Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

Verband der Gründer und
Selbstständigen Deutschland e.V.

VGSD-/GULP-Umfrage mit alarmierenden Zahlen: Rechtsunsicherheit führt zu Brain-Drain und Verlust von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland

Die wichtigsten Ergebnisse der VGSD-/GULP-Studie vorweg:

  • 26 Prozent der befragten IT-Experten hat erlebt, dass ein ganzes Kundenprojekt aufgrund der Rechtsunsicherheit in Deutschland beendet wurde oder eine Organisationseinheit geschlossen wurde. Weitere 33 Prozent waren „nur“ mit der vorzeitigen Beendigung einzelner Aufträge konfrontiert.
  • 53 Prozent der beendeten Projekte/Aufträge wurden eingefroren oder ganz beendet, die andere Hälfte an größere Dienstleister – oft ins Ausland – vergeben. Von den in Deutschland eingestellten Projekten wurden 39 Prozent ins Ausland verlagert.
  • Die bestehende Rechtsunsicherheit beim Einsatz von Selbstständigen wurde von 90 Prozent der Befragten als Grund für die Beendigung der Projekte und Aufträge genannt.
  • Die große Mehrheit der Befragten sieht als Folge dieser Entwicklung die künftige Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Standorts Deutschlands bedroht.
  • 48 Prozent der IT-Selbstständigen erwägen selbst auszuwandern, wenn sich die Situation weiter verschlechtert – oder haben dazu bereits konkrete Schritte unternommen.

 

26 Prozent der Befragten haben erlebt, dass aufgrund der Rechtsunsicherheit ein ganzes Projekt beendet oder eine Organisationseinheit geschlossen wurde, 33 Prozent verloren „nur“ einen Auftrag

Vor wenigen Wochen hat die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP in Hinblick auf die Rechtsunsicherheit bei der Beauftragung von IT-Selbstständigen hin geantwortet: „Der Bundesregierung liegen keine Daten zur Abwanderung von Know-how und zur Verlagerung von IT-Projekten ins Ausland aufgrund der einschlägigen Gesetzeslage vor.“ (S. 5 der Drucksache, vgl. auch die Antwort auf Frage 5, S. 7)

 

Diese Wissenslücke der Bundesregierung wollen wir mit der vorliegenden Studie schließen. Bereits Ende letzten Jahres haben wir gemeinsam mit GULP eine Befragung zu diesem Thema durchgeführt. 1.940 VGSD-Mitglieder und GULP-Nutzer, vor allem aus den Bereichen IT und Engineering, haben unsere aus fünf Fragen bestehende Umfrage beantwortet.

Damit sind nun erstmals fundierte Aussagen dazu möglich, wie viele Selbstständige von den Auswirkungen der Rechtsunsicherheit betroffen sind, was mit in Deutschland beendeten Aufträgen und Projekten passiert, welche Auswirkungen dies auf die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hat sowie auf die Bereitschaft von IT-Selbstständigen, Deutschland zu verlassen und statt dessen in einem anderen Land tätig zu werden.

 

Zahl der Betroffenen hat sich innerhalb der letzten zwei Jahren auf fast 60 Prozent verdreifacht

Immer mehr IT-Selbstständige machen die Erfahrung, dass sie aufgrund der in Deutschland in Bezug auf Scheinselbstständigkeit bestehenden Rechtsunsicherheit Aufträge verlieren oder ganze Projekte beendet werden. Die Zahl der auf diese Weise Betroffenen hat sich in den letzten Jahren auf 59 Prozent erhöht und damit in etwa verdreifacht. (Als wir vor zwei Jahren gemeinsam mit Deskmag eine ähnliche Frage gestellt hatten, gaben „nur“ 21 Prozent an, einen Auftrag nicht erhalten zu haben, weil die Auftraggeber wegen dem Thema Scheinselbstständigkeit verunsichert waren.)

 

33 Prozent der Befragten haben „nur“ Aufträge verloren, bei 26 Prozent wurde gesamtes Projekt beendet oder Organisationseinheit aufgelöst

Bisher nicht betroffen waren Ende 2018 nur noch 41 Prozent der Befragten. Von den Betroffenen berichteten 33 Prozent ausschließlich über vorzeitig beendete Aufträge, also den „Rauswurf von Selbstständigen“. In 26 Prozent der Fälle wurde unabhängig vom Verlust eigener Aufträge das ganze Kundenprojekt vorzeitig beendet und/oder Abteilungen bzw. Bereiche beim Auftraggeber aufgelöst.

Die Antworten auf unsere weiteren Fragen unterschieden sich erheblich, je nachdem ob es sich um bisher Nichtbetroffene, Betroffene (Auftrag) oder Betroffene (Projekt) handelt.

 

Beendete Projekte wurden in 38 Prozent der Fälle ins Ausland verlagert

In der Hälfte der Fälle wurden Aufträge/ Projekte komplett beendet oder eingefroren, ansonsten an größere Dienstleister – oft im Ausland – vergeben

53 Prozent aller Betroffenen gaben an, dass ein Auftrag bzw. Projekt (am deutschen Standort des Auftraggebers) eingefroren bzw. komplett beendet wurde.

In 50 Prozent der Fälle wurde die Arbeit an (meist größere) externe Dienstleister vergeben. In 27 Prozent der Fälle fand dabei eine Verlagerung ins Ausland statt.

Ging es um ganze Projekte oder Organisationseinheiten, so wurden diese überproportional häufig eingefroren / beendet (62 Prozent) bzw. ins Ausland verlagert (38 Prozent).

Ging es „nur“ um den Verlust von Aufträgen, so wurden diese überproportional häufig (63 Prozent) an externe Dienstleister übergeben. (Mehrfachangaben waren möglich, weil ein Projekt z.B. in Deutschland komplett beendet werden kann, um an einen ausländischen Dienstleister übergeben zu werden.)

 

Umstellung auf Zeitarbeit und Weiterführung durch Festangestellte funktioniert nicht

Die von uns ausgewerteten mehr als 250 Anmerkungen von Betroffenen zu dieser Frage deuten darauf hin, dass notgedrungen häufig versucht wurde, selbstständige Auftragnehmer durch Zeitarbeiter zu ersetzen oder die Aufgaben an die Stammbelegschaft zu übergeben. Da Zeitarbeit (auch „Leiharbeit“, „Arbeitnehmerüberlassung“ oder kurz „ANÜ“) über Personalvermittler bei gleichen Kosten deutlich schlechter bezahlt ist, konnte aber häufig kein ausreichend qualifizierter Ersatz für die gekündigten freiberuflichen Experten gefunden werden.

Die Stammbelegschaft ihrerseits war in der Regel schon so stark ausgelastet, dass die Verlagerung der Aufgaben auf sie zu starken Verzögerungen führte bzw. zu einem Scheitern des Projekts. In einer kleinen Zahl von Fällen wurde versucht, weiter mit Selbstständigen zusammenzuarbeiten, diese aber häufiger auszutauschen. Dies war für den Projekterfolg jedoch ebenfalls nicht förderlich.

Hier eine Auswahl typischer Kommentare Betroffener, zur Frage was mit den Aufträgen bzw. Projekten geschah:

