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Was ist dein Beitrag als Selbstständiger zu Wirtschaft und Gesellschaft "Ich trage dazu bei, dass die nächste Generation auf den modernen Arbeitsmarkt vorbereitet wird"

Werner Fassrainer ist erschüttert über die Zustände der Digitalisierung in Deutschland – und entschlossen, etwas zu ändern.

In unserer neuen Beitragsreihe "Dein Beitrag als Selbstständige/r zu Wirtschaft und Gesellschaft" wollen wir mit deiner Hilfe Beispiele dafür geben, wie wichtig es für Wirtschaft und Gesellschaft in unserem Land ist, was wir Selbstständigen leisten. Wir wollen zeigen, dass Deutschland uns braucht, um Herausforderungen wie Klimawandel, Migration, Digitalisierung, Fachkräftemangel bewältigen und die dringend nötige Transformation von Staat und Wirtschaft schaffen zu können. Hier findest du mehr Informationen über die Reihe. Wenn auch du in einer für die Gesellschaft wichtigen Branche tätig bist, freuen wir uns, wenn du uns von deiner Tätigkeit erzählst.

Bildung als Grundlage für eine erfolgreiche Integration

Werner Fassrainer ist sich sicher: "Bildung fördert Integration. Deshalb richte ich mich mit meinem Unternehmen "Nachhilfe Rakete" an Schülerinnen und Schüler aus aktuell über 20 Nationen. Darum leisten wir im Team Nachhilfe-Rakete einen wichtigen Beitrag für die Integration von Geflüchteten oder zugewanderten Menschen in unser Wirtschafts- und Bildungssystem."

Werner ist ausgebildeter Industriekaufmann und studierte Pädagogik, Bildungswissenschaften und Philosophie/Wissenschaftstheorie an der LMU München. In der Siemens AG, in der er unmittelbar nach seiner Ausbildung als kaufmännischer Projektleiter im Vertrieb Medizintechnik arbeitete, war er bis 2003 als Corporate Manager in der Siemens-Konzernzentrale/Team Performance Controlling tätig – bis er sich dazu entschloss, sich mit seiner gesammelten Erfahrung selbstständig zu machen. Das Thema Bildung lag ihm schon immer am Herzen. Im Januar 2017 startete dann die "Nachhilfe-Rakete" ins All – mit dem Ziel, möglichst vielen, auch internationalen Menschen den Zugang zu Bildung zu erleichtern.

Insbesondere vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges braucht es Bildungsunternehmer wie Werner: "Besonders Deutsch, Englisch und Mathematik sind wichtige Fächer, um geflüchteten Menschen den Einstieg in ein fremdes Wirtschafts- und Schulsystem zu erleichtern. Neben Schülerinnen und Schülern unterrichten wir beispielsweise auch Pflegekräfte, Auszubildende und natürlich Studierende aller Fachrichtungen. Nicht nur die aktuelle Ukraine-Krise konfrontiert Deutschland mit neuen Problemen. "Wir haben den anthropogenen Klimawandel, die Veränderung durch "Industrie 4.0" und das Thema des globalen Zusammenhalts. Und diese gilt es eben auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene durch Bildung zu bewältigen.

Speziell in Deutschland ist der Lehrermangel ein großes Problem: Was der Politik dazu bisher einfällt: Klassen vergrößern, Fächer kürzen, Unterricht ausfallen lassen und pensioniertes Lehrerpersonal zurückholen. Ganz zu schweigen vom Bürokratismus der KMK"

Das deutsche Bildungssystem wurde bereits durch Covid-19 auf die Probe gestellt. Während der Corona-Pandemie musste auch die "Nachhilfe-Rakete" weitestgehend auf Online-Unterricht setzen. Doch da Werner Fassrainer selbst einen großen Wert auf die Digitalisierung von Arbeitsprozessen legt, war das Unternehmen gut gewappnet: "Mit iPad und Co. konnten wir den Online-Unterricht sehr gut durchführen." Auch im Präsenz-Unterricht werden verstärkt digitale Lehrmaterialien verwendet: "Aktuell kaufen wir gerade Smartboards, also digitale Tafeln, für unser Unternehmen ein."

