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Lesetipp Wie sich die Belastbarkeit im Alter verändert Wandel erkennen, Potenziale nutzen, Arbeit anpassen

Mit zunehmendem Alter verändert sich oft die eigene Belastungsfähigkeit – aber nicht zwingend zum Schlechten. Wir fragen uns: Gibt es ein bestimmtes Alter, ab dem man als Selbstständige/r kürzertreten sollte? Wie reagiert man auf mögliche Warnsignale?

Auch mit zunehmendem Alter noch lange belastbar bleiben? Das geht!

Im November 2025 hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Grundlage der Daten des Mikrozensus 2022 einen Bericht zum Thema “Erwerbstätigkeit im Alter“ veröffentlicht. Laut der statistischen Erhebung arbeiten in Deutschland 11,7 Prozent aller Selbstständigen über das derzeit offizielle Renteneintrittsalter von 66 Jahren hinaus. 

Zum Vergleich: Unter den abhängigen Beschäftigten in der Altersgruppe 66plus arbeiten noch 1,9 Prozent – ein deutlicher Unterschied zu den Selbstständigen. Das zeigt erneut, dass Selbstständige im Durchschnitt länger im Berufsleben bleiben als Arbeitnehmer/innen. 

Wie sich die Fähigkeiten im Lauf der Zeit verändern 

Exakte Vorhersagen darüber, wie sich die Leistungsfähigkeit eines Menschen mit zunehmendem Alter entwickeln wird, sind schwierig: Jede Person ist anders belastbar und auch der Alterungsprozess bleibt individuell. 

Allerdings lassen sich einige Muster erkennen. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nehmen vor allem die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung sowie sensorische und muskuläre Fähigkeiten mit zunehmendem Alter ab. Körperliche Beschwerden und chronische Krankheiten nehmen mit dem Alter zu, die Resistenz gegenüber Veränderungen sinkt. 

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn gleichzeitig nehmen mit dem Älter-Werden das Erfahrungs- und Fachwissen, Selbstmanagement-Fähigkeiten und soziale Kompetenzen zu. Die intrinsische Arbeitsmotivation spielt mit den Jahren eine größere Rolle, ebenso der Wunsch nach Autonomie. Mitunter wohl ein wesentlicher Grund dafür, dass laut eines Forschungsberichts des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) aus dem Jahr 2024 etwa 27,5 Prozent aller Neugründungen in der Altersgruppe 65plus erfolgen.

Außerdem bleiben viele Fähigkeiten über die Jahre auf einem konstanten Niveau. Darunter die mentale Gesundheit, die Problemlösungsfähigkeit, und die allgemeine Leistung. 

Älter werden ist keine Einbahnstraße: Während einige Kompetenzen mit zunehmendem Alter abnehmen, gewinnen andere an Stärke.

Warum das tatsächliche Alter kaum Einfluss auf die eigene Belastungsfähigkeit hat

Menschen entscheiden sich oftmals, in die Selbstständigkeit zu wechseln, um von einem hohen Maß an Selbstbestimmung, freier Zeiteinteilung und freier Wahl der Auftraggeber/innen zu profitieren. Damit gehen in vielen Fällen aber auch längere Arbeitszeiten und die alleinige Verantwortung für das eigene Tun einher – Belastungen, die sowohl Körper als auch Geist treffen können. 

Die Initiative Arbeit und Gesundheit hat herausgefunden: Die Belastbarkeit einer Person hängt nicht – wie häufig angenommen – vom tatsächlichen Alter ab, sondern von der individuellen Arbeitsumgebung und den damit verbundenen Risikofaktoren. Sie zu kennen, ist für Selbstständige eine wichtige Voraussetzung, um für sich eine langfristig gesunde Arbeitssituation zu schaffen.

Welche Faktoren begünstigen, dass die eigene Belastbarkeit im Alter schneller abnimmt? 

  • Physische Risikofaktoren: schwere körperliche Arbeit, kniende/hockende Tätigkeit, repetitive Bewegungen, statische Belastung der Nacken-Schulter-Muskulatur sowie dauerhafte Mausnutzung
  • Psychosoziale Risikofaktoren: hohe Arbeitsdichte/Arbeitsbelastung, geringe soziale Unterstützung am Arbeitsplatz, geringe Arbeitszufriedenheit, Selbsteinschätzung Stress/Arbeitsfähigkeit sowie hohe psychische Anforderungen
  • Organisationale Risikofaktoren: Atypische Arbeitszeiten, etwa Schichtarbeit oder unregelmäßige Einsatzzeiten

Ein genauer Blick – etwa in die Land- und Forstwirtschaft oder dem Bergbau – zeigt allerdings ein anderes Bild: Trotz regelmäßiger hoher körperlicher Belastung wird unter allen Erwerbstätigen laut DIW besonders häufig in diesen Branchen über das Renteneintrittsalter hinaus gearbeitet. Nun fragt man sich: Wie kann das sein?

