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Warum bist du selbstständig? - Vertriebstrainer Philipp Gotterbarm "Die Freiheit, entscheiden zu können, ist alles wert!"

Warum um alles in der Welt hast du dich selbstständig gemacht? Was beglückt dich in deinem Business, was treibt dich an? Warum bist du trotz aller Hindernisse Unternehmerin oder Unternehmer – und willst es auch bleiben?

Philipp Gotterbarm fiel plötzlich auf, dass er in seinem Job nicht mehr glücklich war. Das war der Startschuss für seine Selbstständigkeit

Das wollten wir von euch wissen. Auf unseren Aufruf hin haben sich viele von euch gemeldet, um ihre Geschichte mit uns zu teilen. Heute erzählt Philipp Gotterbarm, wie es zu seiner Selbstständigkeit kam.

Ich heiße Philipp Gotterbarm. Ich bin Vertriebstrainer und trainiere Mitarbeiter im besseren Verkauf. Das mache ich in der Regel im B2B-Bereich und dabei vor allem im technischen Umfeld: Zum Beispiel was den Verkauf von Sondermaschinenbau und Dienstleistungen angeht und auch in der Bauwirtschaft.

Entscheidendes Brainstorming am Karfreitag 2016

Es war Freitag, der 25. März 2016 - Karfreitag. Mein Vater und ich saßen zum Brainstormen in einem gemieteten Raum eines Kongresshotels. Ich war angestellter Geschäftsführer eines Ingenieurbüros mit 120 Mitarbeitern. Meine Familie und ich bauten gerade unser Haus um, planten einen Florida-Urlaub, ich hatte viel zu tun und gut verdient.

Doch irgendwas hatte mich ja dazu getrieben, mit meinem Vater am Karfreitag zu kopfen. Ja: Ich war so unzufrieden. Nicht mit dem Job, nicht mit den Mitarbeitern… sondern mit mir! Buckeln, Buckeln, Druck von den Gesellschaftern etc. bekommen. "Für wen?", habe ich mich gefragt. Jedenfalls: Nicht für mich.

Und dann kommt mein Vater mit (damals) Mitte 60 und sagt: "Sohn, willst du mal hören, was mich an meiner Selbständigkeit genervt und fasziniert hat?" Ja, klar! Und so saßen wir am 25. März 2016 am Bodensee und schnell, ganz schnell sprachen wir über Optionen für mich. Welche Kunden in Frage kommen, welche Schulungen ich noch brauchen würde - ich vergaß dabei ganz, dass ich Vertriebstrainer bin -, und vieles mehr.

1000 Chancen und schlimmstenfalls eine Bewerbung

Am Ende des Tages, ja, wir hatten gelacht und sogar fast geweint, stand unter dem Strich eines: 1000 Chancen und das Schlimmste, was passieren kann, ist: Du musst dich wieder irgendwo bewerben… Ein paar Tage später habe ich meinen Gesellschaftern mittgeteilt, dass ich Ende des Jahres das Unternehmen in die Selbständigkeit verlassen werde. Eines meiner schönsten Kündigungsgespräche als Geschäftsführer!

In den letzten fünf Jahren bin ich hoch geflogen und auch tief gefallen, vor allem im Jahr 2020. Keinen Moment habe ich an ein Zurück gedacht, keinen Moment an Aufgabe. Warum? Ich habe vergangenes Jahr sicherlich 20–30.000 Euro Eigenkapital verbrannt, aber die Freiheit, entscheiden zu können, wie, was, wieso und warum ist dies wert. Jeden Tag, jede Minute!

Herausforderungen: Kundenwegfall, Corona und Digitalisierung

Als Selbständiger gehört es meiner Meinung nach dazu, sich oft selbst zu reflektieren und sich und seine Dienstleistung kontinuierlich neu auszurichten. Das ist ja eigentlich schon strategisch. Genau das habe ich 2019 gemacht. Der Hintergrund war der Wegfall meines größten Kunden Ende 2018 (ca. 60 Prozent meines Umsatzes) und mein Wille, dass mir so was nicht mehr passiert. Daraufhin habe ich eine zusätzliche Ausbildung zum Ludoki-Trainer gemacht. Mit diesem komplett anderen Ansatz bin ich dann Ende 2019 voller Kraft und Elan in die Akquise gestartet, und es schlug ein wie eine Bombe. Danach kam leider die Coronakrise und alles war wieder auf 0. Die nächste Challenge war Digitalisierung. Seit April 2020 biete ich nun alle Schulungen, Projekte und Trainings digital an - mit Erfolg.

Die größte Herausforderung 2020 war es, den Mut nicht zu verlieren. Wenn dir innerhalb von drei Wochen Kundenaufträge im Wert von 90.000 Euro absagen, tut das einfach weh.

Bei mir hat dieser Schlag jedoch nicht für Frust, sondern für Energie gesorgt. Jetzt ging es ja darum, schnell Neues anzubieten. Dabei hat mir mein Netzwerk bei den Wirtschaftsjunioren unglaublich geholfen, in dem wir in einer kleinen Gruppe selbst Trainer und Berater in digitalen Tools und Trainings ausgebildet haben. Jeder hat seine Kompetenzen eingebracht und nach wenigen Wochen waren wir digital am Start.

Learning: Fokussiere dich nie ausschließlich auf einen einzelnen Kunden

Eine weitere Herausforderung war natürlich die finanzielle Belastung. Ich hatte das Glück, dass die Soforthilfe von 9.000 Euro nach einer Woche auf dem Konto war. Dabei geht es gar nicht um die Höhe - ich bin sehr dankbar für jeden Euro. Die Soforthilfe hat etwas ganz anderes ausgelöst, und zwar: Ich werde in den nächsten drei Monaten damit meine Kredite zahlen können, ohne neue Kredite aufnehmen zu müssen. Mit dieser Sicherheit im Rücken konnte ich jetzt loslegen.

Andere Schwierigkeiten der letzten Jahren waren zum Beispiel die falsche Aufstellung meiner Kundenstruktur: Zu viel bei einem strategischen Kunden ist zwar komfortabel, jedoch nur solange dieser Kunde auch bucht. Diesen Fehler werde ich nicht mehr machen. Die konzentrierte Ausrichtung auf einen Kunden hat noch einen weiteren viel gefährlicheren Nachteil: Wenn man immer in seiner Komfortzone ist, leidet die Qualität und man ist nicht mehr innovativ. Das ist wirklich gefährlich!

Keine Sekunde daran gedacht, aufzugeben

Im Jahr 2019 habe ich mit einer guten Freundin aus dem Netzwerk der Wirtschaftsjunioren eine gemeinsame Firma im Bereich eTrainings gegründet und so viele Fehler gemacht, schon so viel Geld und Mühen investiert. Am 30.Dezember 2020 hatten wir unser Jahresgespräch und trotz allem, trotz der Misserfolge und des langsamen Anlaufens, haben wir keine Sekunde darüber nachgedacht, aufzugeben.

Das motiviert und bestätigt mich. Weiter so! Immer weiter!

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