Verbände gründen „Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände“

25 Teilnehmer von 20 Verbänden trafen sich auf Einladung von VGSD und AGD in Berlin, Fotos: Jan-Peter Wahlmann

Für den vergangenen Montag, 13.02.2017, hatten Victoria Ringleb vom Verband Deutscher Designer (AGD) und ich (Andreas Lutz vom VGSD) zu einem Treffen von Selbstständigen- und Branchenverbänden nach Berlin eingeladen.

Das Ziel:

  • herauszufinden, wo unsere Schnittmengen in Hinblick auf Themen wie Scheinselbstständigkeit, Rentenpflicht, Krankenversicherungsbeiträge liegen,
  • zu besprechen, wie wir gegenüber der Politik in solchen Bereichen noch geschlossener und wirksamer auftreten können und
  • wie wir gemeinsam Interessen unserer Mitglieder besser durchsetzen können.

 

Alle besonders aktiven Verbände eingeladen

Die Teilnehmer diskutierten auf sehr konstruktive und disziplinierte Weise – deshalb war es ein ergebnisreicher Tag

Eingeladen hatten wir alle Verbände, die uns in den letzten Jahren als besonders aktiv aufgefallen waren – bei Treffen im Reichstag, beim BMAS in Workshops und zuletzt beim „Themenlabor“ und „Kamingespräch“ mit Ministerin Nahles.

Letztgenannte Veranstaltungen waren zugleich Auslöser für uns, dieses Treffen zu initiieren. Unmittelbar vor dem Kamingespräch im September letzten Jahres hatte ich (Andreas Lutz) eine Vorbesprechung organisiert und festgestellt, wie viel überzeugender wir auftreten konnten, wo wir zuvor eine Chance zum Gespräch miteinander hatten. Zugleich trug die Politik explizit den Wunsch an uns heran, uns untereinander abzustimmen und Gesprächspartner zu benennen (den damit verbundenen Wunsch, dies solle unter Führung von Gewerkschaften erfolgen, werden wir allerdings nicht erfüllen).

 

25 Vertreter von 20 Verbänden anwesend

Treffen am Vorabend: Jetzt duzen wir uns! – Dieses Foto: Jonas Kuckuk

25 Vertreter von 20 Verbänden waren dann am Montag nach Berlin gekommen. Schon am Vorabend fand ein Get-together statt, das uns einander auch persönlich näher brachte: Das drückte sich auch darin aus, dass wir alle uns künftig untereinander duzen werden.

Das eigentliche Treffen fand im Haus der Kulturverbände, gleich gegenüber des Bundesarbeitsministeriums in der Berliner Mohrenstraße statt. Nach der Vorstellungsrunde hatten wir vier Verbandsvertreter gebeten, eine jeweils aktuelle Initiative vorzustellen – das Spektrum reichte von einer geplanten Veranstaltung zum Thema Scheinselbstständigkeit über ein Gutachten zum Thema Krankenversicherungsbeiträge bis hin zu einem gemeinsamen Positionspapier zum Thema Rentenpflicht.

Dabei wurde schon deutlich, dass es nicht darum geht, Kreativität und Engagment der einzelnen Verbände durch aufwändige Abstimmung zu bremsen, sondern die einzelnen Initiativen bekannt zu machen, gegenseitig zu unterstützten und zu verstärken (ohne den Zwang dass jeder Verband bei jeder Initiative mitmachen muss).

 

Ansprechpartner für die Politik, aber auch für Interviews, Podien, Gremien

Kristin Müller (VGSD-Arbeitsgruppe Rentenpflicht) im Gespräch mit Thomas Andersen (Deutscher Crowdsourcing Verband)

Bei der Abfrage der Erwartungen waren wir uns schnell einig: Es geht darum, Ansprechpartner für die Politik bereit stellen zu können mit dem mittelfristigen Ziel, dass wir eingebunden werden und nicht wie bisher nur die Sozialpartner (Gewerkschaften und Arbeitgeber) mit am Tisch sitzen, wenn es um unsere Anliegen geht.

Anfragen von Medien, nach Speakern, für Gremien usw. wollen wir besser bedienen, indem wir uns gegenseitig empfehlen und so passende Gesprächspartner in der jeweiligen Region oder zum jeweiligen Thema zur Verfügung stellen. Schon jetzt erhält der VGSD zum Beispiel mehr Einladungen, als wir mit unseren aktiven Mitgliedern bewältigen können.

