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Warum bist du selbstständig? - Michael Pruss, Outdoorunternehmer "Ich bin kein klassischer Arbeitnehmer und Befehlsempfänger"

Michael Pruss hat seine Nische gefunden

Michael Pruss ist Inhaber des Outdoorunternehmens Spirits of Nature. Seit über 20 Jahren organisiert er im Sommer Kanu-Touren, Canyoning und vieles mehr. Im Winter sind  Schneeschuhwanderungen und weitere Aktivitäten dran. Vor seiner Selbstständigkeit konnte der gelernte Koch und Zimmermann bei einem Outdoorveranstalter in Tirol erste Erfahrungen in dieser Branche sammeln. Die Selbstständigkeit reizt ihn, da er gerne selbstbestimmt arbeitet - und weil er "ein Macher" ist.

Was Michael auf seinem Weg erlebt hat und warum er für sein Unternehmen brennt, das erzählt er in seiner Geschichte: 

Mein Name ist Michael Pruss, ich bin Inhaber eines Outdoorunternehmens. Ich habe meine jetzige Selbstständigkeit begonnen, als ich 29 Jahre alt war.

Marktlücke früh erkannt

Viele Zufälle kamen zusammen, bis ich in der Outdoorbranche gelandet bin. Der Auslöser war damals, dass es in der Region Allgäu noch fast keine Veranstalter für Outdooraktivitäten gab, vor allem nicht im Bereich Canyoning und Kanu sowie Rafting. Dabei waren und sind die geografischen Verhältnisse in der Region perfekt. Vor der Gründung meines Unternehmens, arbeitete ich bereits sechs Jahre für einen Outdoorveranstalter in Tirol (Firmensitz im Allgäu) auf selbständiger Basis. Da dieser im Allgäu nur einen Hochseilgarten betrieb und auch andere Aktivitäten im Portfolio haben wollte, war eine Kooperation für beide Seiten von Vorteil, auch unter dem Gesichtspunkt der Unterstützung in der Gründerphase.

Außerdem konnte ich so meine Hobbys zum Beruf machen. Ich bin schon davor viel zum Canyoning gegangen und bin Kajakfahrer sowie Hochseilgartenbauer und Ausbilder. In der Zeit vor der Gründung war ich Koch und Zimmermann (beide Berufe erlernt), sowie Outdoorguide. 

Trotz Herausforderungen lieber selbstständig: Ich bin ein Macher

Ich hatte in der Selbstständigkeit durchaus auch mit Herausforderungen zu kämpfen, zum Beispiel mit dem Problem der Scheinselbständigkeit von Honorarkräften im Outdoorbereich, Umwelt- und Naturschutz, wachsender Konkurrenz im Laufe der Jahre, Personalproblematiken, weil es eine Nische - uvm.

Trotzdem bin ich selbstständig geblieben, weil ich lieber selbstbestimmt agiere und ein Macher bin. Vor der Zeit meines Outdoorunternehmens war ich schon mehrfach selbstständig, etwa als Besitzer und Betreiber eines Imbisswagens, selbständiger Hochseilgartenbauer und -ausbilder sowie selbständiger Outdoorguide. Meine Motivation war damals die Gleiche wie heute: selbstbestimmtes Handeln.

Der größte Erfolg meiner jetzigen Selbstständigkeit ist die Tatsache, dass ich bis zu Corona ein stabiles Unternehmen hatte, welches langsam über die Jahre gesund gewachsen ist. Für diesen Erfolg war entscheidend, dass ich ein Visionär bin und Richtungen schon sehr früh erkenne und selbst fast alle Bereiche abdecken kann.

Umsatzverlust 2020 bei 80 Prozent 

Outdoorspaß, made by Michael Pruss.

In der Corona-Krise geht es uns sehr schlecht, da wir ein Saisonbetrieb sind und damit nur zwischen dem 15. April und dem 31. Oktober Zeit haben, Umsatz zu generieren. 2020 waren wir im Vorfeld sehr gut gebucht, unter der Woche mit Schulklassen und am Wochenende Firmen, Vereine und Privatleute.

Mit Beginn der Pandemie sind alle Veranstaltungen storniert worden und wir durften erst Ende Mai 2020 mit weniger zulässigen Gästen beginnen. Der Juli und August war, dank vieler Urlauber in der Region, ganz gut - und im Herbst wieder: null Euro Umsatz. Unser Umsatzverlust 2020 lag bei rund 80 Prozent.

