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Pressemitteilung VGSD ermittelt Top 10 der Vorurteile über Selbstständige

Was sind die gängigsten Vorurteile und Irrtümer über Selbstständige? Mit dieser Frage hat sich der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD) im Rahmen eines Online-Votings an seine Mitglieder und Leser/innen gewandt – und damit einen Nerv getroffen.

Die fünf gängigsten Irrtümer über Selbstständige im Überblick. Mit 526 Stimmen auf Platz eins: Das Vorurteil "Selbstständige beteiligen sich nicht am Sozialstaat".

Weit über 400 Selbstständige beteiligten sich an der Abstimmung, sie vergaben rund 4.000 Stimmen an knapp 40 vorgeschlagene Vorurteile, mit denen sie in ihrer Selbstständigkeit immer wieder konfrontiert sind. Hier die Ergebnisse:  

Die Top 10 der Vorurteile über Selbstständige

  1. Selbstständige beteiligen sich nicht am Sozialstaat (526 Stimmen)
  2. Selbstständige sind prekär und sorgen nicht für das Alter vor (471 Stimmen)
  3. Selbstständige wollen eigentlich lieber angestellt sein (378 Stimmen)
  4. Selbstständige sind Großverdiener/innen (376 Stimmen)
  5. Selbstständige können alles von der Steuer absetzen (326 Stimmen)
  6. Umsatz des Selbstständigen = Brutto des Angestellten (258 Stimmen)
  7. Selbstständigen können sich alle privat krankenversichern bzw. sind alle privat krankenversichert (183 Stimmen)
  8. Selbstständige können jederzeit Urlaub machen (172 Stimmen)
  9. Wer selbstständig ist, kann sich nicht in ein Team einfügen (131 Stimmen)
  10. Selbstständige arbeiten selbst und ständig (114 Stimmen)

Der Klischee-Klassiker "selbst und ständig" mag noch harmlos sein. Vorurteile darüber, dass Selbstständige sich nicht am Sozialstaat beteiligten, prekär lebten, nicht fürs Alter vorsorgten oder allesamt Großverdiener seien, sind es nicht. 

Vorurteile beeinflussen das politische Handeln

Denn solche Narrative über Selbstständigkeit sind nicht nur in der Bevölkerung weit verbreitet. Immer wieder wirken sie auch bis ins politische Berlin hinein – und führen zu politischen Entscheidungen, die sich negativ auf die Lebens- und Arbeitsrealität von Selbstständigen auswirken. Zum Beispiel wird oft ein prekäres Bild von Selbstständigkeit transportiert, um eine Einbeziehung Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung als vermeintlichen Schutz vor Altersarmut zu erreichen. Andersherum wird oft das Bild der Großverdiener/innen bemüht, wenn es darum geht, Selbstständigen zusätzliche Belastungen aufzubürden oder sie auf der Leistungsseite schlechter zu behandeln als Arbeitnehmer/innen.

Die Realität der Selbstständigkeit ist sehr viel differenzierter, als die oben ermittelten Irrtümer und Vorurteile es erscheinen lassen. Der VGSD will für Aufklärung sorgen und Öffentlichkeit und Politik einen differenzierten, faktenbasierten Blick auf Selbstständigkeit eröffnen. 

Top 3 der Vorurteile im Realitätscheck:

1) "Selbstständige beteiligen sich nicht am Sozialstaat"

Ein großer Teil der Sozialleistungen ist steuerfinanziert – Selbstständige zahlen überdurchschnittlich viele Steuern. Wo sie pflichtversichert sind, zahlen Selbstständige zudem nicht nur Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, sondern deutlich höhere Sozialversicherungsbeiträge – und erhalten trotzdem häufig geringere Leistungen wie etwa beim Mutterschutz. Darüber hinaus sind heute schon viele Selbstständige in der Gesetzlichen Rentenversicherung freiwillig oder pflichtversichert. 

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2) "Selbstständige sind prekär und sorgen nicht für das Alter vor"

Die Einkommensunterschiede von Selbstständigen sind größer als bei Angestellten. Es gibt Selbstständige mit sehr hohen Einkommen, Selbstständige mit niedrigen Einkommen und die große Mitte dazwischen. In Sachen Altersvorsorge hat das ifo-Institut 2025 ermittelt, dass mit 97 Prozent die überwältigende Mehrheit der Selbstständigen fürs Alter vorsorgt. 

3) "Selbstständige wollen lieber angestellt sein"

Oft wird Selbstständigkeit als Notfalloption verstanden. Die derzeitige Praxis, immer mehr Selbstständige als scheinselbstständig zu deklarieren, beruht auf diesem Vorurteil. Doch 95 Prozent der Selbstständigen sind gerne und freiwillig selbstständig – das hat eine große VGSD-Umfrage unter rund 5.500 Teilnehmenden kürzlich ergeben. 

"Es darf nicht sein, dass die Politik von falschen Wahrnehmungen über Selbstständige geleitet Gesetze beschließt, die trotz guter Absichten ihre Zielsetzung verfehlen", sagt VGSD-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Lutz. "Politische Entscheidungen über Selbstständige sollten auf Fakten beruhen, nicht auf Vorurteilen."

Weiterführende Links:

Zum Voting:

Das Online-Voting lief von 29. Juli bis 12. August 2026, 432 Personen nahmen daran teil. Sie konnten mit je 10 Stimmen pro Person über die gängigsten Vorurteile über Selbstständigkeit abstimmen und auch selbst Vorschläge über weitverbreitete Irrtümer ins Voting einbringen.  Insgesamt vergaben die Teilnehmenden 3.934 Stimmen auf 39 vorgeschlagene Vorurteile und beteiligten sich zudem mit mehr als 150 Kommentaren.

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