Italienische Freelancer verhindern mit Twitter-Kampagne Erhöhung der RV-Beiträge auf über 30%

Neben dem Twitterbombing gab es auch (kleine) Demos

Unserem Schwesterverband ACTA ist es gelungen die italienische Regierung zu zwingen, eine selbstständigenfeindliche Rentenversicherungs- und Steuerreform zurückzunehmen. Der italienische Premierminister Matteo Renzi hat angeblich sogar eingeräumt, es handle sich bei der Reform um einen der schwersten Fehler seiner Karriere.

Überraschend waren zum Jahresanfang die Rentenversicherungsbeiträge für Selbstständige in Italien von 27,7 auf 30,7 (!) Prozent des Einkommens angehoben worden. ACTA hatte eine Senkung auf 24 Prozent gefordert. Einzelhändler und Handwerker, die über eine bessere Lobby verfügen, zahlen „nur“ 17 Prozent. Zugleich sollten die Steuern für Selbstständige erheblich angehoben werden.

 

Foto von ACTA-Demo

Eindruck von ACTA-Demo in Rom

ACTA, wie der VGSD ein vergleichsweise kleiner Verband mit geringen Ressourcen, entwickelte eine kreative Kampagne und setzte „Tweet bombing“ ein mit Matteo Renzi als Ziel. Der Premierminister gilt als großer Twitterfan. Ergänzt wurde die Aktion durch (kleine) öffentliche Demonstrationen.

Statt aber über einen längeren Zeitraum möglichst viele Tweets zu senden, konzentrierte ACTA die Tweets auf ein zweistündiges Zeitfenster alle zehn Tage während der Mittagspause. So konnten Selbständige mit wenig Zeit sich trotzdem effektiv an der Kampagne beteiligen.

 

Fernsehsender berichten über die ACTA-Kampagne

Fernsehsender berichten über die ACTA-Kampagne

Die Flut an Tweets machte die Kampagne zum „trending topic“ bei Twitter und wurde in der Folge auch von den Mainstream-Medien aufgegriffen. Am Dienstag letzter Woche beschloss das italienische Parlament daraufhin zwei Zusätze, die die Erhöhung der Rentenversicherungsbeiträge und Steuersätze wieder zurücknahmen.

Die Belohnung für den 2004 gegründeten Verband: In den 40 Tagen während der die Twitterkampagne lief, haben sich bei ACTA doppelt so viele neue Mitglieder angemeldet wie im ganzen Jahr 2014.

Am Rande des EFIP-Treffens in Brüssel erklärte Francesca Pesce von ACTA zu der Aktion: Die italienische Regierung habe „erkannt, dass sie nicht weiter nur dann an Selbstständige denken darf, wenn es darum geht, Steuern und Sozialabgaben zu erhöhen, um sie dann gleich wieder zu vergessen, wenn es um eine Verbesserung ihrer Situation geht. Es hat sich auch bestätigt, dass man sehr weit kommen kann, wenn man zusammen hält.“

Wir gratulieren unseren italienischen Kollegen zu diesem Erfolg!

 

PDF mit weiteren Fotos von der Aktion

Lese dazu den Beitrag von Joel Dullroy: „Italian freelancer defeat unfair tax reforms“ (freelancersmovement.org).

Und auch: „Freelancer in Italien“ – Porträt von ACTA mit Bildern von weiteren kreative Aktionen

Zur Website von ACTA

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