Der Iran-Krieg bremst die deutsche Konjunktur aus – das spüren auch Selbstständige und Kleinstunternehmen. Das Geschäftsklima hat sich deutlich eingetrübt, getrieben insbesondere durch sehr viel pessimistischere Erwartungen.
Das Geschäftsklima unter den Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen hat sich im März deutlich eingetrübt: Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex sank um 4,3 Punkte auf −20,8. Ausschlaggebend dafür waren die deutlich pessimistischeren Erwartungen, die um 10,9 Punkte auf −26,0 eingebrochen sind. Die laufenden Geschäfte wurden hingegen etwas weniger negativ bewertet: Die Geschäftslage verbesserte sich leicht um 2,4 Punkte auf −15,4.
Auch in der Gesamtwirtschaft hat sich die Stimmung merklich verschlechtert. Das Geschäftsklima sank auf −11,3 Saldenpunkte. "Der Krieg im Iran beendet vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung", kommentiert Katrin Demmelhuber vom ifo Institut.
"Der Einbruch bei den Erwartungen kommt nicht überraschend", sagt Matthias Henze, CEO und Mitgründer von Jimdo. "Viele Selbstständige stehen schon lange unter strukturellem Druck – hohe Kosten, schwache Nachfrage und anhaltende Unsicherheit setzen ihnen zu. Und wenn dann noch eine Krise dazukommt, trifft sie das besonders hart. Das sehen wir auch in einer aktuellen Kurzumfrage unter Selbstständigen aus unserem Netzwerk: Rund zwei Drittel spüren die Auswirkungen des Iran-Konflikts bereits im eigenen Geschäft – direkt durch steigende Kosten, aber auch indirekt, wenn Aufträge zurückgehen."
Investitionsbereitschaft zieht leicht an
Ein positives Signal sendet die Investitionsbereitschaft: Im laufenden Jahr planen mehr Selbstständige, ihre Investitionen zu erhöhen (21,0 Prozent, nach 18,2 Prozent im Vorquartal) oder unverändert fortzusetzen (47,1 Prozent, nach 45,5 Prozent). Auch im Rückblick auf das vergangene Jahr wurden Investitionsausgaben etwas häufiger erhöht als im Vorjahr (18,3 Prozent gegenüber 16,8 Prozent). Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bleiben Selbstständige bei Investitionen jedoch zurückhaltender.
Dienstleistungen und Einzelhandel unter Druck
Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima im März spürbar eingetrübt. Während die aktuelle Lage etwas seltener negativ bewertet wurde, sind die Erwartungen deutlich eingebrochen – besonders in der Reisebranche. Auch im Einzelhandel sank der Klimaindikator: Die Inflationssorgen der Konsumenten belasten die Aussichten. Mit den laufenden Geschäften waren die Händler hingegen weniger unzufrieden als in den Vormonaten.
Kreditzugang entspannt sich, bleibt aber schwierig
Beim Kreditzugang hat sich die Lage etwas entspannt: Der Anteil der Selbstständigen, die die Kreditvergabe als restriktiv einschätzen, ging im Vergleich zum Vorquartal deutlich zurück – ebenso wie in der Gesamtwirtschaft. Allerdings führen nur 10,5 Prozent der Selbstständigen Kreditverhandlungen, deutlich weniger als in der Gesamtwirtschaft (26,4 Prozent). Gleichzeitig bewerten Selbstständige die Vergabebedingungen weiterhin als restriktiv.
Politische Einordnung
"Der Iran-Konflikt bremst die deutsche Konjunktur aus. Darauf hat die deutsche Regierung kaum Einfluss. Sie kann aber durch strukturelle Reformen für neue Zuversicht sorgen. Positiv ist, dass Selbstständige in den aktuellen Reformplänen zum Riester-Nachfolgeprodukt nun berücksichtigt werden. Zugleich sorgt der Ausschluss aus der Aktivrente für Verbitterung, und der gerade bekannt gewordene Gesetzentwurf zur Reform der Statusfeststellung könnte zu einer Zwei-Klassen-Selbstständigkeit mit viel neuer Bürokratie führen. Zudem würden wichtige Bedingungen für die erfolgreiche Einführung einer Altersvorsorgepflicht ausgehebelt", sagt unser Vorstandsvorsitzender Andreas Lutz.
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