Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Selbstständigen Deutschland e.V.

Wie die Rentenversicherung freiberuflichen Physiotherapeuten die Selbstständigkeit aberkennt

Alexandra_WalzRund 39.000 physiotherapeutische Praxen gibt es in Deutschland, etwa die Hälfte der 178.000 angestellten Physiotherapeuten ist in einer solchen Praxis beschäftigt, zusätzlich dürften in größeren Praxen im Schnitt ein bis zwei freiberufliche Physiotherapeuten tätig sein – zumindest bisher.

Ende letzten Jahres hat die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ihre langjährige Verwaltungspraxis überraschend geändert und erkennt die Selbstständigkeit dieser freien Physiotherapeuten in Statusfeststellungsverfahren nicht mehr an.

Damit zwingt sie die Therapeuten in eine schlechter bezahlte Anstellung. Viele geben unter diesen Umständen den Beruf ganz auf, obwohl sie Spaß an der Arbeit haben und großer Bedarf nach Physiotherapeuten besteht. Im Interview berichtet VGSD-Mitglied Alexandra Walz (35) über die Entwicklung.

 

Große Nachfrage bei Praxen für selbstständige Therapeuten

VGSD: Seit wann bist Du als Physiotherapeutin selbstständig?

Alexandra Walz: Ich bin seit 2008 als Physiotherapeutin, als Sport- und Gymnastiklehrerin bereits seit 2005 selbstständig.

 

Frage: Du organisierst ein Netzwerk von freien Physiotherapeuten, die sich auf Urlaubs- und Krankheitsvertretungen spezialisiert haben.

Antwort: Ja, wir springen auch ein, wenn aus anderen Gründen akuter Personalmangel herrscht. Mein Vater ist auch Physiotherapeut und hat vor 12 Jahren mit solchen Vertretungen begonnen. Die Nachfrage der Praxen war so groß, dass wir immer mehr selbstständige Therapeuten in das Netzwerk aufgenommen haben. Ich habe die Aufgabe 2011 von ihm übernommen und vermarkte das Netzwerk unter dem Namen „mobile Physios“. Ich betreue die Mitglieder und unterstütze sie bei ihrer Werbung, wobei jeder unter eigenem Namen auftritt. Ich helfe mit Werbemitteln wie Aufsteller, Visitenkarten, Briefpapier usw. Die sind wichtig, damit die Patienten in der Praxis erkennen, dass es sich um externe Mitarbeiter handelt.

 

Frage: Wer ist Auftraggeber?

Antwort: Die jeweilige Praxis. Die Therapeuten teilen sich ihre Zeiten selbst ein und vereinbaren mit den Praxen bestimmte Tage oder Zeiten, in denen sie dann Patienten behandeln. In der Regel sind sie parallel in zwei, drei, vier Praxen und/oder für Firmen und Privatkunden tätig, über das Jahr hinweg für sechs bis 15 verschiedene Kunden. Die Rezeptabrechnung muss über den Praxisinhaber laufen, der über die Kassenzulassung verfügt und dafür speziell ausgestattete Räume benötigt. Mit Privatpatienten kann man direkt abrechnen.

 

Frage: Ihr macht viele Krankheits- und Urlaubsvertretungen und springt bei Personalmangel ein?

Antwort: Richtig, die – häufig chronisch kranken – Patienten wollen schließlich zeitnah und ohne Unterbrechung behandelt werden. Das Verschreibungsverhalten der Ärzte schwankt zudem erheblich und wir unterstützen dann flexibel in Zeiten mit besonders hoher Nachfrage. Wir hatten auch schon öfter den Fall, dass wir einen allein arbeitenden Praxisinhaber vertreten haben, der durch schwere Krankheit ausgefallen ist. In solchen Fällen sind wir die Einzigen, die die Praxis schmeißen können. Andernfalls müsste er die Praxis schließen, verliert seinen Patientenstamm und damit seine Existenz.

 

Frage: Ich habe gelesen, dass zurzeit ein akuter Mangel an Pyhsiotherapeuten herrscht. Ist das richtig?

