Wie ich meine Begeisterung für Selbstständigkeit teile – Im Gespräch mit VGSD-Mitglied Daniel Held

Foto: Daniel Held

Daniel Held hat sich vor vier Jahren selbstständig gemacht – und das war nach eigener Aussage die beste Entscheidung seines Lebens.

Mit seinem Unternehmen „Heldentexte“ schreibt und optimiert er Texte, füllt Webseiten mit attraktiven Inhalten und optimiert sie so, dass sie auch von Google & Co. gefunden werden.

Sein Wissen und seine Begeisterung für die Selbstständigkeit teilt er mit anderen. Vor kurzem ist sein Buch „Ohne Zweifel selbstständig“ erschienen, mit dem er seine Leser auf eine persönliche „Heldenreise“ mitnimmt und zeigt, wie man sich am besten für das Abenteuer Selbstständigkeit rüstet, Klippen umschifft, mit Selbstzweifeln umgeht und als gestärkte Persönlichkeit und erfolgreicher Freiberufler von der Reise zurückkehrt.

Außerdem hat er einen Medienstammtisch ins Leben gerufen, mit dem er von seiner Kölner Heimat aus das ganze Bundesgebiet bereist. Außerdem veranstaltet er im Rahmen dieser Initiative kostenlose Workshops.

 

Gründung führte zu Sprung in der Persönlichkeitsentwicklung sowie Mentalitätswechsel

VGSD: Warum war für dich der Schritt in die Selbstständigkeit die richtige Entscheidung?

Daniel: Nach der Arbeit aufs Sofa, das Wochenende und den Sommerurlaub herbeisehnen und gleichzeitig stets von einer „höheren Stelle“ gesagt bekommen, wie der nächste Schritt aussieht: So war mein Alltag als Angestellter. Durch eine beruflich und privat bedingte tiefe Krise habe ich insbesondere nach Beginn der Selbstständigkeit mein komplettes Leben auf den Kopf gestellt. Ich wusste, ich muss und will einiges verändern. Ich wollte ganz anders leben, die Dinge selbst in die Hand nehmen und Strippenzieher sein.

Niemals hätte ich vor der Gründung gedacht, dass ich später solch einen Weg und Sprung in der Persönlichkeitsentwicklung sowie völligen Mentalitätswechsel hinlegen würde. Es hat sich eine Dynamik entwickelt, die mir viel mehr Gestaltungskraft und Freiheit sowie einen besseren Verdienst beschert hat. Heute lebe ich glücklicher denn je zuvor.

Welche Klippen musstest du am Anfang umschiffen?

Die Aussagen des Umfelds waren für mich die größte mentale Herausforderung. Denn wenn du total Lust darauf hast, etwas zu unternehmen und dich ständig jemand mit Warnungen von der Selbstständigkeit abhalten will, kommst du natürlich ins Zweifeln. So entstand auch der Titel des Buches: Ich habe drei Monate gebraucht, um diese Bedenken abzuschütteln und beschloss danach, mich nur noch auf mich selbst zu konzentrieren.

Von da an bin ich unbeirrt weitermarschiert. Im Laufe der Jahre als Unternehmer habe ich gelernt, dass mit das Wichtigste ist, sein eigenes Können auf den Punkt herauszuarbeiten, weiterzuentwickeln und so auch gegenüber passenden Kunden artikulieren zu können. Das setzt viel Denkarbeit, Reflexion und eigene Gedanken bzw. Strategien voraus – und dafür habe ich mir nicht nur vor der Gründung ausreichend Zeit genommen.

 

Jede Heldenreise beginnt mit einem Konflikt, ohne die es keine Erfolgsgeschichte sein könnte

In deinem Buch beschreibst du eine „Heldenreise“. Das ist nicht nur ein Wortspiel mit deinem Nachnamen, sondern – auch unter dem Namen „Heldenfahrt“ bekannt – ein Erzählmuster, das bis auf Homers Odysee zurückgeht…

Genau. Die Heldenreise ist Teil I meines Buches. Sie soll eine spannende Geschichte sein – mein Weg in die und in der Selbstständigkeit – die Lust aufs Lesen macht und bei der man sich gut in mich hineinversetzen kann, weil dies in der Art sicher viele Leser schon in ihrem Job erlebt haben. Tatsächlich erhalte ich immer wieder das Feedback, dass meine Geschichte leicht zu lesen ist und viele maximal ein Wochenende gebraucht haben, um es zu verschlingen.

Und eine Heldenreise deshalb, weil jede Heldenreise einen Konflikt birgt, ohne die solch eine Erfolgsgeschichte nicht funktionieren würde. Bei mir war es damals die Situation, als ich mich komplett unwohl fühlte, wenn ich an den folgenden Montag dachte. Weil ich Aufgaben erledigte, die mir nicht lagen. Und weil einiges haarklein vorgegeben war. Für einen Menschen mit großem Unabhängigkeitsdrang und starkem eigenen Willen so nur schwer auszuhalten …

Von deinen Lesern forderst du „unternehmerisches Denken“. Was verstehst du darunter?