  • „Immer wieder werden Projekte an indische Dienstleister vergeben, die Inder zum Kunden in Deutschland bringen, da in Deutschland wohnhafte IT-Berater aus Scheinselbständigkeitsgründen nicht eingesetzt werden „dürfen“. Gutes Beispiel dafür ist [der Konzern xxx] in München.“
  • „Der Auftragnehmer wurde gedrängt, den Auftrag über ANÜ abzuwickeln, der (ausländische) Verleiher behält dabei fast 50 Prozent des ehemaligen [Honorars] ein.“
  • „Sogar externe Dienstleister haben ihre Projekte verloren, da der Endkunde die Gefahr einer Scheinselbstständigkeit in der Vertragskette befürchtet hat.“
  • „Zwangsanstellungen und damit Verlust der Aufträge für Selbstständige oder Abrechnung über Arbeitskräfteüberlasser.“
  • „Sie wurden mit Angestellten fortgeführt – aber insbesondere nach Abu Dhabi und Mumbai verlagert.“
  • „Befristete Einstellungen wurden angeboten oder Freelancer durch weniger qualifizierte ANÜ Kräfte ersetzt.“
  • „[Verlagerung nach] Osteuropa.“
  • „Es wurde versucht (!) die Position mit internen oder ANÜ zu besetzen.“
  • „Vergabe an einen Dienstleister, der fast nur mit Indern arbeitet.“
  • „Nur noch Arbeitnehmerüberlassungsverträge. Damit sind Freiberufler raus.“
  • „Freelancer dürfen nur 300 Tage in 3 Jahren für diesen Kunden arbeiten. Obwohl noch Bedarf besteht, werden Verträge nicht verlängert.“
  • „Sie wurden in Überstunden von überlasteten Angestellten weiter geführt.“
  • „Nur mit Freelancern, die bereit waren als Leiharbeitnehmer zu arbeiten, sich also beim Personalvermittler fest einstellen zu lassen für die Dauer des Projektes!“
  • „Wurden an größere Firmen vergeben, teilweise dann als Subkontrakt mit niedrigen Honoraren zurück an den ursprünglichen Ingenieur [vergeben].“
  • „Sie wurden an einen ausländischen externen Dienstleister vergeben.“
  • „Man wurde vor die Wahl gestellt: Entweder in Arbeitnehmerüberlassung wechseln, oder man ist raus aus dem Projekt.“
  • „Sie wurden an große Firmen […] vergeben. Vereinzelt wurde nachgefragt, ob man auf Grundlage von Arbeitnehmerüberlassung und ca. zu etwas mehr als dem halben Preis weiter machen möchte.“
  • „[Führte zum] Teilweise-Zusammenbruch von Operations [also dem Betrieb des Unternehmens].“
  • „Ich arbeite jetzt mit einem US-amerikanischen Kooperationspartner für das Projekt zusammen.“
  • „Der verbissene Versuch, komplett auf intern und ANÜ zu setzen wird meiner Meinung nach in Kürze scheitern, da VIEL zu wenige interne/ANÜler mit den erforderlichen Kenntnissen verfügbar sind.“
  • „Aus Unsicherheit will man generell auf Interim Manager / Selbstständige verzichten. Man hat aber keine Idee wie man die Projekte nun staffen soll.“
  • „Alle Freelancer gekündigt, bis auf Reste.“
  • „Es wird versucht, auf Zeitarbeitskräfte auszuweichen – mit sehr wenig Erfolg.“
  • „Die Aufträge wurden in Arbeitnehmerüberlassungen zu deutlich schlechteren Konditionen umgewandelt.“
  • „Neuausschreibung als Festpreisprojekte.“
  • „Man versucht verzweifelt, das Produkt mit interne Mitarbeitern zu pflegen.“
  • „Nach max. 18 Monaten wird neu besetzt + Sperrfrist beim Kunden.“
  • „Externe im Ausland ansässige Unternehmer erhielten den Auftrag.“
  • „Bei [Konzern xxx] ging alles an eine indische Firma. Finanziell abgewickelt über eine Limited in UK.“
  • „An größere Beratungsgesellschaft vergeben, der Kunde macht keine Projekte mehr mit Freiberuflern.“
  • „Sollen angeblich später intern bearbeitet werden… dafür ist aber (auch zukünftig) keinerlei Ressourcenverfügbarkeit sichtbar.“
  • „Sie verzögern sich massiv.“
  • „Man versuchte, Zeitarbeiter zu finden. Ist misslungen, da spezialisierte Thema.“
  • „[Führte zu] Umsatzverlust.“
  • „Unterstützung durch externe Experten (in einzelnen Projektphasen bis zu 80 Prozent) wurde beendet und versucht, intern zu ersetzen. Im Ergebnis scheiterte das Projekt. Verlust 7-stellig.“
  • „Sie wurden an internationale Beratungskonzerne vergeben.“
  • „Ausführung durch ohnehin überlastete interne Mitarbeiter.“
  • „Da Auftraggeber zögern mit externen Mitarbeitern zu arbeiten, verschieben Projekte oder (sie) werden ins Ausland (Bereich Klinische Forschung) vergeben.“
  • „Auftraggeber wie die [Konzern xxx] und andere Banken wollen nicht mehr mit Freiberuflern zusammenarbeiten, weil sie Angst vor den Auswirkungen der Gesetzte bzgl. Scheinselbständigkeit haben.“

 

Rechtsunsicherheit und damit verbundene Bürokratie ganz klar Ursache

Die bestehende Rechtsunsicherheit war der zentrale Grund für die Beendigung von Projekten und Aufträgen im Inland

Den Grund für die vorzeitige Beendigung von Aufträgen und Projekten in Deutschland sahen die Betroffenen in mehr als 90 Prozent der Fälle in der bestehenden Rechtsunsicherheit. Die Hälfte von ihnen gab zusätzlich den hohen bürokratischen Aufwand bei der Beauftragung Externer in Deutschland als Grund an. Unter den 11%, die „Sonstiges“ ankreuzten und mehr als 120 Kommentare hinterließen, gaben viele „Angst vor Scheinselbstständigkeit“ oder ähnliches an.

Budget- und Kostengründe (27 bzw. 22 Prozent) sowie Fachkräftemangel (16 Prozent) spielten als Ursache eine vergleichsweise geringe Rolle.

 

80 Prozent aller Befragten, 90 bis 95 Prozent der Betroffenen sehen Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit negativ oder sehr negativ

Die große Mehrheit der Befragten sieht die Rechtsunsicherheit als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

Die Auswirkungen der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen für IT-Projekte auf die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschland bewerteten alle Befragten überwiegend negativ, wobei sich die Antworten abhängig von den persönlichen Erfahrungen erheblich unterschieden.

Die Gesamtheit der Befragten sah zu 2 Prozent einen positiven oder sehr positiven, zu 18 Prozent einen neutralen und zu 80 Prozent einen negativen oder sehr negativen Effekt. Selbst unter den nicht selbst Betroffenen beurteilten nur 4 Prozent die Auswirkungen positiv und 60 Prozent als negativ.

Diejenigen, die „nur“ den Verlust von Aufträgen erlebt hatten, sahen die Auswirkungen zu 89 Prozent negativ. Am alarmiertesten waren mit 95 Prozent diejenigen, die die Beendigung eines Projekts oder die Auflösung einer Organisationseinheit miterlebt hatten.

Deutlich zeigt sich die Auswirkung eigener Erfahrungen auch, wenn man nur die Antwort „sehr negativ“ heranzieht. Nicht-Betroffene wählten sie in 13 Prozent der Fälle, die Betroffenen (Auftrag) zu 33 Prozent und die Betroffenen (Projekt) zu 52 Prozent.

Gruppenübergreifend bewerteten 49 Prozent aller Befragten die Auswirkungen auf die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit als negativ und 31 Prozent als sehr negativ.

 

Mehr als 400 Teilnehmer kommentierten Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit

Bei dieser Frage nutzen 426 Teilnehmer (rund 30 Prozent der Befragten) die Möglichkeit, einen (teils umfangreichen Kommentar) abzugeben, was auf eine hohe persönliche Betroffenheit hindeutet.

Hier eine Auswahl von Statements, mit denen Betroffene die Auswirkungen der Rechtsunsicherheit auf sich selbst und auf auf die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Kunden kommentiert haben. Wir haben die Aufstellung nach dem 50. Kommentar aus Zeitgründen abgebrochen, die Liste hätte sich noch weiter fortsetzen lassen.

