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Gleich drei Studien zeigen Selbstständige fühlen sich ausgebremst und sind mit der Politik höchst unzufrieden

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Selbstständigen in Deutschland fühlen sich von der Politik weder ausreichend respektiert noch unterstützt, sie verlieren zunehmend das Vertrauen. Doch es gibt auch Positives zu vermelden. 

Zu viel Bürokratie, zu hohe Abgaben, rechtliche Defizite: Selbstständige fühlen sich von der Politik ausgebremst.

Gleich drei kürzlich erschienene Studien befassen sich mit der Lage der Selbstständigen in Deutschland. Wir haben sie für dich unter die Lupe genommen und unseren Fokus besonders darauf gelegt, wie die Befragten die politischen Rahmenbedingungen für selbstständiges Arbeiten hierzulande einschätzen. Zwar unterscheiden sich die Ergebnisse in Nuancen; vermutlich aufgrund der unterschiedlichen Branchen-, Geschlechter- oder Alterszusammensetzungen der Befragten. Insgesamt aber zeigt sich ein klares Gesamtbild: Die Selbstständigen sind mit der Politik höchst unzufrieden. 

Die drei Studien auf einen Blick:

  • Selbstständigen-Report 2026 von WiSO MeinBüro und VGSD: Der Report ist in Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner WISO MeinBüro entstanden und in diesem Jahr (nach 2018 und 2024) zum dritten Mal erschienen. 2.684 Personen haben sich an der Online-Befratung zwischen Mitte Dezember 2025 und Mitte Februar 2026 beteiligt – Wir sagen DANKE an alle, die mitgemacht haben!
  • Freelancer-Studie 2026 von freelance.de: In die Befragung sind die Angaben von mehr als 3.300 Befragten eingeflossen sowie Plattformdaten von freelance.de. Die Befragung fand zwischen dem 27. Januar und 2. März 2026 statt. 
  • Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap.de: Für die Studie wurden zwischen 17.11.2025 und 8.2.26 vier Fokusumfragen unter insgesamt 5.412 registrierten Nutzer/innen von freelancermap durchgeführt und außerdem anonymisierte Nutzerdaten von rund 340.000 Nutzer/innen im DACH-Raum ausgewertet.

Wie blicken Selbstständige auf die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland? 

Über 89 Prozent der Selbstständigen fühlen sich von der Politik wenig bis gar nicht respektiert: Das zeigt der Selbstständigen-Report 2026 von WISO MeinBüro und VGSD. Zentraler Kritikpunkt der Befragten ist die Benachteiligung bei Sozialabgaben und Krankenversicherung: 85,5 Prozent fordern eine fairere Beitragsbemessung. 81 Prozent finden die Ungleichbehandlung Selbstständiger bei der neuen Aktivrente ungerecht. Das ist wenig verwunderlich, können doch seit Jahresbeginn Angestellte im Rentenalter bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei dazuverdienen – Selbstständige hingegen bleibt der Steuervorteil trotz massiver Proteste verwehrt. 76,4 Prozent fordern mehr Respekt für ihren Beitrag zu Wirtschaft und Gesellschaft. 

Die Unzufriedenheit geht so weit, dass etwa 38 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren schon einmal über eine Auswanderung nachgedacht haben. Sechs Prozent von ihnen haben sogar konkrete Pläne. Wer nun denkt, dahinter stecken romantische Fantasien von einem Neustart in der Ferne, der irrt. Wichtigster Grund für die Auswanderungspläne und Selbstständigen ist nach deren Angaben: die Bürokratie. 

Gründe, die Selbstständige zum Auswandern bewegen: 

  • 42 Prozent: Bürokratie
  • 38 Prozent: Hohe Steuerlast
  • 30 Prozent: Lebenshaltungskosten
  • 28 Prozent: Persönliche Gründe
  • 18 Prozent: Mögliches Statusfeststellungsverfahren

(Quelle: Selbstständigen-Report 2026 / WISO MeinBüro und VGSD)

Über 89 Prozent der Selbstständigen fühlen sich von der Politik wenig bis gar nicht respektiert.
38 Prozent haben bereits über Auswanderung nachgedacht. Wichtigster Grund: die Bürokratie.

Auch die Freelancer-Studie 2026 zeigt eine deutlich: Demnach nimmt das Vertrauen von Freelancer/innen in die Politik rasant ab. 71 Prozent der Befragten sehen sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt – das sind ganze zehn Prozent mehr als noch vor zwei Jahren (2024: 61 Prozent) und fünf mehr als letztes Jahr (2025: 66 Prozent). 

Befragt nach ihren größten Herausforderungen in der Selbstständigkeit nennen die Selbstständigen Faktoren wie Projektakquise (52 Prozent), unregelmäßige Auslastung (43 Prozent) und Preisdruck (34 Prozent). Doch auch politische Rahmenbedingungen wie hohe steuerliche Belastungen und rechtliche Unsicherheiten machen ihnen das Leben schwer: So etwa die Steuerabgaben (30 Prozent), die "Rechtliche Unsicherheit / Compliance (z.B. Scheinselbstständigkeit, 27 Prozent) und Renten- oder Sozialversicherungsaspekte (22 Prozent). 

