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Kommentieren SPIEGEL-Artikel "Solo-Selbstständige: Hunderttausende haben nichts vom Mindestlohn"

Ein Beitrag über Solo-Selbstständige ist gerade Aufmacher-Thema bei Spiegel online: 700.000 Einzelunternehmer erzielen nach einer Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weniger als 8,50 Euro / Stunde Gewinn.

Da der gesetzliche Mindestlohn für Selbstständige nicht gelten wird, fürchten Forscher, aber auch Gewerkschafter, dass viele Arbeitgeber fest angestellte Mitarbeiter zwingen werden, sich formal selbstständig zu machen, um so die Lohnuntergrenze zu umgehen.

Daraus leiten Gewerkschaftsvertreter die folgenden Forderungen ab:

  • Strengere Kontrollen gegen Scheinselbstständigkeit

    Gunter Haake, Geschäftsführer der Ver.di-Selbstständigenberatung Mediafon, wird so zitiert: Ein großer Teil der Solo-Selbstständigen sei "nur auf dem Papier selbstständig und in Wahrheit scheinselbstständig".

  • Honraruntergrenzen für Freiberufler

    Bayerns Ver.di-Chefin Luise Clemens fordert laut Spiegel online: "Eine auskömmliche Bezahlung, ob man sie nun über Mindestlohn, durch feste Mindestpreisverzeichnisse oder andere Maßnahmen herstellt, muss im Zweifel durch gesetzliche Eingriffe sichergestellt werden."

Auf der anderen Seite fordern das Bundesland Sachsen-Anhalt ebenso wie der Arbeitsmarktexperte der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger:

  • Der Zugang zu den Sozialsystemen soll für schlecht bezahlte Freiberufler erschwert werden, z.B. durch eine zeitliche Begrenzung des ALG2-Anspruchs für Selbstständige auf 18 bzw. 24 Monate.
  • Wie die Gewerkschaftsvertreter fordert auch Straubinger strengere Prüfungen, ob eine Scheinselbstständigkeit vorliegt.

Wissenschaftler und Wirtschaftspolitiker sehen Honoraruntergrenzen kritisch, da in der Praxis nicht umsetzbar. Die Bezahlung richtet sich oft nicht nach der Arbeitszeit.  Außerdem könnten Mindestpreise zu Wettbewerbsnachteilen führen.

Meine Meinung:

Die Umgehung des Mindestlohns durch Umwandlung schlecht bezahlter Tätigkeiten in eine Selbständigkeit verurteile ich. Allerdings sollte man dann bei den (Groß-)Unternehmen ansetzen, die offensichtlich Arbeitnehmer drangsalieren und nicht gegen die betroffenen Selbständigen vorgehen.

Die ganz überwiegende Zahl der Einzelunternehmer hat sich bewusst für die Selbständigkeit entschieden und nimmt die Diskussion um die Scheinselbständigkeit vor allem als zusätzliches bürokratisches Hindernis wahr: Sowohl als Auftraggeber als auch als Auftragnehmer stehen sie ständig quasi mit einem Fuß "im Gefängnis".

Wie schätzt Du die Entwicklung ein?

Ein Spiegel-Beitrag wie dieser bietet immer die Chance, etwas für unsere gemeinsamen Anliegen zu tun.

Deshalb die Bitte an alle Mitglieder und Unterstützer des VGSD: Schaut Euch den Artikel an und schreibt einen kurzen Kommentar mit Eurer Meinung auf SPIEGEL Online.

Nach unserer Erfahrung haben Leser-Kommentare erheblichen Einfluß auf die weitere Berichterstattung der Redaktion. Viele Kommentare PRO Selbstständigkeit und CONTRA selbstständigenfeindliche Politik führen zu einer verstärkten (und positiveren) Berichterstattung über die Anliegen von Gründern und Selbstständigen in den Medien.

(Andreas Lutz)

Aktualisiert am 6.2.14 auf einen Hinweis von Ronald Gotthelf hin. Die Forderung unter dem 3. Spiegelstrich hatte ich versehentlich unter den Gewerkschaftspositionen eingeordnet, was natürlich unsinnig ist. Ich habe die verschiedenen Forderungen inklusive meiner Meinung dazu jetzt ausführlicher dargestellt. Bitte macht Euch aber Euer eigenes Bild und lest den Spiegel Online-Beitrag auch im Original.

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