Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Selbstständigen Deutschland e.V.

Soforthilfen für Selbstständige: In anderen EU-Staaten deutlich großzügiger

Andere EU-Staaten sind gegenüber ihren Selbstständigen sehr viel großzügiger, Foto: Pixabay, photosforyou

Jana Riediger und Oliver Golumbiewski von der Initiative Kulturschaffender in Deutschland (IKiD) haben für ihre ebenso lesenswerte und sorgfältig recherchierte „Betrachtung der Grundsicherung als Soforthilfemaßnahme – Freier Bericht von freien Künstler*innen und Solo-Selbstständigen“ (PDF) u.a. untersucht, mit welchen Hilfen andere europäische Länder Soloselbstständige und Kulturschaffende für ihre Ausfälle entschädigen.

Demnach entschädigen fast alle betrachteten europäischen Länder Solo-Selbstständige, die aufgrund der staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen unter hohen Umsatzeinbußen leiden, deutlich großzügiger als Deutschland. Die Zahlungen erfolgen dabei entweder pauschal oder bemessen sich nach dem früheren Einkommen. Auf eine Bedürftigkeitsprüfung wird andernorts verzichtet, oft auch auf eine Vermögens- und Einkommensprüfung.

Die Tatsache, dass Deutschland gegenüber Soloselbstständigen und kleinen Unternehmen eine ganz andere Politik verfolgt, sie auf die Grundsicherung verweist bei zugleich sehr engen Vermögensobergrenzen, birgt einigen sozialen und politischen Sprengstoff in sich; dies auch vor dem Hintergrund, dass die EU-Staaten im Rahmen des gerade beschlossenen „Wiederaufbaufonds“ 750 Milliarden, davon 500 Milliarden als Zuschuss, erhalten. Die Hilfen werden durch Anleihen finanziert. Der deutsche Steuerzahler muss für das Gros der Tilgung geradestehen (Wirtschaftswoche). 

 

Niederlande: 1.050 bzw. 1.500 Euro ohne Vermögens- und Einkommensprüfung

Niederländische Flagge, Foto: Pixabay, Marbel Amber

In den Niederlanden erhalten alle registrierten Solo-Selbstständigen für die Dauer von sechs Monaten (sogar rückwirkend zum 01.03.2020) ohne Vermögens- und Einkommensprüfung eine pauschale Summe von 1.050 Euro monatlich von der Handelskammer.

Diese Summe erhöht sich bei einem Zweipersonenhaushalt auf 1.500 Euro. Hier führt der Weg also nicht über eine Arbeitsagentur. (Redactie KVK. (2020, Mai 18). Tozo: inkomensondersteuning en leningen. Abgerufen 19.05.20)

 

Frankreich: Äquivalent zum deutschen Arbeitslosengeld I zuzüglich Solidaritätshilfefonds

Französische Flagge, Foto: Pixabay, RGY23

In Frankreich gibt es ein anderes Lösungskonzept für Kulturschaffende: wer hier als Künstler in den letzten 10 Monaten auf mehr als 507 Arbeitsstunden kommt, erhält das dortige Äquivalent zum deutschen ALG I. Hier gibt es jedoch eine baldige Anpassung, da die bisherige Ausfälle durch Absagen im Rahmen der Krise vorerst noch nicht zu diesem Minimum hinzugerechnet werden können und daher eine gewisse Anzahl von Kreativen vorerst nicht auf die Mindeststunden zum Erhalt dieser Hilfe kommen. (Laspière, V. T. (2020, April 24). Coronavirus : les intermittents dans la tourmente. Abgerufen 19.05.20)

Für Kleinstunternehmen, Selbständige und freie Berufen stellt die französische Regierung zusätzlich den Solidaritätsfonds als Soforthilfeprogramm zur Verfügung. Beihilfen aus dem Solidaritätsfonds werden förderfähigen Unternehmen gewährt, die im April 2020 aufgrund der Covid-19 Krise einen Umsatzverlust von mindestens 50 Prozennt gegenüber April 2019 oder gegenüber dem durchschnittlichen Monatsumsatz im Jahr 2019 verzeichnen. Diese Hilfe kann mit einer zusätzlichen Unterstützung in Höhe von 2.000 bis 5.000 Euro einhergehen, die an Bedingungen geknüpft ist.