Nicht zuletzt schneidet die Politik auch im Freelancer-Kompass 2026 schlecht ab: 76 Prozent der befragten Freelancer/innen finden, dass die Politik nicht die richtigen Rahmenbedingungen für sie setzt. 

Die größten rechtlichen Defizite aus Sicht der Befragten: 

  • 62 Prozent: Scheinselbstständigkeit
  • 33 Prozent: Sozialversicherungspflicht
  • 31 Prozent: Fehlende Interessenvertretung
  • 30 Prozent: Altersvorsorge
  • 30 Prozent: Steuerrecht

Durch diese bürokratischen Belastungen fühlen sich Freelancer/innen ausgebremst:

  • 52 Prozent: Steuererklärungen
  • 42 Prozent: Buchhaltung
  • 37 Prozent: Verträge und rechtliche Formalitäten33 Prozent: Aufbewahrungs- und Nachweispflichten
  • 25 Prozent: Sozialversicherungen

(Quelle: Freelancer-Kompass 2026 / freelancermap.de) 

Schlaglicht aufs Thema Scheinselbstständigkeit

Auch aufs Thema Scheinselbstständigkeit werfen die Studien ein Schlaglicht. In der Freelancer-Studie 2026 geben 27 Prozent der Befragten an, dass ihnen die "Rechtliche Unsicherheit und Compliance" etwa im Kontext einer möglichen Scheinselbstständigkeit das selbstständige Arbeiten erschwert. Mehr noch: Wenn es um eine Zusammenarbeit mit Unternehmen im Direktauftrag geht, empfinden sogar 34 Prozent der Freelancer/innen dieses Thema als Hindernis. 

"Die Regierung braucht endlich eine Strategie für Solo- und Kleinstunternehmen. Sie dürfen bei Vergünstigungen und Versicherungsleistungen nicht systematisch benachteiligt werden und ihre Beiträge dürfen nicht höher sein als die von Arbeitgebern und -nehmern zusammen", sagt dazu unser Vorstandsvorsitzender Andreas Lutz. "Beim Thema Scheinselbstständigkeit brauchen wir eine Definition von Selbstständigkeit mit Positivkriterien, bei deren Vorliegen es gar nicht erst zu einem Statusfeststellungsverfahren kommt. Der Gesetzgeber muss zudem den Selbstständigen als Ganzes in den Blick nehmen, nicht nur den einzelnen Auftrag. Die Kriterien für Selbstständigkeit dürfen nicht ständig verschoben und das dann zum Anlass für rückwirkende Beitragszahlungen genommen werden."

"Ist doch alles gar nicht so schlimm" … oder doch?

Im Freelancer-Kompass 2026 zeigt sich, dass immerhin ein Viertel der befragten Selbstständigen schon einmal erlebt hat, das bei ihnen Projekte wegen des Risikos einer Scheinselbstständigkeit nicht zustande gekommen sind: Fünf Prozent haben deshalb selbst schon einmal ein Projekt abgebrochen, bei 20 Prozent war es der Auftraggeber. 75 Prozent verneinen, dass ein Projekt deshalb schon einmal nicht zustande gekommen sei. Selbst schon einmal von einer Prüfung auf Scheinselbstständigkeit betroffen waren elf Prozent der Befragten – 84 Prozent haben noch keine Statusfeststellung mitgemacht, fünf Prozent enthalten sich der Angabe.

"Die erste Schlussfolgerung aus diesen Zahlen lautet: Ist doch alles gar nicht so schlimm. Stimmt nur nicht", heißt es dazu im Freelancer-Kompass 2026: "Die Auftraggeber, sprich die Wirtschaft, sind felsenfest davon überzeugt, dass in diesem Bereich Ungemach lauert. Bereits im vergangenen Jahr erklärte Bahn-Manager Tobias Brömel, dass unter anderem 'die Gefahr der Scheinselbstständigkeit' den Einsatz von Freelancern 'erheblich erschweren' würde. Als Konsequenz würden viele Großkonzerne verstärkt auf Arbeitnehmerüberlassungen oder Kooperationen mit großen Beratungsfirmen setzen, um rechtliche Risiken zu minimieren. Die Konzerne zögern also oftmals schon vor der Ausschreibung, Projekte an Freelancer zu vergeben." Heißt: Im Zweifelsfall werden Projekte nicht wegen der Gefahr einer Scheinselbstständigkeit gestoppt – sie kommen gar nicht erst auf den Markt. 

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72 Prozent glauben, dass mehrere Auftraggeber vor Scheinselbstständigkeit schützen

Unter den Befragten des Selbstständigen-Reports 2026 haben 16 Prozent schon einmal ein Statusfeststellungsverfahren durchlaufen. 18 Prozent haben wegen der theoretischen Möglichkeit einer Statusfeststellung schon einmal erwogen, ihre Selbstständigkeit zu beenden und fast genauso viele, sie deshalb ins Ausland zu verlegen. 65 Prozent sehen darin keine Bedrohung. 

