Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Was machst Du am 19. März 2016? – Viktoria Balensiefen

Im Jahr 2015 verdienten Frauen durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als Männer. Frauen müssen dementsprechend nach Ablauf eines Jahres 79 Tage (= 21,6% von 365 Tagen) länger arbeiten, um das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu verdienen. Aus diesem Grund findet am 79. Tag des neuen Jahres, dem 19. März 2016, der „equal pay day“ statt. Und deshalb fragen wir ausgewählte VGSD-Mitglieder und Selbstständige, was sie an diesem Tag tun.

 

Viktoria Balensiefen, Foto: Herff

Viktoria Balensiefen, Foto: Herff

Heute: Viktoria Balensiefen, 44 Jahre alt, Betriebswirtin, Bonn.

Die Unternehmerin ist seit 13 Jahren selbständig und ist spezialisiert auf Akquise und komplexe Kommunikation am Telefon. Den Equal Pay Day begeht sie seit 2008 und wundert sich, dass die Zahlen seitdem kaum eine Verbesserung für Frauen zeigen.

 

VGSD: Was machst Du am 19. März 2016?

Viktoria Balensiefen: Ich werde mir noch mal die Zahlenentwicklung 2008 – 2016 anschauen und mich sicherlich wundern, wie wenig passiert ist.

 

VGSD: Seit wann engagierst Du Dich im Rahmen des equal pay day?

Viktoria: 2008 habe ich den ersten Equal PayDay hier in Bonn zusammen mit dem BPW (Business and Professional Women) Bonn durchgeführt – seither bin ich dem Thema eng verbunden, und arbeite aktiv für mich und für andere an einer besseren Einkommensgerechtigkeit.

 

VGSD: Werden nach deiner Erfahrung selbstständige Frauen auch schlechter bezahlt oder ist die Ungleichbehandlung geringer als bei Angestellten?

Viktoria: Meiner Erfahrung nach findet sich hier oft die gleiche Situation wie bei Angestellten. Zum Einen bieten Frauen Ihre Dienste und Expertise häufig günstiger an, als Männer. Und dann lassen sie sich oftmals auch schneller und vor allem tiefer runterhandeln. Ich wünsche meinen Kolleginnen ein wenig mehr Chuzpe, zum eigenen Marktwert zu stehen, und den auch charmant durchzusetzen – und somit für sich einzustehen. Die Verantwortung für die Honorare liegt doch bei uns – es zwingt uns keiner, einen schlecht bezahlten Auftrag anzunehmen. Diese Selbstverantwortung und Entscheidungsfreiheit sind doch zwei der großen Vorteile der Selbständigkeit.

 

VGSD: Wie lässt sich das Gefälle verringern, kann die Politik dazu einen wirksamen Beitrag leisten, der sich nicht darin erschöpft, die Bürokratie weiter aufzublasen?

Viktoria: ich bin nicht sicher, ob es wirklich ohne „Bürokratie-aufblasen“ geht. 🙂 Ich würde mich über eine weitere Förderung der Gründer-Kultur und des Unternehmertums freuen. Diese im Bundestag bei den Abgeordneten gespiegelt zu sehen, wäre wunderbar – dann wären wir dort gut verstanden und vertreten. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich jedem Gründer einen guten und kostenfreien Grundkurs „BWL, Stundensatzkalkulation und Preisverhandlung“ wünschen. Ich könnte mir vorstellen, dass das einigen schon helfen würde.

 

VGSD: Hast Du einen guten Tipp: Was kann man als Einzelne konkret tun um höhere bzw. gleiche Honorare zu erzielen?

Viktoria: Den Markt kennen und den eigenen Marktwert sehr gut einschätzen, eventuell mit Hilfe eines externen Beraters. Verschiedene Preismodelle für verschiedene Szenarien entwickeln, um z.B. bei einem Volumen-Geschäft nicht aus Versehen zu viel Rabatt zu geben. Untergrenzen fixieren und diese auch einhalten. Und keinesfalls den Marktpreis unterbieten, nur um den Auftrag zu bekommen – womöglich sogar unterhalb der eigenen Deckungsbeitragsgrenze.

Dazu grundsätzliche Kenntnis entwickeln über die eigene betriebswirtschaftliche Situation: Kosten, Stundensätze, Deckungsbeiträge, Cash-flow etc.

Und: Spaß am Verhandeln kann man sogar lernen 🙂

VGSD: Danke für das Gespräch!

 

Bereits im Vorfeld des equal pay day findet eine Vielzahl spannender Veranstaltungen statt – Jetzt informieren

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