Auch Landwirte, Künstler, Autoren und Unternehmen, können vom Solidaritätsfonds profitieren. Die genauen Kriterien sind auf den Seiten der deutsch-französischen Industrie und Handelskammer nachzulesen. (Coronavirus – Informationen für Unternehmen – Welche Unternehmen können von dem Solidaritätsfonds profitieren? Abgerufen 20.05.20)

 

Norwegen – 80 Prozent des Durchschnittsgehalts der letzten drei Jahre

Norwegische Flagge, Foto: Pixabay, Termakasih0

Norwegen bedient sich eines Konzeptes für Freischaffende, das in etwa unseren Kurzarbeitergeldkriterien entspricht. Selbstständige Unternehmer*innen und Freiberufler, die die vollständige Grundlage ihres Einkommens oder Teile dessen durch die Corona-Pandemie verlieren, bekommen 80 Prozent ihres Durchschnittsgehalt der letzten drei Jahre von öffentlichen Behörden bezahlt.

Die Summe ist allerdings begrenzt (bis Gehaltsgruppe 6G). Die Kompensationen werden ab dem 17. Tag nach Ausfall des Einkommens gezahlt. (Hinweise für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Norwegen – Selbstständige Unternehmer und Freiberufler: AHK Norwegen. (o. J.). Aktuelle Informationen zu Covid-19 in Norwegen. Abgerufen 19.05.20)

 

Großbritannien: Ohne Antrag 80 Prozent des Vorjahresverdienstes, bis zu 2.500 Pfund monatlich

Britische Flagge, Foto: Pixabay, Dean Moriatry

Über das Finanzamt wird in Großbritannien eine monatliche Finanzhilfe für Selbstständige abgewickelt. Wer bereits 2019 selbstständig war, mehr als die Hälfte seines Verdienstes durch diese selbstständige Arbeit erworben und hierbei unter 50.000 Pfund verdient und versteuert hat, erhält einen monatlichen Zuschuss von 80 Prozent des Vorjahresverdienstes, max. jedoch 2.500 Pfund.

Nur wer sich gerade erst selbstständig gemacht hat oder über dem Einkommensmaximum liegt erhält über dieses System keine Hilfe. Mieteinnahmen, Pensionen und Dividenden zählen ebenfalls nicht.

Erwähnenswert ist, dass die Betroffenen ohne einen Antrag gestellt zu haben, eine Zahlungszusage per Post erhielten. Dies ist ein prägnanter Vorteil, die Bearbeitung über das Finanzamt laufen zu lassen, welches bereits im Besitz sämtlicher relevanter personenbezogener Daten ist. (Tenhagen, H. D. S. (2020, Mai 16). Coronakrise: Diese Hilfen gibt es noch für Solo-Selbstständige – DER SPIEGEL – Wirtschaft. Abgerufen 19.05.20)

 

Spanien: 462 bis 1.015 Euro

Spanische Flagge, Foto: Pixabay, Efraimstochter

In Spanien wird akut an der Einführung einer Art Existenzmindestsicherung (Ingreso Minimo Vital) gearbeitet. Dieses soll über die Krise hinaus als eine äquivalente Variante zur deutschen Grundsicherung Bestand behalten.

Die Regierung ist dabei, die Details für die Umsetzung des Mindestvitaleinkommens (IMV) fertigzustellen. Es richtet sich in erster Linie jedoch an Haushalte in schwerster Armut, was ungefähr 20% der Gesamthaushalte entspricht und eröffnet die Möglichkeit, eine finanzielle Sicherung von 462,00 bis 1015,00 Euro (je nach Familienstand) zu erlangen.

