Zwei von drei PKV-Versicherten drohen 2017 Beitragssteigerungen von 10% und mehr

Ärzte und Apotheker gehörten zu den ersten, die in Versorungswerken versichert waren

Nicht steigende Gesundheitskosten, sondern niedrigere Rechnungszinsen machen die PKV teurer

Sechs der neun Millionen privat Krankenversicherten drohen laut einem FAZ-Bericht nächstes Jahr Beitragserhöhungen von 10 Prozent und mehr. Grund sind die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt.

Private Krankenversicherungen (PKV) ähneln zumindest teilweise einem Sparplan: in jungen Jahren zahlen die gesunden Mitglieder mehr als nötig ein. Die überschüssigen Gelder werden angelegt, wodurch die Beiträge im Alter geringer ausfallen als die tatsächlichen Ausgaben. Ob diese Altersrückstellungen ausreichen, hängt von der Entwicklung der Gesundheitsausgaben ab und vor allem auch vom Kapitalmarkt: Wenn man langfristig statt mit vier nur mit zwei oder drei Prozent Rendite rechnen kann, erhöhen sich die heute zu zahlenden Beiträge dramatisch.

 

Vorschriften zur Beitragsberechnung führen zu stoßweisen Beitragserhöhungen und damit zu Aufschrei unter Versicherten

Ausgelöst wird die Neuberechnung der Beiträge jedes mal, wenn die Ausgabensteigerungen für Gesundheitsleistungen einen bestimmten Schwellenwert (5% oder häufiger 10%) übersteigen. Das war 2016 bei vielen Tarifen der Fall, weshalb die privaten Krankenversicherer nun die höheren Gesundheitskosten, aber auch den niedrigeren Rechnungszins einpreisen müssen. Die Folge: Kräftige Beitragserhöhungen. Ohne die Auswirkungen der Niedrigzinsen wäre die PKV-Beitragsentwicklung unauffällig – sagen PKV-Vertreter.

Die PKV-Unternehmen würden ihre Beiträge lieber häufiger neu berechnen und in kleineren Schritten erhöhen. Unionspolitiker würden ihnen dies laut FAZ gerne ermöglichen. Dies blockiert aber die SPD, die laut Süddeutsche Zeitung „aus dem Ärger vieler Kunden über die PKV politisches Kapital schlagen will.“ n-tv zitiert SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach: „Wir sind nicht die Knechte der PKV-Lobby, diese Zeiten sind vorbei.“ Es mache die SPD unglaubwürdig, wenn sie für eine Bürgerversicherung werbe und andererseits „Rettungspakete für die Privatversicherung schnüre“, zitiert der Fernsehsender Lauterbach weiter.

 


Jetzt mitzeichnen: Mit unserer Petition setzen wir uns für faire Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ein. Es ist nicht einzusehen, dass Selbstständige deutlich mehr zahlen als Arbeitgeber und -nehmer zusammen. Eine Gesetzesverschärfung zum 1.1.18 macht eine Reform noch dringlicher.


 

 

4 Kommentare

  1. Stefan schreibt:

    Die im kommenden Jahr massiv steigenden PKV-Beiträge machen den Plan von Arbeitsministerin Nahles, Selbstständige in die Rentenversicherungspflicht einzubeziehen, erst recht zu einem irrwitzigen Unterfangen. Bekanntlich sind 45 Prozent aller Selbstständigen Mitglied in der PKV. Und das sind beileibe nicht alles Gutverdiener, vor allem nicht in Ostdeutschland. Viele dieser Betroffenen würden die Doppelbelastung aus hohen KV-Beiträgen und zusätzlichen Rentenversicherungsbeiträgen nicht stemmen können und ihre Tätigkeit aufgeben müssen. Das wäre nicht nur volkswirtschaftlich kontraproduktiv, sondern bedeutete auch eine eine nicht unerhebliche Mehrbelastung für den Sozialstaat. Das muss den politisch Verantwortlichen immer wieder deutlich gemacht werden.

