Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Selbstständigen Deutschland e.V.

Sieben Tipps für ältere Gründer und Unternehmer

Unternehmensberatin und Autorin Dagmar Schulz

Altes Eisen oder alter Hase? Wie sehen sich ältere Gründer selbst und sind sie sich eigentlich aller Asse bewusst, die sie im Ärmel haben? Fakt ist: Ältere Gründer bzw. Unternehmer liegen voll im Trend und haben eine Vielzahl von Vorteilen gegenüber jüngeren Existenzgründern. Oft sind sie sich ihrer Trümpfe gar nicht bewusst – dabei können genau diese Aspekte die Kaufentscheidung von Kunden und den Erfolg eines Unternehmens positiv beeinflussen.

Bei allen Vorteilen – gibt es auch Nachteile älterer Gründer? Welche Schwierigkeiten und Hürden können auftreten, worauf ist besonders zu achten?

 

1. Nutze Deine Lebenserfahrung

Erfahrungen, die man mit den Jahren sammelt, sind unbezahlbar. Man kann Lebenserfahrung nicht kaufen, man muss sie machen. Genau das hast du deinen jüngeren Kollegen voraus. Du weißt, „wo der Hase langläuft“, weißt worauf es ankommt, wann Handeln gefragt ist und wann Gelassenheit. Ein Sprichwort sagt: Die Jüngeren sind vielleicht schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzungen. Genau das trifft es – nutze diesen Vorsprung durch Erfahrung und schlage direkt den richtigen Weg ein. Denke an all deine Berufserfahrung, die du mitbringst. In deinem Bereich macht dir keiner so leicht etwas vor. Oder an die verschiedenen Führungsstile, die du vielleicht schon als Angestellter miterlebt hast. Was davon hat dir gefallen, was möchtest du unbedingt besser machen?

Neben der fachlichen Erfahrung hast du auch eine größere soziale Kompetenz. Du managst wahrscheinlich seit Jahren eine Familie und weißt, wie man verschiedene Meinungen und Bedürfnisse unter einen Hut bringt. Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde, Lehrer deiner Kinder, Bekannte aus Vereinen – Du hast es in deinem Leben schon mit den unterschiedlichsten Personen und Persönlichkeiten zu tun gehabt und verfügst dadurch über eine große Menschenkenntnis.

In der Regel ist man mit Lebenserfahrung auch besser im Verhandeln als die jüngere Konkurrenz, weil man mehr Erfahrung mitbringt. Dadurch kann man einen nicht so schnell über den Tisch ziehen, denn man kennt seinen Wert und die Zahlen. Es gibt so viele Situationen, die du bereits gemeistert hast, darunter sicher auch viele nicht so schöne. Viele davon passieren dir garantiert nicht noch einmal. Du erkennst mögliche Probleme deutlich schneller und kannst frühzeitig darauf reagieren. Das erspart einem viele Rückschläge und Nerven, mitunter sogar bares Geld.

 

2. Thema Finanzen

Viele ältere Gründer verfügen über mehr finanzielle Rücklagen als junge Selbstständige. Das macht den Einstieg sicher leichter, da man nicht so sehr auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesen ist. Auch wissen ältere Gründer inzwischen, wie viel Geld sie einnehmen müssen, damit alle Kosten gedeckt sind. Kalkulationen sind einem nicht fremd, der Wert von Dingen ist bekannt und Preisentwicklungen können besser eingeschätzt werden.

Solltest du dennoch einen Kredit beantragen, hast du es als älterer Existenzgründer mitunter ggf. etwas schwerer. Woran liegt das? Die Bank möchte sichergehen, dass sie ihren Kredit auch tatsächlich wieder zurückbekommt. Wenn der Antragsteller schon etwas älter ist, bleiben de facto weniger Jahre für die Rückzahlung übrig. Auch drohen eventuell eher (ernste) Erkrankungen mit der Folge eines Ausfalls der Einnahmen. Das Thema Berufsunfähigkeit ist nicht zu unterschätzen, wenn man auf die 50 zugeht. Um dennoch eine positive Entscheidung der Bank zu begünstigen, sollte frühzeitig über eine Nachfolge bzw. eine Vertretung nachgedacht werden. Wenn du der Bank eine solide Lösung für das drohende Problem lieferst, hast du gute Chancen auf eine Zusage.

 

3. Keine Angst vor dem Internet

Ältere Gründer, die nicht mit dem Internet, sozialen Medien oder dem Smartphone aufgewachsen sind, haben oftmals Bedenken, diese neuen Wege für sich zu nutzen. Welche meiner Daten werden sichtbar? Wie genau geht das? Ist das nicht gefährlich, man hört und liest ja so viel … ist das wirklich sicher und sinnvoll?

