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Warum ich selbstständig bin? - Christian Schubert, Berater im Qualitätsmanagement „Wenn du die Welt nicht verändern kannst, dann ändere dich!“

Warum um alles in der Welt hast du dich selbstständig gemacht? Was beglückt dich in deinem Business, was treibt dich an? Warum bist du trotz aller Hindernisse Unternehmerin oder Unternehmer – und willst es auch bleiben?

Christian Schubert,  seit 2009 selbstständig im Qualitätsmanagement

Das wollten wir von euch wissen. Auf unseren Aufruf hin haben sich viele von euch gemeldet, um ihre Geschichte mit uns zu teilen. Heute erzählt Christian Schubert, Berater im Qualitätsmanagement, von seinem Weg in die Selbstständigkeit.

Als ich mich entschlossen habe, mich selbstständig zu machen, hatte ich etwa 18 Monate „Aufbauarbeit“ bei einem 2nd.-TIER-Zulieferer hinter mir. Eingestellt war ich als Qualitätsmanagement-Leiter und durfte nahezu jede Woche bei den beiden wichtigsten Kunden „antreten“, um zu erklären, weshalb die jeweils letzte Lieferung wieder nicht in Ordnung war, respektive: die gerade durchgeführte Aussuchaktion des Konsignationslager abermals nicht zu ausschließlichen „i.O.-Teilen“ führte.

Wandel durch ein proaktives Verständnis von Qualitätsmanagement

Diese unerfreulichen Besuche bei den Kunden waren ein sehr starker Antrieb für mich, die Probleme im Unternehmen lösen zu wollen. Das Qualitätsmanagement wurde dort bislang nicht als proaktiv wirkende Aufgabe, sondern als reaktive Qualitätskontrolle verstanden. Frei nach dem Slogan „Qualität wird produziert, nicht erprüft!“ bestand die Aufgabe darin, das Denken in den Köpfen der Mitarbeiter und Vorgesetzten zu verändern und in der Folge auch das Handeln.

Dies erreichten wir mit vier KAIZEN-Workshops. Die Reklamationsquote ging zurück, die internen und externen Ausschusskosten ebenfalls. Die Produktivität des Unternehmens stieg, die Anzahl der Störfälle bei den Kunden reduzierten sich. Die Kunden begannen sich zu freuen, wenn Vertreter der Geschäftsführung, des Vertriebs oder des Qualitätsmanagements sie aufsuchten.

Mit einer Menge Optimismus in die Selbstständigkeit gestartet

Mit dieser Erfahrung, diesen Erlebnissen und der Expertise, wie ein derartiger „turn around“ zu schaffen ist sowie einer Menge Optimismus startete ich im Jahr 2009 in die Selbstständigkeit. Die ersten etwa 15 Monate unterstützte mich der Staat mit einem Gründungszuschuss. Das war notwendig, da sich die Auftragsakquise als schwierig herausstellte. Es war das Jahr 2009, das zweite Jahr der Banken-, Wirtschafts- und Automobilkrise. Alle warteten auf den „Berater der Automobilindustrie“. Zudem gab es noch genügend Mitbewerber – große, wie McKinsey, Bosten Consulting, und kleine, die wie ich als Soloselbstständige ihre Expertise verkaufen wollten.

Kurz gesagt: Es konnten nur Aufträge mit geringem monetärem Umfang akquiriert werden. Ich agierte nach dem Slogan „Wenn du die Welt nicht verändern kannst, dann ändere dich!“. Ich stellte die Idee, die Automobilbranche zu beraten, zurück, und begann, die operative Unterstützung für automotive Unternehmen anzubieten. Mit der Lieferantenentwicklung nach APQP (Advanced Production Quality Plan) mit abschließendem PPAP (Product and Process Approval Plan) für einen namhaften Sitzhersteller wurde ich beauftragt.