Antwort: Ja, immer weniger Leute wollen diesen Beruf ausüben, weil er nicht so gut bezahlt ist und es in den letzten Jahren durch Einsparungen seitens der Kassen erhebliche Unsicherheiten über die Zukunftsperspektiven gab. Es gibt mittlerweile weniger Männer als früher, die den Beruf ausüben, denn mit dem Angestelltengehalt kann man in der Regel keine Familie ernähren. Praxisinhaber mit Angestellten müssen oft längere Zeit nach geeigneten festangestellten Mitarbeitern suchen. Dann greifen sie auf uns zurück, damit sie Patienten nicht abweisen müssen, während sie einen festen Mitarbeiter suchen.

 

Bisher Win-win-Situation für Freiberufler und Praxisinhaber

Frage: Warum bieten sie dann nicht den freien Mitarbeitern eine Stelle an?

Antwort: Es gibt einige Praxisinhaber, die meine Kollegen gerne anstellen würden. Manche von ihnen haben angenommen, die meisten aber ziehen so wie ich das Freie vor. Ich brauche diesen Wechsel, bin dann nicht so gebunden, kann flexibel arbeiten, muss mich nicht den Regeln des Praxisinahbers unterwerfen – und verdiene auch besser.

Man kann bis abends um neun arbeiten, wenn man Lust hat, oder wie bei mir ab zwei für meine Tochter da sein. Für Mütter ist das ein super Job. Vielen von uns ist auch wichtig, dass wir die Fortbildungen machen können, die uns interessieren und für die wir am Markt Nachfrage sehen – und nicht die, die der Praxisinhaber gut findet. Dafür bezahlt man die Fortbildung dann natürlich selbst, erhöht aber auch den eigenen Marktwert.

 

Frage: Du sprichst von einem höheren Verdienst bei gleicher Arbeitszeit. Reicht der Mehrverdienst von Selbstständigen, um sich sozial abzusichern?

Antwort: Berufsanfänger in Anstellung verdienen in unserem Beruf zwischen 1.800 und 2.000 Euro brutto, es bleiben dann netto 1.000 bis 1.200 Euro. Mit Berufserfahrung und Fortbildungen erreicht man als Angestellter später typischerweise 2.500 bis 2.800 Euro brutto. Freie Physiotherapeuten verdienen bei gleicher Arbeitszeit brutto um die 3.500 bis 4.000 Euro – im Schnitt also 40 Prozent mehr.

 

Frage: Wie sorgen die Mitglieder Eures Netzwerks für ihr Alter vor?

Antwort: Die Altersvorsorge ist bei uns Selbstständigen zwar grundsätzlich freiwillig, aber die Mitglieder unseres Netzwerks müssen sich privat und/oder gesetzlich rentenversichern, von allen neuen Mitgliedern verlangen wir mittlerweile einen Nachweis darüber.

 

Frage: Warum beauftragen Euch die Praxen, wenn Ihr teurer seid, als fest angestellte Mitarbeiter?

Antwort: Nicht nur wir verdienen mehr, auch die Praxen profitieren. Die Inhaber können erst mal sich selbst und ihre Mitarbeiter gut auslasten, verdienen also selbst auch mehr bzw. haben eine höhere Jobsicherheit. Wir sind da, wenn wir gebraucht werden und wieder weg, wenn kein Bedarf mehr ist. Deshalb gibt es Riesenbedarf nach unserer Dienstleistung. Das Geschäft lief die letzten zwölf Jahre wie Schnitzel, wir konnten uns wirklich nicht über einen Mangel an Aufträgen beschweren.

 

Auftraggeber verunsichert aufgrund veränderter Entscheidungspraxis der Rentenversicherung

Frage: Trotzdem habt ihr momentan mit einem Einbruch zu kämpfen?

Antwort: Ja, letztes Jahr waren wir noch 22 Therapeuten, jetzt sind wir 14. Wir waren überregional tätig, auch in Ost- und Norddeutschland. Jetzt nur noch im Großraum Stuttgart. Das Problem ist die Verunsicherung durch die Deutsche Rentenversicherung. Deshalb sind wir froh, dass der VGSD sich des Themas angenommen hat und die Situation an die Öffentlichkeit bringt.

Die Verbände der Physiotherapeuten, in denen in erster Linie Praxisinhaber Mitglied sind, schlagen keine Lösungen vor, sondern warnen nur vor freien Mitarbeitern, verunsichern damit die Praxen, die uns dann nicht mehr beauftragen. Wir sind von diesen Verbänden enttäuscht und fühlen uns mit unseren Problemen im Stich gelassen.