Ein klares Ja! Lasse dir die vielen spannenden Möglichkeiten nicht entgehen, die das Internet dir bietet. Du kannst jederzeit selbst entscheiden, was du wann wie und wo veröffentlichst. Du selbst hast es in der Hand, ob du dadurch deine Bekanntheit erhöhst und neue Kunden generierst. Tatsache ist: Es ist nirgendwo so einfach, mit wenig Mitteln eine ähnlich große Reichweite zu erreichen. Von der professionellen Website, Präsenz auf Facebook & Co., Mailings und Newsletter bis zu Podcasts und Suchmaschinenmarketing –  Deine Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt und du kannst bei allem die volle Kontrolle behalten. Lasse dich von einem Profi beraten und unterstützen, wenn du unsicher bist oder noch am Anfang dieses Abenteuers stehst. Traue dir ruhig etwas zu und lasse dich überraschen, wie einfach und effektiv dieses Medium zu deinem Erfolg beiträgt.

 

4. Nutze und pflege dein Netzwerk

Je älter du wirst, desto mehr Menschen begegnen dir. All diese Menschen bilden dein Netzwerk, jeder Kontakt erweitert es. Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn, ehemalige Arbeitskollegen, Vereinskameraden etc., all diese Menschen sind potenzielle Kunden für dein Unternehmen oder können dir auf andere Weise irgendwann nützlich sein. Du weißt nie, was ein Kontakt wert ist, bis du ihn brauchst. Und auch du kannst für andere eine Hilfe sein, mit all deiner Kompetenz und deinem Wissen. Oft findest du ganz unvermutet heraus, was hinter einer Person wirklich steckt. Ein Netzwerk schadet nur dem, der keines hat. Halte deine Kontakte, pflege dein Netzwerk sorgfältig. Es ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Brauchst du einen Tipp zum Thema Steuern? Oder suchst du nach neuen Büroräumen? Welcher Lieferant ist der beste und wer hat Erfahrungen mit diesem oder jenem Paketdienst gemacht? Antworten darauf können dir deine Kontakte geben – je mehr du hast, auf desto mehr „Schwarmintelligenz“ kannst du zurückgreifen.

 

5. Lerne zu delegieren

Gerade ältere Gründer und Unternehmer muten sich manchmal zu viel zu. Das Wissen, alles selbst zu können, führt zu dem Denken, es auch alles tatsächlich selbst machen zu müssen. Ein großer Irrtum! Deine zeitlichen und körperlichen Ressourcen sind begrenzt. Gebe die Aufgaben an Profis ab, die du nicht so gut beherrschst und konzentriere dich ganz auf deine Stärken und Kernkompetenzen. Viele Dinge wie Steuern, Personal etc. kosten viel Zeit, die du sinnvoller und gewinnbringender einsetzen kannst. Überlege genau, wer was am besten kann und welcher Bereich wo optimal aufgehoben ist. Das schafft dir auch die nötigen Freiräume für dich und deine Familie.

Es ist auch wichtig, sich bereits am Anfang um eine adäquate Vertretung für Urlaub und krankheitsbedingte Ausfälle zu kümmern. Unersetzbar zu sein ist nichts Gutes, denn das erhöht den Druck unnötig. Es ist ein gutes Gefühl, dass im Fall der Fälle jemand für dich einspringen kann, ohne dass deine gesamte Arbeit den Bach runtergeht. Ähnliches gilt für deine Nachfolge, wenn du irgendwann kürzertreten oder ganz in den Ruhestand gehen möchtest. Soll dein Unternehmen dann weiterbestehen? Wenn ja, ist der richtige Nachfolger sorgfältig auszuwählen und das frühzeitig.

 

6. Vertraue deinem Können

Viele Kunden schätzen ältere Verkäufer/Unternehmer, da sie automatisch eine gewisse Seriosität und Glaubwürdigkeit mitbringen. Gerade die Gruppe der „Silver Ager“ fühlt sich besser aufgehoben, wenn das Gegenüber ebenfalls schon etwas Lebenserfahrung mitbringt. Darüber hinaus kannst du deine  älteren Kunden viel besser verstehen und weißt, was deren Probleme und Bedürfnisse sind. Dieses Wissen solltest du nutzen, um dein Angebot optimal auf deine Zielgruppe zuzuschneiden. Ihr „altert“ gemeinsam und seit immer auf einer Höhe. Vielen älteren Kunden fällt es deutlich leichter, mit einem Gleichaltrigen über ihre Wünsche zu sprechen und ihr Vertrauen zu schenken. Das kann dein USP (Unique Selling Point = Alleinstellungsmerkmal) gegenüber der jüngeren Konkurrenz sein. Man hält dich grundsätzlich schneller für kompetent und ehrlich, das ist ein Bonus, den du einfach so hast. Wenn du diese Erwartung erfüllst, musst du dir um dein Image keine Sorgen machen.

