And the winner is… Werner-Bonhoff-Preis geht an Unternehmer aus Neu-Ulm

Nominierte und Preisträger mit Jury und  Festrednern, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann

Ende April hatten wir euch die vier Finalisten für den mit 50.000 Euro dotierten Werner-Bonhoff-Preis vorgestellt, der heute Abend in Berlin vergeben wurde.

Alle vier hatten bürokratische Hürden nicht einfach stumm hingenommen, sondern sich gegen sie zur Wehr gesetzt, um so auch für andere eine Verbesserung zu erreichen.

 

Andreas Lutz spricht Grußwort des VGSD

Andreas Lutz spricht das Grußwort des VGSD, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann

Heute Abend fiel nun in feierlichem Rahmen in der Berliner Landesvertretung des Freistaats Sachsen die Entscheidung. Nach der Begrüßung durch den Dienststellenleiter der sächsischen Landesvertretung beim Bund, Ulf Schnars, sowie durch Jury-Mitglied Professor Gunnar Folke Schuppert, durfte ich (Andreas Lutz) ein Grußwort im Namen des VGSD sprechen. Hintergrund ist, dass der VGSD mit Christa Weidner und Tim Wessels in den letzten Jahren gleich zwei Bonhoff Preisträger gestellt hat.

Die Laudatio auf den Preisträger hielt anschließend die Tagesspiegel-Redakteurin Dr. Ursula Weidenfeld. Anschließend wurde sein Fall in einem eigens produzierten 6-minütigen Video vorgestellt.

 

And the winner is…

Marcello Danieli mit dem Werner-Bonhoff-Preis und dem von Till Bartelt übergebenen symbolischen Scheck über 50.000 Euro, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann

Die Jury hat von den vier Nominierten den Neu-Ulmer Unternehmer Marcello Danieli als Preisträger ausgewählt. Er ist Geschäftsführer der Harder Logistics GmbH & Co. KG, einem Transport- und Logistik-Unternehmen, das vorwiegend Betriebsverlagerungen, Objekt-, Büro- und Privatumzüge, Sondertransporte und Industriemontagen anbietet.

Wie viele mittelständische Unternehmer beschäftigt Danieli das Problem, dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und damit der Fachkräftenachwuchs im Unternehmen fehlt. Dabei hat er pro Jahr bis zu acht freie Ausbildungsplätze zu vergeben. Trotz besonderer Anreize, die das Unternehmen für die potentiellen Auszubildenden auslobte, blieb der Erfolg in den letzten fünf Jahren insbesondere bei der Besetzung der Ausbildungsplätze zur Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice aus. Es gibt zu wenig qualifizierte Bewerber, die Ausbildungsplatzvergabe scheitert immer wieder an mangelnder Grundqualifikation oder unzureichender Motivation.

 

Unter Geflüchteten endlich ausreichend motivierte Auszubildende gefunden

Vor zwei Jahren begann Danieli zur Besetzung der freien Ausbildungsplätze auch Flüchtlinge in Betracht zu ziehen. Hier gab es ausreichend qualifizierte Bewerber.

Die erforderliche Genehmigung der Ausbildung aber muss die zuständige Ausländerbehörde erteilen. Ein Problem dabei: Viele Geflüchtete verfügen über keinen Pass.

 

Video (6 Minuten) über Marcello Danieli und seinen „Fall“

Ohne Pass keine Ausbildungsgenehmigung

Im Genehmigungsverfahren wird ein Identitätsnachweis des Bewerbers gefordert, idealer Weise durch einen gültigen Pass. Dieser lag bei einem gut geeigneten Bewerber nicht vor. Der Heimatstaat wollte den Pass nur bei persönlicher Vorsprache im Heimatstaat vergeben, von dort war der Gambier aber aufgrund von Verfolgung geflohen.

Der Betrieb erhielt deshalb lediglich eine auf drei Jahre befristete Genehmigung zur Beschäftigung des aus Westafrika stammenden Mannes als Hilfsarbeiter, die bei Azubis übliche 3+2-Regelung, wonach dieser nach Ausbildungsende noch zwei Jahre weiter im Betrieb arbeiten kann, auch falls es zu einer negativen Asyl-Entscheidung kommt, wurde versagt.

Die Beschäftigung eines Hilfsarbeiters ist aber keine langfristige Lösung für Danieli, der Fachkräfte ausbilden und möglichst im Anschluss auch im Unternehmen halten möchte. (Das Problem wird von engagierte Handwerksmeistern bei praktisch jeder Diskussionsveranstaltung über Zuwanderung angesprochen, an der ich in den letzten Jahren teilgenommen habe.)

