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Lesetipp Rückblick auf den freelance summit 2026 Von KI-Agenten, SWAT-Teams und Lust auf Kaffee

Am Dienstag, dem 5. Mai 2026 fand in München der zweite, von freelance.de organisierte "freelancer summit" statt. Wir waren dabei. Hier unser Bericht!

Bist du "Bereit für die Zukunft"? - So lautete das Motto des freelance summit 2026. Hier wirft KI-Experte und Gründer Tristan Posch einen Blick in die Zukunft der Selbstständigkeit

Bei der Premiere vor einem Jahr waren es noch 130 Teilnehmer/innen, dieses Jahr schon 400. Etwa ein viertel von ihnen waren Unternehmensvertreter/innen von der Auftraggeberseite, drei Viertel Freelancer/innen aus vielen Branchen, vor allem aber der IT. Bei der Veranstaltung vor einem Jahr hatte Jörn Freynick, unser Leiter Politik, auf einem Panel mitdiskutiert, dieses Jahr habe ich (Andreas Lutz) als ganz normaler Besucher teilgenommen. Und viele VGSD-Mitglieder getroffen – denn auch wir hatten auf die Veranstaltung hingewiesen und über unseren Link offensichtlich besonders viele Teilnehmer/innen mobilisiert.

Masterclass zu Statusfeststellung

Von 130 auf 400 Teilnehmer/innen innerhalb eines Jahres: bei der Ausgabe der Namensschilder war einiges zu tun.

Ein weiterer Unterschied zur Veranstaltung im letzten Jahr: Neben dem Programm in der "Main Hall" gab es "Masterclasses", also halb- bis ganzstündige Workshops in zwei separaten Räumen sowie eine freelance.de-Stage, auf der vor allem Tipps zur Profil-Optimierung, also der Verbesserung der Selbstdarstellung auf freelance.de gegeben wurden. So standen den Teilnehmer/innen insgesamt mehr als 20 Sessions zur Auswahl.

Dr. Thomas Leister (Kliemt Arbeitsrecht) bei der Masterclass "Compliance: Neues zum Statusfeststellungsverfahren und KIRA"

Ich habe – natürlich – an der Masterclass "Compliance: Neues zum Statusfeststellungsverfahren & KIRA" teilgenommen. Den Referenten Dr. Thomas Leister kannte ich schon von einer unserer eigenen Veranstaltungen zum gleichen Thema, an der er vor einem knappen Jahr teilgenommen hatte. 

Er sprach einerseits über den BMAS-Referentenentwurf, über den wir gleich nach Bekanntwerden ausführlich berichtet hatten. Er hat dazu gerade in der juristischen Fachzeitschrift NZA (2026, 566) einen Aufsatz veröffentlicht. Zum anderen ging es um KIRA, also die Einführung "Künstlicher Intelligenz für risikoorientierte Arbeitgeberprüfungen", mit der die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Statusfeststellungsverfahren automatisieren und beschleunigen möchte.

"Ins echte Leben gehen"

Blick in die Main Hall, wo die meisten Vorträge und Podien stattfanden

Ansonsten schaute ich mir vor allem die Vorträge sowie ein Podium in der Main Hall an. Der mit 19 Jahren nach Deutschland gekommene Franko-Kanadier Simon Gravel begrüßte die Teilnehmenden. Er gründete die Plattform freelance.de vor 20 Jahren gründete (die Domain erwarb er damals für 300 Euro). Vor einigen Jahren ist er wieder in seine alte Heimat zurückgekehrt, um die Plattform nun auch dort aufzubauen, insgesamt ist sie inzwischen in elf Ländern präsent. Neben der Internationalisierung ist ihm wichtig, eine lebendige Community zu schaffen. Dazu möchte er in Zukunft viel mehr physische Treffen anbieten. Dafür bieten die allein in Deutschland mehr als 325.000 auf der Plattform registrierten Freelancer/innen ein großes Potenzial.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Dr. Julian Stahl. Er darf sich "XING Arbeitsmarktexperte" nennen und tatsächlich arbeitete er früher fest, inzwischen in geringem Umfang frei für XING, wo er deren Arbeitsmarktstudien begleitet. Neben seiner selbstständigen Tätigkeit ist er zugleich fest angestellt als COO eines mittelständischen Beratungsunternehmens – und damit Repräsentant einer neue Generation von hybrid Arbeitenden, die die Sicherheit einer Festanstellung mit der Freiheit einer selbstständigen Tätigkeit verbinden. "Dual jobbing" oder "Polywork" heißt der entsprechende Trend. Den sieht er als Teil der Zukunft des Arbeits- und speziell auch des Beratungsmarktes.

