Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Warum bist du selbstständig? – Eva Stiekema: „Wunderbar und erfüllend, Mutter und Unternehmerin zu sein“

Eva Stiekema ist eine echte Powerfrau: Vor acht  Jahren gründete sie ihre Übersetzungsagentur „Linguavision“ und hat ein Netzwerk für selbstständige Mamas aufgebaut, Foto: privat

Warum um alles in der Welt hast du dich selbstständig gemacht? Was beglückt dich in deinem Business, was treibt dich an? Warum bist du trotz aller Hindernisse Unternehmerin oder Unternehmer – und willst es auch bleiben?

Das haben wir euch gefragt und viele Zuschriften bekommen. Heute stellen wir Eva Stiekemas Geschichte vor. Eva ist seit fast zehn Jahren selbstständig und hat eine eigene Übersetzungsagentur.

 

Mein Name ist Eva Stiekema und ich bin seit acht Jahren selbständig mit meiner weltweit arbeitenden Übersetzungsagentur „Linguavision“ sowie seit fünf Jahren mit einem Netzwerk für Mütter – „New Work Moms“.

Ich habe mich 2012 selbständig gemacht, da ich die alte, hierarchische und starre Arbeitswelt als Angestellte irgendwann einfach nicht mehr ertragen konnte. Es war das Gegenteil von allem, was ich jemals wollte: Freiheit, Kreativität, Flexibilität, Authentizität und Sinn.

Bevor ich mich selbständig gemacht habe, war ich circa zehn Jahre angestellt. Ich fand meine Kolleginnen und Kollegen immer großartig, wir hatten so viel Spaß zusammen und ich liebte es, in einem Team an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Mit den Chefs allerdings kam ich häufig nicht klar, ich hasste die Hierarchien und Machtkämpfe. Es fühlte sich für mich an, als würde ich ständig gegen eine Betonwand laufen. Es war eine Einbahnstraße und ich wusste, dass es nur einen Ausweg gab – ich musste mich selbstständig machen. Ich persönlich habe die Selbständigkeit immer als optimale Möglichkeit gesehen, um mich selbst zu verwirklichen. Denn: Ich glaube, dass du in keinem Unternehmen der Welt deine Talente und Fähigkeiten so optimal einsetzen kannst, als wenn du es selbst gestaltest.

 

Das Unternehmertum liegt in der Familie

Nachdem ich meinen letzten Job als Angestellte gekündigt hatte, fühlte ich mich erleichtert und frei, aber ich hatte auch Angst. Denn es kam noch eine Herausforderung hinzu: Ich wurde Mutter. Diese Zeit war wirklich schwierig und finanziell instabil. Ich glaube, es war die herausforderndste Zeit in meinem Leben. Ein Baby zu haben und selbständig zu sein, war extrem hart. Wir bekamen jede erdenkliche Krankheit aus dem Kindergarten. Aber ich hatte einen Traum und wollte ihn verfolgen, ohne mich entmutigen zu lassen. Ich wollte eine selbständige Mutter sein. Ich wollte selbstbestimmt arbeiten und ein erfolgreiches Unternehmen mit gutem Umsatz aufbauen, um unsere Familie zu ernähren.

Ich wusste schon immer, dass die Selbständigkeit das Richtige für mich ist. Ich stamme aus einer Familie mit vielen Selbständigen. Mein Vater hat sich im Alter von 50 Jahren mit Qualitätsmanagement in Bäckereien selbstständig gemacht, nachdem er sein ganzes bisheriges Leben in einem Chemiebetrieb gearbeitet hatte. Sein Vater hat das Rezept für eine berühmte Schokolade in Deutschland erfunden, die er später an einen großen Konzern verkaufte. Sein Opa verkaufte Wellensittiche in die USA für einen Dollar pro Stück. Meine Großeltern mütterlicherseits hatten einen Lebensmittelladen und eine Bäckerei im Nachkriegsdeutschland. Seit Generationen sind wir die Art von Menschen gewesen, die es lieben, Unternehmen aufzubauen und völlig neue Bereiche auszuprobieren.