Die Fertigstellung der Maßnahme, die dem Ministerrat in der zweiten Maihälfte vorgelegt werden soll, wird in der Umsetzung im Juni dieses Jahres erwartet. (C.L. (2020, Mai 19). Ingreso Mínimo Vital Renta mínima vital: requisitos para solicitarla, cuantía de la ayuda y todas las claves. Abgerufen 19.05.20)

 

Belgien: 1.292 bis 1.614 Euro

Belgische Flagge, Foto: Pixabay, Jessica Johnson

Doch auch in Belgien wurde eine einheitliche Lösung gefunden. Selbstständige können hier für die Monate März, April und Mai Anspruch auf Überbrückungsrecht anmelden. (Landesinstitut der Sozialversicherungen für Selbständige. (o. J.). Auskunftsformular Anspruch auf Überbrückungsmaßnahmen – Zwangsunterbrechung aufgrund des Coronavirus | LISVS. Abgerufen 19.05.20)

Bei vollem Leistungsanspruch bekommen Selbstständige 1.291,69 EUR pro Monat, bzw. 1.614,10 EUR pro Monat mit Familienlast. Für Selbstständige, die Anspruch auf die Teilleistung haben, beläuft sich die Leistung 645,85 EUR pro Monat, bzw. 807,05 EUR pro Monat, mit Familienlast.

Unter bestimmten Bedingungen kann die Leistung mit einem anderen Ersatzeinkommen (Rente, (zeitweilige) Arbeitslosigkeit) kumuliert werden. Die genauen Kriterien zur Einstufung sind auf der Seite des Landesinstituts der Sozialversicherungen für Selbstständige aufgelistet. (Landesinstitut der Sozialversicherungen für Selbständige. (2020, April 29). Schwierigkeiten infolge des Coronavirus | LISVS. Abgerufen 19.05.20)

 

Schweiz: Bis zu 5.880 Franken pro Monat

Schweizer Flagge, Foto: Pixabay, Soilayla

Selbstständig Erwerbende, die wegen behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in der Schweiz Erwerbsausfälle erleiden, werden entschädigt, sofern nicht bereits eine Entschädigung oder Versicherungsleistung besteht.

Als Betroffen gilt, wer durch Schulschließungen, ärztlich verordnete Quarantäne, Schließung eines selbstständig geführten öffentlich zugänglichen Betriebes keine Einnahmen mehr erwirtschaften kann. Ebenso gilt dies für freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die einen Erwerbseinbruch erleiden, weil ihre Engagements wegen der Massnahmen gegen das Coronavirus annulliert werden oder weil sie eigene Veranstaltungen absagen müssen.

Um Härtefälle zu vermeiden, weitet der Bundesrat den Corona-Erwerbsersatz sogar noch auf Selbständigerwerbende aus, die nicht direkt von Betriebsschliessungen oder vom Veranstaltungsverbot betroffen sind. Voraussetzung ist, dass ihr AHV-Ausgleichskassen pflichtiges Erwerbseinkommen höher ist als 10.000 Franken, aber 90.000 Franken nicht übersteigt.

Trifft dies zu, sieht die Hilfe höchstens 196 Franken pro Tag, maximal 5.880 Franken pro Monat, vor. Der Anspruch entsteht rückwirkend ab dem 1. Tag des Erwerbseinbruchs und endet nach zwei Monaten, spätestens aber mit der Aufhebung der Massnahmen zur Bekämpfung der Corona Pandemie. (Seco, S. F. W. (o. J.). Entschädigung bei Erwerbsausfällen für Selbständige. Abgerufen 19.05.20)

Als Grundlage müssen die Ausgleichskassen laut Verordnung immer das aktuellste Einkommen nehmen. (jaw. (2020, Mai 20). Selbständige erhalten lächerlich kleine Corona-Beträge – nun gibt es aber ein Happy End. Abgerufen 25.05.20)

 

Fazit: Deutschland schneidet alles andere als gut ab

Das Fazit der Autoren Jana Riediger und Oliver Golumbiewski: „Damit schneidet Deutschland, immerhin das wirtschaftsstärkste Mitgliedsland der EU , auch im gesamteuropäischen Vergleich alles andere als gut ab. Als stärkste Volkswirtschaft Europas darauf zu verweisen, dass andere Länder nicht annähernd so gute Lösungsszenarien vorweisen können, ist einerseits nicht korrekt.“

