Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Warum bist du selbstständig? – Marianne Lohaus, Gesang- und Stimmbildnerin: „Was ich mit Herzblut mache, schaffe ich auch“

Marianne Lohaus hat sich mit 55 Jahren selbstständig gemacht. Foto: privat

Marianne Lohaus ist selbstständige Gesangs- und Stimmbildnerin. Bevor sie sich im Alter von 55 Jahren selbstständig gemacht hat, war sie 25 Jahre lang im öffentlichen Dienst tätig. Die Musik hat Marianne aber schon lange begleitet: Als sie 25 Jahre alt war, hat sie nebenberuflich eine Gesangsausbildung absolviert.

Im Beitrag erzählt Marianne, wie sie zu ihrer Selbstständigkeit kam und welche Karriereschritte sie 2007 und 2009 gemacht hat.

 

Ich heiße Marianne Lohaus, von Beruf bin ich Verwaltungsangestellte. Bereits im Alter von 25 Jahren habe ich auf Drängen von Chormitgliedern nebenberuflich noch eine klassische Gesangsausbildung begonnen und dann später auch Konzerte gesungen. Zu der Zeit lebte ich auf einem Bauernhof in einer Großfamilie.

Im Juni 2005 habe ich an einem internationalen Gesangswettbewerb für Laiensänger  in den Niederlanden, in Hilversum, teilgenommen. Dort habe ich als einzige Deutsche den ersten Platz von sechs möglichen erreicht. 8,4 Millionen Menschen haben dabei zugesehen.

 

25 Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet

In dieser Zeit hatte ich nach 25 Jahren im öffentlichen Dienst eine Anstellung als Buchhalterin und Allround-Kraft in einem Seniorenpflegeheim angenommen. Dort habe ich erfolgreich und mit viel Spaß mit Menschen in Gruppen gearbeitet, besonders  aber auch das Volksliedgut zur Freude der Bewohner wieder aufleben lassen. Ebenso habe ich dort einen ehrenamtlichen Helferkreis ins Leben gerufen, der die Betreuung besonders in den Nachmittagsstunden übernahm.

Hier wurde auch meine Tätigkeit von einem aus den Niederlanden angereisten Filmteam festgehalten und als Vorspann dann in den Aufzeichnungen für die Sendung im NCRV/ Una Voce Particolare  – ausgestrahlt. Dieser erfolgreichen Teilnahme an dem anfangs angesprochenen internationalen Wettbewerb, der leider von keinem deutschen Sender wahrgenommen wurde, verdanke ich meinen Glauben an mich, dass ich alles, was ich mit Herzblut mache, auch schaffen kann.

 

Mit 55 Jahren selbstständig gemacht

So habe ich am 31. Dezember 2006 meine sichere Tätigkeit als Buchhalterin in besagtem Seniorenheim gekündigt und mich nach einer kurzen arbeitslosen Zeit von fünf Monaten mit meiner neuen Tätigkeit als „Gesang – und Stimmbildnerin“  am 1. Juni 2007 mit 55 Jahren selbständig gemacht. Mittlerweile ist es 14 Jahre her, dass ich „Künstlerin“ vor dem Gesetz wurde und noch bis heute bin.

Ich unterrichtete unter anderem an privaten und öffentlichen Schulen und arbeitete dort mit vielen jungen Menschen. Mit meiner bis heute befreundeten und professionell arbeitenden Pianistin, die 1996 aus England nach Deutschland zog und in meiner Nähe wohnt, habe ich auch gemeinsame Coachings und Seminare erfolgreich veranstaltet.

 

Karriereschritte 2007 und 2009

Schon im Jahre 2007 eröffnete sich für mich in meiner Selbständigkeit dann eine weitere Tür: Ich wurde ganz zufällig (so wie alles in meinem Leben immer zu mir kam und ich niemals nach etwas suchen musste) zur überkonfessionellen, freien Trauerrednerin. Diese Tätigkeit ist zu meiner Lebensaufgabe geworden, hinter der ich durch meine vielfältige Erfahrung mit Menschen bis heute hundertprozentig stehen kann.

Meine Erfahrung aus meiner Tätigkeit, auch als Sterbebegleitung in besagtem Seniorenheim, der ich fast 10 Jahre lang nachgegangen bin, hatte mir dabei sehr geholfen. In der Selbständigkeit kann ich all meine bislang erworbenen Fähigkeiten ausleben und bin frei, so zu arbeiten, wie es mir mein „Herz“ sagt.

So habe ich im Jahre 2009 noch einen „Fröhlichen Singkreis“ gegründet, der mit fünf Sängerinnen begann und bis zum Eintritt der Pandemie etwa 27 Menschen zum Singen vereinte, die sich ein Mal wöchentlich im evangelischen Gemeindehaus mit viel Freude trafen. Diesen Menschen fehlt das gemeinsame Singen so sehr.

 

Kein Verständnis der Politik für die Selbstständigen

Die Selbstständigen, hier insbesondere die Soloselbstständigen, zu denen ich auch gehöre, werden jetzt, in der Zeit der Corona – Pandemie, nicht fair behandelt bzw. überhaupt in ihrer Situation nicht richtig wahrgenommen. Daher bin ich Mitglied im VGSD geworden. Die politischen Gremien können überhaupt nicht erfassen, wie viele und wie stark die Selbstständigen von der Pandemie betroffen sind und wie ihr Leben überhaupt aussieht. Besonders ärgere ich mich darüber, dass wir in unserem „Sein“ und unserer Tätigkeit nicht richtig wertgeschätzt werden und nach dem Motto „Ach ja, die Künstler“ vergessen werden. Ich habe mit großer Traurigkeit die Live-Übertragung der Debatte vor dem Petitionsausschuss in Berlin verfolgt.

Meine Konzerttätigkeit ist für mich durch die aktuelle Situation zur Zeit leider nicht durchführbar. Meine Tätigkeit im Trauerbereich ist hierdurch auch beeinflusst, jedoch weiterhin noch möglich.

Die Selbstständigkeit war für mich die richtige Entscheidung, weil es mir die Freiheit gibt, meiner Lebensaufgabe zu folgen. Wenn ich mich nicht selbstständig gemacht hätte, wäre ich heute nicht der zufriedene und glückliche Mensch, der ich bin, und das hat nichts mit der Höhe des Einkommens zu tun.

 

Anmerkung:

Unsere Aktion „Warum bist du selbstständig?“ stieß bei euch auf eine große Resonanz, worüber wir uns sehr freuen. Dabei haben wir deutlich mehr Zuschriften bekommen als wir erhofft haben. Wir bedanken uns herzlich bei euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns eure Geschichte zu teilen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, haben wir bereits eine Reihe von Warum-Geschichten veröffentlicht. Die Geschichten, die wir auswählen, zeigen immer neue Aspekte und Gründe für eure Selbstständigkeit: Seid ihr Unternehmer, weil eurer Kreativität in dieser Berufsform keine Grenzen gesetzt sind, weil die Freiheit durch eine Selbstständigkeit unbezahlbar ist – oder warum? Wir möchten mit der Auswahl der Geschichten der Vielfalt an Gründen für eine Selbstständigkeit Rechnung tragen und diese Bandbreite aufzeigen. Wir bitten daher um euer Verständnis, wenn wir deshalb nicht jede Geschichte veröffentlichen können, hoffen aber, euch durch immer neue Ansichten inspirieren zu können.

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