Zweites BAGSV-Treffen: Selbstständigenverbände arbeiten an weiteren gemeinsamen Initiativen

Die Teilnehmer am Verbändetreffen nach dem gemeinsamen Mittagessen, Fotograf: Jan-Peter Wahlmann (AGD)

Die im Februar von 20 Verbänden gegründete BAGSV (Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände) hat sich am 02.05.17 zum zweiten Mal in Berlin getroffen. Insgesamt waren dieses Mal 23 Teilnehmer von 18 Verbänden vertreten.

Gegenüber dem letzten Treffen hatten drei zusätzliche, an einer Zusammenarbeit interessierte Verbände (ATICOM, bdfm und BVFK) Vertreter geschickt. Vier weitere Verbände waren zwar nicht präsent, hatten aber seit dem ersten Treffen ihr Interesse an einer Mitarbeit bekundet.

Die Veranstaltung fand in den spektakulären Räumlichkeiten von Black Box Music im Norden Berlins statt, wo sonst berühmte Musiker und Bands logieren. Organisiert worden war das von Marcus Pohl und Sebastian Duellmann (isdv). Die beiden ermöglichten in der Mittagspause für alle Interessierten die Besichtigung eines Tourneebusses.

 

Plattform für Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Verbänden

Die BAGSV möchte kein weiterer (Dach-)Verband sein, sondern eine Plattform für die Vernetzung und Zusammenarbeit von Verbänden. Initiativen wie die vom VGSD zusammen mit BDD und BDÜ beauftragte Studie zum Thema Krankenversicherungsmindestbeiträge sind dabei Vorbild: Ein oder mehrere Verbände tun sich zusammen, treiben etwas voran. Andere unterstützen sie dabei. Die BAGSV vereinfacht das Zusammenfinden und die Organisation solcher gegenseitiger Unterstützung im Interesse der Mitglieder.

Der Erfolg zeigt sich am konkreten Beispiel der KV-Beitrags-Studie: An der Onlinebefragung hatten Stand 02.05. bereits 4.423 Selbstständige teilgenommen. Bis zum Abschluss der Befragung am 10.05. rechnen wir mit einer noch höheren Zahl. Geplant ist auch eine Briefaktion an Abgeordnete, für die wir ggf. bei Bedarf erneut die anderen Verbände um Unterstützung bitten können. Im Gegenzug haben wir am Thema interessierte Verbände zu der Vorstellung der Ergebnisse am 23.06. in Berlin eingeladen.

 

Scheinselbstständigkeit war Schwerpunkt-Thema – gemeinsame Veranstaltung geplant

Teilnehmer am Konferenztisch, Foto: Jonas Kuckuk (BUH e.V.)

Ein Schwerpunkt des Treffens war das Thema Scheinselbstständigkeit. Nach einem kurzen Referat über die aktuelle Situation präsentierte die dreiköpfige BAGSV-Arbeitsgruppe Scheinselbstständigkeit ausführlich ihre bisherigen Ergebnisse. Außerdem wurde beschlossen, die für 05.09.17 in Frankfurt geplante größere Veranstaltung zum Thema Rechtssicherheit unter dem Label der BAGSV zu veranstalten. Zu der Veranstaltung sollen prominente Fachpolitiker verschiedener Parteien eingeladen werden.

Zum Thema Rentenpflicht wurde unter Federführung von BdS Deutschland schon letztes Jahr ein Positionspapier ausgearbeitet und mit zahlreichen BAGSV-Mitgliedsverbänden koordiniert. Auch der VGSD unterstützt das Positionspapier. Der BdS berichtete über einen ersten Termin mit Politikern, weitere sind geplant.

Verschiedene Verbände, darunter VGSD und bdfm, berichteten über ihre Erfahrungen mit Wahlprüfsteinen, das richtige Timing und die Auswahl der Fragen. Es wurde angeregt, dass möglichst viele Verbände Wahlprüfsteine mit jeweils branchenspezifischen Fragen an die Parteien senden. Die Antworten sollen nicht nur auf der jeweiligen Verbandswebsite veröffentlicht werden, sondern die Ergebnisse von der BAGSV in einem gemeinsamen Dokument (PDF) zusammengeführt und veröffentlicht werden.

 

Mitglieder machen BAGSV schlagkräftiger

Seit der Gründung im Februar arbeiten die Mitgliedsverbände noch vertrauensvoller zusammen und wollen die BAGSV möglichst schlagkräftig gestalten. Andreas Lutz und Victoria Ringleb, im Februar als Koordinatoren gewählt, sind jetzt zu BAGSV-Sprechern ernannt worden, damit sie noch aktiver für die Arbeitsgemeinschaft auftreten und werben können.

Victoria ist zusammen mit Marcus Pohl gebeten worden, eine BAGSV-Website aufzubauen sowie ein Logo bzw. eine CI/CD zu gestalten.

Zur Finanzierung der Website und künftiger Veranstaltungen wurde eine Umlage von 200 Euro je Verbandsmitglied beschlossen. Bisher hatten sich VGSD und AGD, zuletzt gemeinsam mit dem isdv, die Kosten für Miete und Catering geteilt. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch eine Mitgliederliste erstellen und sehen, wer sich der BAGSV zugehörig fühlt. Das Stimmrecht soll dann künftig an die Mitgliedschaft gebunden sein.