Digitalisierung der Bildung lässt in Deutschland zu wünschen übrig

Ironischerweise ist Werner damit einigen Universitäten voraus: Selbst "Exzellenz-Universitäten" wie die Ludwig-Maximilians-Universität in München verwenden neben Whiteboards sogar noch Overhead-Projektoren, statt Smartboards und betreiben Websites, die im internationalen Vergleich nicht mithalten können. Werner, selbst Lehrbeauftragter an der LMU, ärgert sich unter anderem über das rückständige Uni-Portal "Lehre, Studium, Forschung", kurz LSF. "Es ist kein Wunder, dass es deutsche Unis z.B. im aktuellen ARWU-Ranking ( Academic Ranking World Universitites) nicht mehr in die Top 50 der Welt schaffen. Das LSF ist bestenfalls auf dem Stand von vor fünfzehn Jahren und bietet den Studierenden keine interaktiven Stundenpläne, Fachbelegungen etc. Außerdem bemängelt Werner, dass Universitäten die Studierenden nicht ausreichend auf die moderne Arbeitswelt vorbereiten: "Die wenigsten Seminare werden von Personen mit relevanter Führungserfahrung in der Wirtschaft geleitet. Was genau sollen Studierende denn dabei lernen? Besonders diejenigen, die selbst gründen oder ein Unternehmen führen wollen?"

Mit der Zeit gehen

Werner Fassrainer setzt dort an, wo Universitäten aufhören: Neben seinem Unternehmen "Nachhilfe-Rakete" bereitete Werner von 2017 bis 2021 an der LMU München mit seinem "Business Competence Seminar" die nächste Generation auf einen Arbeitsmarkt vor, der einem psychisch viel abverlangen kann: "Unser Seminar besteht aus insgesamt drei Workshops und richtet sich an Absolventinnen und Absolventen, die ihre eigene Karriere im Blick haben. Es wird besonders von Studierenden besucht, die nach ihrem Studium Führungs-, Projekt- und Budgetverantwortung in ihrem zukünftigen Beruf übernehmen werden. Diese Studierenden brauchen dringend eine präzise und praxisorientierte Einführung in die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und des Projektmanagements und viele weitere Qualifikationen, wie etwa effektives Zeitmanagement, Leadership Essentials, Networking und Wissen über Zukunftsberufe. Leider fehlt vielerorts die Lehre solcher Fähigkeiten durch die Uni."

Ab 2023 will Werner gemeinsam mit Alexander Pirner das Business Competence Seminar privat anbieten. "Wir verschaffen unseren Absolventinnen und Absolventen eine präzise Vorstellung darüber, was sie als zukünftige Führungskräfte brauchen. Praktische Inhalte und reale, ökonomische Situationen statt nur reiner Theorie. Denn: Wirtschaftskompetenz ist im Wandel."

Female Leadership

Neben den Defiziten in der aktuellen Ausbildung der "Next Generation" bemängelt der Bildungsunternehmer die in der Wirtschaft immer noch vorherrschende Geschlechterdiskriminierung: "Mir ist ganz egal, ob ich mit einer Frau oder einem Mann zusammenarbeite. Die Kompetenz zählt. Dass es überhaupt erwähnenswert ist, ob eine Frau oder ein Mann eine Führungsposition innehält, daran zeigt sich, dass sich noch viel ändern muss."

Innovation wird von Politik gehemmt

"In Deutschland selbstständig zu sein, ist eigentlich unzumutbar." Werner Fassrainer findet, dass die in Deutschland dringend notwendige Innovation von einem unsagbar bürokratischen Aufwand gehemmt wird. Als Experte für Management und Bildung weiß er: "9 von 10 Start-ups scheitern. Das liegt einerseits an der fehlenden Ausbildung der Gründerinnen und Gründer in Sachen Controlling. Aber auch die bürokratischen Rahmenbedingungen hier in Deutschland sind ein Grund. Unser Land muss digitaler und moderner werden. Doch jegliche Versuche in diese Richtung werden von der Bürokratie erschwert oder sogar verhindert. Dabei haben wir es bitter nötig."

Sein Vorschlag: Bürokratie abbauen. "Und zwar schleunigst. Es kann nicht sein, dass wir im Vergleich zu anderen Ländern so schlecht aufgestellt sind." Und: "Wir müssen die nächste Generation top ausbilden. Sonst geht sie in einer immer anspruchsvolleren Arbeitswelt unter. Beispielsweise in den Bereichen "Green Controlling", "neue Technologien" und "neue Leadership-Modelle" sollte die nächste Generation unterrichtet werden. Dafür sollten auch die Unis einstehen.

Wenn wir in Deutschland und Europa nicht dafür sorgen, dass wir die jungen Menschen auf höchstem Niveau ausbilden, dann wird die bereits in Gang gesetzte Abwärtsspirale Deutschlands noch weiter an Fahrt aufnehmen. Also müssen wir heute schon damit anfangen. Denn die NxtGen wird in ganz kurzer Zeit in einem gnadenlosen Wettbewerb u. a. mit China, Indien und dem "Pacific Rim", z.B. Indonesien stehen."

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