Vielleicht, weil Menschen in stark belastenden Berufen wie der Landwirtschaft oder dem Bergbau im Laufe ihrer Berufstätigkeit Strategien entwickeln, um mit den hohen körperlichen und psychischen Anforderungen umzugehen? Dies würde sich zumindest mit der Tatsache decken, dass Anpassungsfähigkeit im Berufsleben grundsätzlich als wichtige Kompetenz gilt, da sie den Umgang mit veränderten Anforderungen, Arbeitsbedingungen und Belastungen erleichtert.  

Um sein eigenes Business an veränderte Bedingungen anzupassen, ist es jedoch zentral, Zeichen einer beginnenden Überlastung bereits früh zu erkennen.

Auf welche Warnzeichen einer Überlastung solltest du achten?

Überbelastung entsteht selten abrupt. Sie baut sich schleichend auf. Dabei senden Körper und Psyche häufig frühzeitig Hinweise, dass die aktuelle Arbeitsweise nicht mehr optimal zur eigenen Lebensphase passt.  

Psychische Warnzeichen können sein:

  • Zunehmende Gereiztheit oder sinkende Frustrationstoleranz
  • Nachlassende Konzentrationsfähigkeit, häufige Fehler oder längere Entscheidungszeiten
  • Negatives Gedankenkarussell, insbesondere außerhalb der Arbeitszeit
  • Stimmungsschwankungen oder ein anhaltendes Gefühl von Überforderung
  • Innere Unruhe, Sorgen bis hin zu Panikattacken

Körperliche Warnzeichen können sein:

  • Anhaltende Müdigkeit, auch nach ausreichend Schlaf
  • Ein- oder Durchschlafstörungen
  • Muskelverspannungen, Kopf- oder Rückenschmerzen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzklopfen oder erhöhter Blutdruck
  • Verdauungsprobleme

Erste Warnzeichen einer Überbelastung zu kennen, ist ein wichtiger Schritt, um Körper und Psyche nachhaltig zu entlasten. Ein Patentrezept gegen eine sich veränderte Belastbarkeit gibt es allerdings trotzdem nicht – Anpassungsmöglichkeiten, speziell für die eigene Arbeitsweise, dagegen schon.

Wie kann ich mein Business so umbauen, dass es auch mit veränderter Belastbarkeit tragfähig bleibt?

  • Arbeitszeit neu takten: Plane lieber zwei konzentrierte Blöcke als einen langen Arbeitstag im Dauermodus ein. Selbstgewählte Kurzpausen sind wichtig, um die eigene Belastbarkeit nicht überzustrapazieren.
  • Leistungen verschlanken: Nicht jedes Produkt, jeder Kunde und jedes Format muss angenommen werden. Häufig hilft es, das eigene Angebot im Alter stärker auf die eigenen Kernkompetenzen auszurichten.
  • Mehr Vorlauf, weniger Ad-hoc-Arbeit: Plane größere Zeitfenster und klar begrenzte Projektphasen ein.
  • Angebotsformate überdenken: Überlege dir, ob gewisse Formate nicht auch online stattfinden können, um so mehr Kapazitäten einzusparen.  
  • Ergonomie erst nehmen: Gestalte deinen Arbeitsplatz, Arbeitsweg und Bewegungsanteile so, dass sie deinen Körper und Geist entlasten.
  • Aufgaben delegieren: Nicht jede Aufgabe oder jeder Prozess muss selbst erledigt werden. Versuche, falls möglich, Aufgaben abzugeben, die dir weniger liegen.
  • Netzwerk aktivieren: Familie und berufliche Netzwerke können dir auch dabei helfen, Last zu verteilen – kontaktiere sie, wenn du merkst, es geht nicht mehr.

Apropos Netzwerk: Falls du das 60. Lebensjahr bereits überschritten hast und dich gerne mit Selbstständigen aus derselben Altersgruppe über Herausforderungen und Erfahrungen im Berufsalltag austauschen möchtest, bist du in unserer VGSD-Gruppe “Selbstständig mit 60plus“ genau richtig. Mehr Informationen dazu findest du hier.

Langes Arbeiten kann sogar gesundheitsfördernd sein 

Doch nicht nur solche Gegenmaßnahmen können nützlich sein, in der Selbstständigkeit langfristig belastbar und leistungsfähig zu bleiben. Für viele Menschen hat sogar die Arbeit an sich positive Auswirkungen: Laut Arbeits- und Organisationspsychologe Christoph Augner kann Erwerbstätigkeit bis ins hohe Alter sowohl die Gesundheit als auch die kognitive Leistungsfähigkeit fördern. Heißt also, Arbeiten im Alter muss nicht zwangsläufig mit negativen Begleiterscheinungen verbunden sein, sondern kann mit den richtigen Rahmenbedingungen auch belebend wirken.

Wie gehst du mit Belastung und Leistungsdruck im Arbeitsalltag um?

  • Hat sich deine Belastbarkeit mit fortschreitendem Alter verändert?
  • Falls ja: War das in einem bestimmten Alter oder zu einem bestimmten Anlass?
  • Wie hast du die Veränderungen erkannt und wie bist du damit umgegangen?

Wir sind gespannt auf deine Erfahrungen und den gemeinsamen Austausch!

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