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Warum bist du selbstständig? - Timo Koenig, Webentwickler "In der Selbstständigkeit kann ich meine Ziele am besten erreichen"

Timo Koenig hat seine Selbstständigkeit im Studium begonnen und ist heute seit 21 Jahren selbstständig.

Timo Koenig setzt mit seinem auf Frontend-Entwicklung spezialisierten Unternehmen Web-Projekte aller Art um. Bereits im Studium hat er sich zusammen mit einem Kommilitonen selbstständig gemacht, um etwas dazuzuverdienen. Daraus hat sich eine GbR entwickelt.

Festangestellten, die ihn fragen, wie sie sich am besten selbstständig machen könnten, rät Timo, sich eine Frist von zwölf Monaten zu setzen - und nicht vorher aufzugeben. In dieser Zeit könnten sie bewerten, ob ihnen die Selbstständigkeit liegt oder nicht. Den Weg zurück oder einen Neuversuch zu einem späteren Zeitpunkt gibt es immer. Hier ist seine Geschichte:

Selbstständig, um sich neben dem Studium etwas dazuzuverdienen

Mein Name ist Timo Koenig. Von Beruf bin ich Geschäftsführer, Founder und Frontend-Entwickler (so steht es zumindest in meinen Online-Profilen). Ich habe meine Selbstständigkeit vor mehr als 21 Jahren begonnen. Damals war ich etwa 22 Jahre alt und habe Medieninformatik in Flensburg studiert. Zu dieser Zeit wollte ich mit einem Kommilitonen eine Firma gründen, um mir neben dem Studium etwas dazuzuverdienen. Daraus hat sich schließlich die erste GbR mit den ersten Kunden entwickelt, für die wir Webseiten mit eigenen Content-Management-Systemen geschrieben haben.

Nach dem Studium, was ich wohl mit zu viel Links- und Rechtsschauen verbracht habe (laut dem Dekan beim Abschluss meiner Mit-Kommilitonen), habe ich mir wenig Chancen auf dem normalen Arbeitsmarkt als Angestellter ausgemalt. So bin ich einfach dabei geblieben, als Selbstständiger zu arbeiten. Es folgten nicht ganz einfache Zeiten mit wenig Projekten, wenig Einkommen und vielen Überlegungen, doch in die Festanstellung zu gehen. Aber mit meinem Lebenslauf, so ohne Abschluss?

Die Frontend-Entwicklung passte wie angegossen

2005 habe ich mich dann auf die Frontend-Entwicklung spezialisiert. Jenem Bereich der Webentwicklung, der das umsetzt, was der Designer sich ausgedacht hat und der Benutzer anfasst, also das, mit dem er interagiert. Das passte wie angegossen. Datenbanken und Co. waren nicht so mein Ding. Ich mochte es lieber, mit Designern über die Umsetzung ihrer Arbeit zu reden, ihnen die technische Seite und die damit verbundenen Grenzen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Pixel über den Bildschirm schubsen. Und das ist auch heute noch so.

Nachdem ich den ersten großen Auftrag als Subunternehmer einer Agentur für den weltweiten Relaunch eines bekannten Unternehmens bekommen hatte, blieb ich über zwei Jahre eng mit der Agentur verbunden und arbeitete viel für die neuen Webseiten von Magazinen. Ab 2007 wurden bis heute zwei weitere GbRs und mittlerweile eine GmbH gegründet, die alle den Fokus auf die Frontend-Entwicklung legen und gelegt haben. Ich war viele Jahre Freelancer und habe sogar überlegt, einen Coworking-Space auf dem Land (oder besser: am Stadtrand von Hamburg) in einer alten Scheune aufzubauen. Lange bevor ich den Begriff Coworking überhaupt kannte.

Aus dem Dasein als Sonderling unter den Entwicklern, die damals eher belächelt wurden, ist einer der gefragtesten Bereiche überhaupt geworden und aus modernen Projekten für Apps, Webseiten, SaaS und Co. nicht mehr wegzudenken. Die Technologien im Frontend haben sich seitdem stark weiterentwickelt und decken einen größeren Bereich als noch vor zehn Jahren ab.

