Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

Verband der Gründer und
Selbstständigen Deutschland e.V.

Warum ich selbstständig bin? – Catharina Capteyn, Norwegischlehrerin und Sprachschulmanagerin: „Ich habe mir meine Stelle selber geschaffen“

Catharina Capteyn wäre ohne ihre Selbstständigkeit heute wahrscheinlich Runologin, Foto: privat

Warum um alles in der Welt hast du dich selbstständig gemacht? Was beglückt dich in deinem Business, was treibt dich an? Warum bist du trotz aller Hindernisse Unternehmerin oder Unternehmer – und willst es auch bleiben?

Das wollten wir von euch wissen. Auf unseren Aufruf haben sich viele von euch gemeldet, um eure Geschichte mit uns zu teilen. Heute erzählt Catharina Capteyn, Norwegischlehrerin mit einer eigenen Sprachschule, von ihrem Weg in die Selbstständigkeit.

Ich heiße Catharina Capteyn, von Beruf bin ich Norwegischlehrerin und Sprachschulmanagerin meiner Onlinesprachschule. Ich habe meine jetzige Selbstständigkeit begonnen, als ich 30 Jahre alt war. Das war 2014.

Der Auslöser war damals, dass ich eine Stelle suchte, die an mein Skandinavistikstudium anknüpft und für die ich nicht pendeln muss. Da es diese Stelle hier in Osnabrück (erwartungsgemäß ;-)) nicht gab, musste ich sie mir selbst erschaffen. Es begann quasi mit einer Notlösung.

 

Eine kleine, inzwischen große Onlinesprachschule

In der Zeit vor der Gründung war ich arbeitslos und promovierte an der Uni Münster. Ich begann die Selbstständigkeit zunächst als Übersetzerin für Norwegisch auf Deutsch, Korrekturleserin und Sprachlehrerin, doch mit der Zeit stellte sich der Onlineunterricht als die gefragteste Dienstleistung heraus.

Nach zwei Jahren war ich dann aus Kapazitätsmangel gezwungen, Aufträge an andere Lehrer zu vergeben, und erweiterte damit auch das Angebot um die anderen nordischen Sprachen Schwedisch, Dänisch, Isländisch und Finnisch. Daraus entstand eine kleine, inzwischen große Online-Sprachschule. Es war keine wirkliche Geschäftsidee, sondern einfach eine logische Entwicklung entsprechend der Nachfrage. Das ist jetzt sieben Jahre her.

 

Krankenkassenbeiträge überstiegen die Einnahmen

In der Selbstständigkeit hatte ich durchaus auch mit Herausforderungen zu kämpfen, zum Beispiel mit irrsinnig hohen Krankenkassenbeiträgen, die meine anfangs natürlich geringen Einnahmen überstiegen (kein Witz!). Trotz alledem bin ich selbstständig geblieben, weil … es geil ist? Man gibt doch sein Unternehmen, das man selbst auf die Beine gestellt hat, nicht einfach so auf!

Der größte Erfolg meiner jetzigen Selbstständigkeit war, dass ich irgendwann endlich so viel verdient habe, wie die Krankenkasse es schon immer behauptet hat – und die Beiträge inzwischen in etwa „einkommensgerecht“ sind. Für diese Erfolge war entscheidend, dass ich verheiratet bin und anfangs von meinem Mann mit durchgefüttert werden konnte.

 

Ich arbeite wirklich für mich

Die Selbstständigkeit gibt mir enorme Freiheit und die Möglichkeit, wirklich das zu tun, wofür ich brenne (und zu lassen, wofür ich gar nicht brenne). Außerdem sehe ich in allem, was ich tue, sowas wie mein Baby: Ich arbeite also wirklich für mich – das würde mir als Angestellte fehlen.

Ohne mein exzellentes Lehrerteam und mich würde meinen Kunden ein entspannter und professioneller Online-Sprachunterricht sowie Skandinavien-Glücksgefühle vom Sofa aus fehlen. Das gibt es entweder individuell im Einzelunterricht oder etwas unterhaltsamer in der Kleingruppe. Das macht sooo Spaß!

Die Selbstständigen werden nicht immer fair behandelt, besonders ärgere ich mich darüber, dass die überdimensionalen Krankenkassenbeiträge für Geringverdiener ein schlechter Witz sind, während es für Großverdiener eine Deckelung gibt?!

 

Ohne Selbstständigkeit: Heute wahrscheinlich Runologin

Die Selbstständigkeit war für mich trotzdem die richtige Entscheidung, weil aus der anfänglichen „Notlösung“ eine echte Leidenschaft geworden ist, ich mit meinen Aufgaben wachse und täglich so viel Neues lerne! Genial!

Als Angestellter wäre ich ganz sicher weniger zufrieden, weil ich eine Eule bin und mit den normkonformen Lerchen-Arbeitszeiten recht ungesund leben würde, von unglücklich ganz zu schweigen. So kann ich meinem eigenen Biorhythmus folgen und bin dadurch ausgeglichener und viel produktiver. Das kommt nicht zuletzt den Kunden zugute.

Wenn ich mich nicht selbstständig gemacht hätte, wäre ich heute im unwahrscheinlichen Idealfall Runologin, was durchaus okay wäre.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Antworten
    Weitere anzeigen