Die Existenzbedrohung unter Selbstständigen erreicht im April den höchsten bisher gemessen Wert, fast jede/r Zweite ist von Auftragsmangel betroffen. Der Geschäftsklimaindex fällt um 9,1 auf -29,9 Punkte, getrieben vor allem durch einbrechende Erwartungen.
Die Stimmung unter Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen hat sich im April deutlich verschlechtert. Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex fiel um 9,1 Punkte auf -29,9 Punkte (-20,8 im März) und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Besonders stark brachen die Erwartungen ein: Sie sanken auf -36,2 Punkte (-26,0 im März). Auch die Einschätzungen zur aktuellen Lage fielen merklich schlechter aus und lagen bei -23,3 Punkten (-15,4 im März). Gleichzeitig nahm die Unsicherheit weiter zu: 80,6 Prozent der Selbstständigen hatten Schwierigkeiten, ihre weitere Geschäftsentwicklung einzuschätzen (77,0 Prozent im März).
Andreas Lutz: "Regierung darf keine Zeit mehr verlieren"
"Die Regierung darf keine Zeit mehr verlieren. Positive Impulse für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen, die neue Zuversicht und Vertrauen schaffen, sind möglich – und das ohne große Kosten“, sagt unser Vorstandsvorsitzender Andreas Lutz. „Im Vordergrund steht dabei vor allem Rechtssicherheit für Auftraggeber durch eine wirksame Reform der Statusfeststellung. CDU und SPD müssen hier dringend zu einer Einigung kommen, damit wieder ohne Angst Aufträge vergeben werden können."
In der Gesamtwirtschaft hat sich das Geschäftsklima ebenfalls eingetrübt, wenn auch weniger stark: Der ifo Geschäftsklimaindex sank um 4,2 auf -15,6 Saldenpunkte (-11,4 im März) und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. "Die Irankrise trifft die deutsche Wirtschaft hart“, sagt Katrin Demmelhuber vom ifo Institut. Auch am Arbeitsmarkt verschlechtert sich die Lage: Laut ifo Beschäftigungsbarometer planen Unternehmen derzeit, mehr Stellen abzubauen als aufzubauen.
"Die Zahlen bestätigen, was viele Selbstständige gerade erleben: Aufträge bleiben aus, Planungssicherheit gibt es kaum noch. Wenn mehr als jede/r fünfte Selbstständige um die eigene Existenz fürchtet, ist das kein Konjunktursignal mehr – das ist ein Notruf”, sagt Matthias Henze, CEO und Gründer von Jimdo. „Gleichzeitig bauen viele Unternehmen Stellen ab. Selbstständigkeit könnte für diese Menschen eine echte Perspektive sein – aber nur, wenn sie endlich die Spielräume bekommen, die unternehmerisches Arbeiten überhaupt möglich machen."
Auftragsmangel verschärft sich – fast jede/r Zweite betroffen
Die wirtschaftlichen Einschränkungen für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen haben im zweiten Quartal weiter zugenommen. 65,6 Prozent berichten aktuell von Behinderungen ihrer Geschäftstätigkeit (erstes Quartal: 64,6 Prozent). Besonders problematisch bleibt der Auftragsmangel: Der Anteil stieg von 46,6 Prozent auf 48,4 Prozent. Damit bleibt die anhaltend schwache Nachfrage für fast jeden Zweiten ein zentrales Problem – deutlich häufiger als in der Gesamtwirtschaft (39,0 Prozent). Finanzierungsengpässe traten ebenfalls häufiger auf: Ihr Anteil stieg von 4,7 Prozent auf 6,7 Prozent.
Existenzangst auf höchstem Stand seit Beginn der Erhebung
Im April wurde zudem erneut nach einer möglichen Existenzbedrohung gefragt. 20,6 Prozent der Selbstständigen gaben an, ihr Unternehmen sei aktuell in seiner Existenz bedroht. Im Oktober 2025 hatte dieser Anteil noch bei 19,0 Prozent gelegen. Damit erreichte die Existenzbedrohung bei Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen den höchsten bislang gemessenen Wert. In der Gesamtwirtschaft blieb der Anteil mit 8,1 Prozent unverändert und weiterhin deutlich niedriger.
Dienstleistungssektor besonders stark betroffen
Im Dienstleistungssektor ist das Geschäftsklima im April auf -23,3 Punkte (-13,5 im März) gefallen und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Vor allem die Erwartungen gaben kräftig nach. Auch die laufenden Geschäfte wurden schlechter bewertet. Besonders deutlich verschlechterte sich die Lage unter anderem in der Werbung und Marktforschung sowie in der Reisebranche.
Einzelhandel kämpft mit wachsender Konsumzurückhaltung
Auch im Einzelhandel hat das Geschäftsklima erneut nachgegeben und sank auf -34,8 Punkte (-32,1 im März). Sowohl die Lageeinschätzungen als auch die Erwartungen fielen pessimistischer aus. Die Unternehmen beobachten eine zunehmende Konsumzurückhaltung infolge der Inflation.
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