Zwischen Krise und KI: Wo stehen die Selbstständigen? Was sind ihre wichtigsten politischen Anliegen? Wie gewinnt man unter diesen Umständen Kund/innen und Aufträge? Das waren die Themen des IHK-Selbstständigentags in Augsburg – erneut unter Beteiligung des VGSD.
Am Mittwoch (17. Juni 2026) um 12:30 Uhr begann mit einem Soft Opening der dritte Selbstständigentag der IHK Schwaben. Der Ansturm war riesig, eine Rekordteilnehmerzahl hatte sich angemeldet. Als ich (Andreas Lutz) eine Viertelstunde vorher ankam, war die Tiefgarage schon voll belegt, die Networking-Area gepackt voll mit Menschen.
Schon beim letzten Netzwerktag am 22. Mai 2025 war der VGSD eingeladen, ich durfte damals über die wichtigsten Anliegen der Selbstständigen sprechen, die wir vor der Bundestagswahl mittels VGSD-Voting ermittelt hatten.
Dieses Jahr war ich um ein Update gebeten worden: Woran arbeitet die Politik gerade und an welche Gesetzesvorhaben sollte sie sich dringend machen. Ich stieg ein mit einigen Zahlen dazu, wie viele und wie wichtig wir Solo- und Kleinstunterhmer/innen sind und die Bundesregierung dringend eine Strategie für unsere 89 Prozent der Unternehmer/innen in Deutschland entwickeln sollte.
Update zu unseren Top-4-Anliegen
Im Anschluss ging es um die Themen Statusfeststellungs-Reform, Altersvorsorgepflicht, Altersvorsorge-Depot und Aktivrente – mit Updates zum Stand der Verhandlungen und unseren diesbezüglichen Aktivitäten. Zum Beispiel war am selben Tag bekannt geworden, dass die Rentenkommission schon eine Woche früher als ursprünglich geplant, nämlich am Dienstag, 23. Juni, ihre Empfehlungen bekannt geben wird. Sie will damit der Regierung mehr Zeit für die Umsetzung ihrer Empfehlungen geben. Nachdem Bärbel Bas zuvor die weitere Entwicklung der Statusfeststellungs-Reform von den Empfehlungen der Kommission bezüglich Selbstständiger abhängig gemacht hat, kommt diesem Termin für uns noch größere Bedeutung zu.
Den breitesten Raum nahm in meinem Vortrag – natürlich – das Thema Statusfeststellungs-Reform ein. Ich berichtete unter anderem über die Inhalte des geleakten und zurückgezogenen BMAS-Referentenentwurfs und gab eine "Sneak Preview" erster Ergebnisse unserer laufenden Befragung zu den Status-Kriterien.
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IHK-Hauptgeschäftsführer zeigt hohe Wertschätzung für Solo- und Kleinstunternehmer/innen
Wie schon im Vorjahr war die Veranstaltung zuvor vom stellvertretenden IHK-Präsidenten Gerd Stiefel, selbst Mehrfach-Unternehmer, eröffnet worden. Dieses Mal allerdings gemeinsam mit Dr. Marc Lucassen, dem Hauptgeschäftsführer der IHK und damit deren oberstem Angestellten. Lucassen war wichtig, mit seiner Anwesenheit die Bedeutung der Solo- und Kleinstunternehmer/innen für die IHK und für die Wirtschaft insgesamt deutlich zu machen. 120.000 der 144.000 Mitgliedsunternehmen hätten keine oder bis zu neun Mitarbeitende.
An die anwesende SPD-Abgeordnete Heike Heubach gerichtet forderte er, diese Gruppe stärker in den Blick zu nehmen, nicht zuletzt handle es sich dabei um ein großes Wählerpotenzial. Die Wirtschaft, das seien nicht nur große Industrieunternehmen, sondern ganz wesentlich wir kleinen Unternehmen.
Klaus Wohlrabe (ifo): Durch KI mehr Arbeit, nicht weniger
Zwischen dieser Begrüßung und meinem Vortrag stand mit Dr. Klaus Wohlrabe ein enger Kooperationspartner des VGSD auf der Redner/innen-Liste. Wohlrabe ist beim ifo Institut für die Geschäftsklima-Befragung zuständig ist. Anhand der Befragungsergebnisse erläuterte er, wie es um die Selbstständigen steht und wie sie mit dem Thema KI umgehen. Überdurchschnittlich viele sehen diese als Chance und nutzen sie, vor allem für Recherchen und Ideengenerierung, für Text- und Content-Erstellung, Übersetzung und zur Unterstützung bei Marketing und Vertrieb.
Dass die Sorge, die technische Entwicklung würde Arbeitsplätze und Existenzen vernichtet, nicht neu ist, illustrierte er mit Spiegel-Titeln aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Und trotzdem sei uns die Arbeit nicht ausgegangen. Dabei handle es sich um das "Produktivitäts-Paradox", das es auch in der Variante des "Jevons-Paradox" gibt: Wer KI nutzt, arbeitet produktiver, aber wahrscheinlich auch mehr, weil die Arbeitsergebnisse und Erfolge wachsen und man es sich nicht leisten möchte, langsamer zu werden. Als Beispiel nennt er die Radiolog/innen in den USA. Hier bestand die Befürchtung, dass die KI Radiolog/innen arbeitslos machen würde. Stattdessen wurden die Untersuchungen schneller und die Nachfrage stieg so, dass Radiologie in USA nun ein Mangelberuf sei.
