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Warum bist du selbstständig? - Alexandra Graßler, Unternehmensberaterin "Ich eigne mich nicht als Angestellte"

Alexandra Graßler ist Unternehmensberaterin und liebt es, ihr Wissen mit anderen Menschen zu teilen. Ihr Ansatz: Wissen ist zum Teilen und nicht zum Draufsitzen da.  Bereits mit 24 war sie selbstständig. Nach einem Burnout mit Mitte 20 hat sie gelernt, mehr auf sich selbst zu achten. Mit 30 war sie an der Universität angestellt, aber das Unternehmertum hat sie nie losgelassen: Heute ist sie wieder in Vollzeit selbstständig und hat eine eigene Schule aufgebaut, eine Social-Media-Akademie.

Alexandra Graßler liebt es, Neues zu lernen und anderen davon zu erzählen. Dazu passt der Name ihres Unternehmens ganz gut: die WissensAgentur.

Motto in der Selbstständigkeit: Aufgeben gilt nicht

Ich bin Alexandra Graßler. Meine WissensAgentur gibt es nun schon seit über 25 Jahren! 1995 habe ich angefangen, selbständig zu arbeiten, ich biete  Unterricht, Coachings und viel Idealismus. Auf meinem weiteren Weg bin ich allerdings oft gescheitert, hingefallen und wieder aufgestanden, obwohl ich manchmal am liebsten liegengeblieben wäre.

Meine Güte, wer hätte das gedacht, dass ich das tatsächlich mal so lange schaffe! In der momentanen Situation ist es zwar wirklich nicht einfach, da so viele Vorträge, Seminare und Workshops gecancelt sind. Doch: Aufgeben gilt nicht! Das war immer mein Motto.

Unterrichten ist mein Leben

In meinen Unterrichtsjahren an einer Berufsfachschule für kaufmännische Ausbildungen, die ich wirklich geliebt habe, sind über 1.000 Schüler und Schülerinnen durch meine Klassen gegangen.

In meinen Hoch-Zeiten habe ich sieben verschiedene Fächer gelehrt, pro Woche 35 Wochenstunden unterrichtet, die Hälfte vom Bürokram der Schule erledigt (- wer schon mal mit dem Arbeitsamt, der BfA und Konsorten zu tun hatte, weiß genau, wovon ich rede…), und daheim dann noch die Unterrichtsplanung und -gestaltung gemacht. Es war keine Seltenheit, dass ich erst um 3 Uhr morgens den Stoff für den nächsten Tag fertig hatte.

Doch es war mir egal. Ich hatte so eine Freude daran, Wissen zu vermitteln und damit Menschen etwas in die Hand zu geben, mit dem sie ihr eigenes Leben auf stabile Beine stellen können.

Die eigene Kraft ist nicht unerschöpflich

Allerdings ließ die Quittung für diesen Raubbau an mir selbst nicht lange auf sich warten. Ich werde nie vergessen, wie ich mitten im Buchführungsunterricht (mein Lieblingsfach) gerade das Thema Abschreibung erläuterte - und ich mitten im Satz umgefallen bin. Stecker gezogen, Licht aus.

Meine Schüler und Schülerinnen haben mich eigenhändig einen Stock höher getragen - da war praktischerweise eine Tagesklinik untergebracht. Dort wurde ich wieder aufgepäppelt.

Heute sehe ich es als Glück an, dass mir das schon Mitte 20 passiert ist. Denn dieser frühe Burnout hat mich gelehrt, dass meine eigene Kraft immer die wichtigste sein muss, wenn ich etwas geben möchte.

Hinfallen muss man auch können

Mit 30 entschied ich dann, ich hör auf und mach nur noch mein eigenes Ding. Durch meine Kontakte mit vielen Firmen, bei denen Schüler und Schülerinnen Praktika machten, hatte ich mir einen zukünftigen Kundenkreis aufbauen können. Das ließ sich dann auch erst mal gut an, doch aufgrund privater Krisen bin ich ein tiefes Loch gestürzt. Da war nix mehr mit Arbeiten. Eine düstere Zeit.