"SWAT-Teams" im Vormarsch

Hier diskutiert freelance.de-CEO René Toche (v.l.n.r.) mit Dilek Haupt (BearingPoint) und Andreas Weck (freier Journalist, ehemaliger t3n-Redakteur)

Ein weiterer Trend speziell auf dem Beratermarkt: "Pay for output, not for input" – also die Tendenz, dass Auftraggeber für Ergebnisse, das Erreichen von Meilensteinen bezahlen und nicht für die erbrachte Arbeitszeit. Auch sieht er hierarchisch agierende Beratungsteams, wie sie in der Vergangenheit die Regel waren, als Auslauf-Modell. Die Zukunft gehöre situativ zusammengestellten "SWAT-Teams". SWAT steht – das hat Stahl nicht dazu gesagt, ich habe es nachgeschaut – für "spezielle Waffen und Taktiken". Das passt gut zu seiner These, dass die Veränderungsgeschwindigkeit stark zugenommen hat und hoch bleiben wird. Genau aus diesem Grund brauche es in Zukunft mehr und nicht weniger hoch spezialisierte Selbstständige – mit ihren speziellen Tools und ihrem hochspezialisierten Wissen, das sie erworben haben, als ihre Kunden den Bedarf noch gar nicht erkannt hatten.

Selbstständige haben den Vorteil, dass sie zumeist schon jetzt über das verfügen, was Stahl allen Erwerbstätigen empfiehlt, um für die Zukunft der Arbeit gerüstet zu sein:

  • Flexibilität und Veränderungsoffenheit: Sich nicht von Wandel verunsichern lassen, sondern ihn quasi umarmen ("embracing change").
  • Lernbereitschaft: Auch das ist bei Freelancer/innen in besonderem Maße gegeben. Laut freelance.de-Studie investieren 48 Prozent von ihnen in Weiterbildung.
  • Außerdem sollen wir in typisch menschliche Fähigkeiten investieren wie den Aufbau von Beziehungen, Urteilsvermögen, Kreativität – Eigenschaften wie diese haben wir der Künstlichen Intelligenz (noch) voraus.

Ganz wichtig ist Julian Stahl noch ein abschließender Tipp: "All das geht nur, wenn ihr auf euch achtet – auf mentale Gesundheit und Resilienz." Fazit: Allein für seinen Vortrag hat es sich schon gelohnt, den freelance summit zu besuchen.

Christian und Julia, die Durchschnitts-Freelancer/innen

Auch dieser Selbstständige sorgte für Aufmerksamkeit: Moritz Hirsch, Barrista aus Bruckmühl, druckte das Veranstaltungs-Logo mit Lebensmittelfarbe auf den Milchschaum der Kaffeespezialitäten.