  1. „Die Kunden sind verunsichert und trauen sich nicht, die kompetenten Leistungen der in Deutschland wohnhaften IT-Berater in Anspruch zu nehmen. Die Alternative vom Kunden ist fast immer auf ausländischen IT-Berater zurückzugreifen, die ebenfalls vor Ort beim Kunden in Deutschland arbeiten. Ich fühle mich diskriminiert vom Gesetzgeber, weil ich in Deutschland wohne und überlege mir ins Ausland (in der Schweiz) zu gehen, um dieses Problem zu umzugehen.“
  2. „Die gegenwärtigen rechtlichen Rahmenbedingungen schaden Freiberuflern mehr als dass sie nützen bzw. schützend wirken.“
  3. „Leider steht [man als] Freelancer permanent unter dem Generalverdacht, ein Scheinselbständiger zu sein. (…) Man bewegt sich in einem rechtsfreien/grauen Bereich. Wer will das schon?“
  4. „Die Rahmenbedingungen machen es schwierig langfristig mit einem Kunden zusammenzuarbeiten. [… Sie] behindern mich also darin, an die deutlich besser bezahlten Arbeiten heranzukommen.“
  5. „Extern vorhandenes Know-how kann [aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen] oftmals nicht in Projekte einfließen.“
  6. „Bin selbst nach vielen Jahren (…) guter Zusammenarbeit von einem Stammkunden (großes dt. Unternehmen) für immer gekündigt worden, zusammen mit fast allen anderen Freiberuflern (…). War danach lange ohne Auftrag, habe meinen Bekannten auf Nachfrage erklärt, ich wäre jetzt in „Andrea-Nahles-Zwangspause“. 🙁 Aktuell arbeite ich für eine ausländische Firma (EU-Ausland).“
  7. „Bei den Freelancer führt es dazu, dass sie sich ständig gefährdet fühlen, dass ihnen die Selbständigkeit aberkannt wird.“
  8. „Dort wo Flexibilität und Fach-Know-how am dringendsten benötigt werden, werden Hürden aufgebaut.“
  9. „Die Rechtsunsicherheit in Deutschland hat ein Niveau erreicht, dass verfassungswidrig und nicht mehr rechtsstaatlich ist.“
  10. „Ich erlebe es im Moment selbst, dass alle Freiberufler aus Projekten zum Jahresende ausscheiden müssen. Da wurde ein „super“ Gesetz beschlossen!!!“
  11. „Ich kenne mehrere Konzerne, in denen die Einschränkungen sowohl für Werkarbeit als auch Zeitarbeit zu einer Beschleunigung der Verlagerung von Unternehmensteilen ins Ausland geführt haben.“
  12. „(…) wird sich mittelfristig irreparabel auswirken. Durch die Rechtsunsicherheit verlieren gerade Freelancer ihre Existenzgrundlage. Die Auswanderung in andere Länder wird zunehmen. Die unternehmerische Freiheit wird nicht mehr gewährleistet.“
  13. „Die aktuellen Regelungen seit April 2017 entsprechen in hochqualifizierten Fragestellungen in keinster Weise der betrieblichen Wirklichkeit und dem Bedarf von Unternehmen unterschiedlicher Größe.“
  14. „Es werden immer mehr Aufträge nach Indien vergeben“
  15. „Ich plane, in 1-2 Jahren Deutschland zu verlassen und in Estland oder der Schweiz zu gründen. Deutschland hat in vielerlei Hinsicht seine früheren Standortvorteile eingebüßt und eine Menge Nachteile angehäuft.“
  16. „Unter den Freiberuflern sind überdurchschnittliche viele Spitzenkräfte. Wenn diese aufgrund der Rechtsunsicherheit keine Aufträge mehr bekommen, dann gehen sie lieber ins Ausland anstatt sich einstellen zu lassen.“
  17. „Auch ich selbst überlege konkret meinen Sitz deswegen zu verlegen.“
  18. „Die Rechtsunsicherheit ist zu hoch. Die rechtlichen Hürden für die Beauftragung Externer sind zu hoch. (…) Projekte in Deutschland werden gefährdet.“
  19. „Deutschland hängt nur noch hinterher. Die Politik erkennt das Problem nicht und negiert es sogar.“
  20. „Schutzgesetze, die der Gesetzgeber für den Bereich der prekären Beschäftigung erlassen hat, werden auch auf den Bereich der hochbezahlten und hochqualifizierten IT-Freiberufler angewandt. Dort zerstören Sie die von allen Beteiligten gewollten und akzeptierten Projektstrukturen.“
  21. „Die Rechtsunsicherheit im Rahmen der sogenannte Scheinselbstständigkeit ist ein Existenzkiller für tausende Freiberufler und Solo-Selbstständige. (…) Deutschland erstickt in wirklichkeitsfremden rechtlichen Regularien. (…) Traurig, aber ich würde meinen Kindern heute nicht mehr empfehlen, sich selbstständig zu machen.“
  22. „Es sollten verständliche und eindeutige gesetzliche Regelungen für die Beschäftigung von Freelancern eingeführt werden, damit die Unternehmen sich wieder mehr auf die Schaffung von Aufträgen und Arbeitsplätzen konzentrieren können. Die Regelungen dürfen die Unternehmen (…) nicht in Richtung Outsourcing ins Ausland treiben, [wie] dies bereits jetzt oft stattfindet.“
  23. „Von 31 Freiberuflern, inklusive mir selbst, haben inzwischen bereits 26 ihre Aufträge verloren und keine neuen vergleichbaren mehr erhalten. Die verbliebenen Freiberufler fürchten massiv um ihre Existenz.“
  24. „[Ich selbst habe aufgrund der Entwicklung] bereits mit 45 Jahren einen gefährlichen Herzinfarkt mit dramatischer OP erlitten. Beinahe hat mich die Reform von Frau Nahles mein Leben gekostet. (…) Früher hatte ich ein sehr gutes Einkommen. Heute ist es für mich viel schwerer, meine Lebenshaltungskosten zu finanzieren.“
  25. „Deutsche Politiker sind in Bezug auf den Wandel hin zu einer Wissensgesellschaft komplett überfordert. Das Ökosystem um die Politik herum ist auf eine Industriegesellschaft fokussiert.“
  26. „Deutschland wird aufgrund seiner restriktiven Rahmenbedingungen im internationalen Wettbewerb hinter maßgebliche Wettbewerber zurückfallen mit der direkten Folge, dass die Wettbewerbs-Fähigkeit Deutschlands leidet.“
  27. „Die Themen Scheinselbständigkeit und Arbeitnehmer Überlassung sind für das Projektgeschäft Gift. Es ist erstaunlich, dass der Gesetzgeber für diese Bereiche keine Regelungen gefunden hat.“
  28. „Es wird verhindert, dass Unternehmen und Freiberufler direkte Verträge schließen. Dieses führt zu höheren Kosten, Verzögerungen, schlechterer Qualität und evtl. auch Streichungen bei Projekten. Dadurch wird natürlich auch Konkurrenz im Ausland indirekt gefördert.
  29. „Das Thema Scheinselbständigkeit nervt und kostet Energie, die woanders fehlt.“
  30. „Know-how-Träger für Spezialwissen braucht man als Firma oft nur eine gewisse Zeit, viele Freelancer wollen auch gar nicht zu lange (…) bei einem Kunden sein, sondern ganz unterschiedliche Kunden und Umgebungen kennenlernen und sich immer wieder neu beweisen. Man kauft ja auch kein Umzugsunternehmen – nur weil man umziehen will.“
  31. „Beim Gespräch mit meinen Kunden (aus großen Unternehmen) wurden mir katastrophale Stories berichtet. ich denke, langfristig besteht die Gefahr, dass wir in Deutschland dadurch viele Aufträge und in der Konsequenz dann auch viel Know-How verlieren.“
  32. „Die Veränderung (…) ist bereits weit gediehen – Deutschland schießt sich selbst ins Abseits.“
  33. „[Die] Parteien hinken den strukturellen Veränderungen im Arbeitsleben um viele Jahre hinterher. Die Untätigkeit und Hilflosigkeit der Politik ist frustrierend.“
  34. „Softwareentwicklungsprojekte werden oft nach Osteuropa oder Asien ausgelagert.“
  35. „Es wird zunehmend attraktiver, vom EU-Ausland aus zu arbeiten.“
  36. „Aktuell werden (…) Projekte mit innovativem Charakter weitgehend eingestellt.“
  37. „Mit den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen für IT-Projekte wirft man der Industrie indirekt Knüppel zwischen die Beine – und die Industrie wird schnell (…) mit Verlagerungen in das Ausland reagieren.“
  38. „Ressourcen werden dann aus dem Ausland besorgt, billiger und keine Probleme mit dem Staat. –> Geld fließt ins Ausland, wir zahlen aber hier Steuern.“
  39. „Es sind nicht nur IT-Projekte davon betroffen!!! [Der Schaden ist noch viel höher im] Engineering-Bereich (z.B. Medizintechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik etc).“
  40. „Freelancer sind wichtig. Die deutsche Regierung legt Freelancern aber nur Steine in den Weg.“
  41. „Verlagerung ins Ausland bedeutet auch immer Abzug von Wissen. (…) Langfristig (Post-Go-Live) ergibt sich erheblicher Mehraufwand für die durchführenden Unternehmen.“
  42. „Die bürokratischen Hürden für eine freiberufliche Zusammenarbeit sind inzwischen so hoch, dass sie (…) die Digitalisierung und somit auch die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands kräftig ausbremsen.“
  43. „Projekte werden unnötig verlangsamt, kosten den Kunden mehr und [bringen] im Vergleich zu Ländern, die keine sinnlosen Hürden aufbauen ¬[Wettbewerbsnachteile]. Wenn das nicht gestoppt wird, wird Deutschland seinen Erste-Welt-Status verlieren.“
  44. „Die angewendeten Rechtsvorschriften haben keinen Bezug zur Realität. Freiberufler werden in nicht gewünschte Verträge gezwungen.“
  45. „Der krampfhafte staatliche Versuch (…) die Rentenkasse zu füllen, indem die Freelancer kriminalisiert werden (…), zerstört gerade aktiv die Existenzgrundlage meiner Familie.“
  46. „Im Unterschied zu Deutschland hat man z.B. in der Schweiz den Kopf frei von diesen Belangen (…). Ich will mich auf meine Arbeit konzentrieren können; in Deutschland muss ich nebenberuflich Steuern und Status verwalten – das kann so einfach nicht weitergehen. Tschüs!“
  47. „Es besteht die Gefahr, daß die kreativen Köpfe abwandern.“
  48. „Meiner Ansicht nach macht sich ein sehr großer Teil von Top-Experten aus Beratung und Entwicklung irgendwann selbständig (…). Bestimmte Projekte können Konzerne nur mit Unterstützung genau dieser Leute angehen. Diese Projekte finden meiner Ansicht nach derzeit nicht mehr in dem Umfang statt wie eigentlich geplant.“
  49. „Die Fachkräfte die wir in Deutschland dringend benötigen, weichen in die Schweiz in die USA oder nach China aus. Dort gibt es keinerlei Beschränkungen und keine durch die Politik künstlich erzeugte Hürden. Das ausgewanderte Know-how muss sich die deutsche Industrie dann wieder teuer aus dem Ausland erkaufen. Die Führung in der Entwicklung innovativer Lösungen haben wir in Deutschland bereits abgegeben. Jetzt sind wir dabei die Wertschöpfungsbestandteile die sich aus Dienstleistungen ableiten, ebenfalls in andere Länder zu verlagern.“
  50. „Es werden nur noch extrem kurzfristige und dringende Projekte national vergeben und solche, wo Deutschkenntnisse wesentlich sind.“