 

Digitale Welt: Du kannst alles machen, sein und verkaufen

Als Selbständige hat man so viele Möglichkeiten – und ich denke, in unserem digitalen Zeitalter stehen uns wirklich alle Türen offen. Unsere Eltern oder Großeltern hätten von Online-Shops, Social Media und Smartphones nur träumen können. In der digitalen Welt von heute haben wir keine Ausrede mehr. Du kannst alles machen, alles sein und alles verkaufen. Aber du musst den Mut haben, es zu versuchen. Und du brauchst ein Netzwerk. Als selbständige Mutter wollte ich Gleichgesinnte finden, denn ich fühlte mich ein wenig einsam. Daher machte ich mich auf die Suche nach Müttern in der gleichen Situation wie ich, die Babys oder kleine Kinder hatten und ebenfalls selbständig waren. Ich gründete mein eigenes Netzwerk, die New Work Moms. Wir sind derzeit etwa 1000 Mütter und treffen uns regelmäßig online und offline zu Meetups, Konferenzen und Masterminds.

 

Kind und Karriere – dafür zu kämpfen, lohnt sich

In meiner Selbständigkeit passierten mir in der Tat Dinge, die ich mir vorher nie hätte träumen lassen. Kurz bevor meine Tochter ihren ersten Geburtstag feiern sollte, bekam ich eine ominöse E-Mail von einer Firma, die mich fragte, ob ich bereit wäre, für einen Workshop in die Vereinigten Staaten zu reisen, um für eine sehr renommierte Firma im Silicon Valley zu übersetzen. Ich traute meinen Augen nicht, als ich diese einzigartige Gelegenheit vor mir sah, aber ich war auch ängstlich und verwirrt über meinen nächsten Schritt. Ich sollte für drei Wochen zu einem Übersetzerprojekt nach Kalifornien reisen, wenn meine Tochter ihren ersten Geburtstag haben würde. Mir brach das Herz. Konnte ich mein Kind für die Karrierechance meines Lebens zurücklassen?

Ich beschloss, dass ich das nicht tun konnte, aber ich war bereit, zu kämpfen. Am nächsten Tag rief ich den Kunden an und fragte, ob es eine Möglichkeit gäbe, meine Familie mitzunehmen. Der Kunde stimmte zu und wir stiegen für drei Wochen ins Flugzeug nach San Francisco. Trotz viel Arbeit feierte ich mit meiner Tochter ihren ersten Geburtstag zusammen am Strand von Kalifornien. Was für ein Durchbruch als selbständige Mutter!

 

Mein Rat an alle selbstbestimmten Mütter: Seid mutig!

Bis heute habe ich ein erfolgreiches Übersetzungsunternehmen aufgebaut und arbeite mit einem Netzwerk aus Tausenden von Übersetzern. Ich arbeite normalerweise nicht mehr als 30 Stunden pro Woche und arbeite für Kunden auf der ganzen Welt. Meine Tochter ist sieben Jahre alt und schon in der zweiten Klasse. Ich spüre, wie wunderbar und erfüllend es ist, gleichzeitig Mutter und Unternehmerin zu sein. Großartige Dinge sind mir in den letzten Jahren nur deshalb passiert, weil ich bereit war, Risiken einzugehen und ins kalte Wasser zu springen. Ich bin sehr dankbar dafür, wo ich heute stehe, und ich hätte es ohne meinen Mann, meine Familie, meine Freunde und mein Netzwerk nicht geschafft.

Aber ich weiß auch, dass ich selbst stark bin, und dass ich mir das alles mit viel Kraft und Mut selbst aufgebaut habe. Ich war in der Lage, mich meinen Ängsten zu stellen, Hindernisse zu überwinden, die mir im Weg standen, und das absolut Beste daraus zu machen. Ich habe noch viele Pläne für die Zukunft und mit meinem Unternehmerblut werde ich immer wieder Neues ausprobieren. Wenn du nicht weißt, ob du es auch schaffen kannst, als Mutter selbstbestimmt zu leben und zu arbeiten, dann kann ich nur sagen: „Spring! Stell dich deinen Ängsten, sei mutig, finde Gleichgesinnte und mach das, was du wirklich willst!“.

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