„Fordern“ ist etwas hart, aber ich empfehle es allen, die erfolgreich als Selbstständige arbeiten möchten. Als Einzelunternehmer beispielsweise bist du genauso gleichwertig Unternehmer wie dein Kunde (außer, du hast dich ausschließlich auf B2C, also Privatkunden, spezialisiert. Dann bist du der einzige Unternehmer in der Runde). Dementsprechend haben beide Seiten ihre Wünsche und Forderungen, die offen ausgesprochen werden sollten.

Häufig ist jedoch der Fall, dass Gründer sich ganz nach ihren Auftraggebern richten und sich von ihnen nicht nur die Preise diktieren lassen. In Teil II meines Buches gebe ich daher Tipps, mit welcher Strategie man von Anfang an dieser Falle entkommt und stattdessen Kunden findet, die zu einem passen und einen adäquat bezahlen. Beim nächsten Kunden geht dann ein Nein, wenn angebracht, viel selbstbewusster über die Lippen …

 

Wie sich Selbstständige teurer verkaufen können

Du regst an, dass Selbstständige mehr in sich reinhören sollten, zum Beispiel vor dem Annehmen eines Auftrags. Was meinst du damit?

Je mehr wir auf die Stimmen anderer hören, desto mehr verstummt unsere eigene Stimme: Ich erlebe viele Kollegen, die einfach Auftrag um Auftrag abarbeiten, immer in der Angst, die Miete nicht mehr zahlen zu können. Dabei ist es in meinen Augen wesentlich sinnvoller, sich zu fragen: Was sagt mir mein Bauchgefühl? Komme ich mit der anderen Person gut klar? Habe ich Lust auf den Auftrag? Schaffe ich das zeitlich überhaupt? Es geht also, neben der unternehmerischen Denke, ganz stark darum, sich selbst einschätzen und steuern zu können. Das ist total wichtig, und viele tun sich damit enorm schwer!

Was auch unterschätzt wird: Wir sind Menschen, keine Maschinen. Es spielt immer auch eine Rolle, wie der gesundheitliche Zustand aussieht, ob genügend Energie vorhanden ist – oder ob nicht doch lieber eine Pause angebracht wäre. Mir ist klar, dass man erst in die Situation gelangen muss, Aufträge regelmäßig ablehnen zu können. Doch viele machen es sich nicht zur obersten Aufgabe, genau in diese Position zu kommen. Und das ist der entscheidende Denkfehler. Sie arbeiten nur IM Unternehmen und nicht auch oder vornehmlich AM Unternehmen.

Was können Selbstständige tun, um sich besser und teurer zu verkaufen?

1. Den eigenen Wert klarmachen: Was kann ich besonders gut, gerade in Abgrenzung zu anderen, und für welche Kunden ist das besonders nützlich?

2. Zuverlässig sein und verbindlich das abliefern, was gewünscht ist. Wenn ich meinen Alltag daraufhin untersuche, stelle ich fest, dass genau das eher eine Seltenheit ist. Das Einfache ist oft so schwer – und doch die eigentliche Kunst.

3. Sowohl beim Kunden als auch unter Kollegen keine Eigentore schießen! Wie oft lese oder höre ich, dass Selbstständige erzählen, was sie ganz besonders NICHT können. Das ist das Einmaleins des Selbstmarketings!

 

Wie daraus ein Netzwerk und (kostenlose) Workshops für Medienschaffende entstanden

In ganz Deutschland veranstaltest du ein Mal pro Quartal einen „Heldentreff“, an dem maximal zwölf Medienschaffende teilnehmen dürfen. Welche Ziele verfolgst du damit und was hat sich daraus schon alles für dich und die Teilnehmer entwickelt?

Ich suchte nach einem Netzwerk in meiner Nähe speziell für Online-Redakteure und artverwandte Medienkollegen wie Designer, SEO-Spezialisten und Social-Media-Manager. Weil ich keins fand, das zudem in einem überschaubaren persönlichen Rahmen ohne festes Programm stattfand, gründete ich es kurzerhand selbst. Mit dem Ziel, sich auszutauschen, gegenseitig Fragen zu beantworten und Tipps zu geben – klassisches Networking eben – habe ich gestartet.

Mittlerweile hat sich in meiner Heimstadt Köln eine treue Gefolgschaft gebildet, die regelmäßig mitmacht. In anderen Städten kommt der Stammtisch auch sehr gut an: Krefeld, Münster und Stuttgart zum Beispiel waren „ausverkauft“ und die Leute stark an weiteren Besuchen interessiert. Die Teilnehmer unter sich haben teils Dienstleister-Kunden-Beziehungen gebildet, teils Projektpartner gefunden und meistens eine schöne Zeit miteinander verbracht.

Und für mich ist der Heldentreff unter anderem eine Gelegenheit, interessante neue Menschen näher kennenzulernen, nämlich indem ich sie zum Heldentreff einlade. Win-win eben.

Aus den Medienstammtischen haben sich auch kostenlose Workshops entwickelt. Warum machst du das kostenlos und was muss man tun, um teilzunehmen?

Ja, warum sind die eigentlich wie der Heldentreff selbst kostenlos? (lacht) Nein, das passt schon. Am besten kommst du in die Heldentreff-Gruppe bei Xing, da steht alles Weitere zu den Workshops.

 

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