Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Warum bist du selbstständig? – Heike Müller, Vertriebstrainerin in Bäckereien und Konditoreien: „Ich brauche mich nicht verbiegen“

Endlich passten Beruf und Familie unter einen Hut, Foto: Martin Schmitz

Warum um alles in der Welt hast du dich selbstständig gemacht? Was beglückt dich in deinem Business, was treibt dich an? Wir suchen deine Geschichte: Warum bist du trotz aller Hindernisse Unternehmerin oder Unternehmer – und willst es auch bleiben? (Hier erfährst du mehr über unsere Aktion.)

 

Ich heiße Heike Müller, von Beruf bin ich Vertriebstrainerin in Bäckereien und Konditoreien. Hier ist meine Geschichte:

 

Der Arbeitgeber war unflexibel darin, die Familie zu berücksichtigen

Ich habe meine jetzige Selbstständigkeit begonnen als ich 37 Jahre alt war. Der Auslöser war damals die Geburt meines ersten Kindes. Mein Arbeitgeber, ein internationaler Kaffeeröster mit Sitz in Norddeutschland, war mit meinen Arbeitszeitvorschlägen, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen hätten, nicht einverstanden. Weitere Gründe waren, dass ich als Mutter von meiner Vorgesetzten nicht akzeptiert wurde und mich daraufhin entschied, das Arbeitsverhältnis zu kündigen, mich arbeitslos zu melden und sofort ein zweites Kind zu bekommen. Der Gedanke mit der Selbstständigkeit kam zu diesem Zeitpunkt erstmalig auf.

In der Zeit vor der Gründung trainierte ich bei Bäckerpartnern des Kaffeerösters in Deutschland, Österreich und in den Niederlanden. Dort ging es um Präsentation und Zusatzverkäufe. Auch für die Filialen meines Arbeitgebers war ich mit Training und Coaching im Einsatz, leitete Workshops zu Produkten und gab Seminare für Teamgeist und Zusammenarbeit.

 

Spaß im Job

Auf die Geschäftsidee kam ich damals, weil ich für mich erkannt habe, wieviel Spaß es mir macht, die anspruchsvollen Bäckerpartner meines Auftraggebers mit gut aufgemachten Inhalten authentisch und freundlich überzeugen zu können. Es ist jetzt 27 Jahre her, dass ich das erste Mal eine Bäckerei nicht als Kunde vor der Theke stehend besucht habe sondern beruflich bedingt hinter die Kulissen geschaut habe.

 

Ich hatte in der Selbstständigkeit durchaus auch mit Herausforderungen zu kämpfen, zum Beispiel war mir wichtig, nicht die Bestandskunden meines ehemaligen Arbeitgebers zu übernehmen, sondern neue Kunden zu finden, Kunden, die zu mir passen und ich zu ihnen. Ich schrieb Briefe, telefonierte und fuhr auch Bäckereien spontan zum Testkauf an, um mit den Entscheidern ins Gespräch zu kommen. Das war ein einsamer, langer und mühsamer Weg, den ich zu gehen hatte.

 

„Ich bin eine Impulsgeberin“

Trotz alledem bin ich selbstständig geblieben, weil ich meine „Work-Life-Balance“ selbst bestimmen und mir auch meine Kunden selbst aussuchen konnte. Den größten Erfolg meiner jetzigen Selbstständigkeit sehe ich darin, dass ich ausschließlich Stammkunden habe, mein treuester Kunde ist seit 2001 an meiner Seite und ich agiere in diesem Unternehmen etwa zwei bis vier Male im Monat. Meine Kunden arbeiten nach meinem Einsatz einige Jahre an den besprochenen Zielen weiter, um mich dann wieder begleitend zu beauftragen. Für diese Erfolge war entscheidend, dass ich stets loyal, zuverlässig, aufgeschlossen, neugierig, freundlich, tolerant, gewissenhaft, fleißig und kommunikativ bin. Denn egal, wie hoch die Emotionen kochen – die Kunden finden in und mit mir einen ruhenden Pol, einen festen Anker oder eine aktivierende Impulsgeberin.