 

48 Prozent aller Befragten und 63 Prozent derer, die die Beendigung eines Projekts erlebt haben, erwägen Auswanderung

Fast die Hälfte der befragten und bis zu zwei Drittel der persönlich betroffenen IT-Experten spielt mit dem Gedanken einer Auswanderung

Die wahrgenommene Rechtsunsicherheit in Deutschland, der Verlust von Aufträgen und der befürchtete Rückgang von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit führen dazu, dass ein überraschend hoher Anteil der IT-Selbstständigen erwägt, dem Standort Deutschland den Rücken zu kehren.

Selbst wenn man alle Befragten (einschließlich der Nicht-Betroffenen) betrachtet, sagt nur eine knappe Mehrheit von 52 Prozent, dass sie einen Umzug nicht erwägt – wobei selbst von diesen 10 Prozent sagen, dass Kollegen es vorhaben. 6 Prozent der Befragten haben sich bereits fest entschlossen, ins Ausland zu gehen. Weitere 7 Prozent planen, dies in den nächsten Jahren zu tun. Für 35 Prozent ist es eine Option, wenn sich die Situation in Deutschland weiter verschlechtert.

48 Prozent aller Befragten erwägt also eine Auswanderung. Unter den Betroffenen, die „nur“ einzelne Aufträge verloren haben, ist mit 53 Prozent bereits eine Mehrheit ausreisewillig und unter denen, die die Auflösung eines ganzen Projekts oder einer Organisationseinheit erlebt haben, erwägen fast zwei Drittel (63 Prozent) eine Auswanderung!

 

Reale Gefahr eines Brain-Drains in der Schlüsselbranche IT

Die Zahl der Auswanderungswilligen hat sich damit in den letzten drei Jahren deutlich erhöht. Im Januar 2016 hatte GULP 440 IT- und Engineering-Spezialisten schon einmal die Frage gestellt, was die tun würden, wenn die Reglementierung in Deutschland dazu führen würde, dass Freiberuflichkeit keine Option mehr für sie wäre. 21 Prozent hatten damals geantwortet, dass sie dann auswandern würden. Heute sind es bei einer ähnlichen Grundgesamtheit 48 Prozent.

Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass der Rest der Befragten weiterhin dem deutschen – mit IT-Fachkräften unterversorgten – Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. 2016 hatte nämlich 17 Prozent der Befragten geantwortet, sie würden sich (vorzeitig) zur Ruhe setzen, wenn sie nicht mehr selbstständig tätig werden könnten. Auch das ist eine Form des Brain-Drain!

Da mit jedem Tag weitere Projekte hinzukommen, die gestoppt oder ins Ausland verlagert werden, wird der Anteil der Betroffenen weiter zunehmen und damit auch die Neigung, eines Umzugs ins Ausland.
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen muss man ohne Zweifel von der Gefahr eines Brain-Drains im IT-Bereich sprechen.

 

Siehst du auch die Gefahr eines Brain drain?

Bitte nutze die Kommentarfunktion unten und lass uns wissen, wie du die Ergebnisse der Studie bewertest. Siehst du auch die Gefahr, dass Deutschland seine Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit riskiert und gute Leute in Ausland abwandern, weil sie sich in Deutschland nicht mehr rechtssicher betätigen können?

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Beendete Projekte werden in 38 Prozent der Fälle ins Ausland verlagert
Die bestehende Rechtsunsicherheit war der zentrale Grund für die Beendigung von Projekten und Aufträgen im Inland
Die große Mehrheit der Befragten sieht die Rechtsunsicherheit als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands
Fast die Hälfte der befragten und bis zu zwei Drittel der selbst betroffenen IT-Experten erwägt auszuwandern
Dr. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD e.V. - Foto: Thomas Dreier, zur Berichterstattung honorarfrei verwendbar. Weitere Pressefotos: https://www.vgsd.de/pressemitteilungen/
Michael Moser, Vorsitzender der Geschäftsführung des Personaldienstleisters GULP.

52 Kommentare

  1. Christian Jurisch schreibt:

    Ursprünglich wollte ich als Freiberufler im Bereich Testing für Automotive Komponenten tätig sein. Aufträge konnte man mit dieser Konstellation allerdings nicht bekommen. Einzig Umweg über Gründung einer GmbH mit mehreren Gesellschaftern und Angestelltem + persönliches Netzwerk konnte das Überleben der Unternehmung sichern. Die damit verbundene Bürokratie ist haarsträubend. Wer sich mit dem Thema beschäftigt kann nur den Kopf schütteln über die aktuelle Gesetzeslage. Ein „Brain-Drain“ oder ein Verdrängen zugunsten großer Vermittlungsfirmen ist unausweichlich…

    Antworten
  2. Thomas Kimmich schreibt:

    5 Jahre laufendes Projekt mit perfekter Zusammenarbeit.
    Alle Freiberufler wurden innerhalb von wenigen Wochen rausgeschmissen.
    Und durch Berufsanfänger aus dem europäischen Ausland ersetzt.

    Antworten
  3. Erhard S schreibt:

    Die Gefahr eines IT-Brain-Drain in unterschiedlichste Richtungen ist extrem hoch. Es ist eine Schande, dass die politisch Verantwortlichen keine Lösungen schaffen, sondern es zulassen und sogar damit schüren , dass Freelancer extremen Unterstellungen ausgesetzt werden, anstelle ihr Potential zu nutzen und zu fördern.

    Es muss endlich Rechtssicherheit geschaffen werden, sonst verschwindet diese Berufsgruppe in Deutschland. Kann mir jemand mal ausführlich erklären, was der Sinn sein könnte, zumal ja sehr viele Betroffene durchaus vereit wären, in die Rentenversicherung einzuzahlen, um ein Ende der Unterstellungen zu erreichen. Allerdings auch auch gerne mit der Forderung verbunden, dass dann endlich auch Beamte zur Rentensicherung beitragen. Es ist doch völliger Quatsch, dass Beamte im Berufsleben weniger verdienen und damit ihr hohes Rentenniveau beanspruchen dürfen. Ich frage mich, auf welcher Insel eigentlich Politiker leben, wenn sie solche essentiellen Themen nicht lösen.

    Antworten
    1. Nils schreibt:

      Das Beamtentum gehört meiner Ansicht nach generell auf den Prüfstand, das entspricht nicht einer Gesellschaft in der Gleichstellung herrscht. Allerdings besteht das Parlament zu einem nicht unerheblichen Teil aus Beamten und ehemaligen Verwaltungsangestelten, also kann man darauf nicht hoffen.