Ein hervorragender Redner ist auch Robin Gollbach, zusammen mit René Troche COO von freelance.de, und früher Business Developer in der Basketball-Sparte von Bayern München. Er räumt zunächst ein, dass die Projektlage seit drei Jahren schwierig ist. Gab es 2022 noch Projektangebote von fast 100.000 Unternehmen auf seiner Plattform, sind es aktuell "nur" noch rund 50.000, wobei er allerdings gerade wieder eine schrittweise Verbesserung wahrnimmt. Gollbach stellt die Ergebnisse der freelance.de-Befragung vor – und zwar wie schon im Vorjahr anhand des Durchschnitts-Freelancers Christian. Den Namen hat ihm die KI vorgeschlagen, eigentlich nur für 2025 – für 2026 gab sie dem Durchschnitts-Freelancer den Namen "Daniel". Beide hat er von der künstlichen Intelligenz auch mit einem "Foto" illustrieren lassen.

Und nachdem der durchschnittliche Freelancer zu 23 Prozent weiblich ist, ließ Gollbach sich für die verbleibenden 23 Prozent noch die Durchschnitts-Freelancerin Julia generieren. Der/die Durschnitts-Freelancer/in  arbeitet zu 91 Prozent remote oder hybrid und zu 84 Prozent hauptberuflich. Die Männer haben sich bei Stundensatz und Gesamtverdienst gegenüber 2025 eher verschlechtert, die Frauen eher zugelegt. In einigen Bereichen verdienen sie – wenn sie auch nur eine Minderheit darstellen – sogar mehr als die männlichen Kollegen. Der Gender Pay Gap hat sich vom elf auf "nur" noch sechs Prozent reduziert.

Raus aus dem Alltag, rein ins Netzwerktreffen: erfrischt, inspiriert, erfolgreich.

Barcamp & Networking 2026 in Nürnberg

15. Oktober
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Auch wenn die Auftragssituation durchwachsen sein mag: Die anwesenden Julias, Christians und Daniels ließen es sich nicht anmerken. Als sich zu Beginn eines Talks mit mehreren Expert/innen herausstellte, dass einer von ihnen am selben Tag Geburtstag feierte, sangen spontan alle ein "Happy Birthday" für ihn.

Auftraggeber: Bitte mehr Tempo!

Statt die Ergebnisse der Freelancer.de-Studie, auf die wir schon an anderer Stelle eingegangen sind, hier zu wiederholen, möchte ich darauf hinweisen, dass erstmals auch die Auftraggeber-Seite befragt wurde. Und auch die Auftragnehmer über die Auftraggeber. Die drei größten Hindernisse bei der Auftragsvergabe: 30 Prozent beklagen den Preisdruck am Markt, 34 Prozent die rechtliche Unsicherheit und 36 Prozent die langen Entscheidungswege bei den Unternehmen, bis es zu einer Beauftragung kommt. 

Gollbachs Appell an die Unternehmen: Werdet schneller! Optimistischer sind die Auftraggeber schon jetzt: Während 59 Prozent der Auftragnehmer von einem starken Rückgang der Beauftragungen berichten, tun dies nur 21 Prozent der Auftraggeber. Für 2026 sehen nur 32 Prozent der Auftragnehmer, aber 44 Prozent der Auftraggeber eine steigende Tendenz.

Sportbegeistertes Führungsduo

Andreas Lutz auf dem freelance summit 2026 zusammen mit (v.l.n.r.): Silke Becker, René Troche und Björn Sacknieß. René ist Geschäftsführer von freelance.de. Silke und Björn repräsentierten das BAGSV-Mitglied Bundesverband selbstständige Wissenarbeit auf dem Event.

Wer mehr über die Ergebnbisse der Studie von Robin Gollbach erfahren möchte: Er war vor zwei Wochen unser Podcast-Gast bei "VGSD Story". Umgekehrt war ich wiederum Podcast-Gast bei "Herz & Fuß", dem Podcast seines Geschäftsführer-Kollegen René Troche – als dieser noch für seinen vorherigen Arbeitgeber tätig war.