Nicht über die Beratung und Präsentation am „grünen Tisch“, sondern über das richtige operative „doing“, das korrekte, konsequente und vollständige Anwenden der VDA-Normen und der damaligen ISO/TS-16949-Core Tools begann die Unterstützung der deutschen Automobilzulieferindustrie und auch der finanzielle Erfolg der „Christian Schubert Quality Consulting“.

Viel gereist in den letzten neun Jahren

Von Januar 2011 bis Juni 2020 hatte ich nurmehr drei Wochen Urlaub pro Jahr – die Wochenenden eingerechnet. „Selbst und ständig“ waren nun die Tätigkeiten. Die Kunden wollten „vor Ort“ betreut werden, was mich vom Süden Deutschlands und der Schweiz bis nach Mecklenburg-Vorpommern, von Annecy (Frankreich) bis nach Lovov (Ukraine) durch nahezu alle kontinentaleuropäischen Staaten führte. Die Wochenenden verbrachte ich mit dem Schreiben von Rechnungen, dem Erstellen der Reisekostenabrechnungen und Umsatzsteuer- und Einkommensteuervoranmeldungen. Mein Steuerberater wurde „mein bester Freund“.

Mehr Know-how in der Selbstständigkeit gefragt, aber auch mehr Freiheiten

Die Selbstständigkeit beansprucht mehr Zeit als ein nine-to-five-Job. Sie verlangt eine Vielzahl an Kenntnissen, die ein angestellter Mitarbeiter nicht benötigt. Beginnend mit der Frage nach Gründungszuschüssen des Staates, nach Kreditlinien bei der Hausbank oder besser den Hausbanken, über die Frage, wie ich mit Mitarbeitern umgehe bis hin zu steuerrechtlichen Themen und der Auftragsakquise. Das sind viele Funktionen für eine Person. Mittelständische Unternehmen haben dafür Abteilungen mit Spezialisten. Wir Soloselbstständigen müssen diese Themen selbst klären. Wir können uns mit Kollegen austauschen oder – kostenpflichtig – Dienstleister in Anspruch nehmen.

Und trotzdem: Es ist die Entscheidung eines jeden Selbstständigen, ob er an einem schönen Mittwochnachmittag seine Unterlagen zusammenpackt, sich auf das Fahrrad setzt, Schwimmen oder Golf spielen geht - eine „Kernzeitverletzung“ begeht er damit nicht. Die Möglichkeit, montags aus dem Homeoffice tätig sein zu können, kann er wahrnehmen – eine Genehmigung ist nicht von Nöten. Und nicht zuletzt die eigene Entscheidung zu der Frage: „Welchen Auftrag nehme ich an?“ Alle diese Entscheidungen stellen einen Luxus dar, der angestellten Kollegen verwehrt bleibt.

Freiheit in allen Bereichen: Ort, Zeit und Aufgabe

Die Unterscheidung zwischen angestellter/scheinselbstständiger Tätigkeit und tatsächlich selbstständiger Tätigkeit ist die souveräne Entscheidung über Ort, Zeit und Aufgabe. Leider verstehen häufig die Mitarbeiter des Auftraggebers dies nicht und erteilen Anweisungen an Stelle von Aufträgen. Eine Problematik, die durch die noch immer gültigen Vorgaben der ehemaligen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hinsichtlich der „scheinselbstständigen Tätigkeiten“ bisher nicht entschärft wurde.

Ich schätze die oben angesprochene Souveränität des Selbstständigen. Ich schätze auch die Verantwortung in Bezug auf Auftragsakquise und Auftragsumsetzung. Auch schätze ich die eigene Verantwortung hinsichtlich Kranken-, Pflege- und Altersvorsorge. Vor allem aber schätze ich die Möglichkeiten, viele Unternehmen kennenzulernen und diese mit meinem Wissen, meiner Expertise und meinem Engagement zu unterstützen – operativ und auch beratend.

Aus dem Risiko einer Krise wird eine Chance

Trotz des Aspekts Covid 19 und der unter anderem dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Krise würde ich wieder den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Über kurz oder lang wird aus dem Risiko einer Krise die Chance der Veränderung und des Aufbaus - für Unternehmen und Soloselbstständige.

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