      Antworten
  4. Rainer Regnery schreibt:

    In den 80er Jahren wollten wir Inder mit der Green Card nach Deutschland holen. Anschließend schickten wir ihnen freiwillig die Arbeit. In den 90er legten wir ein Konzept für die KMK (zuständig für die berufliche Bildung) vor, um die Ausbildung in Schlüsselqualifizierungen für die Digitalisierung zu gewährleisten. Die Entwicklung ist leider bekannt!
    Amerikaner, Chinesen, Inder aber auch schon einige afrikanische Länder (!) haben uns längst den Rang abgelaufen. Daher bedarf es einer konzertierten Aktion aller beteiligten Gruppen. Aufgabe der Politik wäre es die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen! Wer glaubt, dass die Politik dazu die Vision und Kraft hat?
    Investoren und Business Angel müssen umdenken! Warum ist es im Silicon Valley oder anderen Länder so viel einfacher Kpital zu erhalten. Warum gibt es in Israel (so groß wie das Saarland) ein Mehrfaches an Start-Ups wie in Deutschland?
    Die Milliarden aus der 5G Versteigerung könnten für einen Innovationsfonds Deutschland genutzt werden. Damit könnte auch der anschließende Verkauf von Unternehmen ins Ausland (Kuka etc.) verhindert werden.
    Deutschland braucht eine Vision, eine Strategie und Persönlichkeiten, die dies vehement umsetzen.
    Die Tatsache, dass die VAE ab nächstes Jahr ein eigenes selbstfahrendes Elektroauto bauen wollen, zeigt, dass Deutschland auf breiter Front angegriffen wird. Ganz zu schweigen von Alphabet, Apple, Amazon, Alphabet, Tencent etc.

    Antworten
  5. Marc Dauenhauer schreibt:

    Ich bin ein gut bezahlter IT-Experte, dessen Know-How sehr gesucht ist.. Ich würde jederzeit meine Tätigkeit ins Ausland verlagern, wenn dies zur Fortführung meiner selbständigen Tätigkeit notwendig ist. Aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen hat meine berufliche Bindung an den Standort Deutschland extrem gelitten. Ich erlebe Deutschland als ein Land, das meine Steuern gerne kassiert und mir zum Dank dafür immer neue Steine in den Weg legt, das Geld auch erwirtschaften zu können. Findet den Fehler!
    Ich bin vom Know How der Politik darüber, wie die Schlüsselbranchen der Zukunft ticken und wie man diese tatsächlich fördern kann, masslos enttäuscht. Ich lese lediglich hohle Phrasen und Konzepte aus den 90er Jahren. Tayler’sche Arbeitsmodelle und Konzepte aus Zeiten der Industrialisierung werden uns immer weiter zurückfallen lassen.

    Antworten
    1. Joachim von Manger schreibt:

      was will man von Arbeitsministern erwarten, welche Politikwissenschaften studiert haben (Heil & Nahles) oder eine Magisterarbeit mit dem Titel “ Die Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman“ schreiben (Nahles). Da kommt die wirtschaftliche Kompetenz aus der Betriebsbesichtigung. Weil man sonst keine beruflichen Erfahrungen hat.

      Antworten
  6. Joachim von Manger schreibt:

    Was will man von Politikern / Beamten erwarten welche das unternehmerische Risiko in der Abrechnung eines Auftrags sehen: Zeit und Aufwand -> kein Risiko, kein Unternehmer; Fest Preis -> Risiko, Unternehmer. Mein Risiko liegt nicht in der Abrechnung des Auftrags, sondern darin keinen Auftrag zu bekommen! Das betriebswirtschaftliche Verständnis scheint doch sehr unterentwickelt zu sein.
    HGB kennt das Prinzip des „vorsichtigen Kaufmanns“. Das erscheint aber unerheblich wenn es darum geht jemanden in die Sozialversicherung zu pressen. Was wohl der Hauptgrund ist für die Gesetzgebung.

    Antworten
    1. Ralph Steins schreibt:

      Einer der Hauptaspekte ist tatsächlich, so viele Menschen wie möglich in die SV-Pflicht zu holen. Und es funktioniert, da ja viele Firmen nur noch mit SV-pflichtigen Arbeitnehmern arbeiten wollen. Leere Staatskassen werden dafür gerne als Argument genommen, ich würde es eher Mißwirtschaft nennen. Geld ist in Deutschland genug da, es wird nur falsch verwendet, sowohl in Politik als auch in Konzernen…

      Antworten
  7. Valentina schreibt:

    Ich habe (noch) nicht den ganzen Artikel im Detail gelesen … kann aber sagen:
    ich kenne persönlich jemanden, der bereits den ersten Abwanderschritt nach Österrich getan hat,
    und auch noch weiter gehen wpürde, wenn sich die Lage hier verschärft.

    Antworten
    1. Valentina schreibt:

      p.s. Ich fänd’s nett, ab und zu auch noch ein paar deutsche Worte zur Erklärung bestimmter Dinge zu verwenden. Wenigstens in der groben Zusammenfassung könnte ja mal übersetzt sein, was Brain-Drain bedeutet … ich fänd‘ das erleichternd. Danke

      Antworten
      1. Antworten
  8. Antworten
  9. Heiko schreibt:

    Vielen Dank für diese Studie mit teils schockierenden Kommentaren von Betroffenen. Klasse Arbeit! Weiter so!

    Diese Bundesregierung tut alles dafür entweder die Einkommenssteuereinnahmen durch gut bezahlte
    (IT-)Freelancer zu verlieren bei Aufgabe der Selbständigkeit oder den Abfluss von Wissen ins Ausland zu fördern. Es zeigt einmal mehr auf, was eine kleingeistige Haltung in Deutschland vorherrscht. Damit wird man im Wettbewerb um Ressourcen im 21.Jahrhundert nicht weit kommen. Mal darf gespannt sein, wie unsere Amateurpolitiker sich gegenüber Ländern mit deutlich autoritäreren Regimen behaupten wollen, wenn man die eigene Bevölkerung nur durch mehr Staat gängelt.

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  10. Irene schreibt:

    Die Groko unterstützt doch nur noch die Großindustrie. Digital ist nur schick auf Veranstaltungen. Ich frage mich, ob die alten Industriegiganten genauso schöpferisch wie das Silicon Valley oder China umgehen können. Deutschland ist in vielen Themen bald Schlusslicht in Europa. Wir brauchen einen ähnlichen Aufbruch, wie Frankreich und weg von einem allmächtigen Sozialstaat. Wer soll das denn irgendwann noch alles finanzieren? Ich sehe mich auch schon im Ausland 😉 Go West, Go East 😉

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    1. Andreas Lutz schreibt:

      Hallo Irene, die Großunternehmen sind auch besorgt: Im Gegensatz zu manchen Politikern wissen sie sehr wohl, dass es ohne selbstständige Wissensarbeiter in Deutschland nicht läuft. Letztes Jahr haben 15 Großunternehmen einen Brandbrief an Arbeitsminister Heil geschrieben. Leider scheinen auch die Stimmen der großen Arbeitgeber beim BMAS nicht viel zu zählen. Mit der Studie wollen wir – exemplarisch am Beispiel der IT-Branche – verdeutlichen, welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen die Rechtsunsicherheit hat. Vielleicht verstehen die Entscheider dann, dass es auch um gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze geht, wenn die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands leidet und innovative Projekte ins Ausland vergeben bzw. verlagert werden.

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      1. Irene schreibt:

        Vielen Dank Andreas für die tolle Aktion und die Klarstellung. Vielleicht bin ich gerade überreizt. Obwohl ich einen Vermittler gebeten habe mir keine ANÜ Angebote zusenden, sende er diese weiter. ANÜ ist für mich die größte Demütigung. Gott sei Dank sind wir in einem Markt mit weltweiten Alternativen. Kommt die harte Haltung von den Gewerkschaften? Bei einigen Projekte hatte ich schon Distanz und Misstrauen zu den Betriebsräten/innen gespürt. Dabei stärken erfolgreiche Projekte die Position der organisierten Mitarbeiter/innen.