24 Kommentare

  1. Lindener ingeborg schreibt:

    Wohne im Bundesland Hessen und habe als Soloselbständige
    K e I n e Soforthilfe corona erhalten
    Habe sozialhilfe beantragt
    Habe eine Altersrente von ca 630 € deshalb zusatzbeschäftigung.
    Sozialhilfe wurde abgelehnt da ich ca.100 € über der Bemessung
    Grenzen liege. Meine mtl. Belastung für ein von mir gekauftes renovierbedürfiges ca. 60qm großes Häuschen mtl 350 € sowie
    Einige Unterhaltskosten nicht anerkannt würden
    Habe anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen

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    1. Purcel schreibt:

      Haben Sie Rechts. Und frechheit. Mehrere mal ich mail geschrieben und keine anwort.

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      1. AR schreibt:

        Kommen aus Braunschweig Niedersachsen.
        Drei Anträge gestellt bei der Flrderbank seit drei monate ohne einen Cent. Wollte keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen, weil eine nette Mitarbeiterin des JC eine blöde Bemerkung machte Harz IV und Corona machts möglich, das sie ihr Unternehmen weiterführen können
        Lächerlich und Antrag zurück gezogen, Dienstaufsichtsbeschwerde gesxhrieben , nun als Dank fordern die zwei Monate a 207 Euro zurück. Widerspruch eingereicht.
        Trauriges Deutschland.

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  2. Jens Wagner schreibt:

    Herzlichen Dank für das verlinkte PDF-Dokument „Betrachtung der Grundsicherung als Soforthilfemaßnahme – Freier Bericht von freien Künstler*innen und Solo-Selbstständigen“. Das ist eine exzellente Ausarbeitung!
    Ich habe den Link heute an das Niedersächsische Wirtschaftsministerium als Antwort auf eine Mail weitergeleitet, mit der ein Bezug von Grundsicherung „als nicht ehrabschneidend“ bewertet worden ist.

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    1. Angela Hoffmann schreibt:

      Lieber Jens Wagner,
      was ist das für ein Dokument, das verlinkt wurde? Klingt vom Thema her sehr interessant. Könntest Du es nochmal verlinken und senden? Ich fand es nicht im Kommentar, vielen Dank!

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      1. Antworten
  3. C. Vonstatten schreibt:

    Ein Staat, der einerseits seinen Solo-Selbständigen vorwirft, sie würden sich nicht genug um ihre Altervorsorge kümmern (s. Diskussionen zur Scheinselbstänidgkeit u.a. bei IT-lern) und sie gleichzeitig zwingt, genau diese Altersvorsoge aufzubrauchen, während gleichzeitig Angestellte problemlos 70% ihres Einkommens für Nicht-Arbeiten kriegen, der zeigt deutlich, daß er Einzel-Unternehmentum eigentlich nicht haben möchte.

    Beantragt doch Hartz4, dann haben wir euch wieder unter Kontrolle!
    Das ist keine Lösung (und für viele auch nicht machbar, eben weil wir wirklich noch Rücklagen haben, die eigentlich für was anderes gedacht waren als für den Corona-Shutdown).

    Ein temporäres BGE wäre unbürokratisch zu realisieren gewesen. Und wenn jetzt jemand sagt, das stimmt nicht, dann glaub ich das nicht – denn was hier an Zeit und Energie verbraten wird, um immer neue Regeln zu erschaffen und diese dann zu kontrollieren (+ das später evtl. noch vor Gericht zu klären), das kreiert zwar Arbeit für Verwaltungsangestellte, Rechtsanwälte, Gerichte etc., kann unterm Strich unmöglich günstiger sein, einfach jedem Soloselbständigen monatlich 1000 Eur in die Hand zu drücken – oder wie in anderen Ländern halt dann, wenn der Umsatz eine bestimtme Grenze nicht überschritten hat, derjenige es also echt benötigt.