 

Die Selbstständigkeit gibt mir die Bestätigung, dass Beruf und Familie sehr wohl miteinander einhergehen können, solange die eigene Organisation stimmt. Hätte ich im Vorfeld gewusst, wie viel persönliche Freiheit die Selbstständigkeit bedeuten kann, dann wäre ich schon viele Jahre vorher aus dem Angestelltenverhältnis ausgestiegen. Natürlich ist auch ein großes Maß an Selbstdisziplin notwendig, und auch das Eingestehen von Fehlern, an denen sich die eigene Weiterentwicklung abzeichnet.

 

„Selbstständige werden nicht immer fair behandelt“

Ohne mich würden meinen Kunden nicht nur neue Ideen und Impulse fehlen, sondern auch ein offenes Ohr und absolute Vertraulichkeit für alle Belange, Hilfe und Unterstützung für das Team, für die Verkaufsabläufe, Produktweitergabe und Hygieneumsetzung. Wirtschaft und Gesellschaft wären ärmer, weil ich mich als Vermittlerin zwischen Kunde und Bäckerei sehe und entsprechend danach situativ angepasst und stets wertschätzend handle. Oftmals wird immer nur eine Seite genau betrachtet, nicht aber das große Ganze, so, wie ich es handhabe.

 

Die Selbstständigen werden nicht immer fair behandelt, manchmal ärgere ich mich darüber, dass ich als praxisorientierte Einzelunternehmerin von Trainingsinstituten nicht ernst genommen bzw. überhaupt gesehen werde. Auch bin ich der Überzeugung, dass man/frau nicht jahrelang an einer Universität studiert haben muss, um anderen helfen zu können und erfolgreich zu sein.

 

„Selbst verantwortlich für meine Handlungen“

Trotzdem oder gerade deshalb war die Selbstständigkeit für mich die richtige Entscheidung, denn seit dem 28. Januar 2000 brauche ich mich nicht mehr für andere verbiegen und bin für meine Handlungen selber verantwortlich. Meine Preise für die Dienstleistungen sehe ich als Investition der Unternehmen an und habe mich noch nie unter Wert verkauft, lieber habe ich dann auf den Auftrag verzichtet. Als Angestellte wäre ich wahrscheinlich weniger zufrieden, weil mir dann Ziele vorgegeben würden, die meiner Erfahrung nach anders formuliert sein dürften. Außerdem wäre ich nicht so umfangreich vernetzt, sondern würde mich kommunikativ nur in meinem Umfeld bewegen und so Chancen der persönlichen Weiterentwicklung verpassen.

Wenn ich mich nicht selbstständig gemacht hätte, wäre ich heute entweder irgendwo festangestellt und möglicherweise ziemlich unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen oder aber ich würde eine Laufbahn in der Arbeitgebervertretung eingeschlagen haben.

 

Mentor suchen und dranbleiben!

Ich würde anderen trotz aller aktuellen Probleme empfehlen, sich selbstständig zu machen, wenn der Wunsch nach etwas Neuem, vielleicht auch Aufregendem, nach der eigenen Selbstverwirklichung, Gerechtigkeit und Flexibilität in der Brust flackert oder sogar schon brennt. Dafür sollte sich jede*r Selbstständige*r Zeit nehmen und eine ehrliche Auflistung von „Für und Wider“ machen und wenn das „Für“ überwiegt und ein gutes Gefühl auslöst, den Mut aufbringen, das Ganze anzugehen. Unbedingt erforderlich dabei ist aus meiner Sicht, sich Personen zu suchen, die auf diesem Weg begleitend zur Seite stehen, die motivieren und das „Dranbleiben“ unterstützen.

 

Wie ist es bei dir? Warum liebst du es, selbstständig zu sein? Warum war deine Gründung für dich die richtige Entscheidung? – Wir sind gespannt auf deine Geschichte! 

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