Den Inhabern und ihren Mitarbeitern ist auch nicht geholfen. Sie müssen Überstunden machen, auf Urlaub verzichten, trotz Krankheit arbeiten und im Notfall Patienten abweisen.

 

Frage: Was hat sich an der Gesetzeslage geändert?

Antwort: Am Gesetz hat sich nichts geändert, nur an der Entscheidungspraxis der Rentenversicherung. Die letzten zwölf Jahre lief die Zusammenarbeit mit der DRV völlig unkompliziert. Alle neu ins Netzwerk eintretenden Therapeuten haben ein Statusfeststellungsverfahren durchgeführt, das auch immer die Selbstständigkeit bestätigte. Zwar ist der Beruf des Physiotherapeuten grundsätzlich versicherungspflichtig, nicht aber wenn man Angestellte oder mehrere Auftraggeber hat. Das ist bei uns durchweg der Fall, typischerweise arbeiten wir wie gesagt für zehn bis 15 verschiedene Auftraggeber pro Jahr, darunter Praxen, Firmen und Privatpatienten.

Zum 1.11.2014 änderte die DRV dann plötzlich ihre Praxis und verlangt nicht mehr pro Auftragnehmer, sondern für jeden Auftraggeber eine Statusfeststellung, was natürlich bedeutet, dass jedes Netzwerkmitglied pro Jahr zehn bis 15 Statusfeststellungsverfahren parallel durchführen müssen, auch wenn der Ablauf immer derselbe ist und wir die immer gleichen, nur leicht variierten Standardschreiben bekommen. Ein enormer bürokratischer Aufwand.

 

Bürokratischer Aufwand hat sich vervielfacht – und die Rentenversicherung lehnt plötzlich alle ab

Frage: Wie ist der Ablauf genau?

Antwort: Jeder von uns muss pro Auftraggeber ein siebenseitiges Formular ausfüllen. Wir kennen das Procedere und legen gleich umfangreiche Anlagen bei. Dann erhalten wir einen Katalog mit 30 Fragen, von denen mindestens 20 eigentlich schon durch diese Anlagen beantwortet sind. Wir beantworten sie natürlich trotzdem. Dann kommt die Anhörung, die DRV schreibt: „Wir beabsichtigen eine abhängige Beschäftigung festzustellen“. Sie begründet dies und man kann Gegenargumente vorbringen. Auch wenn man das ganz dezidiert tut, Urteile aufführt, Fragen stellt usw. erhält man daraufhin den Bescheid, in dem die Argumente für die abhängige Beschäftigung identisch wiederholt werden. Auf die Gegenargumente wird nicht oder nur oberflächlich eingegangen. Wenn man auf höchstrichterliche Urteile hinweist, erhält man mit Glück den Verweis auf ein Urteil der ersten Instanz – auch wenn man x Urteile der gleichen Instanz mit entgegen stehenden Entscheidungen angeführt hat.

 

Frage: Im Gegensatz zu früher lehnt die DRV die Statusfeststellungen ab?

Antwort: Richtig. An der Gesetzeslage hat sich nichts geändert und auch nicht an unserer Zusammenarbeit mit den Praxen, aber die DRV hat offenbar intern entschieden, dass man als Physiotherapeut ohne eigene Praxis nicht mehr selbstständig sein darf. Meine Kollegen haben natürlich alle Widerspruch eingelegt, zwei dieser Widersprüche sind bereits abgelehnt worden, jetzt stehen uns Rechtsstreite vor dem Sozialgericht bevor.
Wir haben zwei Alternativen: Entweder die Gerichtsverfahren durchziehen oder die Selbstständigkeit beenden. Von den 14 Therapeuten in unserem Netzwerk hören zum Jahresende noch einmal zwei auf, lassen sich anstellen. Einige kämpfen zusammen mit mir vor Gericht, weil sie weiter selbstständig sein wollen. Andere überlegen, den Beruf aufzugeben, weil sie ihn nicht als Angestellte fortführen wollen.

 

„Es ist bitter, denn eigentlich haben wir alles richtig gemacht.“

Frage: Mit welchen Argumenten lehnt die Rentenversicherung die Selbständigkeit ab?