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    1. TS schreibt:

      > Beantragt doch Hartz4,

      Was ich, als Ergebnis der ganzen angeblichen Soforthilfen, machen mußte. Antwort (wiederum nach einigen Wochen, wie die anderen Schritte): Ich bin schon im Rentenalter, also gilt das nicht, und ich muß Grundsicherung im Alter beantragen, mit einem Wust von Formularen.

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  4. Alfons Pass schreibt:

    Wenn wir gut verdienen, dann ist der Soloselbständige gern gesehen als Zahler der Est., beim erwirtschaften der Umst. und beim reichlichen auffüllen der Krankenversicherungskonten.

    Wenn er aber einmal Hilfe benötigt, dann steht er offensichtlich im Schatten all der Konzerne, die einen Lobbyisten am Tisch im Kanzleramt sitzen haben.

    Wir alle, die hiervon betroffen sind, sollten uns dies sehr genau merken und in unserem Umfeld intensiv kommunizieren, die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

    Wir alle haben es in der Hand, wie groß der Druck auf den Kreis der Verantwortlichen ist.

    Darüber hinaus empfehle ich allen Betroffenen den jeweiligen MdB und MdL persönlich zu kontaktieren, per Mail oder Brief und ggf. zum nachfassen per Telefon.

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  5. Conni schreibt:

    Ich arbeite seit 22 Jahren als Soloselbständige,bin aus der Not nach der Wende,als es keine Arbeit gab,ich trotz Verbot schwanger entlassen wurde,mich danach niemand haben wollte,mit 35 zu jung,Kind vorhanden,dass ja mal krank werden könnte,nachdem ich immer wieder nur Kurzjobs bekam und verarscht wurde,in die Selbständigkeit gegangen.Alles aus eigener Kraft,ohne Kredite.Es war verdammt schwer,aber ich wollte nicht mehr vom Arbeitsamt abhängig sein.Leben konnte ich von meinem Job kaum,aber ich liebe ihn bis heute!Nun kam Corona und ich konnte von heute auf morgen nicht mehr arbeiten.Die Soforthilfe habe ich bekommen,mit 1000€ war ich bescheiden.Trotzdem fehlt mir noch immer das Geld um meine laufenden Kosten zu decken,denn die Soforthilfe darf nur für Betriebskosten verwendet werden.Ich bin zwar dankbar dafür,aber da meine Betriebskosten nicht zu hoch liegen,bleibt das Geld auf der Bank liegen.Woanders dürfen Soloselbständige einen Teil zum Lebensunterhalt nehmen.Ich hab ja vorher auch von meinem Geld gelebt.Im Moment weiss ich nicht,wie ich aus der Krise herauskommen soll.

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    1. Yvonne schreibt:

      Mein Werdegang ist ähnlich.
      Allerdings habe ich nach meinem 3.ANTRAG !!! nur meine Nebenkosten erhalten. Von was man leben soll, das ist denen doch scheiß egal

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  6. EmJay schreibt:

    Hallo,

    vielen Dank für diesen interessanten Artikel.
    Er passt zu meiner persönlichen Erfahrung, die ich in den benannten Ländern machen konnte.

    Andererorts werden kleine Unternehmen gesellschaftlich auch ganz anders wahrgenommen.
    Sie stehen für Individualität, Vielfalt, Innovation, Nähe und Lebensqualität.

    In Deutschland ist die Wahrnehmung in der Gesellschaft eher anderer Natur. Dort gelten wir als Steuertrickser, Abzocker, Sozialversicherungs-umgeher und jetzt auch als prekär und unfähig vorzusorgen.

    Zu gern würde ich den Menschen mit einem Megafon ins Gesicht schreien:

    Wir backen Deine Pizza, Wir schneiden Deine Haare, Wir leiten Dich beim Yoga an, Wir mixen Deinen Cocktail, Wir sorgen für Dein Programm am Wochenende, wir kümmern uns um Deine Kinder, wir reparieren Dein Auto, wir machen für Dich Musik, wir korrigieren Deinen Haltungsschaden, wir pflegen Deine Eltern, wir bauen Deine Lebensmittel an, wir decken Dein Dach, wir machen Deinen Döner, wir ziehen Dich an, wir machen Deinen Latte Macchiato und das leckere Bio-Eis, usw. usw. usw.