Da man als Selbständige seine eigene Absicherung ist, sind meine Reserven dann auch erst mal bis auf 0 geschrumpft. Da war guter Rat teuer. Ich biss in den sauren Apfel und musste mir  vorübergehend wieder eine feste Stelle suchen. Das habe ich auch gemacht und bin in der Universität gelandet.

Der Körper ist weise

Allerdings dauerte es nicht lang, bis ich krank wurde. Genau sechs Monate ging es gut. Mir wurde gesagt, ich solle nicht so schnell arbeiten, das sei hier nicht üblich (kein Scherz!). Das Hauptgesprächsthema in den Büros war die letzte Folge von "Deutschland sucht den Superstar" und was die Zicke aus dem Nebenbüro wieder für komische Klamotten anhat. Ich dachte anfangs echt, ich bin im falschen Film. So, als ob jemand gleich sagt, „Klappe, danke, diese Filmsequenz müssen wir nochmal wiederholen.“

Doch nein, ich war im richtigen Leben angelangt. Hier hatte man Autoritäten noch entsprechend zu würdigen und man legte einem Professor nicht einfach das Telefon auf, wenn er einen in völlig ungerechtfertigter Weise anbrüllte. Als mir das mal so ging, sagte ich dem Herrn am anderen Ende freundlich und sehr bestimmt, wenn er sich beruhigt habe und seine guten Manieren samt Kinderstube wieder gefunden hätte, könne er sich gern wieder melden. Meine Kollegin, die im Zimmer saß, ist fast vom Stuhl gefallen.

Selbständig gearbeitet habe ich in dieser Zeit nach wie vor. Ich hatte nach kurzer Zeit wieder 60 bis 70 Stundenwochen. Damit war klar, dass ich wieder mein eigenes Ding machen kann. Das habe ich dann auch gemacht.

Ich will meine eigene Herrin sein

Für mich war immer klar, ich eigne mich nicht als Angestellte. Ich bin das, was man im Englischen "unemployable" nennt, im Deutschen etwa "nicht anstellbar" - was sich natürlich in keiner Weise so elegant wie im Englischen anhört.

Ich wollte immer meine eigene Herrin über meine Zeit und mein Tun sein. Selbst entscheiden zu können, was ich für ein Projekt mache und mit welchen Kunden und Kundinnen ich arbeite. Diese Freiheit ist mein innerer Treiber. Und ich bin so sehr dankbar dafür, dass das tatsächlich immer noch funktioniert.

Es funktioniert jedoch auch nur, weil ich großartige Kunden habe. In meinen Seminaren sag ich oft, dass ich so ein Glück habe, weil ich immer die besten Teilnehmer und Teilnehmerinnen habe. Und das ist kein Spruch, sondern das ist wirklich jedes Mal so. Ich hab die Chance, wunderbare Menschen kennenzulernen und ihnen dann auch noch etwas mitgeben zu dürfen.

Mein Ansatz: Ermächtigen und Ermutigen

Ermutigen und ermächtigen. Mit diesen beiden Worten möchte ich meine Philosophie des Lehrens zusammenfassen. Das ist es, was mir am Herzen liegt.

Jemand, der nach meinem Kurs mehr Mut hat, sich in sein Thema zu stürzen, eine klare Vorstellung davon hat, wie er oder sie das im Leben umsetzen kann, über sich gelernt hat, dass sich das schaffen lässt und mit Freude aus dem Kurs oder der Beratung geht, ist das größte Geschenk für mich. Ich bin immer nur so gut wie meine Schüler und Schülerinnen bzw. die Teilnehmenden es umsetzen können. Das war schon so, als ich als Lehrerin gestartet bin, und ist immer noch so, wenn ich heute über meine Angebote nachdenke.

Der Reflex: Wem kann ich davon erzählen?

Im Laufe der Jahre hab ich mir viel Wissen aneignen können und ich liebe es einfach, Neues zu lernen. Der nächste Reflex ist dann immer “Oh, wem kann ich davon erzählen?”. So entstehen viele meiner Vortrags- und Seminarthemen. Ich stolpere über interessante Themen in meinem Bereich und bereite sie auf, so dass noch viel mehr davon profitieren können.