 

500 Personalstunden aufgewendet, um Ausbildungsgenehmigungen zu erhalten – ohne Erfolg

Danieli bemühte sich deshalb intensiv um eine Ausbildungsgenehmigung für diesen und weitere Flüchtlinge: Die Firma wandte über 500 Personalstunden auf – und erhielt trotzdem für keinen einzigen der Bewerber eine Genehmigung zur Ausbildung. Die Ausbildungsplätze im Unternehmen blieben unbesetzt und die Flüchtlinge ohne Arbeit.

Danieli findet es absolut unverständlich, dass der Staat zwar viel Geld in Sprache, Unterkunft und Praktika für Flüchtlinge investiert, aber dann Unternehmern, die auf eigene Kosten einen qualifizierten Bewerber ausbilden wollen, derartig viele Steine in den Weg legen. Er fordert eine bessere und auch die zeitlichen Ressourcen der Unternehmen schonende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Verwaltung.

 

Zuwanderer ins Land lassen, dann aber keine Integration ermöglichen – das führt zu Enttäuschung und Frust

„Wenn der Staat das Ziel setzt, Zuwanderer in unserem Land, in unserer Gesellschaft und damit auch in unserer Berufswelt zu integrieren, dann jedoch Unternehmern, die Fachkräfte brauchen die Genehmigung zur Ausbildung verwehrt wird, ist Enttäuschung und Frust auf allen Seiten vorprogrammiert“ kommentiert Stiftungsvorstand Till Bartelt die Erfahrungen des Preisträgers.

„Der bestehende Mangel an geeigneten Auszubildenden und damit zukünftigen qualifizierten Fachkräften ist aus unternehmerischer Sicht ein wichtiges Thema. Hier ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden und den Unternehmern gefragt. Verfahren sollten nicht unnötig kompliziert oder gar schablonenhaft und damit auch für die Beteiligten nicht mehr verständlich entschieden werden. Der Fall von Herrn Danieli macht beispielhaft sichtbar, dass es hier Verbesserungsbedarf gibt.“

Eine ausführliche Darstellung des Falls findet ihr in der Online-Fallsammlung der Werner Bonhoff Stiftung. Dort erfahrt ihr auch, was sich durch die Berichterstattung über den Fall inzwischen getan hat.

 

Klassentreffen für Selbstständige, die sich nicht alles gefallen lassen

Preisträger Marcello Danieli mit den anwesenden Preisträgern der Vorjahre, darunter Christa Weidner und Tim Wessels, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann

Zahlreiche aktive VGSD-Mitglieder und Verbandskollegen aus der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (bagsv) sind zu der Feier gekommen (wir hatten das nächste bagsv-Treffen extra auf den Folgetag gelegt).

Die Preisverleihung ist für uns ein wenig wie ein Klassentreffen für Selbstständige, die sich gegen unsinnige Bürokratie und Rechtsunsicherheit zur Wehr setzen und sich nicht alles gefallen lassen – eine Networking-Gelegenheit aber auch mit Vertreter aus Politik und Verwaltung, um deren Kommen sich die Stiftung ebenfalls bemüht.

Wir hoffen, dass die Berichterstattung über den Preis in Politik und Verwaltung zu einem Umdenken führt, die es Unternehmern erlaubt, künftig einfacher Ausbildungsplätze auch an Flüchtlinge zu vergeben.

Weitere Fotos von der Preisverleihung findet ihr in unserer Galerie unten sowie auf der Website der Bonhoff-Stiftung

Galerie

Marcello Danieli mit dem Werner-Bonhoff-Preis und dem von Till Bartelt übergebenen symbolichen Scheck über 50.000 Euro, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann
Andreas Lutz spricht das Grußwort des VGSD, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann
Preisträger Marcello Danieli mit den anwesenden Preisträgern der Vorjahre, darunter Christa Weidner und Tim Wessels, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann
Preisträger Marcello Danieli mit den anderen Nominierten, der Jury und den Rednern, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann
Andreas Lutz spricht das Grußwort des VGSD, Foto: Bonhoff-Stiftung, Katja Hoffmann
Preisträger Marcello Danieli mit den anderen Nominierten, der Jury und den Rednern, Foto: Jonas Kuckuk
Marcello Danieli mit Till Bartelt, dem Vorstand der Werner-Bonhoff-Stiftung, Foto: Jonas Kuckuk
Die Tagesspiegel-Journalistin Dr. Ursula Weidenfeld hält die Laudatio, Foto: Jonas Kuckuk
Dr. Andreas Lutz hält ein Grußwort für den VGSD, Foto: Jonas Kuckuk

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