Leider sind aus der Pandemie noch andere Probleme entstanden, Mitarbeiter orientieren sich in anderen Branchen um, was verständlich ist, für uns die Situation aber noch verschärft. Gerade unsere Outdoorguides sind unser größtes Problem. Es gibt sie nicht so auf dem Markt wie Schreiner, Metzger oder andere Lehrberufe: Wir bilden diese Leute selbst aus. Aber was soll man möglichen Guides in dieser Zeit sagen, wenn wir selbst nicht wissen, wie es weitergeht. Es ist für uns mittlerweile existenzbedrohend, wir mussten auch schon an unsere Altersvorsorge gehen, um Kosten zu decken. Kredite bringen nichts, erstens habe ich noch ein paar Kredite laufen - und am Ende müsste auch ein neuer Kredit zurückgezahlt werden, was so gut wie unmöglich ist.

Selbstbestimmtheit, Flexibilität und Bestätigung durch selbstständiges Arbeiten

Ich bin trotz allem gerne selbstständig, denn die Selbstständigkeit gibt mir Selbstbestimmtheit, Flexibilität und Bestätigung – das würde mir als Angestellter fehlen.

Ich habe selbst immer viele Ideen und Visionen, da ist das schwierig, sich in eine Firmenstruktur als Arbeitnehmer zu begeben. Als Selbständiger kann ich alle Ideen umsetzen und dies in meinem Tempo, aber auch mit dem eigenen Risiko oder Erfolg. Ich bin außer mir selbst niemandem Rechenschaft schuldig und kann meine Zeit frei einteilen.

Ich bereue diesen Schritt immer noch nicht, nur werden die Bandagen für Selbständige immer enger und gerade in solch einer schweren Zeit kann man schon verzweifeln, weil man so machtlos ist.

Naturerlebnisse, die heute sehr gefragt sind

Meinen Kunden würden ohne mich Erlebnisse in der freien Natur fehlen, welche ohne professionelle Betreuung nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich wären. Gerade für die Gesellschaft bietet mein Unternehmen einen Mehrwert, denn es geht nicht immer nur um Arbeit: Die Freizeitgestaltung hat in der heutigen Zeit einen viel größeren Stellenwert.

Die Selbstständigen werden nicht immer fair behandelt, besonders ärgere ich mich darüber, dass mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Das Thema Scheinselbständigkeit (haben wir eine Insellösung), Arbeitgeberbelastungen zu hoch. Trotzdem war die Selbstständigkeit für mich doch die richtige Entscheidung, weil ich immer wieder gemerkt habe, dass ich kein klassischer Arbeitnehmer und Befehlsempfänger bin und gerne selbstbestimmt arbeite.

Rafting ist ein spritziges Vergnügen.

Als Angestellter wäre ich wahrscheinlich weniger zufrieden, weil mein Gestaltungsspielraum zu stark eingeschränkt wäre und wenn ich mich nicht selbstständig gemacht hätte, wäre ich heute wahrscheinlich Koch oder Zimmermann. Anderen würde ich trotz aller aktuellen Probleme empfehlen, sich selbstständig zu machen - letztlich muss das aber jeder individuell für sich selbst entscheiden.

Zum Schluss hätte ich noch ein Angebot für alle VGSD-Mitglieder: Bei Gruppenbuchungen ab 10 Personen würde ich auf unsere eigenen Aktivitäten 20 Prozent Nachlass im Jahr 2021 gewähren.

Anmerkung:

Unsere Aktion "Warum bist du selbstständig?" stieß bei euch auf eine große Resonanz, worüber wir uns sehr freuen. Dabei haben wir deutlich mehr Zuschriften bekommen als wir erhofft haben. Wir bedanken uns herzlich bei euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns eure Geschichte zu teilen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, haben wir bereits eine Reihe von Warum-Geschichten veröffentlicht. Die Geschichten, die wir auswählen, zeigen immer neue Aspekte und Gründe für eure Selbstständigkeit: Seid ihr Unternehmer, weil eurer Kreativität in dieser Berufsform keine Grenzen gesetzt sind, weil die Freiheit durch eine Selbstständigkeit unbezahlbar ist - oder warum? Wir möchten mit der Auswahl der Geschichten der Vielfalt an Gründen für eine Selbstständigkeit Rechnung tragen und diese Bandbreite aufzeigen. Wir bitten daher um euer Verständnis, wenn wir deshalb nicht jede Geschichte veröffentlichen können, hoffen aber, euch durch immer neue Ansichten inspirieren zu können.

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