Antwort: In einigen Verträgen ist die Erstattung von Anfahrtskosten ab 20 Kilometern Fahrtweg vereinbart. Das sei ein Indiz für Scheinselbstständigkeit. Aus den mitgeschickten Abrechnungen ist zu erkennen, dass in der Praxis, auf die es ja bei der Beurteilung eigentlich ankommt, keine Anfahrtskosten in Rechnung gestellt wurden.

Dass wir bei Kranken- und Urlaubsvertretungen neben den Inhabern auch Angestellte vertreten, spräche gegen uns. Dass sich unsere Aufgaben unterscheiden, wir nur die Therapie durchführen und keine anderen Tätigkeiten der Angestellten übernehmen, wird ignoriert. Auch dass wir unter eigenem Firmennamen auftreten, keine Weisungen erhalten usw.

Wer sich weiterhin selbstständig betätigen möchte, sollte auf keinen Fall eine Statusfeststellung mehr durchführen. Ein Mitarbeiter der DRV hat uns gesagt: „Wenn Sie ein Statusverfahren machen, sind Sie nicht sicher, ob sie selbständig sind, also sind sie abhängig beschäftigt.“

 

Frage: Wie fühlt sich das Ganze für Dich an?

Antwort: Es ist bitter, denn eigentlich haben wir alles richtig gemacht, jeder von uns hat ein Statusfeststellungsverfahren durchgeführt, ist stolz selbstständig zu sein und dokumentiert das auch nach außen, sorgt für das Alter vor und leistet etwas, nach dem offensichtlich große Nachfrage besteht.

Ich fühle mich der Bürokratie ausgeliefert und zweifle ehrlich gesagt zunehmend an unserem Rechtsstaat. Das Bundessozialgericht hat in drei Urteilen 1989, 1995 und 2003 beschieden, dass man als Physiotherapeut auch ohne Kassenzulassung selbstständig sein kann. 2014 wurde das dann in einem erstinstanzlichen Urteil in Bayern und später auch in Bremen in Frage gestellt. Darauf sprang die DRV an und beruft sich nun in allen Statusfeststellungen darauf. Sie ignoriert anderslautende neuere Urteile ebenso wie die höchstrichterliche Rechtsprechung.

 

Frage: Kann die DRV geltendes Recht und BSG-Urteile einfach ignorieren? Sie sind doch zu einer Abwägung und Prüfung im Einzelfall verpflichtet.

Antwort: Ein DRV-Mitarbeiter hat uns am Telefon gesagt, sie hätten die Vorgabe alle Physiotherapeuten in die gesetzliche Rentenversicherung zu zwingen. Dann aber stellt sich mir die Frage, warum sie überhaupt noch Statusfeststellungsverfahren machen, wenn das Ergebnis ohnehin feststeht und die DRV sich der Sache so sicher ist. Dabei gibt es für diese Verwaltungspraxis keine gesetzliche Grundlage gibt.

Rechtssicherheit sieht anders aus. Letztes Jahr warst Du selbstständig, dieses Jahr bist du es nicht mehr – und musst Deine Existenz aufgeben. Nach meinem Rechtsgefühl darf man nicht so willkürlich vorgehen, auch nicht die Deutsche Rentenversicherung. Man hat das Gefühl, sie ignorieren alle Argumente, alle Verweise auf Urteile und selbst Aussagen auf ihrer eigenen Homepage. Sie suchen einfach nur nach passenden Argumenten für eine Ablehnung und halten sich dann die Ohren zu.

14 Kommentare

  1. Sabine schreibt:

    DANKE für den Artikel, danke für das Interview.
    Danke für euer Engagement !!!

    Möge die Möglichkeit zur Selbständigkeit den freien Mitarbeitern erhalten bleiben !!!
    Diese Freiheit und Eigenverantwortung schadet doch wirklich, wirklich niemandem. Im Gegenteil: soviele Patienten, Familien und Praxen profitieren davon !

    Jaaa, bitte wehrt euch weiter gegen diese völlig absurde, willkürliche Überregulation und Bevormundung von erwachsenen Menschen. Ihr tut dies zum Wohle aller. Die Möglichkeit, auch ohne eigene Praxisräume selbständig zu sein, macht das Leben bunter – und für manche, „freiheitsliebenden“ Menschen eben auch interessanter & lebenswerter.

    Danke für euch !