Ich finde, dass Wissen zum Teilen da ist und nicht zum Draufsitzen. Wenn wir Wissen teilen, wird es immer mehr. Denn mehr Menschen tragen etwas dazu bei, bringen neue Gedanken ins Spiel und erweitern das, was es am Anfang war. Ist das nicht einfach nur großartig? Und ich darf Teil von solchen Prozessen sein.

Nur durch andere können wir Erfolg haben

Damit meine Leistungen und Angebote auch in die Welt finden, habe ich das große Glück, dass mich viele meiner Kunden und Kundinnen weiter empfehlen. Was für ein Kompliment ich dadurch bekomme, über das ich mich immer wieder freue.

Der zweite Weg, um Sichtbarkeit zu haben, ist in diesen Zeiten natürlich das Internet. Ohne die tatkräftige Unterstützung von meiner inzwischen langjährigen Webmasterin Nicole Jodeleit würde das nicht funktionieren. Sie ist einfach die Beste in ihrem Fach und ich kann sie mehr als 100 Prozent weiterempfehlen.

Niemand von uns kann ohne andere überhaupt selbständig sein. Ohne dass wir Kunden und Kundinnen haben, die sich uns anvertrauen und uns zutrauen, dass wir helfen und unterstützen können. Ohne Dienstleister, die uns ermöglichen, dass wir unsere Produkte und Leistungen anbieten können. In meinem Fall sind das auch Bildungsträger, die mich als Dozentin engagieren, im Vertrauen, dass ich ihren Teilnehmenden auch was Wertvolles beibringen werde. Ich hatte das Glück, schon für die Hochschule OTH Regensburg und die Universität FAU in Nürnberg als Dozentin tätig werden zu dürfen. Die katholische Akademie hier in Regensburg, aus langjähriger Tradition auch die VHS Passau, das Seminarhaus Weisses Haus bei Deggendorf und viele weitere Bildungsträger lassen mich auf Ihre Schüler und Schülerinnen los.

Der Traum von der eigenen Schule

Eine eigene Schule war immer mein Traum und den hab ich mir mit der Social Media Marketing Akademie hier in Regensburg erfüllt. Ein Jahreskurs, der immer eine kleine und sehr feine Runde mit den besten Teilnehmern und Teilnehmerinnen überhaupt ist. Im Laufe dieser ganzen Jahren hatte ich inzwischen die Möglichkeit, das Leben von Tausenden von Teilnehmern und Teilnehmerinnen, Coaching-Klienten und -Klientinnen sowie Zuhörenden zu beeinflussen.

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es noch viele weitere Tausende von Menschen sein werden in den nächsten 25 Jahren.

Was mir am Herzen liegt

Ich glaube daran, dass es elementar wichtig ist, das zu lieben, was man tut und damit auch die Menschen wertzuschätzen, die einen damit beauftragen, Veränderungen zu bewirken.

Es ist eine große Verantwortung für uns Beratende und ich wünsche mir, dass diese Achtsamkeit noch viel mehr ins Geschäftsleben hineinfließt: Dass die Härte abnimmt und der starre Blick auf den Kommerz. Es sind die Menschen, die zählen, sie schaffen die Werte. Das sollten wir nie vergessen.

Anmerkung:

Unsere Aktion "Warum bist du selbstständig?" stieß bei euch auf eine große Resonanz, worüber wir uns sehr freuen. Dabei haben wir deutlich mehr Zuschriften bekommen als wir erhofft haben. Wir bedanken uns herzlich bei euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns eure Geschichte zu teilen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, haben wir bereits eine Reihe von Warum-Geschichten veröffentlicht. Die Geschichten, die wir auswählen, zeigen immer neue Aspekte und Gründe für eure Selbstständigkeit: Seid ihr Unternehmer, weil eurer Kreativität in dieser Berufsform keine Grenzen gesetzt sind, weil die Freiheit durch eine Selbstständigkeit unbezahlbar ist - oder warum? Wir möchten mit der Auswahl der Geschichten der Vielfalt an Gründen für eine Selbstständigkeit Rechnung tragen und diese Bandbreite aufzeigen. Wir bitten daher um euer Verständnis, wenn wir deshalb nicht jede Geschichte veröffentlichen können, hoffen aber, euch durch immer neue Ansichten inspirieren zu können.

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