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        1. Andreas Lutz schreibt:

          Hallo Irene,
          die Gewerkschaften haben großen Einfluss auf das Bundesarbeitsministerium (BMAS). Um ein Beispiel zu geben: Vorletzte Woche war ich beim BMAS in einem ganztägigen Workshop, bei dem es auch um das Thema Rechtssicherheit ging, mit dem ich mich nun seit Jahren beschäftige, zu dem ich überall hin als Experte eingeladen werde und über dessen Lösung ich mit hunderten von Fachleuten gesprochen habe.
          Ich war als einziger Vertreter von Berufsverbänden eingeladen und (neben dem OWUS-Vertreter) wohl der einzige, der aktiv selbstständig tätig ist. Es gab fünf Vorträge zum Thema „Vorschläge & Einschätzungen aus der Praxis“. Gehalten wurden sie von ver.di, einer ver.di nahestehenden Vertretung von VHS-Lehrern, dem zur LINKEN gehörigen Verband OWUS, vom DGB und noch mal von ver.di. Als Vertreter der BAGSV-Berufsverbände bekam ich weder auf diesem noch einem weiteren Workshop einen Vortragsslot. Ich habe dann die Diskussionen genutzt, um viele Fragen zu stellen und dürfte allen Teilnehmern gut im Gedächtnis geblieben sein, aber natürlich würde ich gerne bei so einer Gelegenheit auch unsere Lösungsvorschläge am Stück präsentieren.
          Wir arbeiten unbeirrt daran, dass auch unter dem neuen Minister die Selbstständigen als Betroffene wieder Gehör finden und es mehr Diversität auf der Rednerliste gibt.
          Ermutigend ist, dass VGSD und BAGSV von immer mehr wichtigen Organisationen ganz selbstverständlich zu Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen eingeladen werden und als relevante Stimme der Selbstständigen gesehen werden. Unser „Marsch durch die Institutionen“ lässt sich also nicht stoppen, höchstens mal ein wenig bremsen. 😉

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          1. oskar schreibt:

            Vielen Dank für den Input Andreas, das zeigt doch das wir nicht wirklich demokratisch in jeden Bereich sind. Die Uhr tickt für uns alle. Die Groko kann ich jedenfalls mit keiner Stimme auf keiner politischen Ebene mehr unterstützen. Diese ewige vertrösten und schönreden tut nur noch weh. Vor allem bei sinkenden Mitgliederzahlen sind die Gewerkschaften im Demokratischen Prozess vielleicht überrepräsentiert. Zusätzlich sind Heiko Maas, Svenja Schulze und Hubertus Heil als Bundesminister Mitglieder in der Gewerkschaft. Svenja Schulze als Umweltministerin sogar in der IG BCE die für den Braunkohleabbau ist.

          2. hans schreibt:

            Neben KI wird noch im Klimaschutz gespart. Alles für einen allmächtigen Sozialstaat? Diese Groko ist nur noch ideenlos. Wer soll diesen Staat bei sinkenden Einnahmen finanzieren? Erinnert alles an ein „Cash Cow“ Produkt auf dem Wege zum „Armen Hund“. Ich hoffe die Kids geben der Groko heute eins richtig auf die Mütze. Diesmal sollte es einen Umwelt-, Zukunftsfeindlichen und falschspar Finanzminister Scholz treffen. Zumindest brauch Scholz vor den süddeutschen Gummistiefel, wenn der Wasserspiegel steigen sollte. Zukunft, Rente, Digitalisierung, Scheinselbstständigkeit sind für mich alle eng miteinander verbunden.
            https://www.welt.de/wirtschaft/article190590459/Bundeshaushalt-Fuer-Klimaschutz-hat-Scholz-kein-Geld-uebrig-fuer-Klimastrafen-schon.html

  11. Roland Gelzleichter schreibt:

    Es muss doch eine Begründung dafür geben, dass wir hier im Plemmplemm-Land mittlerweile zu doof sind, einen Flughafen zu bauen. Das höchste Ziel, das man hier erreichen gilt: unbeschadet in Rente zu kommen. Der Gedanke, dass man mit Enthusiasmus, Knoff-Hoff, Lebenserfahrung, Energie, guten Ideen, Über-den-Tellerrand-schauen, sich permanent weiterzubilden, Messebesuche und was weiß ich sonst noch, als Einzelkämpfer Selbständiger was unternehmen kann, das der Allgemeinheit weiterhilft und nicht nur die Statistiken schönt, ist heute für den Arsxx. Die Schafherde läßt grüßen. Und um sich in einer Schafherde wohl zu fühlen gilt nur eines: man muss selbst ein Schaf sein.

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  12. Jens schreibt:

    Unsere Regierung hat’s mal wieder vergeigt.
    Denn nicht alle Betroffenen (aktuell und zukünftig Auftragslose) haben die Möglichkeit, ins Ausland abzuwandern, weil sie in Deutschland familiär gebunden und regional verwurzelt sind. Es besteht also auch die Gefahr, dass eine bestimmte Teilmenge dieser Betroffenen zu ALG2-Empfängern werden, wodurch das Sozialbudget doch erheblich belastet würde. Diese Gruppe hat aber vorher gut verdient, Steuern gezahlt und das BSP angefüttert.
    Deshalb absolut unverständlich, warum die Politik nicht endlich handelt.
    Hallo Frau Merkel, hallo Herr Heil, hallo wer-sich-sonst-noch-angesprochen-fühlt, bitte stoppen Sie sofort diese existenzvernichtende und geschäftsschädigende Entwicklung!

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  13. hans schreibt:

    Nach Auffassung von Headhunter sind die meisten Spezialisten in Festanstellung wechsel bereit. Daher sind vielleicht in vielen Fällen Selbstständige planbarer für Projekte. Ich kann mich noch an Outsourcing Geschichten aus Indien und China erinnern, bei denen die Mitarbeiter nach drei Monaten kündigten, weil sie damit ihr Gehalt verdoppeln konnten. Ob dies heute noch so ist, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht müssen die Groko Parteien den Unmut bei den nächsten Wahlen spüren, bevor sich was ändert. Der Standort Deutschland verliert derzeit wertvolle Zeit im europäischen und internationalen Wettbewerb.
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Headhunter-Die-meisten-Mitarbeiter-sind-latent-wechselbereit-4334372.html

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    1. Andreas Lutz schreibt:

      Die Fluktuation in Ländern wie Polen, Rumänien oder Indien ist definitiv höher. Das wird mir immer wieder bestätigt. Die Auftraggeber würden gerne weiter mit erfahrenen deutschen Selbstständigen zusammenarbeiten, auch wenn deren Honorar deutlich höher ist. Insbesondere bei geschäftskritischen Prozessen und solche, wo es um die (oft kurzfristige) Umsetzung von Gesetzesvorgaben geht, denn wenn die Projekte nicht laufen, ist der Schaden für das Unternehmen groß. Das Schlimme ist, dass sie sich selbst da teilweise gezwungen sehen, Projekte ins Ausland zu verlagern, obwohl das ein erhebliches Risiko darstellt. So bekomme ich es zumindest von betroffenen Selbstständigen und auch von Personalvermittlern erzählt.

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  14. S. schreibt:

    Ich bin Hard- und Softwareentwickler und war lange Zeit in Deutschland als Freelancer unterwegs. Aufgrund der immer höher werdenden Hürden bei den freien Berufen und dem Thema Scheinselbständigkeit bin ich vor einigen Jahren bereits in die Schweiz ausgewandert. Hier gibt es klar definierte und pragmatische Rahmenbedingungen und deutliche weniger Bürokratie. Heute arbeite ich wieder viel für deutsche Kunden (ca. 70% des Umsatzes) aber mit Rechnungsstellung aus der Schweiz. Die Konstellation mit Wohn- und Firmensitz in der Schweiz erleichtert bei vor Ort Einsätzen in Deutschland den Sprint durchs
    Minenfeld der deutschen Bürokratie.

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  15. ehemaliges Ingenieurbüro aus D schreibt:

    Ich habe bereits vor nahezu einem Jahrzehnt meinen Wohnsitz UND mein Ingenieurbüro ins Ausland verlegt und zahle seitdem dort angemessene und tragbare Sozialversicherungsbeiträge für meine persönliche Absicherung. Bei einem kürzlichen Besuch bei der Deutschen Rentenanstalt wegen Abklärung einer Versicherungslücke im Versicherungsverlauf und Hinterlegung meiner Wohnadresse im Ausland wollte die Sachbearbeiterin gleich zu Anfang des Gespräches beginnen, mich mit Fragen in Bezug auf Scheinselbständigkeit in Deutschland zu konfrontieren. Nachdem sie endlich verstanden hatte, dass ich schon „sehr lange“ weg bin, mir die Sache „von außen anschaue“ und seitdem mein Geld nicht mehr in Deutschland ausgebe und hier auch keine Beiträge mehr bezahle, wurde sie schnell ruhiger.

    Ich wurde in Deutschland ausgebildet und der Deutsche Staat hat vor Jahrzehnten in mich investiert. Und mich später veranlasst, mein Business zu exportieren, weil ich schlichtweg die Beiträge nicht mehr zahlen konnte und auch noch vor das Sozialgericht gezerrt werden sollte (hinterher bekam ich aber sogar noch Geld zurück).

    Muss es soweit kommen, dass nicht nur Know How sondern gleich dazu die Experten und ihr ganzes Vermögen abwandern ? In Deutschland suchen Firmen händeringend für bestimmte Dienstleistungen, welche heutzutage jederzeit von irgendwo auf der Welt übers Internet geleistet werden können, Experten.