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  2. Dagwyna Dark schreibt:

    Wer als Patient den Betrieb einer Physiotherapeuten Praxis über längere Zeit erlebt, sieht die gleichen Verhältnisse wir in einer Arztepraxis oder einer Fabrik mit Werkverträgen.,
    Es sind Scheinselbsständige, die sich um die DRV-Beiträge drücken wollen, um später im Alter die Allgemeinheit über die Grundsicherung zu belasten.
    Das wurde mir auch von allen Physiotherapeutinnen bestätigt, die mich behandelten.

    Physiotherapeuten ohne eigene Praxis sind nicht selbständig.
    Glücklicherweise schiebt die DRV jetzt einen Riegel vor. Wer in jungen Jahren sein Geld verjuxt, darf nicht im Alter auf Kosten der Allgemeinheit leben.
    Sozialschmarotzer sind das.

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    1. Andreas Lutz schreibt:

      Hallo „Dagwyna“,

      hast Du den Beitrag oben überhaupt gelesen? Alexandra verlangt von den teilnehmenden Physiotherapeuten den Nachweise einer Altersvorsorge. Das spielt bei der Prüfung durch die DRV aber gar keine Rolle.

      Deine pauschale Aussage, die freien Physiotherapeuten würden nicht fürs Alter vorsorgen und im Alter dann auf Grundsicherung zugreifen wollen ist absurd und du machst damit einen ganzen Berufsstand schlecht.

      Schließlich: Wenn es darum geht, eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige einzuführen, dann wäre das demokratisch durch den Bundestag zu beschließen und nicht mit einem ganz anderen Instrument, das mal eben nebenbei uns allen die Selbstständigkeit verbietet.

      Aber so wie du schreibst, werde ich Dich mit sachlichen Argumenten kaum überzeugen, oder? 😉

      Andreas

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  3. Dr. Markus Gerle schreibt:

    Hier vielleicht noch ein Argument für selbständige Physiotherapeuten: Ich hatte mal eine Schulterluxation (= Arm stand nach einem Unfall verdreht hinter dem Rücken). Nach der Heilung musste der Arm mobilisiert werden (da tat sich zunächst gar nichts mehr). Um meinen Job nicht zu gefährden, war ich darauf angewiesen, die physiotherapeutischen Behandlungstermine an Wochenenden wahrzunehmen. Dies wäre ohne selbständige Physiotherapeuten nicht möglich gewesen. Beamte verstehen so was natürlich nicht. Die feiern einfach krank. Noch was, da ich in der PKV versichert bin, sehe ich auch die Kosten ärztlicher Behandlungen. Und wenn ich vergleiche, was ich für das Händeschütteln beim Chefarzt bezahlt habe, während die arme Dame, die sich geduldig um mich Jammerlappen kümmern musste, gerade mal 50,-EUR für 30 min bekam (alles abgegolten), so offenbart sich ein weiterer Skandal in unserer feudalistischen Beamtendiktatur.
    Ich bin selbst Freiberufler im IT-Bereich und verdiene damit außerordentlich gut. Diese Meinung hat zumindest mein Finanzamt. Je nachdem wie viel unser ökosozialistischer Staat von meiner privaten Altersvorsorge noch abgreift, könnte ich im Alter fürstlich leben. Dies zumindest, wenn ich einen Teil des angesparten Kapitalstocks ins Ausland transferiere. Das größte Risiko für ein auskömmliches Leben im Alter ist nun einmal der Staat.
    Noch ein Tipp: Da ich ca. 90% meiner gewaltigen Steuerzahlungen im Ausland erwirtschafte, hat mich die Sozialversicherungsmafia bisher in Ruhe gelassen. Denn wenn ich Scheinselbständiger wäre, müsste es ja auch einen Arbeitgeber geben. Dumm für die Sozialversicherungsmafia ist, wenn dieser in den USA, Singapur oder sonst wo sitzt. Dennoch werde ich regelmäßig von gierigen Finanzbeamten belästigt. Ich habe nun eine Methode gefunden, sich diese Leute vom Hals zu halten: Sobald einer der Beamten sich nur ansatzweise eine Unterstellung erlaubt, gibt es sofort eine Strafanzeige wegen Verleumdung und/oder Amtsmissbrauch. Die jeweilige Staatsanwaltschaft weist die Anzeige zwar normalerweise zurück. Aber es hat doch immer den Effekt, dass die Behörde wieder zu einem respektvollen Verhalten zurück kehrt. Die beiden im Interview erwähnten Damen von der Sozialversicherungsmafia hätte ich z. B. sofort angezeigt (Telefonate mit Behörden schneide ich mit). Als Selbständiger hat man in Deutschland nur noch eine Chance, wenn man sich eine äußerst robuste Ansprache gegenüber Behörden angewöhnt.