    NICHT DIE VERDAMMTE LUFTHANSA UND DIE AUTOINDUSTRIE!

    Aber es fehlt völlig das Verständnis für unsere Position in der Gesellschaft. Die Kommentare unter vielen Online-Nachrichten und sogar der VGSD Petition beweisen (aus meiner Sicht): Man will uns scheitern sehen.

    Corona – bzw. der Umgang mit uns durch die Bundesregierung in Person von Herrn Altmeier wird Deutschland schon bald noch grauer und langweiliger werden lassen. Der Lifestyle jedes einzelnen wird teurer und die großen Industrien noch mächtiger (mangels Opposition). Doch niemanden stört es, weil ja alle ihren Lohn bekommen und konsumieren können.

    Ich bin davon überzeugt, dass diese Entwicklung auch nicht mehr aufzuhalten ist. Nicht die Regierung ist das Problem, sondern die Gesellschaft, die sie wählt.

    Was die Corona-Soforthilfe betrifft:
    Für mich ist das lediglich ein Hilfspaket für die Banken, denn die Soloselbstständigen sollen damit laufende Kredite tilgen und Leasingraten bezahlen. Das ein paar wenige Unternehmer davon auch die Miete für Geschäftsräume bezahlen können, nimmt man als Alibi in Kauf.
    Daher wundert mich auch nicht, dass die Banken sich in den letzten drei Monaten noch gar nicht zu Wort gemeldet haben… es wird ja bereits bestens für sie gesorgt.

    Die letzten 20 Jahre waren mühsam und ein ewiger Kampf gegen die Bürokratie und die Schikanen und Vetternwirtschaft von Gewerbeaufsicht, Bauamt und Finanzamt. Dem großen Lebensmittelproduzent, der sich hier kürzlich niedergelassen hat, wurde der rote Teppich ausgerollt.
    Jetzt können die Menschen nachts nicht mehr schlafen, weil ununterbrochen Kühllaster an der Straße parken, es stinkt, es ist laut… aber die Gewerbesteuer war wichtiger.

    Naja… dafür ist hier ja alles „schön sauber“.

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    1. Heike Krause schreibt:

      Danke, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Es trifft genau den Punkt, aber viele möchten das wohl nicht wahr haben.👍👍👍👍

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    3. Thomas Grund schreibt:

      @EmJay: Ich stimme grundsätzlich zu. Mit Intelligenz, Kompetenz, Weitsicht, mit Herz, gesundem Menschenverstand und gutem Willen wären oft sicher bessere Lösungen möglich gewesen. Zweifelsfrei auch in dieser aktuellen Situation. Auch für Solo-Selbständige und kleine Unternehmer. Ich gehöre selbst zu der betroffenen Gruppe. In unserem System der repräsentativen Demokratie sind die Eingangs genannten Qualifikationen nicht zwingend Voraussetzung für die Besetzung von Regierungsposten, Parlamentssitzen oder führenden Positionen/Rollen in politischen Parteien. Einerseits gut, weil damit von der Idee her offen und durchlässig. Andererseits schlecht, denn es befördert nicht dringend benötigte Qualifikationen an genau die Stellen, wo es am meisten von ganz vielen benötigt wird. Ein Dilemma von vielen.. Das „System“ Partei, Parlament, Regierung nährt sich selbst immer besser, wächst und schützt sich zunehmend selbst vor dem Einfluss seines Souveräns. Diese steile These stelle ich mal in den Raum. Widerspruch erwünscht.
      Die Beschleunigung von Veränderungen in Gesellschaft (zunehmende Individualisierung/Singularisierung – gewollt oder auch nicht ), die Ökonomisierung nahezu aller Lebensbereiche ohne Rücksicht auf Ökologie (Natur/Umwelt), der unaufhaltsame Vormarsch digitaler Technologien, eine zunehmende Geschwindigkeit, (Problem)Vernetzung und Komplexität, die als Unübersichtlichkeit wahrgenommen wird, stellen uns vor große Herausforderungen. Nicht zu sprechen vom überalterten Haus Europa in einer arbeitsteiligen/globalisierten Welt, der Währung (FIAT Money), oder dem Problem der Verteilungsproblematik (Einkommen/Vermögen). Sollten wir zur Bewältigung dieser großer Herausforderungen nicht die hellsten Köpfe ins Rennen schicken? Und was wenn wir feststellen, das die amtierenden Köpfe in der Regierung schon an Kleinigkeiten scheitern, wie 2 Mio Solo-Selbständige ohne Not/Absicht in den Ruin zu führen? Gibt es keine Alternative? Doch! Wir haben immer die Wahl. Auch wieder in 2021 können wir uns zwischen Pest und Cholera entscheiden, solange wir nicht bereit sind, als Gesellschaft das „System“ von Grund auf zu reformieren. Bis dahin und auch weiterhin nehmen wir unser Schicksal wohl besser selbst und ständig in die Hand und organisieren uns zB im VGSD.

