Tabuthema Tod? Nicht für Anni Klostermeier und Magdalena Schwarzwald. Die beiden haben in Regensburg ein Bestattungsunternehmen gegründet – und einen Ort geschaffen, an dem Bestattungskultur mit viel Vertrauen und persönlichem Austausch gelebt wird.
plan b.: ein Versprechen an die Gesellschaft
Schon beim Betreten der Geschäftsräume wird deutlich: „plan b.“ ist kein klassisches Bestattungsunternehmen. Bereits der Name sticht hervor: Er steht für das Versprechen, das Anni und Magdalena der Gesellschaft durch ihre Selbstständigkeit in der Bestattungsbranche geben: Die Garantie einer persönlichen und vertrauensvollen Unterstützung, wenn das Leben plötzlich andere Pläne hat und ein geliebter Mensch verstirbt. Im Logo des jungen Unternehmens fällt eine Lücke ins Auge – ein auffälliger Leerraum zwischen dem "plan…" und dem "…b.". Diese Leerstelle ist bewusst gesetzt: "Sie symbolisiert nicht nur die Lücke, die ein verstorbener Mensch in der Welt hinterlässt, sondern auch das Raumgeben in der Trauer", erklärt Gründerin Anni Klostermeier, die sich mit „plan b.“ im Jahr 2023 gemeinsam mit Magdalena Schwarzwald selbstständig gemacht hat und mit der wir uns zum Gespräch in Regensburg getroffen haben.
Persönliche Begleitung statt standardisierter Abläufe
Die persönliche Begleitung der Hinterbliebenen ist das wesentliche Prinzip bei „plan b.“. Einen Bestattungsprozess betreut immer ein Teammitglied vollständig – vom Erstkontakt bis zum Nachgespräch. Das schafft Vertrauen und ermöglicht eine individuelle Unterstützung der Hinterbliebenen während des gesamten Trauerprozesses. Damit will sich „plan b.“ bewusst als Alternative zu stärker standardisierten Abläufen in der Bestattungsbranche mit meist mehreren Ansprechpartner/innen positionieren.
Darüber hinaus versteht sich „plan b.“ aber auch grundsätzlich als Anlaufstelle für Interessierte, die sich dem Thema Tod nähern wollen. Mit einem umfassenden kulturellen Angebot schaffen die Bestatterinnen Raum für gemeinsamen Austausch und Fortbildungen. Dazu zählen eigene Veranstaltungen wie der „Leichenschmaus“ (mit veganen Häppchen!), bei dem sich die Anwesenden Fragen rund um die Themen Trauer und Tod stellen konnten, ebenso wie die Bereitstellung der Räumlichkeiten für externe Formate wie den „Letzte-Hilfe-Kurs“. Darin lernen Interessierte, was sie für nahestehende Menschen im Sterben tun, wie sie sie begleiten können. Für die Zukunft planen die studierten Sozialpädagoginnen, dieses Angebot noch weiter auszubauen. Insbesondere wollen sie zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten, für Menschen schaffen, die im perimortalen Raum – also zum Beispiel in der Palliativversorgung – tätig sind.
Doch wie fanden Anni und Magdalena überhaupt zum Thema Tod und in die Selbstständigkeit?
Von Kommilitoninnen zu Geschäftspartnerinnen
Anni Klostermeier und Magdalena Schwarzwald haben sich im bundesweit einzigartigen Masterstudiengang “Perimortale Wissenschaften“ an der Universität Regensburg kennengelernt. Dort entstand in der Kaffeepause eines Wochenendseminars die Idee, sich gemeinsam in der Bestattungsbranche selbstständig zu machen. Ihr Ziel war es, in Regensburg einen modernen und nachhaltigen Ort der Bestattungskultur zu schaffen. Inspiriert wurden sie dabei von der praktischen Erfahrung, die sie beide kurze Zeit zuvor unabhängig voneinander in einem alternativen Berliner Bestattungsunternehmen gesammelt hatten.
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Nur für Vereinsmitglieder
Nur ein Jahr später, im März 2023, eröffneten die beiden Noch-Studentinnen mit „plan b.“ ihr eigenes Bestattungsunternehmen im Regensburger Obermünsterviertel. „Große Schwierigkeiten in der Gründungsphase gab es bei uns nicht. Einzig die Kreditvergabe hat sich etwas gezogen“, erzählt Anni. Dass das Bestattungswesen keine formale Zulassung erfordert und Quereinstiege zulässt, machte diese zügige Gründung möglich.
Vor Beginn ihrer neuen Selbstständigkeit gingen Anni und Magdalena davon aus, dass sie Anlaufzeit bräuchten, um sich in der Bestattungsbranche zu etablieren. „Der Plan war, dass wir am Anfang, wenn noch nicht so viel los ist, die freie Zeit nutzen, um im Büro unsere Masterarbeiten zu schreiben“, so Anni – doch der erste Auftrag ließ nur wenige Stunden auf sich warten. Nach drei Jahren in der Selbstständigkeit haben die beiden Bestatterinnen nicht nur ihre Masterarbeiten abgeschlossen und ein großes Netzwerk in der Branche aufgebaut, sondern auch zwei Teilzeitangestellte, zwei Werkstudentinnen und eine geringfügig Beschäftigte zur Unterstützung ins Team geholt.
Der Tod ist nicht planbar – der Arbeitstag auch nicht
Einen typischen Arbeitstag gibt es bei „plan b.“ nicht. “Der Tod ist schließlich auch nicht planbar“, sagt Anni. Zwar gibt es wiederkehrende Aufgaben wie die Abholung eines Verstorbenen oder die Organisation von Trauerfeiern, doch der konkrete Tagesverlauf bleibt oft unvorhersehbar. Gerade diese Kombination aus Flexibilität und Spontaneität macht für die Bestatterin den Reiz ihres Berufes und ihrer Selbstständigkeit aus.
Um mit den hohen Anforderungen an die eigene psychische Gesundheit umzugehen, die dieser Beruf mit sich bringt, setzt das Team rund um Anni und Magdalena bewusst auf eine umfassende Psychohygiene. Dazu gehören der regelmäßige Austausch von gemeinsamen Erfahrungen und bei Bedarf auch eine externe Supervision.
Wie für viele Selbstständige gehören jedoch auch für Anni und ihre Kolleginnen oftmals lange Arbeitstage und eine hohe Arbeitsdichte zum Alltag. „Im ersten Jahr war Urlaub für maximal eine Woche am Stück möglich, aber jetzt steigern wir uns“, erklärt sie. Trotz dieser Herausforderungen würde sie sich jedoch immer wieder für den Weg in die Selbstständigkeit entscheiden. Denn dort findet sie nach eigenen Angaben genau das, was sie beruflich gesucht hat: Eine Beschäftigung, die sie nicht nur erfüllt – sondern eine, die sie selbst gestalten kann.
Kennst du eine/n Selbstständige/n, die/der einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leistet?
Wir danken Anni Klostermeier für das gemeinsame Gespräch, vor allem aber auch für den Beitrag, den sie zusammen mit Magdalena Schwarzwald und ihren Kolleg/innen für das soziale Leben in Regensburg leistet – und das auch über den Tod hinaus.
Gibt es in deiner Nachbarschaft oder deinem Bekanntenkreis ähnliche “Everyday Entrepreneurs“, die sich selbstständig gemacht haben und auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft und Gesellschaft leisten? Dann empfiehl uns die Person gerne weiter, wir freuen uns darauf!
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