Franziska aus Berlin betreibt einen Computerservice mit fünf Mitarbeitern. Sie möchte ihr Unternehmen verkaufen und hat uns folgende Frage gestellt:
„Nach fast 20 Jahren Selbstständigkeit möchte ich noch mal was ganz anderes machen. Wie lange dauert es, einen Nachfolger zu finden und wie gehe ich am besten vor?“
Die Berliner Gründungs- und Unternehmensberaterin Birgit Baum antwortet:
Die Regelung einer Betriebsnachfolge braucht Zeit. Es ist ein Prozess bei dem neben harten Fakten auch viele Emotionen im Spiel sind, die es zu berücksichtigen gilt.
Schnell wäre es, wenn du für den Betriebsübergang, mit Bewertung des Unternehmens und Aushandlung des Kaufpreises, weniger als ein Jahr benötigst – möglich ist das auch nur, wenn bereits im Vorfeld der Großteil der erforderlichen und notwendigen Schritte für die Nachfolgeregelung in die Wege geleitet worden ist. Das heißt nicht, dass es bei ganz entschlossenen Unternehmern oder unter Zeitdruck nicht auch mal schneller geht.
Die Organisation der Nachfolge bedeutet für dich als Unternehmerin oder Unternehmer, dass du Neuland betrittst. Es ist eine nicht zu unterschätzende emotionale Herausforderung, das eigene, langjährig aufgebaute „Lebenswerk“ an einen anderen zu übergeben.
Schmücke die Braut, bevor du sie an den Altar führst
Bisher bestand der größte Teil des Lebens aus der eigenen, erfüllenden unternehmerischen Tätigkeit. Doch was kommt danach? Eine Unsicherheit, die manch einen veranlasst, das Thema lieber auf die lange Bank zu schieben, anstatt es mit einem ausreichenden zeitlichen Vorlauf anzugehen. Denn es geht nicht nur um die Zeit danach, die sinnvoll gefüllt werden will, sondern ebenso um die finanzielle Absicherung des neuen Lebensabschnitts, der oft zu einem Teil oder ausschließlich aus dem Verkauf des Unternehmens gedeckt werden soll.
Daher sollte gegebenenfalls frühzeitig damit begonnen werden "die Braut zu schmücken", also das Unternehmen zukunftsfähig und unabhängig von sich als Person zu machen. Je früher dieser Prozess eingeleitet wird, desto mehr Handlungsspielräume hast du als Selbstständige, um einen guten Preis für dein Unternehmen zu erzielen. Denn der Preis wird sich (leider) nicht an ideellen Werten bemessen, sondern ein/e Käufer/in wird betriebswirtschaftliche Maßstäbe ansetzen.
Auf diese Fragen musst du Antworten finden
Hier einige der Fragen und Faktoren, die du berücksichtigen solltest, da sie erheblichen Einfluss auf die spätere Preisverhandlung haben werden:
- Wie hat sich „dein“ Markt in den letzten fünf Jahren entwickelt und wie sind die weiteren Prognosen?
- Ist dein Unternehmen zukunftsfähig und auf dem Stand der aktuellen Technik?
- Wie alt sind die vorhandenen Abläufe und Programme sowie eventuelle Maschinen und Anlagen?
- Gibt es unrentable Bereiche oder Produkte, und sollten diese daher besser vor einem Verkauf abgewickelt werden, um sich nicht negativ auf den Verhandlungspreis auszuwirken?
- Welche Verträge existieren? Können oder müssen diese auf eine/n Nachfolger/in übertragen werden?
- Müssen steuerliche Aspekte berücksichtigt werden, z.B. hinsichtlich der Zahlungsmodalitäten für den Kaufpreis oder in Bezug auf Erbfolgen bei einer Übernahme durch die eigenen Kinder?
- Was mache ich, nachdem ich aus dem Unternehmen ausgeschieden bin? Bleibe ich als Beraterin für mein ehemaliges Unternehmen im Boot? Ist das für mein/e Nachfolger/in überhaupt eine Option oder könnten z.B. Führungskonflikte auftreten?
- Gibt es einen Notfallkoffer mit Passwörtern, Konten, Vertragsspiegel usw. - kurz allen Dokumenten, die für die tägliche Arbeit im Unternehmen wichtig sind?
Je früher du anfängst, um so besser
Dies sind nur einige von vielen Fragestellungen, die du dir als Unternehmerin oder Unternehmer stellen solltest, und die es vor einem Verkauf zu beantworten gilt. Und denke auch daran, dass bestimmte Entscheidungen zeitlich aufwendige Abstimmungen und Begleitungen mit Steuerberatern, Rechtsanwälten, Unternehmensberatern und Banken erfordern können.
Alles in allem braucht eine gute Vorbereitung mindestens ein Jahr. Idealerweise solltest du den Prozess drei bis fünf Jahre vor der Veräußerung einleiten. Von daher ist jetzt für dich ein guter Zeitpunkt damit anzufangen.
Birgit Baum ist Wirtschaftsingenieurin und war für verschiedene Unternehmen in München und Berlin tätig, zuletzt als Bereichscontrollerin beim Fernsehsender Sat.1. Seit mehr als zehn Jahren berät sie Unternehmen sowie Gründerinnen und Gründer zu den Themen Existenzgründung, Finanzierung, Controlling, Organisation und Nachfolge.
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