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    4. Antworten
  7. Michaela schreibt:

    Ich bin Soloselbständige und arbeite auf Messen, Events und Strassenfeste.
    Alle Großveranstaltungen sind bis Ende August abgesagt.
    Ich habe mein Leben komplett durch meine Selbstständigkeit finanziert.
    Miete, Strom, Lebensunterhalt.
    Zum Dank, dass ich auch brav immer meine Steuer bezahlt habe, muss ich jetzt in die Grundsicherung.
    Meine ganze Mühe all die Jahre durchzuhalten und ans Ziel zu kommen, alleine durch meine Tätigkeit mein Leben zu finanzieren und niemanden auf der Tasche zu liegen, alles wurde jetzt komplett vor die Wand gefahren.
    Von heute auf morgen waren meine Unsätze auf Null, ich habe erwartet, dass wenigstens für die ersten drei Monate die Verluste zumindest zum Teil ausgeglichen werden . Aber nein zum Dank bekommt man eine Summe unter Hartz 4 Satz .

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    1. Ausgemustert schreibt:

      Gleiche Branche, gleiche Situation!

      Die Corona-Soforthilfe ist an Zynismus kaum zu überbieten und die jetzt diskutierten, neuen Wirtschaftshilfen werden genauso unwirksam sein. Denn damit sie wirksam wären, müsste die Bundesregierung erstmal das Problem verstanden haben. Das das aber nicht der Fall ist, sieht man daran, welche Bedingungen die PolitkerInnen an die neuen Hilfen knüpfen wollen.

      Klima- und Umweltziele als Bedingung?
      Wir sind diejenigen, die Biolebensmittel anbauen, wir sind diejenigen, die umweltfreundliche Verpackungen erfinden, wir sind diejenigen, die umweltfreundliche Möbel erfinden, wir sind diejenigen, denen Umweltschutz immer schon ein Anliegen war, weil es uns betrifft.
      Aber Herr Altmeier ist derjenige, der eine Autokaufprämie für SUVs ins Leben ruft.

      Mit anderen Worten: Wir sollen richten, was die Regierung seit Jahren nicht hinbekommt. Und wenn wir das nicht schaffen, kann sie auch gern auf uns verzichten.

      Frauenquote umsetzen?
      Es genügte ein Blick in die eigenen Aufzeichnungen des statistischen Bundesamtes. Denn dort kann man sehen, wie die Geschlechterverteilung unter Soloselbstständigen und Kleinunternehmern ist.
      Stattdessen werden Großunternehmen mit genau diesen eingestaubten Strukturen gefördert,

      Mir wird speiübel wenn ich daran denke, wie offen die Dekadenz und Inkompedenz in Regierungskreisen heutzutage gelebt werden kann, ohne das die Leute auf die Straße gehen.