Warum die KI nicht zu weniger (sicherlich aber zu anderer) Arbeit führt, erklärt die Wirtschaftswissenschaft so: Durch die höhere Effizienz (der KI) sinken die Kosten. Die niedrigeren Preise führen zu einer erhöhten Nachfrage. Die Kapazitäts-Engpässe würden sich nicht auflösen, nur verschieben. Er selbst outete sich als aktiven KI-Nutzer, der dadurch mehr zu tun hätte als je zuvor.
Workshop-Angebote rund um das Thema Kundengewinnung
Wohlrabes Hinweise passten sehr gut zu den ersten beiden der drei Workshops, die im Laufe des Nachmittags angeboten wurden: Oliver Nowotny (SportBrain) erklärte, wie Selbstständige LinkedIn am besten nutzen, um sichbarer zu werden und neue Kund/innen zu gewinnen. Larissa Niedecken von "Transformation Experience" zeigte, wie Selbstständige KI zu ihren persönlichen Vertriebsassistenten entwickeln können. Dagmar Rohde ("Kompetenz in Kommunikation") schließlich gab Tipps für erfolgreiche Kundengewinnungs- und Verkaufsgespräche – wie man also die mit Social-Media- und KI-Unterstützung gewonnenen Interessenten zu zahlenden Kunden macht.
Vorab wurden die drei Expert/innen und ihre Themen in einer Podiumsdiskussion vorgestellt, kurzweilig moderiert von Bettina Kräußlich. Sie ist die stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs Unternehmensservice der IHK und hat den Selbstständigentag maßgeblich organisiert. Wir gratulieren ihr und der IHK Schwaben zu dem rundum gelungenen Event, wünschen schon jetzt für künftige Selbstständigentage weitere Besucherrekorde und freuen uns darüber, dass sie die Bedeutung von Solo- und Kleinstunternehmen und ihre Anliegen sichtbarer macht.
Danke von meiner Seite auch an die zahlreichen VGSD-Mitglieder, die teils von weit her zur Veranstaltung gekommen sind und für das positive Feedback, das ihr mir zu unserer Arbeit gegeben habt. Ich bin am späten Nachmittag mit einem sehr guten Gefühl wieder nach München zurückgefahren. Danke!
Am 17. Juni in Augsburg: Zweiter Selbstständigentag der IHK Schwaben – mit VGSD- und ifo-Beteiligung
Nach obenNeben Vorträgen, Diskussion und Networking bietet die IHK Schwaben in Augsburg auf ihrem zweiten Selbstständigentag auch drei Workshops zum Thema Kundengewinnung. Der Eintritt ist kostenlos. VGSD-Vorstand Andreas Lutz hält einen Vortrag, genauso wie Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut.
Am Mittwoch, 17.6.2026 findet in der Stettenstr. 1 in Augsburg der zweite Selbstständigentag der IHK Schwaben statt. Einlass ist ab 12:30 Uhr, um 13:00 Uhr begrüßen IHK-Vizepräsident Gerd Stiefel und Hautgeschäftsführer Marc Lucassen die Teilnehmer/innen.
Vorträge von Klaus Wohlrabe (ifo) und Andreas Lutz (VGSD)
Auf ihren Begrüßungstalk folgt ein Impulsvortrag von Dr. Klaus Wohlrabe, dem Leiter Befragungen des ifo-Instituts, zum Thema "Zwischen Krise und KI: Wo stehen die Selbstständigen?". Mit Klaus Wohlrabe arbeiten wir im Rahmen des Jimdo-ifo-Index seit Jahren eng zusammen. In seinem Vortrag ordnet er anhand der aktuellen Umfragedaten Lage, Erwartungen und zentrale Zukunftsthemen ein.
Andreas Lutz vom VGSD hält direkt im Anschluss einen 15-minütigen Impulsvortrag zum Thema "Selbstständigkeit im Spannungsfeld politischer Rahmenbedingungen". Er gibt also ein Update zum Vorjahr, als er im Mai 2025 sprach über "Faire Rahmenbedingungen für Selbstständige: Unsere größten Herausforderungen und wie die Politik sie lösen könnte". Der BMAS-Gesetzentwurf und die Beratungen der Rentenkommission werden dabei sicherlich eine wichtige Rolle spielen – zusammen mit neueren Entwicklungen, die sich bis zum Selbstständigentag ergeben.
Paneldiskussion und drei Workshops zum Thema Kundengewinnung
Darauf folgt eine Paneldiskussion mit den Referent/innen, die im Anschluss (nach einer halbstündigen Pause) ab 15:00 bzw. 16:00 Uhr parallel drei jeweils einstündige Workshops zum Thema Kundengewinnung anbieten. Für zwei dieser Workshops kann man sich vorab verbindlich anmelden.
- Workshop: LinkedIn für Selbstständige: sichtbar werden und neue Kunden gewinnen (Oliver Nowotny, SportBrain)
- Workshop: Gespräche, die verkaufen: Erfolgreiche Kommunikation im Vertrieb (Dagmar Rohde, Rohde Kompetenz in Kommunikation)
- Workshop: KI im Vertrieb für Selbstständige: Wie KI zu Ihrem persönlichen Assistenten wird (Larissa Niedecken, Transformation Experience)
Anschließend bietet ab 17 Uhr ein Get together Gelegenheit zum Networking.
Die Plätze sind begrenzt, deshalb am besten jetzt gleich ein kostenloses Ticket sichern und sich damit auch für die Teilnahme an zwei der drei Workshops anmelden. Andreas freut sich darauf, viele VGSD-Mitglieder aus Augsburg und Schwaben zu treffen!
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