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  2. Jepp P. schreibt:

    Warum ist man in der PKV? Weil die Beiträge erst Mal niedrig sind – oder? 10% zusätzlich auf einen geringen Beitrag und dafür oft bessere Leistungen wie in der GKV ( mit hohen Mindestbeiträgen oder hohen einkommensabhängigen Beiträgen für schlechtere Leistungen) klingt … nun ja … muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Nebenbei: Deutschland belegt in einem Bloomberg-Ranking der effizientesten Gesundheitssysteme weltweit nur den 39. Platz. https://www.bloomberg.com/news/articles/2016-09-29/u-s-health-care-system-ranks-as-one-of-the-least-efficient Sowas kostet eben.

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    1. Stefan schreibt:

      @Jepp P.

      Der deutliche Beitragsanstieg in der PKV im kommenden Jahr ist – wie man dem obigen Artikel entnehmen kann – nicht auf die normale Kostenentwicklung im Gesundheitsbereich zurückzuführen, sondern Folge der niedrigen Kapitalmarktzinsen bedingt durch die EZB-Geldpolitik. Reichen die am Kapitalmarkt erwirtschafteten Erträge nicht mehr aus, um ausreichend Altersrückstellungen für die Versicherten zu bilden, ist die PKV gesetzlich verpflichtet, die Prämien zu erhöhen. Die CDU/CSU will diese Vorschrift, um einen Beitragsschock zukünftig zu vermeiden. Die SPD sperrt sich dagegen, weil sie die Privatversicherten in Geiselhaft nehmen will, um ihre Bürgerversicherung durchzupauken.

      Dass es einmal eine Phase geben würde, in der die Zinsen künstlich auf Null gedrückt werden, konnte nun wirklich niemand ahnen, der sich vor vielen Jahren oder Jahrzehnten für die PKV entschieden hat. Insoweit geht der Vorwurf fehl, privat Krankenversicherte seien selbst schuld, wenn sie jetzt mit hohen Beitragssteigerungen konfrontiert werden.

      Außerdem sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, privat Krankenversicherte zahlten viele Jahre lang geringere Beiträge als GKV-Mitglieder und bekämen dann auch noch bessere Leistungen. Nach meiner Erfahrung kann ein PKV-Mitglied Beitragseinsparungen vor allem durch einen hohen Selbstbehalt sowie den Verzicht auf „Luxusleistungen“ wie Chefarztbehandlung oder Einzelbettzimmer im Krankenhaus erzielen. Ohne Selbstbehalt etwa ist eine PKV-Police bereits in mittleren Jahren auch nicht preiswerter als der GKV-Beitrag.

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      1. Jepp P. schreibt:

        @Stefan:
        Ich gebe Dir in einigen Punkten Recht.

        Z.B: lässt sich leider wirklich nicht so einfach pauschal sagen welche Versicherung günstiger ist. Dies ist bestimmt von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Ich meine jedoch gelesen zu haben, dass ein größerer Teil der Selbständigen privat versichert ist; dies muss ja einen Grund haben. Ich nahm an, dass dies die anfänglich geringeren, einkommensunabhängigen Beiträge sind.

        Gutverdiener zahlen übrigens in der GKV enorme Beiträge und dürfen dafür viele gute Ärzte nicht in Anspruch nehmen oder tanzen – wartend – in der zweiten Reihe; an Chefarztbehandlung und EInbettZimmer ist nur mit zusätzlichen, teuren Zusatzversicherungen zu denken.

        Die Beiträge für Gutverdiener steigen in der GKV übrigens auch jedes Jahr. Einerseits durch die oft steigenden Zusatzbeiträge und die steigende obere Beitragsbemessungsgrenze ( ~2.5-3%/Jahr).

        Die Geldpolitik der EZB hat unschöne Auswirkungen auf viele Bereiche 🙁

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