 

Wissensaustausch in Form von Kurzvorträgen

Für Abwechslung und Wissenstransfer sorgten zwei Kurzvorträge von Anja Bodenstein, die Einblicke in professionelles Lobbying vor dem Hintergrund des aufziehenden Bundestagswahlkampfs gewährte, und von Jonas Kuckuk, der über die Kriminalisierung von Selbstständigen als Schwarzarbeiter sprach, die oft schon bei der Gewerbeanmeldung mit einem verdachtsabhängigen Vermerk beginnt.

Zum nächsten BAGSV-Treffen wollen wir einen Politiker oder Ministerialbeamten zu einem Kurzvortrag mit Fragerunde einladen.

 

Weitere Treffen und Telkos geplant

Gruppenfoto mit Verbandsvertretern, Fotograf: Jan-Peter Wahlmann

Das nächste BAGSV-Treffen ist zwar erst für den 10.10.17 in Berlin verabredet, aber viele der Anwesenden werden sich wohl schon am 23.06.17 auf Einladung des BMAS bei der Veranstaltung „Arbeiten 4.0 Werkstattgespräch – Drei Sprints zu Möglichkeiten gemeinsamer Interessenvertretung selbstständiger Erwerbsarbeit“ wiedersehen. Was das Arbeits- und Sozialministerium plant, darüber werden wir noch genauer berichten. Klar ist: Es ist wichtig, dass möglichst viele Selbstständigen- und Berufsverbände an diesem Termin teilnehmen.

Davor ist zudem am 12.06. eine Telefonkonferenz der Mitglieder geplant. So wollen wir auch zwischen den physischen Treffen in Kontakt bleiben und die gemeinsamen Themen voranbringen.

Du bist Mitglied in einem Verband, der noch nicht in der BAGSV aktiv ist, der aber als Mitglied infrage käme? Dann stelle gerne den Kontakt her, zum Beispiel durch eine Mail an einen Vorstand dieses Vereins und uns. Wir wollen die BAGSV auf eine breite Grundlage stellen, um eine möglichst schlagkräftige Interessenvertretung zu organisieren und freuen uns über die Herstellung solcher Kontakte.

Galerie

Nach dem gemeinsamen Mittagessen, Fotograf: Jan-Peter Wahlmann
Gruppenfoto mit Verbandsvertretern, Fotograf: Jan-Peter Wahlmann
Teilnehmer am Konferenztisch, Foto: Jonas Kuckuk (BUH e.V.)

2 Kommentare

  1. Inga Patzner schreibt:

    Hallo, dazu möchte ich bemerken, durch die hohe Arbeitslosigkeit ist eine grosse Gruppe von Selbstständigen entstanden, die über ein sehr geringen Einkommen verfügen. Es gibt Selbstständige und viele Freiberufler, wie z.B. Rechtsanwälte die sich mit einem geringen Einkommen mehr recht und schlecht durch das Leben schlagen. Es gibt die Gruppe von Selbstständigen, die erfolgreich sind und ein gutes Einkommen erzielen und es gibt eine Gruppe von Delbstständigen, die ein sehr schlechtes Einkommen erzielen. Ich habe den Eindruck, dass sich dieser Verband sich nur für die erfolgreichen Selbstständigen einsetzt, die keine Einkommenschmälerung haben wollen durch Pflichtversicherungen. Ich möchte vor allem keine US-amerikanischen Verhältnisse und natürlich die Abgrenzung zu Scheinselbständigkeit. Zur Erweiterungen von Scheinselbständigkeit zählen neue Status wie Uber, Helling oder Deliveroo, sonstige Lieferservices, welche Selbstständige zu Dumpingpreisen beschäftigen, Dumpingpreise von 9 € Stundensatz beispielweise. Diesen Unwesen der Ausbeutung von Selbstständigen mit Dumpingpreisen muss ein Ende gesetzt werden. Es ist ein ungeheurer Wettbewerb entstanden mit Selbstständigen, wer bietet Arbeitsleistung gegen möglichst niedrigen Preis, welche ein Überleben unmöglich machen. Ich möchte darum bitten, genau dieses Unwesen des Preisdumping bei Selbstständigen zu thematisieren, denn das ist ja der Trend bei Arbeitgebern sich vor Anstellung von teuren sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern zu drücken. Ich möchte deswegen darum bitten sich um solche Selbstständige auch vermehrt zu kümmern und Ihnen eine Stimme zu geben. Die Gewerkschaft Verdi bietet bereits einen Service und Mitgliedschaft für Solo-Selbstständige an. Es geht nicht nur darum sich vor mehr Kosten zu schützen, sondern das Selbstständige auch von ihrer Arbeit leben können. Es ist zu bemerken das es unter den Selbstständigen auch verschiedene Klassen gibt. Sie wollen wohl als Verband nicht nur die Oberklasse und gute Mittelklasse vertreten?

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  2. Franz J. Grömping schreibt:

    Hallo Inga,

    ich bin auch Mitglied des VGSD und habe an diversen Veranstaltungen teilgenommen und mit mit den Verantwortlichen gesprochen. Deine Befürchtung ist völlig unbegründet! Ganz im Gegenteil: Der Verband nimmt sich gerade der von dir beschriebenen Problematik besonders an. Überzeuge dich selbst davon!

    Freundliche Grüße

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