 

Freiräume für offene Gespräche und bessere Abstimmung untereinander

Soziometrische Aufstellungen dienten dazu, sich schnell über gegenseitige Positionen klar zu werden und gezielt auszutauschen

Statt uns mal in der, mal jener Konstellation am Rande von Veranstaltungen zu treffen, wollen wir online und offline „Räume“ schaffen für das offene Gespräche und die interne Abstimmung untereinander. (Das nächste Treffen in großer Runde ist bereits für Anfang Mai vereinbart, darüber hinaus haben sich bereits erste Arbeitsgruppen formiert.)

Wir wollen uns besser kennenlernen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufbauen. Diese soll über Branchen- und Einkommensgrenzen hinweg auf Augenhöhe stattfinden. Wir wollen gemeinsam abgestimmte Forderungen aufstellen, statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen.

Durch die verbesserte Koordination und Kommunikation untereinander wollen wir Doppelarbeit vermeiden, vohandene Ressourcen auf freiwilliger Basis teilen und somit arbeitsteiliger und effektiver vorgehen.

 

Bessere Abstimmung – gemeinsame Ressourcen

Basty Duellmann und Markus Pohl (ISDV)

Ganz konkret haben wir direkt nach der Veranstaltung mit dem Aufbau gemeinsamer Kommunikationskanäle wie E-Mail-Verteiler, gemeinsame Dateiablage, Whatsapp-Gruppe usw. begonnen.

Mittelfristiges Ziel ist natürlich auch, die gegenseitigen Positionen besser zu verstehen, Schnittmengen zu finden oder gemeinsame Positionen zu entwickeln, die wir dann gezielt nach außen tragen.

Dass die Unterschiede dabei gar nicht so groß sind, wurde im Rahmen soziometrischer Aufstellungen deutlich: Wir luden die Teilnehmer ein, sich entsprechend ihrer Position zu Themen wie Positivkriterien, Alters- versus Rentenversicherungspflicht, wünschenswerte Höhe von Krankenversicherungsmindestbeiträgen usw. im Raum zu positionieren.

Oft gab es eine klare Mehrheit für eine Position und eine mehr oder minder große Minderheit für eine andere. Wir brachten die Teilnehmer aus den verschiedenen „Lagern“ zum Dialog mit den anderen über ihre Position. Es zeigte sich schnell, dass wir auch in solchen Fällen nicht weit auseinander waren und es eher um differenzierte Forderungen, branchenmäßige Besonderheiten etc. ging. Besonders groß war die Übereinstimmung beim Thema Rechtssicherheit / Scheinselbstständigkeit.

 

Mit großer Mehrheit beschlossen

Andreas Lutz und …

Mit großer Mehrheit beschlossen wir dann die Gründung der „Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände“, abgekürzt BAGSV. Zur Wahl standen auch „Initiative Selbstständigenverbände“ und „Bundeskoordinationsstelle (Solo-)Selbstständige“.

Wir sprechen von „Selbstständigenverbände“, auch wenn die Mehrheit der BAGSV-Mitglieder Branchen- und Berufsverbände sind. Sie zeichnen sich durch einen hohen Anteil an selbstständigen Mitgliedern aus bzw. ihnen ist wichtig, diesen Teil der Mitglieder gut zu vertreten.

Wir haben keinen Verein oder eine ähnliche formale Organisation gegründet und erheben auch keinen Mitgliedsbeitrag. Wir wollen – gerade im Wahljahr – dass die Energie der  Mitgliedsverbände sich auf politisch wirksame Initiativen konzentriert und nicht abgelenkt wird, die BAGSV soll ihnen auch den Mitgliedsverbänden auch keine Konkurrenz machen. Vielmehr geht es um eine bessere Abstimmung und Zusammenarbeit untereinander.

 

Victoria Ringleb und Andreas Lutz zu Koordinatoren gewählt

… Victoria Ringleb (AGD) wurden zu Koordinatoren der Arbeitsgruppe gewählt

Zu Koordinatoren des BAGSV wurden die beiden Gastgeber Andreas Lutz und Victoria Ringleb gewählt, viele andere Teilnehmer stellten sich spontan als Ansprechpartner für bestimmte Themen oder Arbeitsgruppen zur Verfügung.

Ich (Andreas Lutz) freue mich zusammen mit Victoria sehr über das Vertrauen der Verbändevertreter und die Wahl zum Koordinator.

Wir haben als VGSD bisher schon gut mit allen diesen Verbänden und Initiativen zusammengearbeitet. Durch die Arbeitsgemeinschaft können wir künftig noch effektiver und überzeugender auftreten. Für die Politik werden unsere Verbände zu einem noch ernster zu nehmenden Gesprächspartner.