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  4. Andre schreibt:

    Das Mitgefühl mit der Therapeutin ist angemessen, aber ein wenig geheuchelt. Gerade IT Consultants (bin selbst einer gewesen) sind doch die höchst eigennützigen Erfüllungsgehifen und Profiteure einer Globalisierung und Digitalisierung, deren einizes Ziel es ist möglichst immer weniger Menschen zu beschäftigen. Stichwort: Income Inequality, One Percenters, usw.

    Natürlich sind Menschen von Natur aus gierig und wenn sich mit IT ordentlich Geld verdienen lässt, wer würde es liegen lassen. Die meisten IT Berater sind sich nicht bewusst (oder verdrängen es), dass sie die Totengräber einer ausgeglichenen Gesellschaft sind, in der immer mehr Menschen am Existenzminumum herumkrebsen müssen, weil sie nur noch als Konsumenten gebraucht werden. Stephen Hawking hat dazu gerade etwas sehr Wahres gesagt. Die USA machen es uns schon mal vor, wie es ist, wenn der Feudalismus wieder zurück kehrt.

    Wir IT Leute sollten etwas bescheidener auftreten gegenüber Menschen, die nicht über das Herrschaftswissen verfügen, sich am Untergang der Gesellschaft zu bereichern.

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  5. Peter Schwarz schreibt:

    Hallo Andre,
    also sorry, aber das ist doch kompletter Schmarrn. IT-Experten arbeiten doch nicht nur an der Rationalisierung vorhandener Abläufe, sondern entwickeln häufig völlig neue Produkte und Dienstleistungen, die es vorher nicht gab. Machmal gabs noch nicht mal die entsprechenden Bedürfnisse.
    Und Du bewahrst doch keine Jobs, indem Du Dinge wider besseres Wissen ineffektiv machst. Dann kommt jemand anderes daher (ggf. aus einem anderen Land) und macht die Sache effektiver, billiger und damit sind dann die Jobs weg.
    Ständige Verbesserung gehört bei dem Spiel halt dazu und bringt uns ja auch einen besseren Lebensstandard, steigende Realeinkommen etc.
    So sehe ich das zumindest.
    Peter

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  6. A.Dwenger schreibt:

    Moin Moin,

    eigentlich antworte ich auf so ein Mist ja nicht. Aber man sollte sich mal § 124 SGB V anschauen

    Zulassung

    (1) Heilmittel, die als Dienstleistungen abgegeben werden, insbesondere Leistungen der physikalischen Therapie, der Sprachtherapie oder der Ergotherapie, dürfen an Versicherte nur von zugelassenen Leistungserbringern abgegeben werden.

    Freiberufliche Physiotherapeuten gibt es nur, wenn sie eine eigene IK haben. Eine eigene IK gibt es nur wenn man eine Praxisstätte hat. Und das ist schon seit Jahren so.

    Die Abrechnung 70 / 30 % ist daher Blödsinn. Sie wird über die IK des Inhabers abgerechnet. Da der Physio aber weder Selbstständig noch freiberuflich ist, ist er angestellt.

    Beschäftigung ist dabei gemäß § 7 Abs. 1 SGB IV die nichtselbstständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Ein Beschäftigungsverhältnis ist geprägt dadurch, dass der Tätige in einen fremden Betrieb eingegliedert ist und dabei einem Zeit, Dauer, Ort und Art der Ausführung der Arbeiten umfassenden Weisungsrecht des Arbeitgebers unterliegt. Selbstständige Tätigkeiten sind dagegen anzunehmen, wenn sie durch ein Unternehmerrisiko und spiegelbildlich dazu durch eine eigene Unternehmenschance geprägt sind sowie durch das Vorhandensein einer eigenen Betriebsstätte !!!!!!

    Antworten
  7. A.Dwenger schreibt:

    Nach der vorzunehmenden typologischen Zuordnung sind Physiotherapeuten, die ihre Leistungen in einer fremden, zur Leistungserbringung nach Ÿ124 SGB V zugelassen Praxis erbringen.