Troche und Basketball-Marketeer Gollbach verbindet ihre Sportbegeisterung. Troche war 13 Jahre lang Profi-Fußballer bei Vereinen in Deutschland und Österreich. Wie er vom Fußball zur Freelancer-Vermittlung kam erzählt er – ebenfalls – in einem Podcast. Bei dieser gemeinsamen Begeisterung für Sport wundert es nicht, dass von den beiden mit Linus Straßer ein deutscher Skirennläufer für den Abschlussvortrag engagiert wurde. Sein Thema: "Performance unter Druck – Spitzensport & Selbstständigkeit".

Bei vielen Events hört man den Satz, dass es "viel zu wenig Zeit für Networking" gab. Das war beim freelance summit 2026 nicht der Fall. Die Mittagspause war bewusst auf 90 Minuten angesetzt. Rund um das in der "Networking & Foods Areas" aufgebaute Buffet gab es Stände der Partner und Tische, wo man mit deren Vertreter/innen angeregte Gespräche führen und die Vortragsthemen vertiefen konnte. Zeit für Networking war auch in der halbstündigen Kaffeepause und beim 75-minütigen Veranstaltungs-Ausklang.

Trend: Solo-Selbstständige unterstützt von KI-Agenten

Marcel Pesch ist Spekaer, Autor und Gründer einer KI-Akademie

Gemeinsam mit den Partnern gab es Vorträge auch zu vielen Service-Themen: Wie "verkaufe" ich mich optimal als Freelancer? Diese Frage spielte, wie oben schon erwähnt, eine wichtige Rolle. Vor allem aber wurde über das Thema KI gesprochen. Gemeinsamkeit der Vortragenden: Sie stellten KI weniger als Gefahr, denn als Chance dar, die es zu ergreifen gelte. Mehrere Referenten benannten als Kronzeugen Selbstständige, die alleine oder mit nur einem Geschäftspartner millionenschwere Unternehmen aufgebaut haben – durch Nutzung von KI-Agenten.

Passend dazu gab es eine praktische Vorführung, wie man sich ein Team von KI-Agenten aufbaut, die dabei helfen, das eigene Geschäft zu skalieren. Der Vortragende hat selbst ein Seminarbusiness aufgebaut, damit bereits einen zweistelligen Millionenbetrag an Umsatz erzielt und das mit wenigen menschlichen Mitarbeitenden, dafür mit um so mehr KI-Assistenten, die er den Zuschauer/innen mit Foto und (Vor-)Namen vorstellte. Mit ihnen und seinen wenigen menschlichen Mitarbeitenden stimmt er sich in einer Messenger-Gruppe ab.

Lust auf mehr?

Dr. Thomas Leister mit Teilnehmer/innen seiner Masterclass, die das Gehörte in der Mittagspause vertiefen

Falls dir mein Bericht über den freelance summit 2026 Lust auf die Teilnahme an einem großen Selbstständigen-Event gemacht hat: Am 15. und 16. Oktober laden wir dich herzlich zu unserem VGSD-Netzwerktag 2026 nach Nürnberg ein: Bei unserem vierten bundesweiten Netzwerktreffen für Selbstständige erwartet dich jede Menge Inspiration und Networking im Barcamp-Format.

Auch bei unseren Gruppen-Events und Experten-Talks sind die oben angesprochenen und viele weitere für Selbstständige relevante Themen jede Woche Gesprächsgegenstand. Am 11. und 12. Juni sind wir zudem mit einem Stand auf der dritten Freelance Unlocked in Berlin präsent. Das Einrichten persönlicher KI-Assistenten und das Optimieren von LinkedIn-Profilen ist zusammen mit einer Bewertung Auftragssituation – wie sie der Jimdo-ifo-Index misst – Themen beim zweiten Selbstständigentag der IHK Schwaben am 17. Juni, auf dem ich einen der Impuls-Vorträge halten darf. Für den 11. Juli schließlich laden wir zusammen mit der IHK für München und Oberbayern zu einer Fishbowl-Diskussion zum Thema "Altersvorsorge für Selbstständige". Ich würde mich freuen, dich bei einer oder mehreren dieser Veranstaltungen zu sehen!

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