    Die Preise steigen und der Standort Deutschland trocknet aus.

    Großen Dank für dieses Eigentor und diese „grandiose strategische Leistung“ an die deutschen Politiker der letzten 10 Jahre, die nicht von A nach B denken konnten und können.

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  16. Lars schreibt:

    Gut wären Informationen welches Ausland sich am meisten lohnt / am einfachsten ist.
    Neben dem „ich will die Welt sehen“ oder „Ich will es warm haben mit Strand“ gibt es doch bestimmt auch andere Gründe die für das ein oder andere Land sprechen.
    Für die meisten ist Neben Österreich und Schweiz auch das englischsprachige Ausland interessant.

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    1. oskar schreibt:

      @Lars, wenn Dir nur Strand wichtig ist, gibt es die E-Resident von Estland. Damit Du in Deutschland nicht Sozialversicherungspflichtig bist, darfst Du Dich nicht in Deutschland beim Erbringen der Leistung aufhalten. Steuerrechtlich müsste wahrscheinlich die 180 Tage Regel gelten. Gilt übrigens für fast jeden Firmensitz innerhalb der EU. Sicherheitshalber solltest Du die jeweiligen Steuer- und Sozialversicherungsabkommen überprüfen. Mit der E-Resident hast Du eine kleine Kapitalgesellschaft in Estland. Mit der Du auch an Ausschreibungsverfahren von deutschen Behörden teilnehmen darfst. Die Gründungskosten sind günstiger, als in Deutschland die Notargebühren für eine GmbH. Du erhältst eine Box, mit der Du alle Geschäfte digital verschlüsselt und rechtssicher von jedem Ort der Erde ausüben kannst. In Estland selbst musst Du einmal einreisen um ein Konto zu eröffnen. Ich selbst habe es nicht getestet, beziehe mich auf einen WiWo Artikel. Estland gilt in diesem Bereich, selbst in USA und Kanada als vorbildlich. Alternative gibt es noch die engl. Kanalinseln. Jedoch muss die Buchhaltung nach IAS/IFRS erfolgen, was die operativen Gebühren wiederum erhöht. Nur UK in Zeiten des Brexit?
      Bei den anderen Ländern ist es von Deiner Branche und der Nähe zu Deinem Kunden abhängig. Wirkliche Steuerparadiese sind bspw. Luxemburg oder Österreich nicht. Jedoch ist die Politik deutlich wohlwollender zu uns Selbstständigen. In Luxemburg hast Du vielleicht sogar sehr hohe Mieten. Briefkästen gibt es in der Form seit 20ig Jahren nicht mehr. Zumindest für Luxemburg muss ein Büro betrieben werden. Irland, Schweiz (Einwanderungsgesetz), Niederlande, Frankreich (Startup Förderungen) habe ich mich bis nicht beschäftigt. Luxemburg hat eine Ampel unter Führung der Sozialisten und ist trotzdem wirtschaftsfreundlicher als die Union in Deutschland. Sinnvoll für meine Ideen sind Luxemburg oder Estland. Wobei Estland wahrscheinlich mit Abstand das einfachste und günstiges Modell ist. https://e-resident.gov.ee/

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      1. Andreas Lutz schreibt:

        Unser Ziel beim VGSD ist NICHT, IT-Selbstständige dazu zu bewegen, auszuwandern. Unser Ziel ist, endlich wieder Rechtssicherheit herzustellen. Lasst uns mit diesem Ziel weiter Druck aufbauen.
        Die Kommentare hier zeigen aber, dass die Gefahr eines Brain-Drain sehr real ist. Immer häufiger lese ich in der Signatur von E-Mails insbesondere Schweizer Adressen.
        Demnächst kann ich dann Dienstreisen an den Zuger See machen, um unsere Mitglieder zu besuchen.
        Das ist traurig, denn der deutsche Staat hat uns unsere Ausbildung bezahlt und ins uns investiert.
        Es muss aber damit Schluss sein, dass er unsere freie Berufswahl einschränkt, uns unsere Selbstständigkeit abspricht und uns in Leiharbeit drängt.

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        1. oskar schreibt:

          Andreas Du hast recht und ich danke Dir für Deinen Einsatz. Jedoch in Deutschland arbeiten und dann vielleicht rückwirkend auf vier Jahre teuer abgewickelt zu werden ist nicht der Sinn von Arbeiten und erst gar nicht die eines nachhaltigen Unternehmertums. Leider wiederholt sich die Geschichte die irgendwann im 17. Jahrhundert mit der Religionsfreiheit (Amish), über Monarchen, Hungersnöte, 1848er, Kriege, Wirtschaftskrisen, Diktatoren zu heutigen Politikern und Gewerkschaftlern, die die Digitalisierung nicht verstehen. Wir verlassen das Land nicht als Entdecker oder Abenteurer, sondern weil wir frei und selbst bestimmt arbeiten möchten. Zeitarbeit oder ANÜ bis vielleicht mal was geregelt ist, kommt nicht infrage.

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        2. tim schreibt:

          Andreas, für mich ist es Standortwettbewerb. Der vielleicht einige „Betonköpfe“ zum Umdenken zwingt. Selbst begreife ich mich grenznah als Europäer.

          Bildungs- und Standortwettbewerb gibt es auch innerhalb von Deutschland. Als Rheinland-Pfälzer habe ich oft erlebt, wie selbstverständlich (fast schon arrogant) die umliegenden Industrieländer, den Bildungsoutput des eher mittelständig geprägten Rheinland-Pfalz angesehen haben. Gerade hier wird die Digitalisierung weltweit für eine Verschiebung von Märkten und Arbeiten sorgen. Für viele ländliche Regionen ist Digitalisierung eher eine Chance als ein Risiko.

          Was die staatliche Bildung angeht, die finde ich für meinen Beruf im europäischen Vergleich mittelmäßig. Vielleicht liegt es an meinen zweiten Bildungsweg. Jedenfalls habe ich seit meinen Erststudium, selbst sehr viel Zeit und Geld für zusätzliche Qualifikationen (u. a. engl. Sprachkurse) investiert. Diese Investitionen müssen sich amortisieren. Als Angestellter in Deutschland werden sich diese Investitionen kaum rechnen. Vielleicht haben die Lehrer, Politikwissenschaftler oder Juristen in der Politik dort eine wesentlich bessere Quote aus Investition in Zeit und späteren Einkommen. Rotterdam, Amsterdam, Luxemburg, Brüssel, Paris sind für mich näher als Berlin. Natürlich bin ich gern zu Hause in der Eifel. Z. B. ist Luxemburg ist für mich landschaftlich und kulturell (Sprache) wesentlich näher als Berlin, München oder Hamburg. Deutschland kann für mich fremder als das sogenannte europäische Ausland sein. Wenn mir dieses Land nicht den europäischen Traum erfüllen möchte, muss ich diesen woanders suchen!!!! Zumindest habe ich als Unternehmer versucht Deutschland was zurückzugeben. Es liegt nicht an uns, es liegt an den Rahmenbedingungen.

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        3. Nils schreibt:

          Wie können wir denn tatsächlich Druck aufbauen, wenn unsere Belange der Politik egal sind? Ich denke Auswandern ist da die pragmatischere Lösung.

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          1. Ulrich schreibt:

            Eine Alternative zur Auswanderung wäre es sicherlich, wenn wir alle der Regierung einen zeitnahen Vorgeschmack auf deren Politik geben und alle Projekte der öffentlichen Hand gemeinsam boykottieren. Ich für meinen Teil habe bereits damit begonnen, alle entsprechenden Projektanfragen kategorisch abzulehnen. Sollen sie doch zusehen, woher sie Ihre Fachkräfte herbekommen.

          2. Nils schreibt:

            Ulrich:
            Ich habe in letzter Zeit keine Anfragen aus dem öffentlichen Sektor bekommen. Wenn ich Anfragen bekomme kommen diese meistens über Recruiter (ein anderes großes Problem), lehne ich ein Projekt ab dann dringen die Gründe dafür mit Sicherheit nicht bis zur Behördenspitze vor.

            Es wäre vielleicht eine Überlegung wert ob man eine Klage anstreben könnte gegen die Gesetze an sich da sie eigentlich gegen die Vertragsfreiheit und Freiheit der Berufsausübung verstoßen, ich vermute allerdings dass das Verfassungsgericht generell die Meinung der Politiker teilt dass die Bürger unmündig sind. Die Autoren des Grundgesetzes hatten sicher ähnliche Gedanken, wenn auch aus anderen Gründen.