    Denn in diesen Fällen treten die Praxisinhaber gegenüber den Patienten als Heilmittelerbringende der jeweiligen Krankenkasse auf. Sie – die Inhaber – rechnen die erbrachten Heilmittel iSd Ÿ11 Abs. 1 Nr. 4, 27 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4, 32 SGB V gegenüber der jeweiligen Gesetzlichen Krankenkasse ab und treten nach aussen als verantwortliche Praxisbetreiber auf.

    Die Inhaber selbst tragen
    das Risiko des wirtschaftlichen Praxisbetriebs, der sich an der zwischen ihnen und den Krankenkassen geltenden Vertrags- und Vergütungsregeln orientiert.

    Eigentlich einfach und richtig. Also, holt euch eine IK und eine Zulassung. Dann kann man in 100 Praxen arbeiten. Denn man rechnet seine Pateinten selber ab und bekommt 100 %.

    MOIN

    Antworten
  8. A.Günther schreibt:

    Es wäre schön,wenn sich jeder Physiotherapeut der frei arbeitet, eine IK Nr. und eine Zulassung holen könnte,dann gäbe es das Problem garnicht.Dann bräuchte er auch keine Praxis zum Abrechnen und könnte selber mit den Krankenkassen abrechnen.
    Man bekommt dies aber nur,wenn man eine eigene Praxis aufmacht und das empfinde ich nicht mehr zeitgemäß.
    Als selbständiger Physiotherapeut zahlt man Versicherungsbeiträge in DRK ,Krankenkasse usw., Geld verdient man nur,wenn Bedarf ist,so das jeder das unternehmerische Risiko selbst trägt.

    Antworten
  9. Daniel schreibt:

    Im Osten Deutschlands sind die Vetdienstverhältnisse noch interessanter. Die wirklich meisten Physiotherapeuten arbeiten in einer Praxis, also im ambulanten Bereich. Hier bewegen sich die Bruttolöhne bei voller Arbeitszeit zwischen 1500 und 1700 Euro. In den Krankenhäusern ist es natürlich etwas mehr, bewegt sich aber nicht in andere Bereiche. Außerdem finden die Wenigsten einen Job im Krankenhaus, vielen sagt diese Art der Tätigkeit auch nicht zu.
    Ich sehe problematischen Zeiten entgegen. Mag die Arbeit ansich Spaß machen, kann man davon nicht leben ist es ein sche.. Job. Sehr viele steigen aus, sehr sehr viele. Dabei ist es fast egal was man macht, finanziell verschlechtern kann man sich nicht! Ungelernt ins Kaufland, weniger Stunden, mehr Geld, verrückte Welt…
    Warum also eine sehr verantwortungsvolle, nicht anerkannte Arbeit tun, von der man nicht leben kann?!
    In den PT Schulen sind die Klassen pro Jahr und auch die Klassenstärken stark zurückgegangen. Die Leistungsstärke der Schüler hat sich drastig verändert (nicht verbessert). Alles logisch, wer will einen Beruf mit solch einem Lernaufwand und extrem schlechten Vergütung erlernen?
    Ändert aich nichts, wird es diesen Beruf in DEUTSCHLAND(!) noch lange geben?

    Antworten
    1. Andreas Lutz schreibt:

      Danke für den interessanten Beitrag. Ähnlich, aber wohl noch extremer ist es bei den Hebammen. Kann es sein, dass Gesundheitsberufe, in denen ein hoher Frauenanteil tätig ist, nicht die angemessene (insb. auch finanzielle) Anerkennung erhalten?

      Antworten
  10. Marc schreibt:

