Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Warum bist du selbstständig? – Monika Weyer, Inhaberin einer Müsli-Manufaktur: „Ich bin alles, von Bürochefin hin zur Expertin für Etiketten nach EU-Normen“

Liebt Müsli: Unternehmerin Monika Weyer,  Foto: privat

Monika Weyer hat eine eigene Muesli Manufaktur eröffnet, nachdem sie überraschend ihren Traumjob verloren hat. Sie ist eine der Unternehmerinnen, die uns im Rahmen unserer Kampagne „Warum bist du selbstständig?“ ihre Geschichte aufgeschrieben hat, denn eure Beweggründe interessieren uns sehr!

 

Monika Weyer:

Wenn ich in meiner Manufaktur stehe, die erste Ladung Müsli im Ofen ist und nach einigen Minuten beginnt, himmlisch zu duften, löst sich jeder ärgerliche Gedanke in mir auf. Mein freundlicher Vermieter, er wohnt gegenüber, meint dann immer, es dufte in der ganzen Straße wie Weihnachten. Wo gibt es das schon das ganze Jahr über, den kindlichen Duft nach dem besonderen Fest? Vielleicht mag es naiv sein, aber ich glaube, die Welt wäre ein Stückchen besser, wenn mehr Menschen Müsli äßen. Egal ob zum Frühstück, zum Mittag, am Abend oder zwischendurch. Vollwertiges Müsli nährt auf einfache Weise, es macht glücklich, zufrieden und satt.

 

Die Geschichte zur Muesli Manufaktur

Eines Tages wurde ich ohne Vorwarnung aus meinem Traumjob katapultiert. Viele Zacken fielen aus meiner glänzenden Krone. Mehrmonatige Auszeit. Danach: Zacken ankleben, Krone richten und weitergehen. Dann stand mein Entschluss fest: Ich will meine eigene Arbeitgeberin sein. Zu Beginn des neuen Jahres schrieb ich einen Businessplan, das war manchmal fast so schlimm wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung.

Mitte des Jahres fand ich eine Backstube. Es wurde renoviert und saniert und Ende des Jahres war es schließlich soweit: Ich hatte die Genehmigung, produzieren zu dürfen, in der Tasche. Zur selben Zeit entstand die Website, das war sozusagen meine zweite Wurzelbehandlung. Ich sollte Entscheidungen treffen zu Themen wie Shopaufbau, Darstellung desselben, DSGVO, rechtliche Belange, von denen ich noch nie gehört geschweige denn geahnt habe, dass es sie überhaupt gibt. Mein Müsli ist ökozertifiziert und unterliegt den EU-Verordnungen. Ich habe mich noch nie in so kurzer Zeit in so viele Themen eingelesen und das alles für ein einziges Produkt. Kurze Erinnerung: Die Welt soll mit meinem einzigartigen Müsli besser werden, ich wollte sie nicht retten! Sollte ich jemals ein Buch über diese intensive Zeit schreiben, würde es den Titel „Schon selbständig oder völlig bekloppt?“ erhalten.

 

Herausforderungen: Unterlassungsklagen eines Bioland-Bauern

Meine erste richtig unerfreuliche Begebenheit hatte ich gleich ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit. Ein Bioland-Bauer aus der Umgebung nebst Anwaltstochter kamen im ersten Jahr meiner Selbstständigkeit mit einer Unterlassungsklage auf mich zu. Dasselbe „Spiel“ noch einmal ein Jahr später mit denselben Protagonisten. Das Ganze hat bereits eine hohe Summe an Anwalts- und Gerichtskosten verschlungen und mich viel Kraft gekostet. Gleichzeitig bin ich noch da und ich werde nicht aufgeben! Übrigens ist eine Ordnungsklage desselben Duos anhängig.

Ich habe in dieser Zeit viele Ängste ausgestanden, gleichzeitig habe ich viel über mich gelernt. Mein großer Wunsch nach diesen Erfahrungen: Genug ist genug!

 

Der schöne Teil der Geschichte

Monika Weyer brennt für ihr Muesli und glaubt an ihren Traum, Foto: privat

Jetzt kommt der schöne, motivierende Teil: Das Müsli wird von mehr und mehr Menschen geschätzt und dadurch auch erworben. Die Kundinnen schätzen meine Backkunst und meinen Glauben daran, dass man ein gutes und leckeres Produkt auch ohne Zusatz- und Füllstoffe und ölfrei herstellen kann. Bis ein Kilogramm Müsli gebacken ist, vergeht eine knappe Stunde: Hochwertige Zutaten, Liebe zu den einzelnen Produkten und das Bestreben, es immer wieder in derselben hohen Qualität herzustellen, sind meine Antriebsfedern. Ich liebe es, das Müsli zu backen, zu verpacken und anschließend zu verschicken mit dem Wissen, es wird in einer Müslischale landen und mit Genuss gegessen.