Termin: Treffen von Selbstständigen- und Branchenverbänden (BAGSV-Gründungsveranstaltung)

Veranstalter
Wann?
Am 13. Februar 2017, 09:30 Uhr bis 17:00 Uhr
Eintritt
Freier Eintritt
Wer kann teilnehmen?
Vertreter von interessierten Berufs- und Selbstständigenverbänden (Anmeldung erforderlich)
Wo?
Haus der Kulturverbände
Mohrenstr. 63, 10117 Berlin
Warum lohnt es sich hinzugehen?
  • Gemeinsam besprechen, wie wir als Verbände und Initiativen gegenüber der Politik in Bezug auf gemeinsame Anliegen unserer Mitglieder noch geschlossener auftreten können
  • und wie wir uns dabei unterstützen können, diese Anliegen besser durchzusetzen
Ablauf
  • Ab 9.30 Uhr – Ankunft, Registrierung und Begrüßungskaffee
  • 10:00 Uhr – Begrüßung, Vorstellungsrunde und Tagesordnung (AL) Kurzvorstellung ausgewählter aktueller Initiativen (MK, TW, u.a.)
  • 10:45 Uhr – Erwartungsabfrage: Mit welchen Erwartungen an eine solche gemeinsame Initiative sind Sie hierher gekommen? Welche Themen sind Ihnen besonders wichtig? (AL)
  • 11:30 Uhr – Gemeinsame Erarbeitung von Anliegen und Ziel der Initiative: (VR)
  • 12:30 Uhr – Mittagessen
  • 13:30 Uhr – Identifizierung und Priorisierung der gemeinsamen wichtigen Themen – Zu welchem Thema finden wir wie schnell eine gemeinsame Position? – Bei welchem Thema dauert es länger? Wie lösen wir das? – Bei welchem Thema wird es noch schwieriger? Wie gehen wir damit um? (VR)
  • 14:30 Uhr – Ergebnisse und Zusammenfassung (VR)
  • 15:00 Uhr – Kaffeepause
  • 15:30 Uhr – Struktur, Name und Außenrepräsentation der Initiative (AL)
  • 16:30 Uhr – Hausaufgaben, Berichterstattung, nächstes Treffen (AL)
  • 17:00 Uhr – Ende der Veranstaltung, Verabschiedung und Abschiedskaffee

 

Vorabend (Sonntag, 12.02.17) – Gemeinsames Abendessen in der Berliner Republik – Brokers Bierbörse, Schiffbauerdamm 8, 10115 Berlin

Galerie

Markus Korinth von der Aschaffenburger Pass-Initiative
Petra Redert (Bauhandwerkerinnen) und Anja Bodenstein (ADESW)
Gruppenfoto
Anja Bodenstein
Victoria Ringleb ist Geschäftsführerin der AGD
Nicolai Schäfer, (Bundesverband der Honorarärzte) zwischen Doris Schemmel (Verband der Lektorinnen und Lektoren) und Markus Korinth
Hier haben wir uns entsprechend bestimmter Positionen aufgestellt und erklären gegenseitig unsere Positionen
Weitere Fotos von Aufstellungen
Joachim Groth von der IT-Projektgenossenschaft eG zwischen Andreas Lutz und Uwe Neubürger (.DBITS)
Weitere Fotos von Aufstellungen
Weitere Fotos von Aufstellungen
Anja Bodenstein und Thomas Andresen
Andreas Lutz
Victoria Ringleb
Marei Strack (DDIM), Franz J. Grömping (AGEV), Doris Schemmel (VFLL), Nicolai Schäfer (BV-H)
Andreas Lutz
Joachim Henseler (DDV), Kerstin Tammling (.DBITS)
Thomas Andersen
Liliana Gatterer, Präsidentin des Bundes der Selbstständigen (BdS) Deutschland mit Tim Wiedemann, dem Referenten des Landesverbandes Rheinland-Pfalz und Saarland
Basty Duellmann und Markus Pohl, Vorstände des Interessenverbands der Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft (ISDV)
Jonas Kuckuk (BUH) und Daniel Plogmann (in Vertretung von BDÜ-Vizepräsident Ralf Lemster)
Liliana Gatterer (BdS Deutschland) und Kathleen Toepel (DeGEVal)
Uwe Neubürger (.DBITS) und Marei Strack (DDIM)
Markus Korinth, Jochen Clausnitzer (BDD), Joel Dullroy (Freelancers Europe)
Gruppenfoto
Gruppenfoto
Gruppenfoto
Gruppenfoto
Treffen am Vorabend
Treffen am Vorabend, im gestreiften Pullover: Jan-Peter Wahlmann (AGD), der Fotograf der Fotos hier (mit Ausnahme der letzten beiden)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.