    In anderen Branchen (Rechtsanwälte, IT, Dienstleister) sind die Beamten der Rentenversicherung gleichfalls aktiv. Ein Telefonat mit einem für meinen Landkreis zuständigen Bundestagsabgeordneten in Berlin beinhaltet die wörtliche Aussage: “ wir wissen das die RV nach Art einer Drückerkolonne unterwegs ist“.
    Die Aussage einer Rechtberaterin der ARAG: „die RV will Selbständige in eine GBR oder GmbH zwingen“, der Staat/DRV benötigt Geld und holt es sich auf diesem Wege. Von den IHK nur ungläubiges Staunen und keine weiteren Reaktionen.
    Einem selbständigen Bewerber/Auftragnehmer hätte ich einen Festauftrag geben können, habe ihm aber empfohlen sich zuerst mit der Clairingstelle der RV in Verbindung zu setzen. Diese haben den Sachverhalt als Scheinselbständigkeit eingestuft. Daraus resultiert für den Auftragnehmer kein Auftrag, keine Chance für den Start in eine selbständige Tätigkeit und kein eigenständiges Berufsleben. Jetzt macht er nichts…
    Praktisch bedingt durch eine Berufsverbot der DRV. Armes Deutschland ! So werden Selbständige sicherlich nicht gefördert, dafür aber die Schwarzarbeit. Das ist nämlich die nachfolgende Konsequenz für diesen Personenkreis (so mein jetziger Kenntnisstand).
    Hat jemand Kenntnis über etwaige Sammelklagen gegen die Praxis der DRV oder über eine Beschwerdestelle in Brüssel ?

    Antworten
  11. Petra Pfaff schreibt:

    Ich hätte da eine heftige Kritik zu äussern.

    Ich bin seit 22 Jahren freiberuflich tätig, als Mediaberaterin. In 1996 musste ich etliche Seiten, wegen der Scheinselbsstänfig ausfüllen. Danach habe ich nichts mehr gehört, von der BFA, war das damals.

    Letztes Jahr im August hatte ich die Scheidung eingereicht und da würde ich wieder geprüft. Es ging hauptsächlich um die Scheinselbsständigkeit. Das nächste Schreiben kam dann das alles soweit ganz gut aussieht und nichts dagegen spricht, das ich weiter freiberuflichen Status behalten kann, ausser sie brauchen noch rückwirkend bis 2013 meine Einkommensnachweis.

    Ich habe alles erledigt und denen meine Verdienstbescheinungen gesendet. Ein paar Tage später ruft mich die Sachbearbeiterin an und meint, es ist doch nicht so, weil ich mehr als 5/6 einen Auftraggeber hätte. Das wusste sie jedoch vorher aus meinen Angaben schon und da war noch alles in Ordnung.

    Vor 14 Tagen bekam ich von der Sachbearbeiterin einen Anruf das ich 25.000 € Rentenversichetungsbeiträge nach zahlen müsste und zukünftig pro Monat über 522.00 € .

    So nun der Knaller dann bekam ich alles schriftlich, jetz soll ich 29.700 nachzahlen.

    Ich habe keine Ahnung wie ich das machen soll. Ich werde in 3 Monaten 60 Jahre. Habe nicht mal eben 30.000 € auf der hohen Kante, geschweige denn das ich zusätzlich im Monat noch über 522 €. Dann kommt hinzu das 1 Single Frau als freiberufliche eh keinen so hohen Kredit in diesem Alter bekommt und überhaup, erwirtschafte ich mein Einkommen nur mit einer Provision.

    Ich muss jeden Monat mit Einkommensteuer und Umsatzsteuer und Gewerbesteuer, nach meinem jetzigen Durchnittseinkommen 1500 € zahlen plus 450 € PKV plus Steuerberater 200 € so und dann Miete Auto Versicherungen . Das wären so ca 3.500, monatlich da hätte ich knapp 500 € zum Leben, allerdings ist da noch kein Spritgeld mit eingerechnet,.

    Übrigens ich abeit s
    Seit 45 Jahren durchgehend, ohne irgendeinen Cent vom Staat in Anspruch genommen zu haben. Habe 4 Kinder groß gezogen. Alleine unterhalten ohne jegliche Unterstützung.

    Und jetzt dreht der Staat mir den Hahn ab, denn diese Summe kann ich nicht auf bringen.

    Ich wäre dankbar über ein Feedback, was ich dagegen tun kann.

    Antworten
  12. Constanze schreibt:

    Hallo,
    da die übliche Abrechnung über einen prozentualen Anteil vom Rezeptwert funktioniert stellt sich die Frage, wenn der Freiberufler stattdessen auf seiner Honorarrechnung eine Stundenberechnung aufführt. Dies ist bei allen
    anderen Freiberuflern ja auch der Fall. Als Beispiel: Einsatzzeit im Monat x Bsp 30h, Preis pro Stunde Bsp 40€ ergibt Honorar Summe x. Vielleicht sollte ein Umdenken in der Rechnungsstellung stattfinden. Wie ist die Meinung diesbezüglich?

    Antworten

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