Doch der Report bringt noch ein anderes, bemerkenswertes Ergebnis: 72 der Befragten glauben, dass es ausreicht, mehrere Auftraggeber zu haben, um eine Scheinselbstständigkeit zu widerlegen. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Denn eine Statusfeststellung findet grundsätzlich auftragsbasiert statt. Sprich, die Deutsche Rentenversicherung (DRV) nimmt leider nicht den Selbstständigen insgesamt in den Blick, sondern lediglich ein Projekt – und überprüft, ob er innerhalb dieses Auftrags wirklich selbstständig ist oder nicht.

"Die Umfrage zeigt, dass noch immer viele Selbstständige glauben, das Thema Scheinselbstständigkeit betreffe vor allem andere. Das ist ein gefährlicher Irrglaube. Denn ein Statusfeststellungsverfahren kann jeden treffen, der selbstständig arbeitet – unabhängig von der Branche oder der Anzahl der Auftraggeber", so Andreas Lutz weiter. "Die Unsicherheit auf Auftraggeberseite ist groß und verhindert die Auftragsvergabe an Solo-Selbstständige von Vornherein. Genau deshalb braucht es endlich eine branchenübergreifende Reform der Statusfeststellung und klare Regeln für die Abgrenzung selbstständiger Arbeit von einem Anstellungsverhältnis. Diese Unsicherheit trifft weit über den Bildungsbereich hinaus Branchen wie IT, Kreativwirtschaft, Beratung und Gesundheitswesen."

Wie ist die Lage der Selbstständigen?

Die wachsende Unzufriedenheit der befragten Selbstständigen mit der Politik dürfte auch das Spiegelbild einer für viele herausfordernden wirtschaftlichen Situation sein. So hat der Selbstständigen-Report 2026 ergeben, dass sich die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage der Befragten massiv verschlechtert hat: Nur noch knapp 46 Prozent von ihnen bewerten ihre Situation als gut bis hervorragend – im Jahr 2024 waren es noch 55 Prozent, im Jahr 2018 sogar 60 Prozent. 

In der Freelancer-Studie 2026 zeigt sich, dass die finanzielle Zufriedenheit der befragten Freelancer/innen seit Jahren kontinuierlich sinkt: Demnach waren 2026 nur noch 45 Prozent mit ihrer finanziellen Situation zufrieden, 2023 waren es noch 70 Prozent! Mit Blick auf die Projektlage erwarten etwa 70 Prozent der Befragten für das Jahr 2026 eine eher oder sehr schwierige Auftragslage. 

Der Freelancer-Kompass 2026 wiederum brachte zutage, dass der durchschnittliche Stundensatz der Befragten zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung gesunken ist auf aktuell 103 Euro (vergangenes Jahr lag er noch einen Euro höher). Auch planen 62 Prozent im Jahr 2026 nicht, ihre Preise zu erhöhen – neun Prozent planen sie sogar zu senken. 

Mit 55 Prozent ist etwas mehr als die Hälfte mit ihrem Einkommen zufrieden, 45 Prozent sind es nicht. Ihre wirtschaftliche Lage beurteilen 35 Prozent der Befragten als "neutral", 30 Prozent als "gut" oder "sehr gut" und 35 Prozent als "schlecht oder sehr schlecht". 

Weit über 80 Prozent würden sich wieder selbstständig machen

Doch es gibt auch Positives zu vermelden – und da zeigt sich wieder einmal zeigt sich die hohe intrinsische Motivation und Resilienz, die Selbstständige in besonderem Maße auszeichnet: 84 Prozent würden sich laut Freelancer-Kompass wieder selbstständig machen – unter den Befragten des Selbstständigen-Reports sind es mit 83 Prozent fast genauso viele. Gefragt nachdem "Warum" nennen besonders viele Selbstständige die Möglichkeit zum eigenbestimmten Arbeiten bzw. die große Entscheidungsfreiheit sowie die flexiblen Arbeitszeiten bzw. die Möglichkeit zur freien Zeiteinteilung. 

Unser Vorstandsvorsitzender Andreas Lutz zieht im Selbstständigen-Report 2026 folgendes Fazit: „Die Ergebnisse zeigen eine Mischung aus dem für Selbstständige typischen Unternehmergeist, Resilienz und Durchhaltevermögen einerseits und einem hohen Maß an Frustration über die politischen Rahmenbedingungen andererseits. Viele Selbstständige blicken nicht optimistisch, aber sehr realistisch auf die Zukunft: Sie erkennen die

Herausforderungen der Zeit, leiten Maßnahmen ab, treiben ihr Geschäft aktiv voran und tragen auch in schwierigen Zeiten Verantwortung. Dieses Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft muss die Politik erkennen und nutzen – und Bedingungen schaffen, die es ihnen nicht weiter unnötig schwer machen."

Erkennst du dich in den Ergebnissen der Studien wieder? Gab es Punkte, die dich überrascht haben? Wir freuen uns auf deinen Kommentar. 

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