      Was wir tun können?
      Wählen gehen und sonst nur das, was wir schon immer gut konnten. Innovativ und phantasievoll an die Sache heran gehen und uns neu erfinden. Auf gar keinen Fall sollten wir darauf bauen, dass Bund und Länder uns zur Seite stehen.

      #WirSindMillionenUndWirSindWütend!

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      1. Aufruf schreibt:

        Jetzt kommt es darauf an, nicht mehr gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
        Unternehmer – und insbesondere die kleinen – sind diejenigen die Deutschland am Laufen halten. Nicht die elenden Sesselpupser von CDU/SPD/Grünen/Linken, die den „Familien“ immer das Blaue vom Himmel versprechen und die Selbstständigen und andere Leistungsträger sollen diese sinnfreie Umverteilung finanzieren. Es reicht. Familien können nur existieren, wenn es Jobs gibt, die von Unternehmern geschaffen werden. Es sollte also nicht die zigste sinnbefreite Wurfprämie an Familien gezahlt werden, sondern den Menschen geholfen werden, die jetzt wirklich in Not sind. Den Unternehmern/Künstlern, die von heute auf morgen keinerlei Einkommen mehr haben. Steht auf und ruft es den Menschen in Eurem Umfeld zu: Kein Unternehmer, kein Job.

        Antworten
  8. BT schreibt:

    ZIEHT Eure Einzugsermächtigungen für Steuer-Vorauszahlungen zurück!
    .
    Mein FA ignoriert die Verlautbarungen von Scholz, des BMF-Schreiben vom März und zweimalige Bitten.

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  10. Heike Krause schreibt:

    Es ist schon traurig, da geht man in die Selbstständigkeit um dem Staat, im Gegensatz zu vielen Anderen, nicht auf der Tasche zu liegen und wird jetzt dafür abgestraft. Ich bin weder Nazi noch hasse ich Menschen anderer Kulturkreise aber wie kann es sein das jeder schnell und problemlos monatlich sein Einkommen aus dem Staatshaushalt erhält, und das ohne jegliche Gegenleistung, während Solo-Selbstständige oder Rentner die sich etwas dazuverdienen weil die Rente nicht reicht nichts bekommen außer vielleicht Hartz IV. Unsere Politiker füttern die Industrie, die Flüchtlinge und vor allem sich selber. Die gesamte Wirtschaft wird an die Wand gefahren aber die Diäten der Politiker werden erhöht. Ich werde 63 Jahre, lebe allein und würde am liebsten dieses Deutschland verlassen in dem es keine Gerechtigkeit gibt.

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    1. qwertz schreibt:

      Es ist wirklich nicht mehr nachzuvollziehen, dass Selbstständige in Deutschland ein derart niedriges Ansehen haben. Dabei vergessen die ganzen Leute, dass auch Benz, Bosch, Siemens und Co. alle einmal klein quasi in der eigenen Garag begonnen haben. Aber heutzutage machen die Behörden so ein kleines Unternehmen lieber zu, da das Baurecht eine derartige Umnutzung einer Garage ja nicht zuläßt. Traurig, wie tief Deutschland gesunken ist. Aber Hauptsache der völlig sinnbefreite Fußball läuft wieder, dafür gibt’s natürlich eine Ausnahme …

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  11. Andreas Terveen schreibt:

    Dem sehr guten und sehr wichtigen Artikel habe ich eigentlich nur noch eines Hinzuzufügen:
    „…Als stärkste Volkswirtschaft Europas darauf zu verweisen, dass andere Länder nicht annähernd so gute Lösungsszenarien vorweisen können, ist einerseits nicht korrekt.“ und andererseits auch schlichtweg gelogen wie im Artikel klar herausgearbeitet wurde. Das es Selbstständige bzw. betroffene in einigen Ländern (z. Bsp. Spanien) nocht schlechter haben als bei uns, ist weder ein Argument noch eine Rechtfertigung dafür, wie man mit uns gerade umspringt.
    Warte auf den Tag, an dem das Jobcenter die Soforthilfe auf die Hilfe zum Lebensunterhalt anrechnet – dann knallts!!

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