Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Wettbewerb „The Venture“: Patent sucht Gründer – Gründer bekommt Lizenz – Neue Anwendungen entstehen

Eigentlich haben wir uns vorgenommen, keine Businessplan-Wettbewerbe vorzustellen. Hier machen wir eine Ausnahme: „The Venture“ möchte tolle Erfindungen und clevere Vermarktungsideen zusammenbringen. Wir haben uns das Konzept von Dr. Philipp Sandner (35) erklären lassen, der den Wettbewerb im Rahmen einer Taskforce des Hochschullehrerverbandes Förderkreis Gründungsforschung (FGF) e.V. entwickelt hat.

 

dr_philipp_sandnerVGSD: Deutschland gilt als Land der Erfinder. Doch wenn es darum geht, die guten Ideen in klingende Münze umzusetzen, sind risikofreudige Unternehmer im Ausland schneller. Warum ist das so?

Philipp Sandner: Ich denke, der Hauptgrund dafür ist, dass viele der Leute in Deutschland, die tolle Ideen haben oder neue Erfindungen machen, oft nicht die Marketing- und Vertriebserfahrung haben, um sie in einen kommerziellen Erfolg zu verwandeln. Oder es wird zu sehr an die Technologie gedacht und weiter an der technischen Umsetzung gearbeitet anstatt mit Marketing oder Vertrieb zu beginnen.

VGSD: Und jetzt startet Ihr einen Gründungswettbewerb. Worum geht es dabei?

Philipp Sandner: Im Kern ist unser Leitsatz: „Patent sucht Gründer.“ Es gibt viele Patente, die nicht genutzt werden. Gleichzeitig gibt es viele Gründer oder Gründungsinteressierte, die keine Idee haben. Bei unserem Vorhaben, dass wir „THE VENTURE“ genannt haben, geht es darum, dass sich Gründerteams Geschäftsmodelle zu existierenden Technologien oder Patenten ausdenken sollen. Im Rahmen des Wettbewerbs werden Patente vorgegeben und Gründer entwickeln Geschäftsmodelle dazu. Die Gewinner erhalten am Ende eine kostenlose Lizenz an dem Patent – zumindest für eine gewisse Zeit.

VGSD: Was unterscheidet The Venture von anderen Wettbewerben?

Philipp Sandner: Der Hauptunterschied ist, dass bei The Venture ein Gründerteam nicht eine x-beliebige Idee einreichen kann. Wir geben die Technologien vor; diese sind teils echte Querschnittstechnologien. Damit können eine Vielzahl von Geschäftsmodellen angedacht werden. Die Teams mit den besten Geschäftsmodellen zu den vorgegebenen Patenten bekommen als Gewinner dann eine kostenlose Lizenz an dem Patent – so dass das Start-Up sofort gegründet werden kann. Denn die Technologie ist ja schon da und funktioniert. Geschäftsmodell, Geschäftsprozesse, Website, Marketing und Vertrieb sind diejenigen Tätigkeiten, mit denen sofort begonnen werden kann. So kann die jahrelange initiale Produkt- und Technologieentwicklung entfallen. Ein weiterer Unterschied zu anderen Wettbewerben ist, dass wir bereits jetzt mit über 20 Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenarbeiten. Somit sind wir nicht regional beschränkt. Wir wollen die besten Patente und die besten Gründerteams aus diesen Ländern – und beides zusammenführen.

VGSD: An wen richtet sich The Venture? Wer ist die Zielgruppe?

Philipp Sandner: Es geht für uns darum, dass später Start-Ups gegründet werden. Ob die Gründer jung oder alt, Studierende oder Senioren sind, ist daher zweitrangig. Jeder kann mitmachen: als Team oder als Einzelperson. Einzelpersonen können auswählen, ob Sie Einzelgründer werden wollen, oder mit anderen Gründungsinteressierten womöglich ein Team bilden wollen. The Venture ist so konzipiert, dass später Start-Ups gegründet werden.

 

Patent aussuchen und bewerben bis 15. August 2015

VGSD: Wie läuft der Wettbewerb ab? Was ist der Zeitplan?

Antwort: Zunächst bewerben sich die Teilnehmer in Teams von maximal 4 Personen oder als Einzelpersonen bis zum 15. August 2015. Einzelpersonen können nach Wunsch zu einem Team zusammengeschlossen werden. Für die Bewerbung müssen Kandidaten sich schon für eine Technologie entschlossen haben und ein bis zwei PowerPoint-Folien bezüglich des angedachten Geschäftsmodells mit dem eigenen Lebenslauf einreichen. Nach einem Monat erhält jeder Bewerber individuelles Feedback und hat ab dem Zeitpunkt zwei Wochen bis Anfang Oktober, um sich auf die Auditions vorzubereiten. In diesen werden neben der Idee und der Präsentation auch das Team und dessen Motivation bewertet. Danach wird jedem Team ein persönlicher Coach zur Seite gestellt, der bei der Vorbereitung für den Final Pitch Anfang Dezember hilft, wobei die finalen Geschäftsmodelle vorgestellt werden sollen.

VGSD: Was wäre ein Beispiel für ein Patent?

Antwort: Wir haben zum Beispiel eine Carsharing-Technologie bei The Venture dabei. Sie stammt von der Firma Invers, die für alle bekannten Carsharing-Betreiber die Technologieplattform bereitstellt. Diese Technologie und die Patente dazu betreffen im Kern ein „Handy-zu-Auto-Gateway“. Das ist eine Technologie, mit der viele andere Geschäftsmodelle denkbar wären, zum Beispiel: Flottenmanagement, Carsharing für Pflegedienste, Carsharing für Handwerker, App für‘s Auto zu Monitoring und Tracking Zwecken, ggf. für Versicherungen. Bei The Venture sollen Gründerteams dann innerhalb von drei Monaten patentbasierte Anwendungen zu Businessmodellen entwickelt werden, woraus am Ende Start-Ups entstehen können und sollen.

VGSD: Was erhält man, wenn man „gewinnt“?

Antwort: The Venture ist auf die Gründung von Start-Ups ausgelegt. Somit planen wir derzeit keine Vergabe von Preisgeldern. Aber man erhält alle Mittel, um ein erfolgreiches Start-Up zu gründen. Dies beinhaltet insbesondere eine Lizenz für das Patent, für das man sich am Anfang entschieden hat, rechtlichen Beistand bei der formellen Firmengründung und Hilfe bei dem Aufbau einer Organisationsstruktur und insbesondere eines wirksamen Marketings und Vertriebs – und natürlich beim Finden von Investoren.

VGSD: Klingt wirklich interessant! Wir wünschen Euch und vor allem natürlich auch den Teilnehmern viel Erfolg und sind gespannt, was für Produkte bzw Dienstleistungen daraus entstehen.

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