          3. heidi schreibt:

            Leider ist auswandern mittlerweile die einfachste vielleicht die letzte Möglichkeit. Dank der EU muss es noch nicht mal auf andere Kontinente gehen. Wie die aktuellen Beispiele in Klima, Rente und im Umgang mit dem Internet zeigen. Beide Parteien scheinen resident gegen die Meinung der Straße zu sein. Unternehmen, die sich nicht ihren Kunden öffnen, werden vom Markt verschwinden. Die SPD sollte nach Frankreich schauen und AKK hat die Union selbst als letztes Einhorn in Europa bezeichnet. Wo bleibt ihr der Mut für mehr Zukunft? Mehr Selbstständigkeit?

  17. Stefan Klatt schreibt:

    Unsere Regierung lebt in ihrer eigenen Bubble. Alles außerhalb dieser kleinen Welt kann und darf nicht sein.
    Das merkt man an viele Themen wie Scheinselbständigkeit, Unkrautvernichter, Urheberrecht, technische Infrastrukturen, usw. die Liste lässt sich noch weit fortführen.
    Ich denke es würde hier schon viel bringen wenn die Politiker die Realität sehen und verstehen (!) würden.

    Leider wird auch immer wieder die ANÜ Gesetzgebung mit Scheinselbständigkeit vermischt. Speziell einige Anwälte werfen alles durcheinander und beraten ihre Kunden falsch. Das Ergebnis sieht man bei vielen Firmen: Auf einmal werden (fast) alle Selbständigen vor die Tür gesetzt.

    Ich wünsche mir auch Rechtssicherheit zum Thema Selbständigkeit bzw. als Freelancer. Neben der Stabilität der Kundenbeziehungen und damit der Aufträge wäre einer der Nebeneffekte, dass die Ausgaben um nicht als Scheinselbständig zu gelten wegfallen bzw. sich reduzieren würden.

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  18. Jens schreibt:

    Die Abwanderung der Freelancer ins Ausland kann aber auch keine dauerhafte Lösung sein.
    Wenn wir uns mal an die Telko mit Dr. Hartmut Paul erinnern, so wissen wir, dass das den Freelancer vor der Feststellung einer arbeitnehmerähnlichen Selbständigkeit schützt. Trotzdem kann beim Auftraggeber bei Erfüllung der Verdachtsmomente für die Beauftragung dieses ausländischen Freelancers die Scheinselbständigkeit festgestellt werden. Also wird dieser Auftraggeber in Zukunft eher auf ANÜ gehen oder Kaptalgesellschaften beauftragen.
    Die kurzeitige Problemlösung des Freelancers führt also eher nicht zu einer dauerhaften Gesamtlösung.
    Deshalb stehen wir wieder bei der Ausgangsforderung: wir brauchen Rechtssicherheit!!!

    Es ist schon erschreckend zu erkennen, mit wieviel Ignoranz unsere Regierenden diesem Thema begegnen. Andreas hat ja oben geschrieben, dass selbst ein Brandbrief namhafter Unternehmen ebenso verpufft wie die Teilnahme des VGSD und des BAGSV an entsprechenden Fachsitzungen.
    Unsere Damen und Herren Politiker sollten sich einmal bewusst machen, dass ihre üppigen Diäten aus Steuermitteln finanziert werden, zu denen auch die verfolgten Freelancer durch entsprechende Steuerzahlungen beigetragen haben. Jeder Bürger dieses Landes kann also mit Recht erwarten, dass die gewählten Politiker die Interessen eines jeden Einzelnen zu vertreten hat. Aber genau das tun sie nicht.

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    1. oskar schreibt:

      Jens, das ist teilweise richtig. Im Ausland gibt es in vielen Ländern Bürgerversicherungen, solange die Leistung im Sinne der entsprechenden Abkommen erfolgt, hat die DRV keine Eingriffsmöglichkeit. Viele Modelle basieren auf kleinen Kapitalgesellschaften. Richtig ist, wenn die Leistung zu lange in Deutschland Vorort erfolgt, dann besteht nach wie vor Rechtsunsicherheit. Z. B. ein Entwickler der Vorort Verhandlungen oder kurz Analysen, Wartungen, Installationen ausführt, ist unkritisch. Ein Softwareentwickler der Vorort im Team lange mitarbeitet, hat weiterhin Rechtsunsicherheit. Für die Rechtssicherheit im Ausland Gründen heißt, außerhalb Deutschlands die Leistung zu erstellen.

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  19. Matthias schreibt:

    Hi, Andreas!
    Vielleicht habe ich es übersehen:
    Habe ich den Link zum Originaldokument (Auswertung der Umfrage) übersehen?
    Danke!

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  20. Zafer schreibt:

    Leider kenne ich die ausländischen Märkte (vor allem USA) nicht so gut. Ich recherchiere momentan. Sobald ich weiß, wie der Hase läuft und eine Möglichkeit finde, an IT Projekte in den USA zu kommen, bin ich weg, samt Familie. Solange die Politik weiter die Grundlage der Freelancer und den technologischen Fortschritt zerstört, sehe ich langfristig in Deutschland keine Zukunft.

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    2. Nils schreibt:

      Ein Visum in den USA zu erhalten gestaltet sich eher schwer, da bliebe also nur die Remote Arbeit.

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      1. helmut schreibt:

        Das stimmt, vor allem USA u. Kanada verlangen von Selbstständiger die Bestätigung oder Vorlage von Kapital. Allerdings mit Arbeitsvertrag eines Unternehmens sollte es einfacher sein. Zumindest habe ich bislang noch nicht gehört, dass es ein großes Problem war. Bei Expertise sind die klassischen Einwanderungsländer sehr viel flexibler als Deutschland.

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        1. Nils schreibt:

          Ich habe das einmal nachgeforscht, die H1B Visa in den USA sind nicht sonderlich attraktiv und leider auch stark limitert. Vergleiche ich das mit Leuten die ich hier in der EU getroffen habe die zugewandert sind sind die Prozesse tatsächlich einfacher gewesen und die Anforderungen niedriger. Diese Seite sieht man natürlich als EU / Schengen Bürger eher wenig.

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          1. helmut schreibt:

            Bei meinen Bekannten hatte der zukünftige Arbeitgeber alles organisiert. Der Aufenthalt war begrenzt. Zumindest gewinnt man so, Erfahrungen und Zeit und muss nicht mit der Erniedrigung der Festanstellung in Deutschland leben. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Persönlich finde Ausland für den Notfall immer noch besser als unzufrieden in Deutschland zu bleiben.

  21. hans schreibt:

    Generell scheint die Groko wenig Herzblut, für Gründer und Selbstständige zu haben. Fühle mich langsam von der Werbung der Union Mittelstandspolitik verschaukelt. Ich bereue von Tag zu Tag mehr dieser Partei meine Erststimme geben zu haben. Wo bleibt die Mittelstandsförderung? China setzt übrigens auf beides, kleine Startup’s (u. a. Soloselbstständige) und große Unternehmen.
    https://www.wiwo.de/politik/deutschland/delegationsreisen-cdu-ministerien-verschmaehen-mittelstaendler/24134158.html

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    1. Nils schreibt:

      Klar alles was nicht in einem Arbeitgeberverband oder einer Gewerkschaft organisiert ist existiert nicht für die CDUSPD.

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  22. Horst Kevin schreibt:

    Bin ein Senior IT-Linux System Engineer + Architect im Bereich Automation im DevOps Rahmen. Durch meine Englischkenntnisse und Auslandserfahrungen fehlen mir jegliche Ängste auszuwandern…

    Habe bereits mich bzgl. einer eigenen Firma in NL und in AT ausgiebig erkundigt und bereits notwendige Kontakte geknüpft. Sobald es hier unmöglich wird, habe ich 2 Schleudersitze zur Auswahl.

    Ich habe keinerlei Skrupel dieses Land wirtschaftlich und auch privat hinter mir zu lassen. Zumal in AT jede zweite MINT Stelle nicht besetzt werden kann.

    Kleingeist- und Mitläufertum scheint ein Teil der hiesigen Mentalität zu sein … bei den Politikern schlägt meinungsflexible, opportunistische und stärkehaltige Rhetorik bei der Bevölkerung sauer auf. Aber dies ist der allgegenwärtige gesellschaftliche Spiegel des Volkes. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel.

    Goodbye DE!

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  23. Horst Kevin schreibt:

    P.S.: Es ist eben ein schmaler Grat zwischen: Wie dezimieren wir die vielen Menschen auf der Welt und wie fliegt uns dabei das Sozialsystem nicht um die Ohren in 30 Jahren.

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