 

In der Selbstständigkeit hat man viele Berufe in einem

Ich wusste nicht, dass die Selbstständigkeit so viele einzelne Berufe in sich trägt: Buchhalterin, Hüterin über die Öko-Zertifizierung mit unglaublich vielen Listen, „Juristin“, „Versicherungsfachfrau“, Berufsverbandsangehörige (nicht freiwillig), „ITlerin“, „Sicherheitschefin“, Expertin für Etiketten nach EU-Normen (ein Alptraum). Meine Regale füllen sich Jahr für Jahr mit immer mehr Ordnern. Ach ja, Bürochefin bin ich ja auch noch.

Was hat mir bei diesem Blumenstrauß an „Jobs“ geholfen? Ich habe eine Fach-Ausbildung in der Gastronomie/Hotellerie in der Schweiz absolviert, das war eine herausfordernde Zeit. Außerdem habe ich viele Jahre im Airline Catering am Flughafen gearbeitet und war dort unter anderem für die Logistik zuständig. Ich habe mehrere Jahre lang Verwaltungen mit aufgebaut und Schul-Mensen geleitet. Das hat mich in meiner strukturierten Arbeitsweise stark geprägt. Nicht vergessen: Noch mache ich alles selbst!

Vielleicht habe ich aus diesem Grund noch nie falsch geliefert oder verpackt. Was nicht ist, kann ja noch kommen. Auch das hat mich die Selbstständigkeit gelehrt: Es prasselt manchmal alles auf einmal auf mich herein und dann gilt es, erstmal tief durchatmen und dann zu priorisieren. Gleichzeitig gelingt mir das natürlich nicht immer, da ist noch Luft nach oben.

 

Ich habe mich durchgewühlt und mein Traum wächst jeden Tag weiter

Zwei Jahre Abenteuer, jeder Tag ist anders. Ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu, ich mache Fehler, aus denen ich lerne. Ich bin mir gegenüber toleranter und fehlerfreundlicher geworden und dadurch hoffentlich auch anderen gegenüber. Ich glaube, wenn ich das alles vorher gewusst hätte, was teilweise an großen Herausforderungen auf mich wartet, mein Herz wäre in die Hose gerutscht und ich hätte es mich wahrscheinlich nicht getraut. Nun wusste ich es nicht und habe mich einfach „durchgewühlt“.

Mein Traum mit der Muesli Manufaktur wächst mit jedem Tag ein wenig mehr. Die Schritte sind klein, gehen aber in die richtige Richtung. Mittlerweile habe ich tolle Partnerinnen an meiner Seite, die mich administrativ, medial und juristisch unterstützen. Meine Familie glaubt an mich und das Müsli. Was will ich mehr?

Vermutlich muss man wirklich ein wenig verrückt sein, sich auf diesem Markt tummeln zu wollen. Gleichzeitig habe ich bis heute kein Müsli gefunden, das so lecker schmeckt, so phantastisch duftet und glücklich macht. Mich jeden Morgen beim Frühstück mit meinen Lieben!

 

Unsere Aktion „Warum bist du selbstständig?“ stieß bei euch auf eine große Resonanz, worüber wir uns sehr freuen. Dabei haben wir deutlich mehr Zuschriften bekommen als wir erhofft haben. Wir bedanken uns herzlich bei euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns eure Geschichte zu teilen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, haben wir bereits eine Reihe von Warum-Geschichten veröffentlicht. Die Geschichten, die wir auswählen, zeigen immer neue Aspekte und Gründe für eure Selbstständigkeit: Seid ihr Unternehmer, weil eurer Kreativität in dieser Berufsform keine Grenzen gesetzt sind, weil die Freiheit durch eine Selbstständigkeit unbezahlbar ist – oder warum? Wir möchten mit der Auswahl der Geschichten der Vielfalt an Gründen für eine Selbstständigkeit Rechnung tragen und diese Bandbreite aufzeigen. Wir bitten daher um euer Verständnis, wenn wir deshalb nicht jede Geschichte veröffentlichen können, hoffen aber, euch durch immer neue Ansichten inspirieren zu können.

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