Lass dich nicht verunsichern, wenn man dir weiß machen will, dass alles schneller wird und du aufgrund deines Alters nicht mitkommst. Du kannst all das, was jüngere Gründer auch können und noch viel mehr. Werde dir deiner vielen Stärken bewusst und vertraue deinem Können und Wissen. Dieses Selbstbewusstsein kommt nur durch Lebenserfahrung und ist ein echtes Ass im Ärmel.

 

7. Genieße deine Freiheit

Endlich sein eigener Chef sein und eigene Ideen verwirklichen. Einen langgehegten Traum nach Jahren in die Tat umsetzen, nicht mehr für die Fehler anderer geradestehen müssen, Entscheidungen selbst treffen, sich die Zeit freier einteilen können … eine berufliche Selbstständigkeit hat viele Vorteile. Wenn du erst mit fortgeschrittenem Alter gründest und vielleicht vorher viele Jahre angestellt warst, wirst du deine neue Freiheit noch mehr genießen können. Du musst nicht mehr jedem Trend hinterherjagen und hast keine Angst, etwas zu verpassen. Das verleiht dir und deinem Auftritt eine sichtbare Gelassenheit.

Du weißt auch, dass nicht jedes Hindernis gleich eine große Katastrophe ist, sondern eine Episode, die vorübergeht. Auf der anderen Seite merkst du früher, wenn es wirklich einmal „brennt“ und schnelles Handeln erforderlich ist. Du hast in deinem Leben schon viele schwierige Situationen gemeistert und kennst deine Belastbarkeit. Auch weißt du um deine Schwächen und kannst diese durch rechtzeitige Lösungssuche ausgleichen. All das gibt dir eine Art von Freiheit und Gelassenheit, um die dich jüngere Gründer und Unternehmer beneiden. Werde dir bewusst, was du schon alles geleistet hast und welcher Weg hinter dir liegt, dann ist für Zweifel kein Platz mehr.

 

Lesetipp: „Existenzgründung 45plus“ von Dagmar Schulz – ein Ratgeber für den Auf- und Ausbau deiner eigenen Existenz

Dagmar Schulz (Jahrgang 1970) ist Gründerin von 1a-STARTUP, VGSD Mitglied und berät und begleitet seit 2009 als selbstständige Unternehmens- und Existenzgründungsberaterin angehende Selbstständige bei ihrem beruflichen Neuanfang. Durch die stetig wachsende Anzahl älterer Gründerinnen und Gründer sowie durch ihre Arbeit in zig Expertenkreisen und der Mitarbeit an verschiedenen Studien hat die ausgebildete Bankkauffrau, Sparkassenbetriebswirtin, Psychologischer Businesscoach und Social Media Managerin in den vergangenen Jahren umfassende Erfahrung im Bereich Senior Entrepreneurship gesammelt. Ihr Wissen gibt sie nun in einem praxisnahen Ratgeber – besonders, aber nicht nur – für ältere Gründer weiter.

Der Ratgeber enthält neben Zusatzinformationen für ältere Gründer nützliche, konkrete Informationen aus der Praxis für angehende Unternehmer jeden Alters: Welche Genehmigungen und Versicherungen brauche ich? Was gehört in einen Businessplan? Wie nenne ich mein Unternehmen und wie komme ich an meine Kunden? Brauche ich soziale Medien und wie bekomme ich meine Zahlen in den Griff? Der Ratgeber von Dagmar Schulz ist eine Hilfe und Anregung für alle Menschen, die vom eigenen Unternehmen und der Arbeit ohne Chef träumen. Leser haben zudem im Onlinebereich Zugriff auf Mustervorlagen sowie zusätzliche hilfreiche Tipps.

„Existenzgründung 45plus“ ist ab sofort unter der ISBN 978-3-7469-9223-5 im Handel erhältlich oder direkt online bestellbar.

 

Text und Bild: Dagmar Schulz

1 Kommentar

  1. D. schreibt:

    „Ältere Gründer, die nicht mit dem Internet, sozialen Medien oder dem Smartphone aufgewachsen sind, haben oftmals Bedenken, diese neuen Wege für sich zu nutzen. “ Bei 45+? Ernsthaft?
    Wir haben das Internet für die Jüngeren erst möglich gemacht, schon vergessen? Für mich und viele andere ist das seit 24 Jahren kein Neuland mehr.

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