlen könnte. Ich hätte auch nicht die Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung gehabt, wie sie mir in diesem Beruf offen standen.

Franz Gabriel gestaltet auch Lichtobjekte wie dieses.

Selbstständigkeit: Eine große berufliche und persönliche Chance

Wenn ich mich nicht selbstständig gemacht hätte, wäre ich heute Lehrer oder Erzieher? Oder bei Aldi oder dm an der Kasse? Viele meiner ehemaligen Kommilitonen arbeiten nicht mehr in ihrem Beruf. Ich würde anderen trotz aller aktuellen Probleme empfehlen, sich selbstständig zu machen, weil es eine große berufliche und persönliche Chance sein kann. Ich würde es aber nicht jedem empfehlen, denn nicht jeder ist dafür geeignet. Man braucht einen starken Willen, Durchhaltevermögen und muss absolut von dem überzeugt sein, was man macht. Visionskraft und Mut, immer wieder neu anzufangen und Dinge neu und anders zu denken, gehört aber auch dazu.

Damit ich das aus voller Überzeugung empfehlen kann, bräuchte es mehr und längere Unterstützung für Neu-Selbstständige durch wirtschaftspolitische Mittel und einen Abbau bürokratischer Anforderungen zu Gunsten wirklich hilfreicher Mittel (- Ich sage nur: „Verpackungsgesetz“!).

Zudem sollte Hartz IV für Selbständige neu ausgerichtet werden, als eine wirkliche Hilfe zum „Auf-die-Beine-kommen“, statt jeden über dem „Bedarf“ selbstverdienten Euro gleich wieder einzuziehen. Dadurch kommt es zu langjährigen Abhängigkeiten vom Jobcenter. Daneben wäre eine Mietpreisbremse für Gewerbemieten hilfreich: Dieses Instrument würde langfristig auch die Verödung unserer Innenstädte aufhalten.

Anmerkung:

Unsere Aktion "Warum bist du selbstständig?" stieß bei euch auf eine große Resonanz, worüber wir uns sehr freuen. Dabei haben wir deutlich mehr Zuschriften bekommen als wir erhofft haben. Wir bedanken uns herzlich bei euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns eure Geschichte zu teilen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, haben wir bereits eine Reihe von Warum-Geschichten veröffentlicht. Die Geschichten, die wir auswählen, zeigen immer neue Aspekte und Gründe für eure Selbstständigkeit: Seid ihr Unternehmer, weil eurer Kreativität in dieser Berufsform keine Grenzen gesetzt sind, weil die Freiheit durch eine Selbstständigkeit unbezahlbar ist - oder warum? Wir möchten mit der Auswahl der Geschichten der Vielfalt an Gründen für eine Selbstständigkeit Rechnung tragen und diese Bandbreite aufzeigen. Wir bitten daher um euer Verständnis, wenn wir deshalb nicht jede Geschichte veröffentlichen können, hoffen aber, euch durch immer neue Ansichten inspirieren zu können.

Kommentare

Noch keine Kommentare
Antwort abbrechen
Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.
... bitte warten ...