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Warum bist du selbstständig? - Monika Bubenheimer, Theaterregisseurin "Selbstständige nutzen ihr ganzes Potenzial"

Monika Bubenheimer ist Schauspielerin und Theaterregisseurin. Sie leitet ein englischsprachiges Tourneetheater mit muttersprachlichen Schauspielern. Gemeinsam mit ihrem Team tourt sie deutschlandweit vor allem zu Schulen und bietet den Schülerinnen und Schülern mit Theaterstücken in Originalsprache eine kurzweilige Ergänzung zum Fremdsprachenunterricht - mit nachhaltiger Wirkung.

Monikas größter Erfolg in ihrer Selbstständigkeit ist es, Kinder und Jugendliche für Kunst und Kultur zu begeistern. Das macht sie bereits seit 20 Jahren

Vor 20 Jahren startete Monika ihren Weg in die Selbstständigkeit. Wir haben Anfang des Jahres unsere Mitglieder gefragt, warum sie selbstständig arbeiten. Auch Monika hat uns für unsere Aktion ihre Geschichte aufgeschrieben:

Der Wunsch nach mehr Planungssicherheit

Der Auslöser für meine Selbstständigkeit war damals, dass ich nach jahrelanger Reise- & Tourneetätigkeit als Schauspielerin etwas sesshafter werden wollte. Außerdem wollte ich nicht mehr permanent neue Engagements und Zwischenfinanzierungsjobs suchen müssen. Bei Vorsprechen gab es damals einen Überhang an weiblichen Darstellerinnen für eine begrenzte Anzahl an Rollen. Ich wollte mehr Planungssicherheit und mehr eigenen Einfluss auf meine Arbeit haben.

In der Zeit vor der Gründung war ich an unterschiedlichen Bühnen und für verschiedene Ensembles international tätig, sowie für Event-Agenturen, jedoch stets nur mit befristeten Projekt-/Produktionsverträgen. Dazwischen habe ich als Assistentin der Geschäftsleitung in verschiedenen Büros und Firmen gearbeitet.

Auf die Geschäftsidee kam ich damals, weil ich für eine große Unternehmensberatung arbeitete und dort neue Impulse bekam, weil ich gerne interdisziplinär arbeite und meine Fähigkeiten und Vielseitigkeit vereinbaren, eine feste Lebensbasis haben, mehr Planbarkeit für mein Leben und etwas Eigenes aufbauen wollte.

Meine Geschäftsidee passte in keine Schublade

Ich hatte in der Selbstständigkeit durchaus auch mit Herausforderungen zu kämpfen, denn die Gründerjahre und die Wirtschaftskrise waren schwierig. Meine Geschäftsidee passte administrativ in keine öffentliche, gesellschaftliche Schublade, die Kunden mussten mit meinem Angebot/meiner Idee erstmal bekannt gemacht werden. Das Arbeiten mit ausländischen Mitarbeitern war damals noch deutlich hürdenreicher, genauso wie das flexible Arbeiten von unterwegs.

Wenn man mal vom Brexit absieht und erkennt, wie sich die digitale Welt in den Jahren verändert hat, sind die letzten beiden Punkte heute deutlich einfacher.

Trotz alledem bin ich selbstständig geblieben, weil ich viel Zeit, Arbeit, Geld, Geduld und Herzblut in den Aufbau meines eigenen Theaters gesteckt habe, einen festen Stamm an treuen Mitarbeitern, Kollegen und überzeugten Kunden über die Jahre gewonnen und aufgebaut habe und die Rückmeldungen des jungen Publikums immer wieder zeigen, dass unsere Arbeit sinnvoll und wertvoll ist. Ich bin von meinem Konzept, dessen Erfolg und dem Bedarf dafür noch stets überzeugt.

Der größte Erfolg: Kinder und Jugendliche für Kunst und Kultur zu begeistern

Der größte Erfolg meiner jetzigen Selbstständigkeit war es, Kinder und Jugendliche für Kunst und Kultur zu interessieren und zu begeistern, ihnen diese als cooles, immer noch zeitgemäßes Medium nahezubringen, ihnen Werte zu vermitteln und dadurch die Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung und zum eigenen Ausdruck zu geben – kulturelle Bildung mit Spaß am Lernen.

Für diese Erfolge war entscheidend, dass ich Kunst und Kultur mit Fremdsprache und Bildung verbunden habe und alltägliche Belange der jeweiligen Zielgruppen zum Thema genommen habe - zeitgemäßes Alltagstheater mit direkter Ansprache.

In der Selbstständigkeit Freiheit in jeder Dimension

Die Selbstständigkeit gibt mir die Möglichkeit, freiheitlich und kreativ zu gestalten, interdisziplinär und abwechslungsreich zu arbeiten, mich stets innovativ weiterzuentwickeln, in einem jungen Team mit Gleichgesinnten neue Wege zu gehen. Das würde mir als Angestellte in vorgegebenen Strukturen zumindest teilweise fehlen, denn ich müsste dort mein Wirkungsspektrum stark einschränken, um ein Profil zu erfüllen.