Meine Einstellung zum Selbstständigsein ist stärker geworden

Meine Einstellung zum Selbstständigsein hat sich auch weiterentwickelt: Sie ist stärker geworden. Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass man seine Ziele so am besten erreichen kann. Das ist sicherlich auch eine Charaktersache, aber nur so bin ich voll verantwortlich für mein Handeln. Da ist niemand, den man vorschieben kann, und das ist gut so. Und ich bin mir selbst gegenüber so loyal.

Selbst während der Bankenkrise 2009 und in der aktuellen Situation ist das so geblieben. Und es geht so weiter, etwa mit der Gründung der GmbH im letzten September. Wie in der Zeit von 2007 bis 2011 bin ich gerade dabei, ein eigenes Team aus Entwicklern für alte und neue Kunden zusammenstellen. Arbeitsplätze zu schaffen. Neue Arten der Zusammenarbeit zu erproben. Remote, mit selbstbestimmten Teams.

Und eine Arbeitnehmerüberlassung, die ich nicht mit meinem Ego vereinbaren konnte, hat ihr übriges dazu getan, weiter den Weg zu gehen. Ich bin halt einfach versaut für den normalen Arbeitsmarkt. Doch trotz aller Liebe für das Unternehmertum ist nicht alles Gold, was glänzt. Und nicht jeder ist dafür gemacht.

Tipp für Festangestellte, die mit der Selbstständigkeit liebäugeln: Teste es!

Wenn ich von Festangestellten gefragt werde, ob und wie sie sich am besten selbstständig machen sollen, gebe ich ihnen meist nur diesen einen Rat: Setz dir eine Frist, zum Beispiel zwölf Monate, in denen du das ganze testest! Höre nicht vorher auf. Schaue in der Zeit, ob es dir liegt, mehr für dich selbst verantwortlich zu sein. Rechnungen zu schreiben, Krankenkasse und Co. zu bezahlen, Steuern zurückzulegen und dich mit der ganzen Bürokratie auseinanderzusetzen. Entscheide dann, ob du weitermachen willst oder nicht. BEIDE Schritte sind eine gute und valide Option. Du kannst immer zurück. Oder später weitermachen, zu einem besseren Zeitpunkt.

Die letzten Jahre ist es zudem zusehends schwerer geworden, als Freiberufler (in der IT) zu arbeiten. Das Damokles-Schwert der Scheinselbständigkeit hängt über vielen und bereitet auf Grund der (gewollten?) Unsicherheit schlaflose Nächte. Damit muss man auf Dauer leben können. Auch die aktuelle Situation mit Corona macht es nicht gerade einfach, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Aber wie 2009 gibt es auch hier ein DANACH und ich würde niemandem davon abraten, den eigenen, selbstbestimmteren Weg zu gehen. Ich würde nur den einen oder anderen Tipp geben, es anders zu machen. Und ihm/ihr/x raten, diese Tipps auch anzunehmen.

Anmerkung:

Unsere Aktion "Warum bist du selbstständig?" stieß bei euch auf eine große Resonanz, worüber wir uns sehr freuen. Dabei haben wir deutlich mehr Zuschriften bekommen als wir erhofft haben. Wir bedanken uns herzlich bei euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns eure Geschichte zu teilen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, haben wir bereits eine Reihe von Warum-Geschichten veröffentlicht. Die Geschichten, die wir auswählen, zeigen immer neue Aspekte und Gründe für eure Selbstständigkeit: Seid ihr Unternehmer, weil eurer Kreativität in dieser Berufsform keine Grenzen gesetzt sind, weil die Freiheit durch eine Selbstständigkeit unbezahlbar ist - oder warum? Wir möchten mit der Auswahl der Geschichten der Vielfalt an Gründen für eine Selbstständigkeit Rechnung tragen und diese Bandbreite aufzeigen. Wir bitten daher um euer Verständnis, wenn wir deshalb nicht jede Geschichte veröffentlichen können, hoffen aber, euch durch immer neue Ansichten inspirieren zu können.

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