Ohne mich würde meinen Kunden Folgendes fehlen: ein ergänzendes Angebot zum normalen Schulunterricht und Lehrplänen, der Direktkontakt zu Kultur und englischen Muttersprachlern, die Brücke zwischen theoretischem Lernen und praktischer Live-Erfahrung, Spaß am „Aha“-Erlebnis, Entwicklungshilfen für eigene Persönlichkeit und Ausdruck.

Wirtschaft und Gesellschaft wären ärmer, weil: Kultur, Bildung und Persönlichkeit stark in Kindheit und Jugend geprägt werden. Wer diese nicht früh erfährt, hat auch als Erwachsener oft keinen Zugang mehr dazu. Kultur und Bildung sind Säulen der Gesellschaft.

In guten Zeiten bejubelt, in schlechten sind wir überflüssiger Luxus

Die Selbstständigen werden nicht immer fair behandelt, besonders ärgere ich mich darüber, dass die Gesellschaft uns in guten Zeiten bejubelt und in schlechten Zeiten als überflüssigen Luxus betrachtet. Dass der Staat in guten Zeiten die Hand bei uns aufhält und uns in schlechten mit Füßen tritt und als nicht-systemrelevant abtut. Das halte ich für inkonsequent, einseitig, respektlos, undankbar, nicht-wertschätzend. Kultur sollte ein Grundrecht des Menschen sein.

Trotzdem war die Selbstständigkeit für mich die richtige Entscheidung, weil sie mir Sinn gibt und Gestaltungsfreiheit in meinem Leben erlaubt. Ich bin ein Macher und kein Funktionierer und ich stecke meine Energie lieber in eine erfüllende Arbeit als in zahlreiche ausgleichende Freizeitbeschäftigungen. Arbeit soll Spaß machen und Entfaltungsmöglichkeiten bieten und kein „Abarbeiten“ oder notwendiges Übel sein.

Mein spezieller Berufszweig ist kein regulärer Systembestandteil

Als Angestellte wäre ich wahrscheinlich weniger zufrieden, weil ich mehr systemgebunden und handlungseingeschränkter wäre, weil ich in einer bestimmten, umrissenen Funktion nicht so vielseitig, innovativ und interdisziplinär arbeiten könnte. Mein ganz spezieller Berufszweig ist kein regulärer Bestandteil unseres Systems, ich musste ihn mir zunächst einmal schaffen. Selbstständige nutzen ihr ganzes Potenzial. Wenn ich mich nicht selbstständig gemacht hätte, wäre ich heute wahrscheinlich eine Büroangestellte mit hohem Freizeitbedarf zum Ausleben meiner vielen Interessen und kreativen Neigungen.

Ich würde anderen trotz aller aktuellen Probleme empfehlen, sich selbstständig zu machen, weil ich das bei geeigneter Persönlichkeit für eine zeitgemäße und zukunftsträchtige Berufsform mit großem Potenzial halte und weil ich glaube, dass bei vielen Angestellten ungenutztes Potenzial nicht zum Einsatz kommen kann.

Gleiche Gegenleistungen vom Staat wie Angestellte, erst recht in Krisenzeiten

Damit ich meine Empfehlung aus voller Überzeugung beibehalten kann, müsste Folgendes passieren: Eine höhere Anerkennung und bessere Integration der Selbständigkeit in der Gesellschaft als gleichwertige Berufsform. Mehr Konsequenz gegenüber den Selbständigen von Seiten der Politik: Wer Steuern und Sozialversicherung zahlt wie ein Angestellter, sollte auch die gleichen Gegenleistungen vom Staat erhalten wie ein Angestellter, erst recht in Krisenzeiten.

Das soziale Netz sollte alle gleichermaßen gerecht auffangen und keine Parallelgesellschaften künstlich erzeugen. Die Politik sollte erkennen, welches Potenzial und welche Wirtschaftsleistung für unsere Gesellschaft in der Selbständigkeit stecken und ihr die entsprechende Wertschätzung entgegenbringen.

Anmerkung:

Unsere Aktion "Warum bist du selbstständig?" stieß bei euch auf eine große Resonanz, worüber wir uns sehr freuen. Dabei haben wir deutlich mehr Zuschriften bekommen als wir erhofft haben. Wir bedanken uns herzlich bei euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit uns eure Geschichte zu teilen.

Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, haben wir bereits eine Reihe von Warum-Geschichten veröffentlicht. Die Geschichten, die wir auswählen, zeigen immer neue Aspekte und Gründe für eure Selbstständigkeit: Seid ihr Unternehmer, weil eurer Kreativität in dieser Berufsform keine Grenzen gesetzt sind, weil die Freiheit durch eine Selbstständigkeit unbezahlbar ist - oder warum? Wir möchten mit der Auswahl der Geschichten der Vielfalt an Gründen für eine Selbstständigkeit Rechnung tragen und diese Bandbreite aufzeigen. Wir bitten daher um euer Verständnis, wenn wir deshalb nicht jede Geschichte veröffentlichen können, hoffen aber, euch durch immer neue Ansichten inspirieren zu können.

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